FAZER LOGIN„Das ist die letzte verfügbare Wohnung im zwanzigsten Stock?“, fragte der Mann mittleren Alters auf der anderen Seite des Tisches und klappte die Mappe mit der Projektbroschüre zu, die sie gerade gemeinsam durchgegangen waren.„Das stimmt“, erwiderte Lydia ruhig. Sie saß aufrecht am Besprechungstisch, die Hände ordentlich vor sich gefaltet. „Von der Wohnung aus haben Sie einen direkten Blick auf die Bucht. Daher liegt der Preis etwas über dem der Wohnungen auf der gegenüberliegenden Seite.“Der Mann nickte langsam und schien das Angebot noch einmal abzuwägen.„Und welche Einrichtungen können die Bewohner nutzen?“, fragte die Frau neben ihm, vermutlich seine Ehefrau.Lydia schob ihnen sofort ihr Tablet zu und öffnete den Gebäudeplan.„Pool und Fitnessraum befinden sich im fünften Stock“, erklärte sie. „Im dreißigsten Stock gibt es außerdem eine exklusive Lounge für die Bewohner. Von der Wohnung, für die Sie sich interessieren, gelangen Sie mit dem Aufzug direkt in den Parkbereich.“
Bei Elis Frage wechselten Riana und Daniel einen kurzen Blick.Riana nickte leicht.Daniel musterte Eli einige Sekunden, dann nickte auch er. „Natürlich.“Riana erhob sich sofort. „Wir können uns im kleinen Wohnzimmer unterhalten.“ Bevor sie das Esszimmer verließ, wandte sie sich mit sanfter Bestimmtheit an ihre beiden Enkel. „Grace, Josh, geht nachher auf eure Zimmer. Und bleibt nicht zu lange wach.“„Okay, Oma“, antworteten Grace und Josh gleichzeitig.„Komm mit, Eli“, sagte Riana sanft.Eli nickte zaghaft. Als sie aufstand, begann ihr Herz schneller zu schlagen. Für einen Moment sah sie noch einmal zu Josh und Grace, die weiterhin am Tisch saßen.Grace blickte sie neugierig an. „Ist das ein Geheimgespräch?“Chris schmunzelte. „Sieht ganz danach aus.“Auch Josh verfolgte die drei unverhohlen neugierig, bemühte sich allerdings, keine Fragen zu stellen. Später konnte er immer noch seine Großmutter oder seine Mutter fragen. Für den Moment hielt er sich zurück.„Na schön, dann
Riana ließ den Blick kurz über die leeren Plätze schweifen.„Daven und Althea essen heute Abend nicht mit uns“, erklärte sie. „Die beiden sind noch unterwegs.“„Cale und Lydia kommen heute ebenfalls nicht mehr nach Hause“, ergänzte Daniel.„Na toll … Das ist ja unerhört“, brummte Chris und schnalzte missmutig mit der Zunge. „Kaum haben sie mal ein bisschen freie Zeit, machen sie sich zu zweit aus dem Staub. Wirklich ärgerlich.“„Wenn du neidisch bist, such dir selbst eine Partnerin“, wies Riana ihn mit sanftem Tadel zurecht. „Gönn ihnen die Zeit zu zweit. Stört dich das etwa?“„Nein“, erwiderte Chris mit einem theatralischen Seufzer. „Dann kümmere ich mich eben liebevoll um meinen Neffen und meine Nichte.“Er zog Grace spielerisch in eine Umarmung und schlug anschließend begeistert bei Josh ein.Eli hingegen rechnete fest damit, dass Chris sie völlig ignorieren würde.Aber stattdessen …Chris streckte die Hand nach ihr aus und klopfte ihr sanft auf die Schulter. Als sich ihre
Im Esszimmer der Familie Miller herrschte reges Treiben, während die Angestellten die letzten Vorbereitungen für das Abendessen trafen.Als Eli aus dem zweiten Stock herunterkam, breitete sich ein seltsam beklemmendes Gefühl in ihrer Brust aus. Eine Frage ließ ihr einfach keine Ruhe: War sie hier überhaupt noch willkommen?Die Zweifel begleiteten jeden ihrer Schritte, trotzdem zwang Eli sich, ruhig zu bleiben. Sie konnte sich schließlich nicht ewig in ihrem Zimmer verstecken. Außerdem gehörte dieses Haus nicht ihrer Familie. Sie konnte sich hier nicht mehr so frei bewegen, wie sie es bisher geglaubt hatte.Der große Kronleuchter in der Mitte des Raumes tauchte den langen Esstisch in warmes Licht. Als Eli den Wohnbereich betrat, war bereits alles sorgfältig gedeckt. Der Duft des Abendessens lag in der Luft – cremige Maissuppe, knusprig gebratenes Hähnchen, Salat mit Sesamöl und frisches Kartoffelpüree, das die Angestellten gerade auf den Tisch stellten.Eli blieb an der Tür stehen.
Eli wischte sich hastig die Tränen aus dem Gesicht, bevor sie antwortete. „Komm rein.“Gia kam mit einer Thermoskanne herein. Ein Blick auf Elis Gesicht genügte, und sie wusste, dass das Mädchen wieder geweint hatte. Überrascht wirkte Gia allerdings nicht.„Wie geht es dir?“, fragte sie sanft. Sie stellte die Thermoskanne auf den Tisch und fügte leise hinzu: „Es ist völlig in Ordnung, wenn du weinst, Eli.“Eli senkte rasch den Kopf. „Ich habe gar nicht …“Gia lächelte leicht. „Du brauchst dich dafür nicht zu schämen. Wenn ich traurig bin, weine ich auch.“Eli erwiderte nichts. Ihr Blick blieb auf die Suppenschale vor ihr gerichtet.„Ich habe dir warmen Tee mitgebracht“, sagte Gia nach einer Weile. „Möchtest du etwas davon?“Eli zögerte kurz und nickte schließlich.Gia goss den Zitronentee aus der Thermoskanne in eine Porzellantasse und stellte sie vorsichtig vor Eli ab.„Bitte schön.“„Danke, Gia.“ Eli blickte auf die Tasse hinunter. Der Zitronentee duftete angenehm, und fein
„Ugh!“Eli kam langsam zu sich, während das sanfte Licht des späten Nachmittags durch die Vorhänge drang. Ihr Kopf fühlte sich schwer an, als wäre sie gerade aus einem langen, kräftezehrenden Traum erwacht.Ein paar Sekunden blieb sie reglos liegen und versuchte sich zu orientieren. Das Zimmer lag im Halbdunkel und war angenehm kühl. Die Decke, in die sie noch immer eingekuschelt war, spendete ihr Wärme und Geborgenheit.Dann kamen die Erinnerungen zurück.Das Gespräch mit Daniel und Riana. Die erschütternde Wahrheit aus ihrem Mund. Das Ergebnis des DNA-Tests, das sich nicht länger leugnen ließ. Die Wahrheit über Marlene und all die Geschichten, an die Eli jahrelang glaubte.Und schließlich die Erkenntnis, durch die sie sich kleiner fühlte als je zuvor – sie war nichts weiter als ein Waisenkind, das Marlene aufnahm und für ihre eigenen Zwecke großzog. Und schlimmer noch: Sie war nicht einmal mit der Frau blutsverwandt, die sie ihr ganzes Leben lang Mama nannte.Eli stockte der At
„Ich werde wieder heiraten“, sagte Daven. „Und ich sage es nur einmal. Ich werde dich nicht um Erlaubnis bitten.“Er setzte seine Kaffeetasse mit einem harten Klirren ab – und beendete damit ein Frühstück, das er nicht einmal berührt hatte.Althea stand reglos neben dem langen Esstisch aus weißem
„Ich finde, diese Krawatte passt dir am besten.“Althea suchte eine aus Davens großer Sammlung heraus. Sie wusste, dass er ihre Nähe nur ertrug, aber sie verdrängte die Scham. Was sie sich vorgenommen hatte, musste funktionieren – zumindest bis der Monat vorbei war.Danach würden sich ihre Wege en
„Sag mal … bist du völlig verrückt geworden?“Althea verstand nur zu gut, warum ihre beste Freundin so reagierte, mit einem Gesichtsausdruck, der vor blanker Fassungslosigkeit förmlich erstarrte. Sie hatte Lydia alles erzählt – und obwohl keine einzige Träne gefallen war, wusste Lydia genau, wie ti
Es wäre gelogen zu behaupten, dass es Althea nicht verletzen würde. Und es wäre scheinheilig zu behaupten, sie sei nicht traurig oder enttäuscht. Aber … was hätte sie tun können? Nichts konnte diesen Lauf der Dinge aufhalten. Nicht einmal der Mann, auf den sie einst zu vertrauen glaubte, war auf ihr






