Share

Seine Größte Reue War Ich
Seine Größte Reue War Ich
Author: Kester

Kapitel 1.

Author: Kester
last update publish date: 2026-08-05 13:01:41

Eine dunkelblaue Dokumentenmappe wurde auf den Glastisch vor Elena geworfen.

„Unterschreib.“ Charlies Stimme war kühl und emotionslos. „Sarah ist zurück. Sie ist vollständig genesen, und ich werde nicht länger zulassen, dass sie sich nur aus Angst vor dir verstecken muss.“

Elena starrte auf das fett gedruckte Wort „Scheidung“ am oberen Rand des Dokuments. Im selben Augenblick zog sich ihre Brust schmerzhaft zusammen. Fünf Jahre lang hatte sie diese Ehe wie eine Hölle ertragen. Sie hatte jede Demütigung geschluckt, sich als Monster beschimpfen lassen, das seiner eigenen Schwester Schaden zugefügt hatte, und war gezwungen gewesen, Charlie zu dienen, obwohl er sie stets mit unverhohlener Verachtung ansah.

All das hatte Elena nur wegen einer törichten Hoffnung ausgehalten: Eines Tages würde Charlie sie als Elena sehen und nicht länger als den Schatten von Sarah. Doch heute starb diese Hoffnung endgültig. Zertrampelt von demselben Mann, für den sie vor vielen Jahren ihr Leben riskiert hatte, als sie ihn aus einem zugefrorenen See rettete.

Langsam hob Elena den Kopf. Sie weigerte sich, vor diesem Mann noch einmal Tränen zu vergießen.

„Du hast mich nicht ein einziges Mal gefragt, Charlie“, sagte sie mit kalter, bebender Stimme. „Hast du mich jemals gefragt, ob ich wirklich die Bremsen manipuliert habe? Bin ich in deinen Augen wirklich so grausam?“

Charlie schnaubte verächtlich. Er lehnte sich selbstgefällig in seinem Stuhl zurück und verschränkte die Arme vor der Brust.

„Welche Beweise soll ich denn noch brauchen, Elena?“ Seine Augen waren erfüllt von unverfälschtem Hass. „Sarah wurde wegen deiner krankhaften Besessenheit von mir gelähmt“, warf er ihr vor. „Du warst eifersüchtig, weil ich sie liebe und nicht dich.“

Mit ausgestrecktem Zeigefinger deutete er direkt auf ihr Gesicht.

„Jetzt ist sie zurückgekehrt, um sich ihr Glück zurückzuholen. Ich werde niemals zulassen, dass du sie noch einmal berührst oder ihr wehtust. Dass du überhaupt in diesem Haus gelebt hast, war von Anfang an ein Fehler.“

Ein Fehler …

Elena hätte am liebsten laut aufgelacht. Wenn Sarah im Ausland gelitten hatte, wie sollte man dann Elenas Leben nennen? Wer hatte Nacht für Nacht allein in einem stillen Zimmer gesessen und sich die Seele aus dem Leib geweint, bis ihr vor Schmerz übel wurde, nur weil Charlie sie immer wieder zurückgewiesen hatte?

Charlie hatte sie damals im Rausch geheiratet und geschworen, sie ihr Leben lang leiden zu lassen – als Vergeltung für Sarahs Lähmung. Und Elena hatte all diese Qualen ertragen, weil sie gehofft hatte, dass eines Tages die Wahrheit ans Licht kommen würde. Wie naiv sie doch gewesen war.

„Ja, du hast recht“, flüsterte Elena mit einem bitteren Lächeln. „Die fünf Jahre meines Lebens damit zu verschwenden, dich zu lieben, war der größte Fehler, den ich je begangen habe.“

Charlie runzelte leicht die Stirn. Für einen flüchtigen Moment huschte etwas Ungewohntes über sein Gesicht, als er ihren ergebenen Ton hörte. Doch sein Stolz erstickte dieses Gefühl im selben Augenblick.

„Gut, dass du es endlich eingesehen hast. Nimm das Geld als Entschädigung und verschwinde so weit wie möglich aus unserem Leben.“

Elena blickte auf die gewaltige Geldsumme im Vertrag. Für Charlie war diese Zahl der Preis, um sich ihren letzten Rest Würde abzukaufen. Mit zitternder, aber entschlossener Hand griff sie nach dem Stift. Die Liebe, die jahrelang in ihrem Herzen gebrannt hatte, war längst zu kalter Asche erstarrt.

Mit einem tiefen Atemzug setzte Elena ihre Unterschrift unter das Dokument.

Vorbei.

Dieses verfluchte Band war endlich zerrissen.

Sie ließ den Stift los, der klappernd über die Glasplatte rollte. Dann richtete sie sich auf. In ihrem Blick lag kein Schmerz mehr, sondern absolute Leere. Als wäre der Mann vor ihr nichts weiter als ein Fremder.

Doch genau dieser Blick ließ Charlies Herz aus unerklärlichen Gründen plötzlich heftig schlagen. Für einen kurzen Moment überkam ihn ein Gefühl des Verlustes. Doch sein Ego verdrängte es augenblicklich.

„Ich gehe“, sagte Elena ruhig. „Und ich schwöre dir bei dem Rest meines Lebens, Charlie: Eines Tages wirst du auf den Knien liegen und Gott anflehen, die Zeit bis zu diesem Tag zurückzudrehen. Zu dem Tag, an dem du den einzigen Menschen fortgeschickt hast, der bereit war, sein Leben für dich zu geben.“

Ohne seine Antwort abzuwarten, drehte sie sich um und verließ den Raum mit festen Schritten.

Als sie unter dem feinen Nieselregen durch das Tor trat, legte Elena eine Hand auf ihren noch flachen Bauch. Unter ihrem Kleid verbarg sich ein kleines Geheimnis, von dessen Existenz sie erst an diesem Morgen erfahren hatte – zwei rote Linien auf einem Schwangerschaftstest.

Ein kaltes Lächeln breitete sich auf ihrem vom Regen benetzten Gesicht aus.

„Charlie, du wirst niemals von diesem Kind erfahren.“

Von diesem Tag an war die schwache Elena tot.

Und wenn sie eines Tages zurückkehrte, würde sie nie wieder im Schatten eines anderen stehen.

Continue to read this book for free
Scan code to download App

Latest chapter

  • Seine Größte Reue War Ich   Kapitel 96.

    Die beiden Augenpaare waren in einem Strudel der Stille ineinander verschlungen, der zunehmend beklemmender wurde. Der Abstand zwischen ihnen war vollständig verschwunden. Charlies Atemhauch drang sogar durch den dünnen Stoff von Elenas Patientenkleid und löste ein schwaches, fremdartiges Kribbeln entlang ihrer Nerven aus. Gleichzeitig donnerte Charlies Herzschlag heftig in seiner Brust und raste in einem wilden Rhythmus, den er nicht länger verbergen konnte. Charlie war der Erste, der aus dem Bann erwachte, der ihm beinahe die Kontrolle über seinen eigenen Verstand geraubt hätte. Mit dem letzten Rest Selbstbeherrschung, der ihm geblieben war, lockerte er langsam seine Umarmung und stützte anschließend Elenas beide Arme, damit sie nicht das Gleichgewicht verlor. „Madam Elena … geht es Ihnen gut?“, fragte Charlie. Seine Stimme klang rau und schwer. Elena zuckte zusammen. Die plötzlich aufsteigende Hitze, die ihre beiden Wangen verbrannte, ließ sie hastig ihre Haltung korrigieren. Sie

  • Seine Größte Reue War Ich   Kapitel 95.

    Charlie seufzte leise und versuchte, das Gefühlschaos zu beruhigen, das in seiner Brust brannte. Er zog den Stuhl neben der Trage heran und setzte sich, nachdem er tief durchgeatmet hatte. Sein Blick ruhte auf Elenas blassem Gesicht und verriet zugleich tiefes Mitgefühl und eine überwältigende Sehnsucht.„William Vanguard ist Ihr Geschäftspartner, Madam“, erklärte Charlie ruhig und achtete darauf, seine Stimme weiterhin professionell klingen zu lassen. „Er ist der CEO der Vanguard Group.“Elena nickte langsam. Doch die leichte Falte auf ihrer Stirn verriet ihre Unzufriedenheit mit der Antwort, die sie als zu allgemein empfand.„Und dann ... welche persönliche Beziehung besteht zwischen uns?“ hakte Elena erneut nach und sah Charlie direkt an. „Ich meine ... unsere Beziehung, die etwas genauer ins Detail geht, Charlie.“„Keine“, antwortete Charlie ohne zu zögern.Er musste eine Lüge erfinden, um die Ruhe der Frau vor ihm zu schützen.„Ihre Verbindung zu ihm beschränkt sich ausschließlic

  • Seine Größte Reue War Ich   Kapitel 94.

    Die Tür zu Williams VIP-Krankenzimmer war fest verschlossen und schirmte das geheime Gespräch zwischen den beiden Nachkommen des Vanguard-Clans von der Außenwelt ab.Stevani schlug elegant die Beine übereinander und saß auf dem Ledersofa. Ihr scharfer Blick war auf William gerichtet, der noch immer steif in seinem Rollstuhl saß.„Du wirst überrascht sein, wenn du diese Nachricht hörst, William“, sagte Stevani. Ihre Stimme klang ruhig, doch darin lag eine Überraschung, die sie absichtlich verbarg.„Was für eine Nachricht?“, drängte William ungeduldig. Seine Stirn legte sich tief in Falten, ein Zeichen dafür, dass seine Neugier allmählich von Unruhe durchsetzt wurde.„Charlie Vane … der Mann, der dir in letzter Zeit nicht aus dem Kopf geht, ist Elenas Ex-Mann. Die Frau, um deren Liebe du verzweifelt kämpfst.“Augenblicklich legte sich Stille über den luxuriösen Raum.Williams Augen weiteten sich. Er brauchte einige Sekunden, um die Tatsache zu verarbeiten, die seine jüngere Cousine ihm

  • Seine Größte Reue War Ich   Kapitel 93.

    Der zarte, unverwechselbare Duft eines Babys, der an Leos Körper haftete, lag schwach in der Luft. Obwohl die Hälfte der Erinnerungen in ihrem Gehirn infolge der schweren Kopfverletzung vollständig ausgelöscht worden war, ließ sich der reine Instinkt einer Mutter niemals täuschen.Elena schenkte ihm ein zutiefst aufrichtiges, gerührtes Lächeln. Immer wieder küsste sie Leo auf den Scheitel, bevor sie den kleinen Körper noch fester an sich drückte und ihn warm in ihren Armen hielt.„Ich habe das Gefühl, als wäre ich gerade erst wiedergeboren worden“, flüsterte Elena leise. Ihr Blick wanderte zur Decke des VIP-Zimmers, während ihre klaren Augen vor tiefen Gefühlen glänzten. „Ich weiß nicht, wie dunkel oder wie schön mein früheres Leben war. Aber eines steht fest … Ich bin unendlich dankbar, ein Kind wie dich zu haben, Leo.“Leo, der auf ihrem Schoß saß, hob den Kopf. Seine klaren Augen blickten seine Mutter mit unbeschwerter, kindlicher Unschuld an.„Ich erinnere mich!“, rief der kleine

  • Seine Größte Reue War Ich   Kapitel 92.

    Charlie zog den Stuhl gegenüber von Stevani hervor und setzte sich mit aufrechter Haltung hinter den kleinen runden Tisch aus Mahagoniholz. Der Mann rührte nicht einmal die Tasse mit dem Getränk an, die vor ihm stand. Ohne auch nur die geringste Höflichkeitsfloskel zu verlieren, richtete er seinen scharfen Blick direkt auf Stevani.„Sag mir, was du willst“, fuhr Charlie sie an. Seine Stimme klang kalt und war von einer Bedrohung erfüllt, die er mit aller Kraft zurückhielt.Stevani lächelte leicht. Mit einer eleganten Bewegung nahm sie einen Schluck von ihrem Kaffee, als wäre diese bewusst darauf ausgelegt, die Geduld des Mannes ihr gegenüber auf die Probe zu stellen. Ihr schönes Gesicht strahlte Zufriedenheit aus, als wäre sie nun diejenige, die dieses Spiel vollständig kontrollierte.„Beruhigen Sie sich erst einmal, Mr. Vane. Sie müssen sich nicht so beeilen“, erwiderte Stevani mit einem unterschwellig spöttischen Ton.„Ich habe noch viele andere Angelegenheiten zu erledigen, die wei

  • Seine Größte Reue War Ich   Kapitel 91.

    Die schweren Schritte von Charlie und Aria hallten durch den kalten Krankenhausflur. Die Gesichter der beiden Männer waren schwer zu deuten, beide überschattet von düsteren Gedanken, nachdem sie die medizinische Erklärung des Facharztes gehört hatten.Wenn Elenas Erinnerungen noch immer nicht vollständig zurückgekehrt waren, bedeutete das, dass ein neues, weitaus komplizierteres Drama ihr Leben bedrohte. Aria wollte auf keinen Fall, dass ihr Boss erneut in den Strudel jener Konflikte hineingezogen wurde, die ihr Leben bereits so sehr zerstört hatten.Sie gingen langsam weiter, mit leeren, ins Nichts gerichteten Blicken. Schließlich drehte Aria den Kopf und durchbrach damit die Stille, die zunehmend erdrückender wurde.„Mr. Vane.“Charlie blieb stehen. Sein kräftiger Körper drehte sich zu seiner Assistentin um.„Was ist, Assistant Aria?“„Ich bin sehr besorgt“, gestand Aria mit leicht zitternder Stimme. „Wenn Madams Elena Zustand langfristig so bleibt, was wird dann aus der Aethel Corp

More Chapters
Explore and read good novels for free
Free access to a vast number of good novels on GoodNovel app. Download the books you like and read anywhere & anytime.
Read books for free on the app
SCAN CODE TO READ ON APP
DMCA.com Protection Status