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Seine Plus-Size-Vertragsfrau für sich beanspruchen
Seine Plus-Size-Vertragsfrau für sich beanspruchen
Author: Jude Vincent

KAPITEL 1

Author: Jude Vincent
last update publish date: 2026-09-15 23:26:10

Alessia stand vor dem Ganzkörperspiegel, zog an den Rändern ihres roten Kleides und schluckte schwer. Der Stoff spannte sich eng über ihren Bauch und ihre Oberschenkel. Sie betrachtete ihr Spiegelbild und hasste die kräftigen Arme, die ihren Körper umrahmten, und die weichen Rundungen unterhalb ihrer Taille. Sie war dick. Es gab kein anderes Wort dafür, keine sanfte Umschreibung, die es beschönigen konnte.

Sie sah aus wie ein völlig anderer Mensch als das Mädchen, das Evander vor drei Jahren geheiratet hatte. Damals war ihre Haut glatt gewesen, ihre Taille schmal und ihr Lachen unbeschwert. Doch nach der Fehlgeburt war alles auseinandergefallen. Der Schmerz, der Stress und die schlaflosen Nächte hatten ihren Körper in einen schweren Käfig verwandelt. Sie hatte so viel Gewicht zugenommen, dass sie sich manchmal selbst im Spiegel nicht wiedererkannte.

Heute Abend war ihr Hochzeitstag. Sie wollte so sehr glauben, dass sich die Dinge ändern könnten. Sie wollte sich daran erinnern, wie es sich anfühlte, geliebt, gehalten und begehrt zu werden.

Alessia gab ihre Ersparnisse, die sie durch ihre langen Schichten im Restaurant verdient hatte, aus, um ein luxuriöses, gehobenes Hotelzimmer in der Innenstadt zu buchen. Sie kaufte Kerzen, stellte süße Blumen neben dem Bett auf und bat das Personal, ein schönes Abendessen vorzubereiten. Sie strich die Falten aus den weißen Bettlaken, während ihr Herz schnell schlug wie das eines jungen Mädchens bei einem ersten Date.

Heute Abend wird es anders sein, sagte sie sich und biss sich auf die Unterlippe, um die Tränen zurückzuhalten, die ihr immer drohten zu kommen, wenn sie an ihre Ehe dachte. Er wird sehen, wie sehr ich mich bemühe. Er wird sich an uns erinnern.

Um 20:00 Uhr war alles bereit. Das Essen war warm, und die Kerzen brannten sanft und erfüllten den Raum mit einem süßen Duft. Alessia saß auf der Kante des großen Bettes und überprüfte alle zwei Minuten ihr Handy.

Um 21:00 Uhr war das Essen bereits kalt. Der Raum fühlte sich größer, kälter und leer an.

Alessia nahm ihr Handy und wählte Evanders Nummer. Es klingelte einmal, zweimal und wurde dann direkt auf besetzt gestellt. Er hatte ihren Anruf abgelehnt.

„Vielleicht ist er in einer Besprechung“, murmelte sie in den leeren Raum. Ihre Stimme klang klein und verzweifelt. „Ja, er arbeitet hart. Er ist einfach beschäftigt.“

Sie wartete weitere dreißig Minuten, bevor sie erneut anrief. Wieder klingelte das Telefon kurz, bevor der Anruf abgebrochen wurde. Besetzt.

Sie rief ein drittes Mal an. Besetzt.

Um 22:00 Uhr waren die Kerzen zu winzigen Wachsklumpen heruntergebrannt. Die Stille im Hotelzimmer war so erdrückend, dass sie sich wie eine Hand anfühlte, die auf ihre Brust drückte. Alessia blickte auf die unberührten Teller mit Essen. Ihre Hände begannen zu zittern. Es ging nicht nur um heute Abend. Es ging um die letzten vier Monate. Vier lange, schmerzhafte Monate, in denen ihr Ehemann sie nicht berührt, ihre Hand nicht gehalten und ihren Körper mit kaltem Ekel betrachtet hatte.

Wann immer sie versuchte, ihm nahe zu stehen, wich er zurück, als wäre ihre Haut heißes Fett. Wann immer sie versuchte, mit ihm über die Erkrankung ihres Vaters und die für die Operation benötigten einhunderttausend Dollar zu sprechen, seufzte er, beklagte sich über Stress und fand Ausreden, um das Haus zu verlassen.

Er hat versprochen, die Operation meines Vaters zu bezahlen, dachte sie und wischte sich eine einzelne Träne von der Wange. Er hat versprochen, sich darum zu kümmern. Vielleicht hat er es heute Abend vergessen, weil er arbeitet, um das Geld aufzutreiben.

Sie konnte nicht länger einfach in diesem stillen Raum sitzen. Ihr Herz schlug viel zu schnell, erfüllt von Angst und Wut. Sie schnappte sich ihre gefälschte Designerhandtasche, zog ihre High Heels aus, weil ihre geschwollenen Füße so sehr schmerzten, und zog ihre einfachen flachen Schuhe an. Sie checkte aus dem Hotelzimmer aus, während die Rezeptionistin sie mit stillem Mitleid ansah, was Alessias Gesicht vor Scham brennen ließ.

Sie nahm ein Taxi zurück zu ihrem Haus. Die Fahrt war still, während die Lichter der Stadt draußen an ihrem Fenster wie verschwommene gelbe Linien vorbeizogen. Sie konnte nur an ihren Vater denken, der in diesem kalten Krankenhausbett lag, während Maschinen neben seinem Kopf piepten und er auf eine Operation wartete, die sie sich nicht leisten konnten. Und ihr Ehemann, der Mann, der am Altar ihre Hand gehalten hatte, verwandelte sich in einen Fremden.

Als das Taxi sie vor ihrem zweistöckigen Haus absetzte, waren die Lichter im Erdgeschoss vollständig ausgeschaltet. Evanders Auto stand in der Einfahrt.

„Er ist zu Hause“, flüsterte Alessia sich selbst zu und verspürte eine seltsame Mischung aus Erleichterung und Verwirrung. „Warum hat er meine Anrufe nicht angenommen, wenn er zu Hause war?“

Sie ging die vorderen Stufen hinauf, ihre schweren Schritte verursachten leise dumpfe Geräusche auf dem Beton. Sie schloss die Haustür so leise wie möglich auf und drückte sie auf. Das Wohnzimmer war dunkel und still. In der Luft lag schwach der Geruch von billigem, süßem Parfüm – ein Duft, der nicht zu ihr gehörte.

Alessia erstarrte im Türrahmen. Ihre Haut wurde kalt.

Langsam ging sie in den Flur, ihr Herz hämmerte heftig gegen ihre Rippen wie ein gefangener Vogel. Als sie den Fuß der Treppe erreichte, drang ein Geräusch aus dem oberen Stockwerk zu ihr hinunter.

Es war ein scharfes Geräusch. Ein Stöhnen.

Alessia blieb stehen, ihr Atem stockte in ihrer Kehle. Sie umklammerte das hölzerne Geländer so fest, dass ihre Knöchel weiß wurden.

„Härter, Evander ... schlag mich härter ... fick mich, fick mich ...“, keuchte eine Frauenstimme aus dem Schlafzimmer.

Alessia fühlte sich, als hätte ihr jemand direkt in den Magen geschlagen. Die gesamte Luft entwich ihren Lungen mit einem schmerzhaften Keuchen. Sie konnte sich nicht bewegen. Ihre Beine fühlten sich wie schwere Holzblöcke an, die am Boden festklebten.

Dann hörte sie die Stimme ihres Mannes. Sie war schwer und vor Leidenschaft rau – eine Stimme, die sie seit über einem Jahr nicht mehr gehört hatte.

„Du fühlst dich verdammt gut an“, stöhnte Evander laut, gefolgt von dem lauten, feuchten Klatschen von Haut auf Haut. „So eng. Nicht wie diese hässliche, übergewichtige, nutzlose Frau von mir. Gott, sie ekelt mich an. Ich kann es nicht einmal ertragen, ihren fetten Körper anzusehen.“

Die Frau lachte, ein hohes, sanftes Geräusch, das Alessias Brust wie ein rostiges Messer durchbohrte. „Wann wirst du sie wegschicken, Baby? Ich will in dieses Haus einziehen. Ich habe es satt, mich zu verstecken und zu warten.“

„Keine Sorge, Baby, sehr bald“, antwortete Evander mit sanfter, süßer Stimme, genau so, wie er früher mit Alessia gesprochen hatte, als sie zum ersten Mal verliebt gewesen waren. „Nur noch ein paar Tage, dann werfe ich sie hinaus. Sie hat sowieso keinen Ort, an den sie gehen kann.“

Tränen strömten aus Alessias Augen und brannten auf ihren Wangen, während sie hinabfielen. Jedes Wort fühlte sich wie eine Peitsche an, die auf ihre offene Haut schlug. Sie dachte an ihre aufgebrauchten Ersparnisse, das kalte Hotelzimmer, ihren kranken Vater, der im Krankenhaus im Sterben lag, und an ihren eigenen Körper, den sie so sehr hasste.

Wut, heiß und scharf, explodierte in ihrer Brust und spülte die Angst fort. Es war ihr egal, dass sie kräftig war. Es war ihr egal, dass sie in seinen Augen hässlich war.

Sie stürmte die Treppe hinauf, nahm zwei Stufen auf einmal, während ihre schweren Füße die Holzdielen erschütterten. Sie erreichte die Tür des Hauptschlafzimmers, die halb offen stand.

Ohne zu warten, ohne nachzudenken, stieß Alessia die Tür mit ihrem ganzen Gewicht auf. Sie prallte mit einem lauten, donnernden Krachen gegen die Wand.

„Was zum Teufel geht hier vor?!“, schrie sie aus voller Kehle.

Die beiden Körper auf dem Bett fuhren erschrocken auseinander und zogen hektisch die weißen Laken über ihre Haut. Sie drehten sich um, atemlos und mit geröteten Gesichtern.

Alessia starrte auf das Bett, ihr Mund stand offen, während ihr Herz vollkommen stillstand.

Die nackte Frau, die neben ihrem Mann saß, war kein zufälliges Mädchen aus einem Club.

Es war Liora – ihre beste Freundin.

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