LOGINLacy's Perspektive
Ich ließ es einen Moment auf mich wirken. Wenn ich Nein sagte, zeigte Macy das Video. Meine Eltern kämen nach Hause und stießen auf den Beweis der Bar, des Trinkens, alles auf einmal. Was nach drei Tagen das erste Mal kam, wäre nichts im Vergleich zu dem, was danach käme. Wochen vielleicht. Monate. Mein Leben auf Pause gesetzt und mir zurückgegeben, wann immer sie entschieden, dass ich genug gelernt hatte.
Und wenn ich Ja sagte?
Es war keine schlechte Idee. Tatsächlich war es genau das, wonach ich mein ganzes Leben gesehnt hatte: ein Vorgeschmack auf normale, unbeaufsichtigte Freiheit. Eine Chance, außerhalb der vier Wände dieses Hauses zu existieren, das ich ein Gefängnis nannte.
Wie groß war die Wahrscheinlichkeit, dass ich erwischt wurde?
Wir waren schließlich identisch. Dasselbe Gesicht, dieselbe Figur. Der einzige auffällige Unterschied war das Haar. Sie hatte ihres Anfang des Jahres in ein auffälliges Himmelblau gefärbt. Mein eigenes braunes Haar fühlte sich wie ein Symbol für alles Schlichte und Eingeschränkte in meinem Leben an. Ich sah aus wie Macys ruhigeres, weniger lebhaftes Echo.
„Ich mache es", sagte ich, die Worte verließen meinen Mund, bevor ich sie überdenken konnte.
Ein langsames, triumphierendes Lächeln breitete sich auf ihrem Gesicht aus. „Gut. Wir haben einen Deal. Braves Mädchen." Die Worte waren ein herablassendes Schnurren.
„Ich werde um Mitternacht aufbrechen, meine Autoschlüssel liegen auf dem Tisch unten und meine Schultasche ist in meinem Zimmer. Weitere Details, die du wissen solltest, werden per W******p geschickt." Sie drehte sich auf dem Absatz um und ging, erinnerte sich endlich daran, die Tür leise hinter sich zu schließen.
In dem Moment, als das Geräusch ihrer Schritte verklang, zog ich meine Knie an die Brust und erlaubte mir einmal zu lächeln, nur einmal, bevor die Angst wieder einschlich. Es konnte unmöglich etwas schiefgehen.
Ich war früh auf. Ich hatte kaum geschlafen, das Adrenalin pumpte noch immer durch meine Adern vom Abend zuvor.
Nachdem ich mich frisch gemacht hatte, öffnete ich meinen Kleiderschrank auf der Suche nach etwas Bequemem zum Anziehen — fand aber nichts. Nur trübe Farben, leblose Stoffe. Nichts passte zur Aufregung, die in mir summte.
Also tat ich, was jede normale Person tun würde — ich ging in das Zimmer meiner Schwester und plünderte ihren Kleiderschrank.
Ihre Garderobe war ein Aufruhr an Farben — kühn, laut, unentschuldigt. Nach einem Moment blieb meine Hand an einem dunkelblauen Vintage-Hemd hängen, das am Rand eingeklemmt war. Ich kombinierte es mit schwarzen Hosen und meinen Nike-Schuhen.
Die rosa Tasche meiner Schwester lag auf ihrem Bett, genau wie sie gesagt hatte, aber ich ignorierte sie und griff stattdessen zu einer schwarzen. Bevor ich ging, überprüfte ich meine Tabletten. Dann überprüfte ich sie noch einmal.
Sie zu vergessen war keine Option. Ich wollte nicht, dass mich jemand an meinem ersten Tag in eine Klinik brachte.
Das wäre eine Katastrophe.
Unten lagen ihre Autoschlüssel auf dem Tisch neben einem Haftnotizzettel, auf dem stand:
*Was auch immer du tust, schad meinem Baby nicht.*
Ein schwaches Lächeln zog an meinen Lippen.
Ich hatte mit sechzehn das Autofahren gelernt — eine der wenigen Freiheiten, die meine Eltern mir erlaubten, nachdem Herr Rogers sie davon überzeugt hatte, dass ich ein Leben verdiente, das sich normal anfühlte. Ich glitt auf den Fahrersitz ihres schwarzen Porsche Cayman — ihr Geburtstagsgeschenk zum Achtzehnten von meinen Eltern — und tippte Ashwood Academy ins GPS.
Der Motor schnurrte, als ich losfuhr.
Kaum war ich aus dem Auto gestiegen, kam ein Mädchen mit einem übertrieben breiten Grinsen auf mich zugestürzt. Sie lächelte so breit, dass es aussah, als könnten ihre Zähne herausfallen.
Sie trug ein enges rotes Oberteil und einen kurzen schwarzen Rock, dazu High Heels, die in einem Schulflur nichts verloren hatten.
Sie war gekleidet, als hätte sie irgendwo weit Interessanteres zu sein. Sie sah eher so aus, als würde sie in einen Nachtclub gehen als in ein Klassenzimmer.
„Wow, Mädchen! Du siehst anders aus. Ich meine, dein Stil ist irgendwie anders, und warum hast du deine Haare wieder gefärbt? Ich dachte, du liebst Blau. Du siehst trotzdem super aus! Jedenfalls habe ich gute Neuigkeiten", kreischte sie.
Ich schaute mich um, halb damit rechnend, dass die Leute starrten, aber alle waren mit ihrem eigenen Leben beschäftigt.
„Was sind denn die guten Neuigkeiten?" fragte ich, gespieltes Interesse vortäuschend.
„Mission erfüllt. Dein Plan hat funktioniert. Drake hat schließlich nachgegeben und ist mit mir ins Bett gegangen", sagte sie errötend.
„Was?!" Meine Augen weiteten sich vor Schock.
„Bist du okay? Oder bist du genauso aufgeregt wie ich?" Sie lachte. „Ich habe ihn zu mir nach Hause eingeladen, um mit ihm zu lernen, und war überrascht, als er sagte, er würde kommen. Du hast mir gesagt, ich soll mit ihm über sein Leben und zufällige Dinge reden, um ihn in Stimmung zu bringen, während wir bei mir zu Hause waren, was ich auch tat. Er hatte ein paar Ausraster, dann schmolz er völlig in meinen Armen." Sie verdrehte die Augen. „Ehrlich gesagt weiß ich nicht einmal, ob ich ihn noch mag."
Mein Magen zog sich zusammen.
„Ich meine, ich war besessen von ihm und so, aber er ist so ein Weichei." Sie zuckte mit den Schultern. „Jetzt will ich Axel. Er sieht aus wie die verbotene Frucht, die niemand anfassen kann, ich will ihn ganz für mich. Es wird nicht einfach sein, besonders da du es versucht hast, aber ich schätze, er wird es wert sein."
Sie grinste.
Mein Kiefer wäre fast auf den Boden gefallen, aber ich zwang mich zu einem Lächeln.
*Was zum Teufel treibt Macy in dieser Schule eigentlich?*
„Ich erzähle dir später jedes Detail", sagte sie und fasste meinen Arm. „Lass uns in den Unterricht gehen, bevor wir zu spät sind."
Sie zog mich hinein.
„Ich lasse dich deine Sachen aus deinem Spind holen", fügte sie hinzu, schon wieder rückwärts gehend. „Vergiss nicht, wir gehen heute Abend auf die Party. Tschüss!"
Und dann verschwand sie im belebten Flur.
Ich fand den Spind meiner Schwester, nahm die Bücher für meine erste Stunde — Mathematik — und holte tief Luft, bevor ich das Klassenzimmer meiner Schwester betrat.
Der Lehrer war noch nicht da, also summte der Raum vor Lärm. Ich sah mich schnell um und entdeckte einen freien Platz am Ende einer Reihe. Die Augen auf meine Bücher gerichtet, ging ich hinüber und setzte mich.
Mein Bein streifte die Person neben mir.
Das Klassenzimmer wurde still. So still, dass ich meinen eigenen Atem hören konnte.
Ich blickte auf. Alle starrten mich an, als hätte ich gerade ein Verbrechen begangen. Verwirrt wandte ich mich meinem Sitznachbarn zu.
Ein Junge saß neben mir, in einem weißen Knopfhemd mit bis zu den Ellbogen hochgekrempelten Ärmeln, die kunstvolle Tätowierungen enthüllten, die seine Arme bedeckten. Sein pechschwarzes Haar war leicht zerzaust, als hätte er sich zu oft die Hände hindurchgeführt.
„Entschuldigung", flüsterte ich und lehnte mich näher. „Warum hat gerade alle aufgehört zu atmen?"
Er starrte mich intensiv an. Dann, nach ein paar Sekunden, lachte er leise auf — leise und beunruhigend.
„Seit zwei Jahren hat sich niemand mehr neben mich gesetzt", sagte er. „Du bist die Erste."
Ich lachte. „Das ist doch ein Witz, oder?"
Ohne Vorwarnung stieß er meinen Tisch und Stuhl hart gegen die Wand.
„Kannst du die Scheiße von mir fernbleiben?" murmelte er.
Dann verdrehte er die Augen und legte den Kopf auf den Tisch, als würde ich nicht existieren.
Meine Augen weiteten sich vor Schock. Hätte ich mich nicht rechtzeitig aufgefangen, wäre ich mit dem Gesicht voran auf den Boden geknallt.
*Wer zum Teufel glaubt er, wer er ist?!*
„Was ist dein verdammtes Problem?" schrie ich.
Er antwortete nicht.
Gut.
Ich stand von meinem Platz auf, packte seine Haare und riss seinen Kopf hoch, während ich sein Hemd festhielt. Er schlug nach meinem Gesicht, aber ich wich aus. Mein Blut kochte. Bevor ich denken konnte — schlug ich zu.
Um uns herum war das Klassenzimmer völlig erstarrt. Nicht die übliche, irgendetwas Interessantes passiert noch Art von Stille. Die Luft-anhalten, niemand-bewegt-sich Art. Als würden sie etwas beobachten, das sie kaum glauben konnten.
Lacy's Perspektive Die Dusche half. Ein wenig. Sie berührte nicht die gedämpfte Angst, die seit der Nachsitze hinter meinem Brustbein gesessen hatte, und sie tat absolut nichts gegen das Bild von Axel Beckett, der mich in einem stillen Raum ansah, als würde er versuchen, eine Gleichung zu lösen. Aber das heiße Wasser arbeitete sich durch die Verspannungen in meinen Schultern, und als ich heraustrat, fühlte ich mich weniger so, als würde ich gleich aus meiner eigenen Haut vibrieren. Ich griff nach meiner Medizin auf dem Badregal. Schüttelte die Tabletten in meine Handfläche. Schluckte sie mit einem vollen Glas Wasser hinunter, wie mein Arzt immer darauf bestanden hatte, und wartete darauf, dass die leichte Übelkeit, die manchmal folgte, verging. Sie verging. Ich saß in Macys Bademantel an ihrer Schminktischkommode und starrte auf das karmesinrote Kleid, das an der Schranktur hing, als würde es zurückstarren — da summte mein Handy. Es war Macy. Ich hob ab. „Du gehst heut
Lacy's PerspektiveIch sah sie ein paar Sekunden lang an, dann berührte ich ihren Arm und sagte: „Hey. Warum reden wir nicht draußen?"Sie sah fassungslos aus und hatte Angst um ihr Leben. Ich nahm meine Tasche und ging aus der Cafeteria. Sie folgte mir.Als wir zu der Lichtung kamen, wo einige Schüler unter den Bäumen lasen, drehte ich mich um und sah sie an. „Du bist das Mädchen aus dem Englischunterricht, oder? Der Lehrer hat letzte Woche deine Noten angemerkt. Was ist los mit dir?"Ich war neugierig. Nicht nur wegen ihrer Noten — sondern wegen der Verbindung, die sie zu Macy hatte. Denn Mädchen wie Davina landeten nicht zufällig in Macys Umkreis. Sie wurden hineingezogen, für irgendetwas benutzt und dann dort zurückgelassen.Sie senkte den Kopf. „Ich... ich weiß, dass ich nicht so gut in der Schule bin, aber bitte entzieht mir das Stipendium nicht. Ich verspreche, alles zu tun, was ihr verlangt. Bitte." Sie machte Anstalten, wieder zu knien.„Welche?"Sie blinzelte. „Entschuldigun
Lacy's PerspektiveEr fiel von seinem Stuhl und blickte mit einem finsteren Gesichtsausdruck zu mir hoch. Dann packte er mein Bein und warf mich auf den Boden. Ein Schmerz schoss durch mich, als er aufstand, ein hinterhältiges Grinsen auf seinem Gesicht.Ich traf den Boden hart. Der Aufprall hallte durch meine Wirbelsäule und raubte mir den Atem, aber ich rollte mich bereits ab, bevor der Schmerz sich einprägte, brachte meine Beine unter mich und drückte mich wieder hoch. Er richtete sich langsam auf und rieb sich das Kinn, wo ich ihn getroffen hatte. Ein schwaches Grinsen zog an seinem Mundwinkel — nicht wirklich belustigt. Eher wie jemand, der gerade überrascht worden war und dabei war zu entscheiden, wie er sich dabei fühlte.Ich ließ ihm keine Zeit zum Entscheiden.Ich trat ihm hart in die Kniekehle. Sein Bein gab nach und er taumelte nach vorne — ich trat zur Seite und er krachte in meinen Tisch, der quietschend über den Boden schoss. Er fing sich an der Kante, bevor er ganz hinf
Lacy's PerspektiveIch ließ es einen Moment auf mich wirken. Wenn ich Nein sagte, zeigte Macy das Video. Meine Eltern kämen nach Hause und stießen auf den Beweis der Bar, des Trinkens, alles auf einmal. Was nach drei Tagen das erste Mal kam, wäre nichts im Vergleich zu dem, was danach käme. Wochen vielleicht. Monate. Mein Leben auf Pause gesetzt und mir zurückgegeben, wann immer sie entschieden, dass ich genug gelernt hatte.Und wenn ich Ja sagte?Es war keine schlechte Idee. Tatsächlich war es genau das, wonach ich mein ganzes Leben gesehnt hatte: ein Vorgeschmack auf normale, unbeaufsichtigte Freiheit. Eine Chance, außerhalb der vier Wände dieses Hauses zu existieren, das ich ein Gefängnis nannte.Wie groß war die Wahrscheinlichkeit, dass ich erwischt wurde?Wir waren schließlich identisch. Dasselbe Gesicht, dieselbe Figur. Der einzige auffällige Unterschied war das Haar. Sie hatte ihres Anfang des Jahres in ein auffälliges Himmelblau gefärbt. Mein eigenes braunes Haar fühlte sich w
Lacys Perspektive Die Tür zu meinem Zimmer flog auf. Ich hielt mein Handtuch fest um meinen Körper gewickelt, als meine Zwillingsschwester Macy mit diesem leichten, wissenden Grinsen von ihr hereinkam. „Was zur Hölle, Macy? Hast du noch nie von Anklopfen gehört?" zischte ich. Ich stieß die Tür mit meiner Ferse zu und zog mich in meinen begehbaren Kleiderschrank zurück, um meinen Lieblings-Star-Wars-Schlafanzug anzuziehen. Durch die offene Tür konnte ich sie noch immer dort stehen sehen, an meine Kommode gelehnt in ihrem rosafarbenen Crop-Top und schwarzen weiten Jeans, die Arme vor der Brust verschränkt, als gehörte ihr der ganze Laden. Als ich herauskam, betrachtete sie ein gerahmtes Foto in meinem Regal — ein Kindheitsfoto von uns beiden, aus der Zeit, als unsere Leben noch nicht so verschieden waren. Mein Spiegelbild fiel mir in dem Kommoden-Spiegel auf, als ich das Zimmer durchquerte — blasser als Macy, immer blasser, mit den schwachen Schatten unter meinen Augen, die niemals







