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Stories 2 & 3 (von 8)

Author: PhloxPe
last update publish date: 2026-04-23 03:27:42

Der Nanitenrasierer

Es war Sonntagmorgen und Robert war gerade aufgestanden. Nun öffnete er den Spiegelschrank. Dieser war über dem Waschbecken angebracht, indem er etwas Wasser, für die Nassrasur, eingelassen hatte. Er griff in den Spiegelschrank hinein und entnahm eine hellblaue Verpackung mit der futuristisch-gestalteten Aufschrift: „nano blades – the revolution in your face“. Robert freute sich darauf, die neuen Rasierklingen mit Nanitentechnologie auszuprobieren. Als Naniten bezeichnete man, winzig-kleine Roboter, mit denen man Prozesse, welche auf Miniaturebene abliefen, automatisierte und verbesserte. Robert wusste, dass die Klingen seines Rasierers mit Hunderten von kleinen Robotern bestückt waren, die aktivgeschaltet wurden, sobald ein physischer Kontakt zum Rasierschaum hergestellt wurde. Einmal in Betrieb gesetzt, zwackten die Naniten kleinere Mengen des Rasierschaums für sich selber ab, um den Wasseranteil des Schaums, mittels kleiner Brennstoffzellen, in Elektrizität umzuwandeln. Die kleinen Bots brauchten die Energie, um ihre Arbeit an den Bartstoppeln zu verrichten.

  Robert legte gerade seinen Rasierpinsel zur Seite. Er griff nach dem Nassrasierer und führte den Rasierkopf an seine rechte Kotelette heran. Er spürte einen leichten Druck auf seiner Haut und zog die Klingen in einer zügigen Bewegung abwärts. An der Unterseite der Kotelette ergab sich ein sauberer Strich. Die Naniten hatten gute Arbeit geleistet, als diese sich, auf der Klinge stehend, die Bartstoppeln geschnappt hatten, um diese glatt abzuschneiden. Die Schnittkante entgraten diese anschließend mit einem Werkzeug. Den Grad an der Schnittkante des Barthaars zu entfernen, war Entscheidend für das Gefühl von besonders glatter Haut nach der Nassrasur.

  Robert war sich bewusst, dass jeder neuen Technik, Fluch und Segen inne wohnten und so fielen ihm prompt einige Geschichten ein, bei denen Naniten umprogrammiert worden waren, um dem Benutzer einen Streich zu spielen oder schlimmeres.

  So konnte es vorkommen, dass Naniten, die Haut des Benutzers, am ersten April eines neuen Jahres, dahingehend stimulierten, dass dieser beim Rasieren laut lachen musste, da ihm ein Juckreiz durch das Gesicht fuhr. Eine Schadsoftware könnte den Rasierer befallen. Solch ein Anschlag war gewiss humorvoll gemeint und war nicht zum Schaden des Benutzers.

Oh weih, oh weih!

Mannheim im Dezember 2022

Anmerkung des Autors: Es wäre sinnvoller gewesen, die Nanobots gleich im Rasierschaum zu lösen und den Rasierer einfach wegzulassen. Am Ende der Rasur sprängen die Bots, mit dem Radierschaum zusammen, ins Waschbecken.

Der elektrische Gehweg

Früher hätte er ein ganz schönes Stück laufen müssen! Sandrino war auf dem Weg zum Zahnarzt. Er hatte sich einen halben Tag freigenommen und war morgens, mit der S-Bahn, vom Stadtrand aus in die Innenstadt gefahren. Nachdem er die S-Bahn verlassen hatte, war er, dem Bahnsteig entlang, bis zum Transportband gelaufen. Das Band, ähnlich einer Rolltreppe, hatte ihn, durch die große Schiebetür hindurch, aus der Bahnhofshalle heraus gefahren. Als er auf dem Bahnhofsvorplatz angekommen war, war Sandrino auf den elektrischen Bürgersteig gewechselt. Er hatte dabei eine kurze Brise gespürt. Einige Regentropfen prasselten auf sein Haupt. Gleich würde er im Geschützten sein. Er trat auf den elektrisch Gehweg. Dieser entfaltete ein transparentes Segel, welches sich halbmondartig vor ihm aufstellte, um die stärksten Windböen abzuschwächen. Da die Spitze des Segels etwas über seinen Kopf hinausragte, hielt es ganz prima den Regen ab. Nun erhob sich die Gehwegplatte, auf der seine Füße Platz gefunden hatten, um einen guten Zentimeter.  

  Die Gehsteigplatten, die vor ihm lagen, senkten sich ein Stückchen ab. Jetzt setzt sie sich die Transportplatte, auf der Sandrino stand, in eine Vorwärtsbewegung. Dieser Prozess erfolgte sanft und mit stetiger Beschleunigung. Bald hatte die Platte die Endgeschwindigkeit von 9 Kilometern in der Stunde erreicht. Sandrino huschte der Zahnarztpraxis entgegen. Dabei senkten sich immer wieder Gehwegplatten vor ihm ab, über denen die Transportplatte, auf der er stand, hinweg flog. Das Segel, welches mit der Transportplatte verbunden war, war Sandrino immer ein paar Zentimeter voraus. Ein Passant fuhr Sandrino entgegen. Ein Mann in einem Trenchcoat, der ebenfalls auf einer fahrenden Gehsteigplatte stand, glitt auf ihn zu. Plötzlich senkten sich die Gehsteigplatten rechts von Sandrino einige Zentimeter in den Boden ab. Eine neue Fahrspur, abgesenkter Platten, wurde eröffnet und Sandrino's Platte glitt gute 50 cm nach rechts. Die Gehsteigplatten, die neben dem Entgegenkommenden lagen, taten das Selbige und so glitt die Transportplatte, auf die der Mann im Trenchcoat stand, ein kleines Stück zur Seite. Beide Männer fuhren nun wortlos aneinander vorbei. Aus den Augenwinkeln hatte Sandrino erkannt, dass die Hutkrempel des Mannes feucht war. Der Mann hatte sich keinen Wetterschutz, über die Smartphone-App, gebucht. Dementsprechend hatte sich hinter ihm auch kein halbmondförmiges Segel aufgespannt. Das war aber auch egal, denn der Trenchcoat half den Wind abzuhalten und den Regen. Bald erreichte Sandrino die Zahnarztpraxis. Die Praxis befand sich in einem Altbau, welcher an den Gehweg, den Sandrino entlang fuhr, angrenzte. Sandrino drehte sich auf der Platte ein kleines Stück nach rechts und streckte den rechten Arm etwas nach vorne. Die Transportplatte reagierte darauf, indem sie verlangsamte, schließlich zum Stehen kam, sich absenkte und mit dem restlichen Gehsteig eine plane Oberfläche bildete. Sandrino verließ den elektrischen Gehsteig und betrat einen gewöhnlichen Weg, der aus gewöhnlichen Gehwegplatten bestand. Er schritt aus eigener Kraft voran. Er freute sich, weil er mit jeden seiner Schritte einen seiner Füße entlastete. Es war ein schönes Gefühl, denn, durch das Stehen in der S-Bahn und auf dem elektrischen Bürgersteig, schmerzen seine Füße etwas.  

  Modernisierung versprach nicht nur Vorteile! Den Weg von der S-Bahn zum Zahnarzt hätte er auch zu Fuß zurücklegen können. Elektrische Fußwege waren auf Flughäfen und auf den Werksgeländen großer Konzerne besser platziert, als in einer kurz läufigen Innenstadt. Entlang einer großen Hauptstraße, vermochten die Transportierten den Verkehr zu entlasten. Waren eine Alternative zu Fahrrad und Roller!

Mannheim, den 03. Januar 2020

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