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Mein Blick auf ihm

Author: Katy
last update publish date: 2026-07-09 03:23:32

Markus war also wirklich gekommen.

Wie um alles in der Welt hatte Sara das geschafft?

Bevor ich dem Fremden endlich den Cocktail abnehmen konnte, schob Sara ihn kurzerhand ein Stück in meine Richtung. Nicht besonders vorsichtig – Hauptsache, der Stuhl neben ihr war frei.

„Süßer, hier. Ich hab dir deinen Platz schon freigehalten.“

Mein Cocktail schwappte über.

Ein paar Tropfen landeten auf dem Tisch.

Und natürlich auch auf meinem Oberteil.

Natürlich.

Der Fremde reagierte sofort.

„Oh Gott, sorry. Das war wirklich nicht extra.“ Er beugte sich zu mir herunter. „Ich hole dir etwas zum Saubermachen.“

Ich sah auf und traf seinen Blick.

Braune Augen.

Aber nicht einfach nur braun.

Irgendetwas Goldenes schimmerte darin, wenn das Licht der Bar richtig darauf fiel.

Viel Zeit, darüber nachzudenken, hatte ich allerdings nicht.

Denn langsam drang durch, was Sara gerade gesagt hatte.

Süßer?

Ich drehte den Kopf zu ihr.

Das konnte nicht ihr Ernst sein.

„Sara, das meinst du nicht—“

Weiter kam ich nicht.

Markus war inzwischen bei uns angekommen und setzte sich neben sie.

Er warf mir nur einen kurzen Blick zu und murmelte ein knappes „Hi“, bevor seine Aufmerksamkeit sofort wieder zu Sara wanderte.

Okay.

Sie hatte es also tatsächlich geschafft.

Nicht nur, dass er hierhergekommen war – anscheinend war er genauso von sich überzeugt wie sie.

Hatten sich hier gerade wirklich zwei Menschen gefunden, die perfekt zusammenpassten?

Oder übersah ich gerade etwas?

Mal wieder wurde mir bewusst, dass ich vielleicht öfter einfach im Moment leben sollte.

Denn gerade eben hatte ich noch beobachtet, wie Sara mit ihren Haaren spielte und sich ganz offensichtlich in Szene setzte, um Markus zu gefallen.

Ich hatte mich fast gefragt, ob sie das selbst bemerkte.

Dann wurde mein Blick plötzlich von etwas Weißem verdeckt.

Servietten.

„Ähm … danke.“

Ich nahm sie entgegen und begann, mein Oberteil und gleichzeitig den Tisch trocken zu tupfen.

Mein Blick blieb dabei allerdings nicht wirklich an dem Fleck hängen.

Sondern an den beiden Menschen direkt vor mir.

„Bro, was tust du hier? Ich dachte, du bist schon längst weg.“

Markus sah plötzlich zu uns.

Besser gesagt: zu ihm.

Auch wenn niemand mit mir sprach, fühlte ich mich nicht wirklich fehl am Platz.

Es war eher dieses Gefühl von: Ich habe keine Ahnung, was hier gerade passiert.

Erst hatte Sara es tatsächlich geschafft, dass Markus zu uns an den Tisch kam.

Und jetzt saß hier auch noch dieser Fremde, der mir einfach so einen Cocktail gebracht hatte.

Dieser Abend war definitiv nicht das, was ich erwartet hatte.

Aber wenn Sara dabei war, war ein Abend eigentlich nie so, wie man ihn erwartete.

„Nein, ich bin noch hier. Wie du siehst.“

Mehr antwortete er nicht.

Okay.

Also war er entweder jemand, der nicht besonders viele Worte machte …

Oder seine Antwort war vollkommen normal und ich interpretierte mal wieder viel zu viel hinein.

Wahrscheinlich Letzteres.

Keine Ahnung.

Bevor ich noch länger über Dinge nachdenken konnte, die mich eigentlich gar nichts angingen, nahm ich einfach meinen Cocktail und trank einen Schluck.

Er schmeckte fruchtig.

Und genau das brauchte ich gerade.

Eine kleine Ablenkung.

Sara würde mich sowieso nicht mehr brauchen.

Nicht, solange Markus neben ihr saß.

Also konnte ich genauso gut einfach meinen Abend genießen.

Die Zeit verging schneller, als ich erwartet hatte.

Ich konnte allerdings nicht behaupten, dass es an den besonders guten Gesprächen lag.

Denn die gab es nicht.

Der Fremde – der anscheinend ein Freund von Markus war – hatte sich mittlerweile zu mir gesetzt. Wirklich geredet hatten wir trotzdem kaum.

Seit ich wusste, dass er mit Markus befreundet war, hatte ich irgendwie das Gefühl, dass er eigentlich gar nicht freiwillig hier saß.

Wahrscheinlich hatte Markus ihn einfach mitgeschleppt.

Aber warum hatte Markus dann so überrascht reagiert, als er ihn noch hier gesehen hatte?

Während ich versuchte, mir dafür irgendeine logische Erklärung zusammenzubauen, lief im Hintergrund weiterhin Saras persönliche Markus-Dokumentation.

Ich war mir ziemlich sicher, dass sie seine neue Frisur inzwischen mindestens achtmal erwähnt hatte.

„Ich finde es immer noch so süß, dass du deine Haare genau so trägst. Das passt einfach viel besser zu dir.“

Und natürlich kam wieder die Sache mit der Tatsache, dass er es angeblich für sie gemacht hatte.

Damit war meine Frage von vorhin wohl beantwortet.

Sara war wirklich an einem Punkt angekommen, an dem sie in allem ein Zeichen sah.

Am besten fand ich allerdings Markus’ Antwort darauf.

„Nee, hatte nur keinen Bock, sie heute zu stylen.“

Für mich wäre das ein ziemlich eindeutiger Korb gewesen.

Aber Sara?

Sara schaffte es natürlich, selbst daraus noch etwas Positives zu machen.

Ich glaube langsam sogar, Markus war selbst davon überzeugt, dass er diese Frisur ihretwegen trug.

Vielleicht lag es aber auch einfach am Alkohol.

Ich wusste ehrlich gesagt gar nicht mehr, wie viele Cocktails ich inzwischen getrunken hatte.

Mein Glas war jedenfalls irgendwie nie leer.

Das von dem Fremden neben mir allerdings auch nicht.

Ich versuchte immer noch zu verstehen, was hier eigentlich gerade passierte.

Aber eine wirklich logische Erklärung fand ich einfach nicht.

Natürlich wurde ich genau in diesem Moment wieder aus meinen Gedanken gerissen.

Da war sie wieder.

Diese unfassbar tiefe Stimme.

Er beugte sich leicht zu mir und sprach so leise, dass es fast wie ein Flüstern klang.

„Du scheinst nicht gerade begeistert von ihm zu sein.“

Ich sah ihn fragend an.

„Was meinst du?“

Ich verstand wirklich nicht, worauf er hinauswollte.

Er nickte in Richtung Markus und sah anschließend wieder zu mir.

Markus und Sara bekamen von unserem Gespräch nichts mit.

Ich war mir ziemlich sicher, selbst wenn wir beide plötzlich verschwunden wären, hätten sie es erst irgendwann später bemerkt.

„Du meinst Markus?“

Ich zuckte mit den Schultern.

„Was soll ich schon gegen ihn haben? Ich kenne ihn doch nicht mal.“

Kurz sah ich zu den beiden hinüber.

„Außerdem scheinen die zwei doch ziemlich viel Spaß zu haben. Sie passen anscheinend ganz gut zusammen.“

Ich nahm einen Schluck von meinem Cocktail.

„Und ganz ehrlich? Immerhin muss ich mir jetzt nicht mehr die ganze Zeit anhören, wie toll er doch ist.“

Für einen Moment sagte er nichts.

Dann fing er an zu lachen.

Nicht dieses höfliche Lachen, das man manchmal aus Verlegenheit machte.

Ein echtes Lachen.

Tief und ehrlich.

Ich starrte ihn irritiert an.

Was genau war daran jetzt bitte lustig?

„Okay“, sagte ich schließlich. „Was habe ich verpasst?“

„Nichts.“ Er grinste leicht. „Ich fand es einfach nur lustig, wie du sagst, dass du nichts gegen ihn hast, während du gleichzeitig hier sitzt und ihn die ganze Zeit beobachtest.“

Ich sah ihn verwirrt an.

„Erstens beobachte ich nicht nur ihn. Ich beobachte beide.“

Ich deutete mit meinem Glas in Richtung Sara und Markus.

„Und zweitens: Was soll ich denn sonst bitte machen?“

Ich setzte den Cocktail wieder an meine Lippen.

Leider genau in dem Moment, in dem er antwortete.

„Wie wäre es, wenn du mich so anstarrst?“

Ich verschluckte mich sofort.

Natürlich.

Natürlich musste mein Körper genau jetzt beschließen, mich komplett im Stich zu lassen.

Ich stellte das Glas hastig ab und hustete leise.

Er lachte wieder.

Nicht auslachen.

Eher, als hätte er genau diese Reaktion erwartet.

„Alles okay?“

Ich sah ihn mit zusammengezogenen Augenbrauen an.

„Du findest es also lustig, wenn Menschen an deinem Cocktail ersticken?“

„Nein.“ Sein Grinsen wurde breiter. „Nur wenn sie so überrascht sind.“

„Vielleicht solltest du einfach keine solchen Dinge sagen.“

„Vielleicht solltest du nicht so leicht zu überraschen sein.“

Ich öffnete den Mund, um etwas darauf zu erwidern.

Doch mir fiel nichts ein.

Was mich ehrlich gesagt fast noch mehr störte.

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