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Kapitel 12

Celeste
Lena nestelte verlegen an ihrem Kleidersaum: „Papa, sag doch nicht so etwas über Valentina...“

Valentina unterbrach sie mit einem Lächeln: „Na dann, mach dich mal nützlich, Lena.“

Sie setzte sich ungeniert an den Tisch, ein höfliches Lächeln auf den Lippen: „Papa, das ist aber nicht richtig. Lena wohnt und isst hier umsonst. Sie sollte schon etwas tun, damit sie mit gutem Gewissen bleiben kann, oder nicht?“

Kaum hatte sie das gesagt, wurden die Gesichter von Iris und Lena dunkel. Doch sofort lächelte Iris Herrn Sommer zu: „Ja, genau, Valentina hat recht.“

Herr Sommers Gesicht war schwarz vor Zorn. Er drehte sich zu Valentina um und starrte sie an: „Wenn du nicht essen willst, dann verschwinde.“

Doch Valentina lächelte nur noch strahlender: „Das Essen in meinem Zuhause, warum sollte ich es nicht essen? Soll ich es etwa Fremden überlassen?“

Die Spitze war unüberhörbar.

Dann blickte sie zu Lena, die immer noch stand: „Lena, setz dich schnell. Sieh nur, wie sehr du Papa ärgerst. Wer das nicht weiß, könnte noch denken, du wärst das leibliche Kind.“

Dann wandte sie sich an Martha: „Was stehst du noch herum? Hol mir Schüssel und Besteck! Willst du wirklich, dass die zweite Tochter das für mich holt?“

Sie betonte die Worte „zweite Tochter“ mit besonderem Nachdruck.

Lena stockte, dann setzte sie sich an den Tisch.

Seit Valentina dazugekommen war, schien die Atmosphäre am Tisch bedrückend geworden zu sein.

Nur Valentina allein schien es nicht zu bemerken und aß ungestört und fröhlich.

Schließlich war es Iris, die die Stille am Tisch brach.

„Valentina, ich habe gehört, dass Adrian gestern Abend einen Autounfall hatte und ins Krankenhaus musste? Geht es ihm gut?“

Valentina warf ihr einen Blick zu und lächelte freundlich: „Wenn Sie es wissen wollen, besuchen Sie ihn doch einfach.“

Iris verschluckte sich an ihren Worten, lachte dann aber wieder: „Du liebes Kind, was soll ich ihn besuchen?“

„Ich lasse gleich Martha Zutaten kaufen und eine kräftigende Suppe kochen. Heute Nachmittag habt ihr nichts vor, also besucht ihr beide Adrian zusammen.“

Valentina musterte sie: „Nicht nötig. Lass Lena gehen. Die beiden können dann gleich ihre Gefühle füreinander entwickeln.“

Das hatte Iris zwar tatsächlich im Sinn, aber sie konnte es unmöglich offen zugeben. Sie wandte sich an Lena: „Lena, erklär du doch mal, was das alles soll?“

Lena stotterte: „N-nein, Adrian und ich haben wirklich nichts miteinander. Ich würde niemals etwas mit dem Freund meiner Schwester anfangen.“

Ihre mandelförmigen Augen füllten sich sofort mit Tränen. Mit tränenvollen Augen starrte sie Valentina unverwandt an: „Valentina, wirklich nicht. Sei Adrian bitte nicht mehr böse.“

„Ich werde Adrian nie wieder treffen.“

Unbeeindruckt löffelte Valentina ihre Suppe Bissen für Bissen und verfolgte kühl Lenas Schauspiel.

Sie antwortete nicht. Stattdessen seufzte Iris: „Valentina, sei deiner Schwester nicht mehr böse. Du musst dich geirrt haben. Sie würde es nie wagen, dir Adrian wegzunehmen.“

Sie lächelte: „Sei Adrian bitte nicht böse wegen Lena.“

Valentina schwieg weiter.

Mutter und Tochter waren Meisterinnen darin, die unschuldige Personen zu spielen. Mit dieser Argumentation hatten sie Lena aus allem herausgeredet – und zwischen den Zeilen stand, dass Valentina Lena zu Unrecht beschuldigt hatte.

Sie fand es lächerlich.

Ausgerechnet ihr leiblicher Vater fiel auf Iris' Masche herein. Er knallte seine Schüssel laut auf den Tisch und sagte zu Valentina: „Hör auf mit diesen Spielchen. Wie oft hast du deine Schwester schon zu Unrecht beschuldigt?“

„Egal was du wieder für Theater machen willst – deine Verlobungsfeier mit Adrian findet statt.“

Er stand auf: „Gut, ich muss noch weg. Heute Nachmittag besuchst du mit Lena zusammen Adrian. Ich will nicht, dass die Familie Berg denkt, es gebe Zwietracht bei den Sommers. Wir werden uns nicht zum Gespött machen.“

Valentina kniff leicht die Augen zusammen und sah zu, wie Herr Sommer einfach ging.

Ihre Finger umklammerten den Löffel immer fester, die Knöchel wurden weiß.

Nachdem Herr Sommer gegangen war, verschwand das Lächeln von Iris' Gesicht auf der Stelle. Sie blickte Valentina an und lächelte kalt: „Valentina, beschuldige meine Lena in Zukunft nicht mehr zu Unrecht.“

Valentina lachte höhnisch. Ihre Lippen formten stumme Worte.

Doch die Gesichter von Iris und Lena wurden finster, denn sie hatten verstanden, was Valentina ihnen lautlos an den Kopf geworfen hatte.

Als die beiden so gedemütigt wurden, besserte sich Valentinas Laune erheblich. Sie warf Schüssel und Besteck hin, ging nach oben und verkroch sich in ihrem Zimmer.

Als sie ihr Handy in die Hand nahm, sah sie eine neue Nachricht.

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