LOGIN„Ist sie Jungfrau? Oh, heißt das etwa, weil sie Jungfrau ist, ist sie tabu für mich? Ist es das? Sag mir bitte nicht, dass du sie vor uns beschützen willst!“ Rush grinst unverhohlen. „Ich liebe es, Jungfrauen zu ficken. Ihre Muschis sind so herrlich eng, das törnt mich extrem an. Meine Liebe, solange du attraktiv bist und eine Muschi hast, fick ich dich richtig hart – völlig egal, ob du Jungfrau bist oder nicht.“ Rush und Finn fixieren sich gegenseitig, die Luft zwischen ihnen knistert vor Spannung.
„Hallo? Vielleicht habt ihr vergessen, dass ich auch noch hier stehe. Und könntet ihr bitte aufhören, ständig über meine Jungfräulichkeit zu reden? Wenn es eure Neugier stillt: Nein, ich bin keine Jungfrau“, entfährt mir ein genervter Seufzer.
Als er das hört, wirft Rush mir einen Blick zu und schlendert auf mich zu. Er bleibt so dicht vor mir stehen, dass kaum ein Blatt Papier zwischen uns passt. „Du kannst uns nichts vormachen. Wir wissen, dass du noch nie Sex hattest. Du bist ganz eindeutig noch Jungfrau.“ Seine Augen bohren sich in meine.
„Warum diese ganzen Fragen? Suchst du etwa eine Jungfrau zum Heiraten? Ich bin keine Jungfrau! Ich war drei Jahre lang in einer Beziehung – und was glaubst du wohl, was wir da gemacht haben? Händchen gehalten und gekuschelt? Mann, wir hatten verdammt viel Sex! Im Auto, in der Küche, überall, wo du es dir nur vorstellen kannst.“
„Ich weiß genau, dass du lügst“, murmelt er, und seine Stimme klingt gereizt.
Langsam steigt die Wut in mir auf. Warum fixiert er sich bloß so auf mein Sexleben?
„Ha! Ich sage die reine Wahrheit. Wenn du meinen Ex anrufen willst, bitte, tu dir keinen Zwang an!“ Ich öffne meine rosa Handtasche, hole mein iPhone heraus, scrolle zur Nummer meines Ex-Freundes und halte ihm das Display hin. Doch er starrt mich einfach nur weiter an. „Seit wann kümmert dich das überhaupt?“
„Du trägst diesen Geruch wie einen Orden vor dir her.“
„Soll das etwa heißen, ich stinke nach Jungfrau?“, platzt es aus mir heraus, und ich fange an zu lachen. Er bedenkt mich mit einem Blicke nach dem Motto Meinst du das gerade ernst? und macht einen Schritt zurück.
„Warte mal! Versuchst du hier etwa gerade irgendeinen magischen Gedankentrick bei mir? Du verschwendest deine Zeit. Bei anderen mag dieser Hokuspokus vielleicht funktionieren, aber nicht bei mir.“ Das Lachen vergeht mir schlagartig und meine Miene verfinstert sich.
„Willst du mir etwa allen Ernstes erzählen, dass du etwas ganz Besonderes bist?“, schaltet sich Zeke ein.
„Wie ich schon sagte: Sie ist nicht wie die anderen Mädels, mit denen ihr euch sonst abgebt. Sie ist eine echte Rarität.“ Finn sieht in die Runde und verkündet: „Sie ist ein Schild.“
„Ich konnte nicht einmal ansatzweise in ihren Kopf dringen. Da wusste ich, dass sie kein gewöhnlicher Mensch ist“, sagt Caspian, tritt näher an mich heran und blickt mich erneut an, als gäbe es nichts anderes auf der Welt. „Faszinierend.“ Er tritt einen Schritt zurück und lehnt sich wieder entspannt an die Wand.
„Sieht so aus, als müssten wir wohl unseren eigenen Charme spielen lassen, um ans Ziel zu kommen, was, Jungs?“, lacht Slate.
„Das ist das erste Mal, dass ich einem Schild begegne.“ Zeke schenkt mir ein kurzes, aufmunterndes Lächeln. „Nun gut, zumindest können wir sicher sein, dass sie unsere Geheimnisse nicht ausplaudert.“
Rush tritt vor und baut sich direkt vor mir auf, seine Augen so tiefdunkel, dass sie fast schwarz wirken. „Knie nieder“, befiehlt er mir. Ich starre ihn nur ungläubig an. „Auf die Knie!“, wiederholt er schärfer. Ich verschränke lediglich die Arme und sehe ihn genervt an, als wolle ich fragen, ob er bald fertig sei. „Scheiß drauf.“ Er wendet sich ab, geht auf Abigail zu und grinst sie süffisant an. „Knie nieder.“
In mir steigt die Wut hoch, weil er versucht, diesen Müll bei meiner besten Freundin abzuziehen. „Fick dich ins Knie!“, schmettert Abigail ihm entgegen, zeigt ihm den Mittelfinger und tritt an meine Seite, wo wir ihn beide wütend anfunkeln.
„Heilige Scheiße, ist sie etwa auch ein Schild?“, fragt Zeke erstaunt.
„Nein, ist sie nicht. Aber solange sie ihre Halskette trägt, ist sie im Grunde wie ich.“ Abigail ist an meiner Seite, seit ich vier Jahre alt bin – obwohl ich selbst erst mit vierzehn herausfand, was ich wirklich bin.
Abigail und ich waren damals auf dem Spielplatz unserer Kindheit und saßen auf den Schaukeln, als eine Gruppe Vampire auftauchte. Sie verteilten Befehle, genau wie Rush es eben versucht hatte, doch ich schüttelte nur den Kopf und verlangte, dass sie verschwinden sollten. Ich erkannte sofort, was sie waren, als ich ihre spitzen Zähne sah. Es waren Tagwandler – eine extrem seltene Spezies.
Es war das erste Mal, dass ich welchen begegnete, und ich hatte Todesangst. Ich dachte wirklich, das wäre unser letztes Stündlein. Ich klammerte mich an Abigails Hand, um ihr nahe zu sein, falls wir sterben sollten. Doch als sie versuchten, näher an uns heranzukommen, prallten sie ab. Es war, als würde uns eine unsichtbare Schutzblase umgeben.
Ich erzählte meinen Eltern davon, und sie schalteten Seher ein, um herauszufinden, was mit mir los war. Seit diesem Tag habe ich recherchiert und gelernt, meine Kraft zu trainieren. Ich füllte sogar etwas von meinem Blut in ein kleines Fläschchen, tränkte die Ampulle darin und verarbeitete sie zu einem unauffälligen Kettenanhänger. Niemand außer mir kann ihn abnehmen.
Es hat funktioniert: Wesen mit übernatürlichen Kräften können uns auf magische Weise nichts anhaben. Wenn man auf uns schießt oder mit einem Messer auf uns einsticht, nützt mein Blut allerdings nichts. Abigail, meine Familie und ihre Angehörigen tragen alle solche Ketten – und haben geschworen, niemandem jemals ein Wort darüber zu verraten.
„Kann man die Kette abnehmen?“, fragt Slate fasziniert.
„Nur ich kann das. Du kannst es gerne versuchen, aber es könnte deine Haut ziemlich übel verbrennen.“
„Ich passe lieber“, gluckst er leise.
Manchmal kommt mir das hier so ähnlich vor wie in der Scheinwelt, aber ich weiß, der große Unterschied ist, dass ich nicht alles allein mache. Die Jungs sind bei mir, wenn jemand in Schwierigkeiten ist, und Finn und Rose helfen bei den Recherchen.Sie sind jetzt verlobt, was ich schon kommen sah. Die Art, wie er sie ansieht und jedes Mal errötet, wenn sie ihn ansieht, hat mich schon gewarnt, wohin das führen würde, und ich bin froh, dass sie geblieben ist.Wenn ich in ihrer Nähe bin, überkommt mich ein warmes Gefühl. Diese Vertrautheit mit ihr. Als hätten wir beide schon so viel zusammen durchgemacht, obwohl ich es eigentlich gar nicht war. Na ja, nicht die Person, die jetzt hier ist.Manchmal träume ich von Adelaide. Wir unterhalten uns, und sie zeigt mir magische Dinge. Es ist wie eine Art Schutzdecke. Ich hatte das Gefühl, ein Teil von mir fehlte, als das Licht mich verließ, aber ich wusste, es war nicht weit weg. Ich war bereit, dass es zurückkommt.Wir haben so viele böse Wesen b
Ich nicke. „Nur für ein paar Minuten, aber keine Sorge, ich habe dich zurückgebracht.“ Ich hake mich bei ihr ein.„Na gut.“ Sie schüttelt den Kopf. „Dieser Ort ist wie aus einem Horrorfilm. Können wir jetzt nach Hause? Ich habe genug Aufregung für heute. Ich will unbedingt mein neues Zimmer sehen.“ Sie hält inne. „Kein Wortspiel beabsichtigt, natürlich.“„Natürlich.“ Damit bringe ich uns zurück zum Hotel, aber sobald wir von dort weg sind, verschwindet der Cassius-Schloss-ähnliche Ort.„Ich habe es auch satt, ständig fotografiert zu werden. Ich glaube, ich werde von nun an einfach zu Fuß gehen …“ Sie schaut zur Wand. „Veronica, warum kleben deine Eltern und die Jungs an der Wand?“Ich beiße mir auf die Lippe. Ach ja. Das hatte ich vergessen. Ich löse sie und sie umringen mich und stellen mir gleichzeitig tausend Fragen. Emz pfeift und bringt sie damit zum Schweigen.„Fragt denn niemand, ob es mir gut geht? Ich wurde verprügelt und wäre fast gestorben.“ Sie stemmt die Hände in die Hüft
Ambers Körper windet sich, doch es nützt nichts. Sie sieht mir in die Augen, während ich sie anstarre. „Ich werde dafür sorgen, dass du nie wieder zurückkehrst“, höhne ich. „Ich hoffe, du genießt die Ewigkeit der Leere.“ Dann verwandelt sie sich in eine Staubwolke, und der Wind verweht die letzten Überreste.„Nein!“, ruft Cassius.Ich blicke zu Emz, mein Herz rast. Ihr Körper erhebt sich vom Boden, Licht weicht von mir und erfüllt sie. Ein Strahl umgibt sie, bis sie hustet und die Augen öffnet. Sie blickt an sich herunter und dann wieder zu mir.„Veronica“, sagt sie mit heiserer Stimme. Sie bleibt, wo sie ist, in einer geschützten Blase.Ich spüre, wie eine dunkle Wolke mich umgibt, mich erschüttert und versucht, meine Haut zu durchdringen. Ich fühle Nadeln, die in mich hineinschießen. Ich schüttle meine Hände aus, die Wolke verweht, und dann steht Cassius’ Schattengestalt vor mir.„Du glaubst, du kannst mich besiegen?“, brüllt er. „Du bist nichts als ein Kind.“Ich lächle. „Ich dacht
Ich lege meine Hand auf ihr Gesicht und streiche dann über ihren Körper. Ein Leuchten geht von mir aus, bis sie vollständig geheilt ist. Sie zieht mich wieder in eine Umarmung, doch wir drehen uns um, als wir Applaus hören.Cassius steht da, Amber an seiner Seite. Sie hat ihren Arm um seine Schulter gelegt und grinst mich an. „Sieh mal, wer wieder ganz die Alte ist.“ Er macht einen Schritt vor. Ich stelle Emz hinter mich, um sie zu schützen. „Du weißt doch, wie das endet, wenn du so weitermachst wie vorher.“Er macht noch einen Schritt vor und lässt Amber stehen. Ich bemerke, dass sie nicht glücklich darüber aussieht. Ich richte mich auf und funkle ihn an.„Oh, Adelaide. Es hätte so anders ausgehen können.“„Wer ist Adelaide?“, fragt Emz hinter mir, aber ich bringe sie zum Schweigen. Cassius lacht leise. „Adelaide war die Liebe meines Lebens, mein Ein und Alles, aber sie hat den Tod gewählt, um ihre Freunde und ein paar unbedeutende Leute zu retten. Hast du gesehen, wie sich diese Wel
Ich gehe zu den Jungs und führe sie näher zu meinen Eltern. Finn will einen Schritt nach vorn machen, aber Rose hält ihn auf.Ich stelle die Menschen, die ich liebe, in einen Kreis, mit mir in der Mitte. Ich sehe jeden einzelnen an. Die Eltern, die sich jedes Kind wünscht. Sie haben immer auf mich aufgepasst, mich so akzeptiert, wie ich bin, wie ich mich verliebt habe. Die bedingungslose Liebe, die sie mir immer geschenkt haben.Dann wende ich mich den Jungs zu, den vier Männern, die mich immer beschützen wollen, die sich um meiner selbst willen in mich verliebt haben. Wir sind verbunden. Sie sind meine Seelenverwandten.Ich schließe die Augen und spreche endlich die Worte aus, die ich von Herzen meine. Die Worte, die ein Kind für seine Eltern hat. Die Worte, die mich und die Jungs verbunden haben. „Ich liebe euch“, sage ich leise. Ich sage es auch für Emz, das Mädchen, das mir beigestanden hat. Ich lasse die Liebe ohne Zögern, ohne Angst wieder in mein Herz. Ich öffne mein Herz erneu
Ich strecke die Hände aus, in der Hoffnung, sie irgendwie erreichen zu können. „Emz!“Verdammt, warum kann ich meine Magie nicht zurückhaben? Ich könnte sie damit zu mir holen. Ich trete an den Fensterrand und schaue hinunter, um zu sehen, wie hoch wir sind.Ich hatte nie Höhenangst, aber das ist viel zu hoch. Slate zieht mich ein Stück zurück. Ich schreie auf und versuche, ihn wegzustoßen. Ich muss meine Freundin retten.Meine Augen weiten sich, als ich sehe, wie sie von Rauch umgeben ist. Er verwandelt sich in Cassius, der mich eindringlich anstarrt.„Adelaide?“, fragt er leise.„Verdammt noch mal!“, sage ich unter Tränen.„Ich muss zugeben, du hast dafür gesorgt, dass ich dich nicht finden konnte. Reinkarniert in dieses …“ Er wedelt mit der Hand auf und ab. „Ich wünschte nur, ich hätte es früher herausgefunden. Natürlich ist die Lichtquelle ursprünglich sie und wird es immer sein. Du steckst in einer brandneuen Hülle.“ Er schwebt ein Stück näher zu mir. „Ich habe dich vermisst, Ade







