LOGINDas Gelenkflugzeug
Neulich hörte ich von einem Traum. Eine Podcasterin träumte, in einem Passagierflugzeug zu sitzen, das etwa in der Mitte des Rumpfes ein Gelenk aufwies, ähnlich einem Gelenkbus. Bei einem Gelenkbus, umgangssprachlich auch Knickbus genannt, verbindet ein flexibler, witterungsfester Faltenbalg den Vorder- und Hinterwagen.
In dem Traum der Podcasterin befand sich der Faltenbalg etwa zehn Meter hinter dem Tragflügel, jedoch noch deutlich vor dem Höhen- und Seitenleitwerk. Der hintere Teil des Flugzeugs musste demnach über eine Deichsel-Konstruktion mit dem vorderen Teil verbunden sein, wobei die Verbindung durch einen Drehkranz und Gleitlager erfolgte.
Mein erster Eindruck war, dass Passagiere im hinteren Teil des Flugzeugs den Korridor beim Durchfliegen von Radien abknicken sehen müssten. Das erinnert an den Gelenkbus, bei dem die Passagiere aus ihrer Perspektive hin- und herschaukeln. Eine amüsante Vorstellung, wie ich finde. Auch mit meinen dreiundvierzig Lenzen finde ich eine Fahrt mit dem zweigliedrigem Omnibus immer noch unterhaltsam. Bei einer vielgliedrigen Straßenbahn mit begehbaren Faltenbälgen ist dieser Effekt noch deutlich imposanter, da man vom vordersten Wagon aus betrachtet, die Passagiere in hinteren Wagons verschwinden sieht, sobald sich der Zug, den Bahngleisen folgend, krümmt.
Dennoch muss ich zugeben, dass die gleiche Situation bei einem Passagierflugzeug geradezu absurd wäre. Man könnte argumentieren, dass das Flugzeug beim Abknicken nicht mehr den Steuerimpulsen von Seiten- und Höhenruder folgen würde oder dass diese den hinteren Teil des Flugzeugs aus der beabsichtigten Knickrichtung herauslenken würden. So etwas lässt sich in der Praxis nicht umsetzen. Es war nur ein Traum, der eine technisch denkbare Variante eines Flugzeugs darstellte, die zwangsläufig zu einem Absturz führen würde. Manövrierunfähigkeit wäre das Ergebnis!
Aber lässt sich die Idee irgendwie modifizieren?
Die einfachste Variante einer Weiterentwicklung dieser technischen Fantasie wäre, das Gelenk im Flug so zu sperren, dass Vorder- und Hinterteil des Flugzeugs fest in einer Flucht stehen. So könnten Seiten- und Höhenleitwerk (sowie deren Ruder) ungehindert ihre Kraft auf den Rumpf übertragen und das Flugzeug bliebe steuerbar. Am Boden könnte ein besonders langes Flugzeug dann mit gelöster Sperre leichter über das Flugfeld fahren, indem es in engen Kurven einknicken würde.
Die komplexere Variante wäre, am Drehgelenk Hydraulik oder Servomotoren zu installieren, sodass das Flugzeug durch Sensorik und Computersteuerung in der Lage wäre, im Flug kontrolliert abzuknicken. Bei den großen Radien, die ein Flugzeug beim Richtungswechsel oder Wenden durchfliegt, wäre ein solches Abknicken wahrscheinlich nur in geringem Maße nötig – maximal vier Grad vielleicht. Man muss auch bedenken, dass sich ein Flugzeug um die Längsachse dreht, bevor es die Kurve fliegt – der sogenannte Bankwinkel.
Angesichts des Bankwinkels könnte die Idee eines Knickflugzeugs als Schnapsidee erscheinen. Aber ich frage mich: Hat jemand so etwas schon einmal ausprobiert, zum Beispiel im Windkanal?
Vielleicht könnte man lange, vielgliedrige Gelenkflugzeuge schaffen, die an jedem Glied der Flugzelle ein paar Tragflügel aufweisen würden oder bei Bedarf auch Seiten- oder Höhenleitwerk. Das gesamte Gebilde wäre eine Art flügelbewehrter Zug, der durch die Luft saust. Vielleicht müsste man die Knickrichtung ändern; v-förmiges schwenken über die Diagonale vielleicht. Genug taggeträumt für heute.
Blaubeuren, den 23. Oktober 2024
Ich hoffe, die Geschichten haben Ihnen gefallen.
Das GelenkflugzeugNeulich hörte ich von einem Traum. Eine Podcasterin träumte, in einem Passagierflugzeug zu sitzen, das etwa in der Mitte des Rumpfes ein Gelenk aufwies, ähnlich einem Gelenkbus. Bei einem Gelenkbus, umgangssprachlich auch Knickbus genannt, verbindet ein flexibler, witterungsfester Faltenbalg den Vorder- und Hinterwagen. In dem Traum der Podcasterin befand sich der Faltenbalg etwa zehn Meter hinter dem Tragflügel, jedoch noch deutlich vor dem Höhen- und Seitenleitwerk. Der hintere Teil des Flugzeugs musste demnach über eine Deichsel-Konstruktion mit dem vorderen Teil verbunden sein, wobei die Verbindung durch einen Drehkranz und Gleitlager erfolgte. Mein erster Eindruck war, dass Passagiere im hinteren Teil des Flugzeugs den Korridor beim Durchfliegen von Radien abknicken sehen müssten. Das erinnert an den Gelenkbus, bei dem die Passagiere aus ihrer Perspektive hin- und herschaukeln. Eine amüsante Vorstellung, wie ich finde. Auch mit meinen dreiundvierzig Lenzen
Wendekinder IIMusikkassettenBandsalat quillt aus quadratischen Öffnungen. Hat sich das Magnetband einmal unbeabsichtigt von den Spulen abgewickelt, behilft man sich mit einem Bleistift. T-Shirts, welche unlängst in Online-Stores angeboten werden und ein Paar aus Musikkassette und Bleistift zeigen, vermitteln ein schiefes Bild. Ein Bleistift ist viel zu dünn, um die kleinen Rädchen zuverlässig und rutschfrei drehen zu können. Eine bessere Methode, das Band wieder aufzuspulen, ist, einen BIC Cristal in das Löchlein zu stecken und zu drehen. Der BIC Cristal ist der Klassiker unter den Kugelschreibern. Mit dem durchsichtigen und sechskantigen Schaft kann man die Zähne des Kassettenrädchens am besten anschubsen. Dieser Tipp kommt zu spät, meinen Sie? Viele Tipps kommen zu spät. Dass Kassetten auf der Oberseite zwei Aussparungen haben, die dem Kopierschutz dienen, habe ich erst erfahren, als die Compact Disc der Music Cassette so langsam den Garaus machte. Das war ungefähr Mitte der N
Passepartouts BeobachtungDie Teleskope Fogg und Passepartout waren auf denselben Punkt gerichtet. Ein roter Zwergstern im Sternbild Widder:Teegardens Stern.Unspektakulär. Fast unsichtbar. Seit Jahrzehnten waren seine Koordinaten vermessen und katalogisiert — Rektaszension¹ 2 Stunden 53 Minuten, Deklination² +17 Grad. Ein Stern, etwas abseits der Ekliptik. Mit einer scheinbaren Magnitude³ von 15,1 war Teegardens Stern kaum mehr als ein dunkler Stecknadelkopf im noch dunkleren Sternenhimmel. Doch Instrumente wie Fogg, ein irdisches Teleskop, machten ihn auffindbar. „Mehr Kontrast“, sagte Kuno leise, als seine Kollegin von Fogg auf Passepartout, ein Teleskop im Orbit um Teegardens Stern, umschaltete. Mara reagierte, ohne zu antworten. Filter griffen ineinander, Algorithmen zogen Konturen aus dem Rauschen. Auf den Monitoren verdichtete sich das Bild. Eine Röhre trat hervor. Kuno und Mara saßen reglos vor dem Monitor, während Passepartout ihre Blicke führte. Vier astronomische E
Staub und StilleArtur saß auf einem Klappstuhl im Vorzelt der Mondstation. Den Helm hatte er abgenommen; das Vorzelt war luftdicht mit der Station verbunden, wurde jedoch mit vergleichsweise niedrigem Luftdruck beaufschlagt. Es diente als Staubfänger zwischen Außenwelt und Habitat. Trotzdem trug er eine eng anliegende Schutzmaske. Der feine Mondregolith schwebte als grauer Schleier in der Luft. Er kannte die Folgen einer Inhalation. Lunare Pneumokoniose – eine Erkrankung, die niemand lange genug untersucht hatte, um ihre Langzeitfolgen wirklich zu verstehen. Vor ihm auf dem Tisch lag die Leiterplatte des Energiemanagementsystems, versiegelt in einer Kassette – einem metallischen Rahmen mit Kontaktleisten an der Stirnseite. „Die muss rein“, murmelte Artur. „Die ist völlig zugesetzt.“ Er sprach vor sich hin. Er war allein auf der Station. Das Funkgerät hatte er abgeschaltet. Nach dem Ende der letzten Mission war er zurückgeblieben, um die Anlage betriebsbereit zu halten, bis die
Die selbstreinigende KücheTobi kletterte aus seinem Katzenkörbchen. Der Kater streckte sich. Er bog den Rücken durch, reckte das Hinterteil in die Luft und hob den Kopf empor. Die Vorderläufe zog er dabei an. Tobi hatte ausgeschlafen und machte sich daran, eine Runde durch das Haus seines Frauchens zu drehen. Er verließ den HWR und lief den Flur entlang zur Treppe. Die Stufen erklomm er in vier Sätzen. Im oberen Stockwerk war alles ruhig. Zu ruhig, dachte sich Tobi. Es wurde Zeit, einen lebhafteren Raum aufzusuchen: die Küche. Er lief die Treppe wieder hinab, huschte den Korridor entlang bis zur Küchentür, welche einen Spalt offen stand. Noch ein kräftiger Stupser mit den Vorderpfoten, und schon zwängte er sich hindurch in die Küche – ein Ort voller Möglichkeiten. Noch war es still, doch bald, vermutete Tobi, würden die Geräte und Möbel ihren magischen Tanz beginnen. Die Wartezeit vertrieb sich Tobi mit dem Bewundern von Piktogrammen auf dem Geschirrspüler. Das erste Piktogramm wa
Der NanitenrasiererEs war Sonntagmorgen und Robert war gerade aufgestanden. Nun öffnete er den Spiegelschrank. Dieser war über dem Waschbecken angebracht, indem er etwas Wasser, für die Nassrasur, eingelassen hatte. Er griff in den Spiegelschrank hinein und entnahm eine hellblaue Verpackung mit der futuristisch-gestalteten Aufschrift: „nano blades – the revolution in your face“. Robert freute sich darauf, die neuen Rasierklingen mit Nanitentechnologie auszuprobieren. Als Naniten bezeichnete man, winzig-kleine Roboter, mit denen man Prozesse, welche auf Miniaturebene abliefen, automatisierte und verbesserte. Robert wusste, dass die Klingen seines Rasierers mit Hunderten von kleinen Robotern bestückt waren, die aktivgeschaltet wurden, sobald ein physischer Kontakt zum Rasierschaum hergestellt wurde. Einmal in Betrieb gesetzt, zwackten die Naniten kleinere Mengen des Rasierschaums für sich selber ab, um den Wasseranteil des Schaums, mittels kleiner Brennstoffzellen, in Elektrizität umzu