ANMELDENDie Sonne ging über der großen Stadt auf. Es war ein heller Morgen, aber in der Luxuswohnung blieben die Räume dunkel, weil die schweren Vorhänge zugezogen waren.Clara wachte in einem sehr weichen, großen Bett auf. Sie streckte die Arme aus und berührte die Seidenlaken, die sich glatt und angenehm auf ihrer Haut anfühlten. Ein breites Lächeln stahl sich auf ihr Gesicht.Gestern noch hatten sie in einem schmutzigen kleinen Zimmer mit einem alten braunen Teppich und einem tropfenden Wasserhahn gelebt. Heute wohnten sie in einem schicken Apartment, das von Julian Sterling bezahlt wurde.Clara stieg aus dem Bett, ging über den dicken weißen Teppichboden und öffnete ihren großen Kleiderschrank. Reihenweise hingen dort neue Kleider: wunderschöne Roben, glänzende Schuhe und teure Handtaschen. Julian hatte ihnen eine Firmenkreditkarte ohne Limit gegeben – sie konnten kaufen, was immer sie wollten, ohne dass das Geld ausging.Sie nahm ein rotes Seidenkleid heraus und hielt es sich vor dem Spi
Die schwere hölzerne Eingangstür der billigen Mietwohnung fiel ins Schloss.Victoria Morati und Clara standen im engen, dämmrigen Flur der Wohnung im dritten Stock und atmeten schwer. In Victorias Hand schien die dicke schwarze Papierkarte mit den silbernen Buchstaben gegen ihre Finger zu brennen.„Hast du das gesehen?“, flüsterte Clara mit weit geöffneten Augen, in denen sich eine Mischung aus Angst und wilder Aufregung widerspiegelte. „Eine schwarze Luxuslimousine! Direkt hier in dieser schmutzigen Straße! Jemand Wichtiges beobachtet uns, Victoria.“„Ich weiß“, sagte Victoria, während sich ein langsames, dunkles Lächeln auf ihren geschminkten Lippen ausbreitete. Der bittere Geschmack des billigen Lösungskaffees, den sie vor fünf Minuten getrunken hatte, war völlig verschwunden und wurde durch den süßen, berauschenden Geschmack der bevorstehenden Rache ersetzt. „Der Mann im Anzug hat gesagt, wir hätten eine Wahl. Aber wir müssen nicht einmal darüber nachdenken. Lucien hat uns rausgew
Die Morgensonne fühlte sich in der gemieteten Wohnung keineswegs warm an.Es war ein kleines Apartment im dritten Stock eines alten Backsteingebäudes nahe der lärmenden Seite der Stadt. Es gab keinen großen Balkon, keine hohen Glasfenster mit Blick auf die Skyline und keine glatten Marmorböden. Der Teppich war alt und braun, die Wände rochen leicht nach feuchter Farbe, und der kleine Kücheneinbau tropfte mit einem langsamen, nervtötenden Ticken.Victoria Morati wachte auf einem dünnen, klumpigen Schlafsofa auf.Sie öffnete die Augen und starrte an die rissige Putzdecke. Für drei Sekunden war ihr Gehirn noch halb im Schlaf und dachte, sie befände sich in der Gästesuite von Luciens großem Penthouse. Sie streckte die Hand aus, um die weichen Seidenlaken zu berühren, aber ihre Finger trafen auf raue, billige Baumwolle.Dann traf sie die Realität wie ein Eimer eiskaltes Wasser.Sie saß abrupt auf und rang nach Luft. Ihr teures rotes Designerkleid von gestern war über einen Plastikstuhl gew
Alles war grün. Alle Systeme liefen einwandfrei.Dennoch blieb tief in seiner Brust ein schweres, beklemmendes Gefühl zurück. Der Mann, der die Textnachricht geschickt hatte, war nicht weit entfernt. Er beobachtete. Er plante.Lucien tippte erneut auf seinen Bildschirm und wählte eine gesicherte Sondernummer. Es klingelte zweimal, bevor sich eine raue, tiefe Stimme am anderen Ende meldete.„Boss“, sagte die Stimme. Es war Marcus, der Leiter von Luciens persönlichem Sicherheitsteam.„Marcus“, raunte Lucien, während seine Stimme zu einem harten, leisen Flüstern abfiel. „Hast du das verschlüsselte Datenpaket bekommen, das ich vor zehn Minuten an dein Terminal geschickt habe?“„Ja, Sir“, antwortete Marcus sofort. Sein Tonfall wurde schlagartig ernst und konzentriert. „Wir haben es entschlüsselt. Es kam über einen Darknet-Proxy-Server aus Osteuropa, aber der letzte Sprungpunkt traf ein lokales Relay direkt hier in der Stadt.“„Lokal“, wiederholte Lucien. Seine Augen verengten sich zu kalte
Der Raum war vollkommen still.Alessia schlief auf dem großen Bett. Sie sah so friedlich aus. Ihre Gesichtszüge waren sanft, und ihr Atem ging ruhig und gleichmäßig. Ihr dunkles Haar lag ausgebreitet auf dem weißen Kissen.Lucien saß auf dem Sessel direkt neben ihr. Er hielt sein Telefon in der Hand und machte keinen einzigen Ton. Er blickte einfach nur auf ihr Gesicht und vergewisserte sich, dass sie sicher war und sich nach dem anstrengenden Tag gestern gut ausruhte.Plötzlich gab sein Telefon ein leises Geräusch von sich.Bip.Ein grünes Signal blinkte auf dem Bildschirm auf.Lucien blickte nach unten. Eine neue Nachricht war eingetroffen. Sie war mit geheimen Codes verschlüsselt, aber Lucien wusste genau, wie er sie lesen musste. Er berührte den Bildschirm mit dem Finger und öffnete die Datei.Seine Augen weiteten sich.Die Nachricht stammte nicht von Clara. Sie stammte auch nicht von Victoria. Sie kam von einer Macht aus dem Hintergrund – von einem Mann mit immensem Vermögen und
Lucien nahm sein verschlüsseltes Smartphone zur Hand und überprüfte den gesicherten Netzwerkverkehr. Alles war ruhig. Vance Enterprises lief unter seinen leitenden Direktoren reibungslos, und die Sicherheitssysteme rund um das Anwesen standen felsenfest. Er lehnte sich in seinem Ledersessel zurück und stieß einen langsamen, tiefen Atemzug aus. Er war bereit, wieder nach oben zu gehen, um den Tag mit Alessia beim Lesen und Ausruhen zu verbringen – fest entschlossen, sich für die nächsten achtundvierzig Stunden komplett von der Außenwelt abzukoppeln.Derweil vollzogen Evander und Liora, meilenweit entfernt auf der anderen Seite der Stadt in einer ruhigen, eleganten Hotelsuite mit Blick auf die graue Industrieskyline, ihren eigenen, leisen Strategiewechsel. Die Suite war sauber, geordnet und frei von der hektischen, chaotischen Energie, die ihr Leben noch vor wenigen Tagen beherrscht hatte, als sie sich im Büro am Dock verstecken mussten. Die Mappe mit ihren wiederhergestellten Bankgutha







