Se connecterLacy's Perspektive
Er fiel von seinem Stuhl und blickte mit einem finsteren Gesichtsausdruck zu mir hoch. Dann packte er mein Bein und warf mich auf den Boden. Ein Schmerz schoss durch mich, als er aufstand, ein hinterhältiges Grinsen auf seinem Gesicht.
Ich traf den Boden hart. Der Aufprall hallte durch meine Wirbelsäule und raubte mir den Atem, aber ich rollte mich bereits ab, bevor der Schmerz sich einprägte, brachte meine Beine unter mich und drückte mich wieder hoch. Er richtete sich langsam auf und rieb sich das Kinn, wo ich ihn getroffen hatte. Ein schwaches Grinsen zog an seinem Mundwinkel — nicht wirklich belustigt. Eher wie jemand, der gerade überrascht worden war und dabei war zu entscheiden, wie er sich dabei fühlte.
Ich ließ ihm keine Zeit zum Entscheiden.
Ich trat ihm hart in die Kniekehle. Sein Bein gab nach und er taumelte nach vorne — ich trat zur Seite und er krachte in meinen Tisch, der quietschend über den Boden schoss. Er fing sich an der Kante, bevor er ganz hinfiel, und für einen angehaltenen Moment standen wir uns von Angesicht zu Angesicht gegenüber, seine Hände auf dem Tisch zwischen uns abgestützt, wir beide atmeten heftiger als wir zugeben wollten.
Seine schwarzen Augen waren auf meine gerichtet.
Ich hielt seinem Blick stand und blinzelte nicht.
Dann verlagerte sich sein Gewicht — ich sah nicht genau, was als Nächstes passierte, nur dass ich in einem Moment noch stand und im nächsten der Boden schnell näherkam und er über mir war, einen Unterarm neben meinem Kopf abgestützt, die andere Hand um mein Handgelenk. Sein Gesicht war zentimeterweise von meinem entfernt. Ich konnte seinen Atem spüren, warm und unruhig, an meiner Wange.
Seine Lippen öffneten sich, als wollte er etwas sagen. Was auch immer er sagen wollte, starb in seiner Kehle.
Sein Gesicht schwebte zentimeterweise über meinem. So nah waren die Kontaktlinsen offensichtlich — diese unnatürliche Tiefe, dieses bodenlose Dunkel. Sein Kiefer hätte Glas schneiden können. Und sein Mund, den ich absolut nicht anschaute, war ärgerlich, ablenkend voll.
Ich nutzte die halbe Sekunde seines Zögerns. Ich hakte mein Bein um seines und stieß meinen Ellbogen in seine Seite, rollte mein Gewicht, bis ich ihn unter mir festgehalten hatte.
Meine Faust hob sich, bereit erneut zuzuschlagen —
„WAS GEHT HIER VOR?"
Der Mathematiklehrer muss hereingekommen sein.
„Was zum Teufel geht hier vor? Axel! Macy! Hört sofort auf zu kämpfen!" befahl er.
Ich stand auf und klopfte mich ab. Ich bot ihm an, ihm aufzuhelfen, aber er ignorierte es und starrte mich an.
„Ihr beide werdet heute nach der Schule zur Nachsitze erscheinen, um über euer schlechtes Benehmen nachzudenken. Entschuldigt euch jetzt bei einander und nehmt eure Plätze ein." Er begann seine Unterlagsnotizen auszupacken.
„Ich werde mich nicht bei diesem verrückten Mädchen entschuldigen", murmelte Axel.
Ein gutaussehender Junge ohne Manieren — das war er. Wenn er mich einfach hätte bequem sitzen lassen ohne Probleme zu machen, wäre das nicht passiert.
„Da du dich nicht entschuldigst, entschuldige ich mich auch nicht", trat ich einen Schritt näher zu ihm. Auch wenn seine Körpergröße von 1,85 m im Vergleich zu meinen 1,75 m durchaus einschüchternd war, weigerte ich mich nachzugeben.
„Gut, dann weiß ich genau, was zu tun ist. Sie können sich setzen." Der Lehrer sah enttäuscht aus.
Ich rückte meinen Platz nah an seinen, um ihn zu ärgern. Er spürte es. Ich sah, wie seine Hand auf dem Stift erstarrte.
Er sah mich nicht an.
Ich öffnete mein Lehrbuch.
Die nächsten vierzig Minuten waren möglicherweise die aufgladenste Stille, in der ich je gesessen hatte. Ich hielt meine Augen auf Herrn Greys Gleichungen an der Tafel gerichtet und machte Notizen mit der konzentrierten Sorgfalt von jemandem, dem die Person neben ihnen absolut nicht bewusst war.
Axel machte keine Notizen. Er saß mit dem Unterarm auf dem Tisch und starrte auf die Tafel mit dem Gesichtsausdruck von jemandem, der alles, was unterrichtet wurde, bereits wusste und die Erfahrung leicht unter seiner Würde fand. Irgendwann verschob er sich auf seinem Stuhl und sein Arm streifte meinen. Er zog ihn sofort zurück. Ich auch.
Keiner von uns erkannte es an.
Er sagte nichts weiter. Aber ich spürte seine Augen auf meiner Gesichtsseite für den Rest der Stunde — nicht das feindliche Starren von vorhin, nicht die brennende Herausforderung des Kampfes. Etwas Vorsichtigeres. Als würde er versuchen, etwas herauszufinden.
Ich gab ihm nichts, womit er arbeiten konnte.
---
„Da es keine weiteren Fragen gibt, war es das für heute. Ich hoffe, ihr habt alles verstanden, was unterrichtet wurde", sagte er und packte seine Bücher in seine Tasche.
Die Klasse antwortete im Chor: „Ja, Sir."
„Und damit ich es nicht vergesse: Für meinen ersten Test werde ich euch mit eurem jeweiligen Sitznachbarn zusammenarbeiten lassen, mit dem ihr gerade sitzt." Eine Welle des Stöhnens ging durch den Raum. Er wartete es ohne Regung ab.
„Jedes Team soll die Übungsaufgaben in eurem Lehrbuch von Kapitel dreizehn bis sechzehn lösen. Das war es für jetzt. Weitere Informationen werden über euren Klassensprecher weitergegeben. Gibt es Fragen, bevor ich gehe?" Er hängte sich seine Laptoptasche über die Schulter.
Ein kleines blondes Mädchen, das vorne saß, hob die Hand: „Wann ist die Abgabefrist für diese Aufgabe?"
Die Selbstsicherheit in ihrer Stimme war spürbar.
„Nun, das ist variabel. Ich kann die Aufgabe jederzeit ab sofort einfordern. Es könnte nächste Woche sein, in zwei Wochen oder morgen", pausierte er.
„Seid einfach vorbereitet." Er nahm seine Tasche und verließ das Klassenzimmer.
Nach Herrn Greys Weggang brach ein Gemurmel aus. Einige Leute begannen zu besprechen, wie sie die Aufgabe angehen würden, während andere über etwas anderes sprachen.
Ein paar Stunden später war es endlich Mittagspause. Ich fand meinen Weg in die Cafeteria, holte mir mein Essen und setzte mich in den weniger belebten Teil der Cafeteria. Ich hatte das Gefühl, dass die Energie, die ich heute Morgen hatte, aufgebraucht worden war, und ich sie auffüllen musste, wenn ich den Tag überstehen wollte.
Das Essen war gar nicht so schlecht. Ich schaute I*******m-Reels, als ich fertig gegessen hatte. Noch zehn Minuten bis das Ende der Pause.
Jemand kam auf mich zu und kniete nieder. Es war ein Mädchen, das heftig weinte und sich bei mir entschuldigte.
„Bitte. Es tut mir so leid. Ich weiß, ich hätte früher kommen sollen, aber meine Biologielehrerin hat mich nach dem Unterricht aufgehalten und ich konnte nicht gehen, ich schwöre, ich konnte nicht. Ich werde nie wieder zu spät kommen. Bitte nimm es mir nicht weg. Bitte."
Ihre Stimme brach beim letzten Wort. Sie senkte den Kopf bis zum Boden, Tränen tropften ihr übers Gesicht.
Sie trug ein abgetragenes grünes Hemd und verblasste schwarze Jeans mit Sandalen. Die Cafeteria wurde etwas stiller, als würde jeder auf meine Reaktion warten. Zunächst war ich verwirrt. War das die Art, wie Macy die Leute in dieser Schule schikanierte?
Lacy's Perspektive Die Dusche half. Ein wenig. Sie berührte nicht die gedämpfte Angst, die seit der Nachsitze hinter meinem Brustbein gesessen hatte, und sie tat absolut nichts gegen das Bild von Axel Beckett, der mich in einem stillen Raum ansah, als würde er versuchen, eine Gleichung zu lösen. Aber das heiße Wasser arbeitete sich durch die Verspannungen in meinen Schultern, und als ich heraustrat, fühlte ich mich weniger so, als würde ich gleich aus meiner eigenen Haut vibrieren. Ich griff nach meiner Medizin auf dem Badregal. Schüttelte die Tabletten in meine Handfläche. Schluckte sie mit einem vollen Glas Wasser hinunter, wie mein Arzt immer darauf bestanden hatte, und wartete darauf, dass die leichte Übelkeit, die manchmal folgte, verging. Sie verging. Ich saß in Macys Bademantel an ihrer Schminktischkommode und starrte auf das karmesinrote Kleid, das an der Schranktur hing, als würde es zurückstarren — da summte mein Handy. Es war Macy. Ich hob ab. „Du gehst heut
Lacy's PerspektiveIch sah sie ein paar Sekunden lang an, dann berührte ich ihren Arm und sagte: „Hey. Warum reden wir nicht draußen?"Sie sah fassungslos aus und hatte Angst um ihr Leben. Ich nahm meine Tasche und ging aus der Cafeteria. Sie folgte mir.Als wir zu der Lichtung kamen, wo einige Schüler unter den Bäumen lasen, drehte ich mich um und sah sie an. „Du bist das Mädchen aus dem Englischunterricht, oder? Der Lehrer hat letzte Woche deine Noten angemerkt. Was ist los mit dir?"Ich war neugierig. Nicht nur wegen ihrer Noten — sondern wegen der Verbindung, die sie zu Macy hatte. Denn Mädchen wie Davina landeten nicht zufällig in Macys Umkreis. Sie wurden hineingezogen, für irgendetwas benutzt und dann dort zurückgelassen.Sie senkte den Kopf. „Ich... ich weiß, dass ich nicht so gut in der Schule bin, aber bitte entzieht mir das Stipendium nicht. Ich verspreche, alles zu tun, was ihr verlangt. Bitte." Sie machte Anstalten, wieder zu knien.„Welche?"Sie blinzelte. „Entschuldigun
Lacy's PerspektiveEr fiel von seinem Stuhl und blickte mit einem finsteren Gesichtsausdruck zu mir hoch. Dann packte er mein Bein und warf mich auf den Boden. Ein Schmerz schoss durch mich, als er aufstand, ein hinterhältiges Grinsen auf seinem Gesicht.Ich traf den Boden hart. Der Aufprall hallte durch meine Wirbelsäule und raubte mir den Atem, aber ich rollte mich bereits ab, bevor der Schmerz sich einprägte, brachte meine Beine unter mich und drückte mich wieder hoch. Er richtete sich langsam auf und rieb sich das Kinn, wo ich ihn getroffen hatte. Ein schwaches Grinsen zog an seinem Mundwinkel — nicht wirklich belustigt. Eher wie jemand, der gerade überrascht worden war und dabei war zu entscheiden, wie er sich dabei fühlte.Ich ließ ihm keine Zeit zum Entscheiden.Ich trat ihm hart in die Kniekehle. Sein Bein gab nach und er taumelte nach vorne — ich trat zur Seite und er krachte in meinen Tisch, der quietschend über den Boden schoss. Er fing sich an der Kante, bevor er ganz hinf
Lacy's PerspektiveIch ließ es einen Moment auf mich wirken. Wenn ich Nein sagte, zeigte Macy das Video. Meine Eltern kämen nach Hause und stießen auf den Beweis der Bar, des Trinkens, alles auf einmal. Was nach drei Tagen das erste Mal kam, wäre nichts im Vergleich zu dem, was danach käme. Wochen vielleicht. Monate. Mein Leben auf Pause gesetzt und mir zurückgegeben, wann immer sie entschieden, dass ich genug gelernt hatte.Und wenn ich Ja sagte?Es war keine schlechte Idee. Tatsächlich war es genau das, wonach ich mein ganzes Leben gesehnt hatte: ein Vorgeschmack auf normale, unbeaufsichtigte Freiheit. Eine Chance, außerhalb der vier Wände dieses Hauses zu existieren, das ich ein Gefängnis nannte.Wie groß war die Wahrscheinlichkeit, dass ich erwischt wurde?Wir waren schließlich identisch. Dasselbe Gesicht, dieselbe Figur. Der einzige auffällige Unterschied war das Haar. Sie hatte ihres Anfang des Jahres in ein auffälliges Himmelblau gefärbt. Mein eigenes braunes Haar fühlte sich w
Lacys Perspektive Die Tür zu meinem Zimmer flog auf. Ich hielt mein Handtuch fest um meinen Körper gewickelt, als meine Zwillingsschwester Macy mit diesem leichten, wissenden Grinsen von ihr hereinkam. „Was zur Hölle, Macy? Hast du noch nie von Anklopfen gehört?" zischte ich. Ich stieß die Tür mit meiner Ferse zu und zog mich in meinen begehbaren Kleiderschrank zurück, um meinen Lieblings-Star-Wars-Schlafanzug anzuziehen. Durch die offene Tür konnte ich sie noch immer dort stehen sehen, an meine Kommode gelehnt in ihrem rosafarbenen Crop-Top und schwarzen weiten Jeans, die Arme vor der Brust verschränkt, als gehörte ihr der ganze Laden. Als ich herauskam, betrachtete sie ein gerahmtes Foto in meinem Regal — ein Kindheitsfoto von uns beiden, aus der Zeit, als unsere Leben noch nicht so verschieden waren. Mein Spiegelbild fiel mir in dem Kommoden-Spiegel auf, als ich das Zimmer durchquerte — blasser als Macy, immer blasser, mit den schwachen Schatten unter meinen Augen, die niemals







