Se connecterDominik
Die Autotür öffnet sich, und sie steigt mit einem Koffer aus, der klein genug ist, um sich über mich lustig zu machen. Die Erschöpfung hängt ihr um die Schultern wie ein Mantel.
Dunkle Ringe liegen wie Blutergüsse auf der zarten Haut unter ihren Augen. Bei jedem Blinzeln sinken ihre Lider schwer herab. Eine lange Nacht hat sie dünn und zerbrechlich gemacht, als könnte sie schon unter dem Gewicht ihrer eigenen Knochen zerbrechen.
Mein Kiefer spannt sich an.
„Nicht geschlafen?“, frage ich, obwohl die Antwort offensichtlich ist. Ich will hören, wie sie es zugibt.
Tut sie nicht. Sie presst die Lippen zu einer schmalen, trotzigen Linie zusammen. Soll sie glauben, sie könne Schweigen als Rebellion einsetzen. Vorerst.
„Du wirst besser auf dich aufpassen.“ Meine Stimme ist knapp und leise. Ich werde nicht laut. Das werde ich nur sehr selten. Es ist nicht nötig. „Ich dulde nicht, dass du deinen Körper so behandelst. Er gehört mir.“
Sie hebt den Kopf, als wollte sie widersprechen, überlegt es sich aber anders. Stattdessen zuckt ein Muskel an ihrem Kiefer. Sie glaubt, Schweigen würde sie retten. Das wird es nicht.
Das Haus erhebt sich hinter mir. Hohe Fenster und Steinwände glänzen in der Morgensonne. Es ist nicht bloß ein Haus. Es ist ein Denkmal meiner Macht.
Ich habe es auf den Knochen der Männer errichtet, die mich unterschätzt haben. Mit Architekten, die verstanden, dass Macht Symmetrie braucht. Die Böden sind aus Marmor, importiert aus Verona, so glatt poliert, dass sie Licht wie Wasser spiegeln. Die Decken sind hoch genug, um Stimmen widerhallen zu lassen. Damit jeder, der den Mund aufzumachen wagt, daran erinnert wird, dass hier kein Platz für Lügen ist.
Jetzt betritt sie es. Ihre Sneaker quietschen leise auf dem Stein, die kleine Tasche rollt hinter ihr her. Sie blickt einmal kurz nach oben, als sollte ich nicht bemerken, dass sie beeindruckt ist. Ich bemerke alles.
Das Esszimmer ist vorbereitet. Die Haushälterin und ihr Personal haben ein königliches Frühstück aufgetischt. Pralle Erdbeeren glänzen unter Kristallhauben, Lachs ist hauchdünn geschnitten, Brot und Gebäck stapeln sich, Käse schwitzt leicht in der Wärme des späten Vormittags. Saftkaraffen leuchten wie Rubine und Gold.
Eine Inszenierung von Reichtum. Eine Erinnerung daran, in welche Welt sie sich gerade hineinverpflichtet hat.
Ich setze mich ans Kopfende des Tisches. Sie lässt sich auf den Stuhl zu meiner Rechten sinken. Ihre Gabel spießt ein Stück Melone auf, doch ihre Augen fallen halb zu, die Lider flattern.
Sie ist kurz davor, mit dem Gesicht in ihr Obst zu kippen.
Ich schlage einmal mit der Handfläche auf den Tisch. Gerade fest genug, um sie aufzuschrecken. Das Besteck springt, das Kristallglas singt. Ihre Augen fliegen auf. Sie schnappt nach Luft und fährt hoch, die Gabel klappert aufs Porzellan.
„Luciana“, sage ich ruhig, als hätte ich nicht gerade die Wände erschüttert. „Zeig ihr ihr Zimmer.“
Eve öffnet den Mund, aber ich hebe eine Hand, und sie schluckt die Worte herunter.
„Du schläfst drei Stunden. Um halb eins badest du, ziehst dich um und kommst zum Mittagessen wieder hierher. Stell mich dabei nicht auf die Probe.“
Sie sieht mich an, als wollte sie mir die Gabel durch die Hand rammen, doch die Erschöpfung gewinnt. Sie folgt der Haushälterin nach oben, ihre Würde um sich gezogen wie einen fadenscheinigen Mantel.
Um ein Uhr kündigen leise Schritte ihre Rückkehr an. Sie sieht ein bisschen besser aus. Sie braucht mehr Schlaf, aber wenigstens sieht sie nicht mehr aus, als gehörte sie in ein Leichenschauhaus.
Das Mittagessen besteht aus Salaten, Hähnchen mit Kräutern aus meinem Garten und Wein, der mehr kostet als so manches Auto. Sie isst vorsichtig, als vermutete sie Gift in der Vinaigrette. Ich lasse sie. Misstrauen ist gesund.
Wir unterhalten uns einigermaßen zivilisiert. Ich frage nach ihrem Studium, ihren Hobbys und der Todesursache ihrer Mutter.
Dann komme ich zur Sache.
„Du hast hervorragende Gene“, sage ich und spieße ein Stück Hähnchen auf. „Du bist klug und schön. In Verbindung mit meiner Entschlossenheit und meinem Ehrgeiz werden unsere Kinder eines Tages ganz sicher großen Erfolg haben.“
Ihre Gabel erstarrt auf halbem Weg zum Mund. Dann lacht sie giftig. „Das ist also alles, was ich für Sie bin? Eine Zuchtstute mit Studienabschluss.“
Ich lehne mich zurück und trinke einen Schluck Wein. „Wäre es dir lieber, wenn ich dir hübsche Lügen erzähle? Dass es Liebe auf den ersten Blick war und ich ohne dich nicht leben kann? Du solltest dich geschmeichelt fühlen. Hunderte Frauen haben sich aktiv darum bemüht, dass ich sie heirate. Aber ich habe dich gewählt.“
Ihre Augen lodern. Haselnussbraun, durchsetzt mit Splittern von leuchtendem Grün. Die Funken fliegen, und der Anblick ist großartig.
„Ich nehme an, du bist keine Jungfrau?“ Ich erwarte kein Ja. Sie ist vierundzwanzig, heißblütig und wunderschön. Ihr Jungfernhäutchen interessiert mich nicht. Nur die Tatsache, dass andere Männer berührt haben könnten, was mir gehört.
Ihre Hand zuckt zum Wasserglas, als würde sie es mir gern ins Gesicht schleudern. Ich hoffe beinahe, dass sie es tut.
Ich misshandle keine Frauen. Ich habe in meinem Leben noch nie eine Frau geschlagen und werde es auch nie tun. Aber ein ordentlicher Klaps auf den Hintern kann viel dazu beitragen, Manieren zu verbessern. Der Gedanke, wie meine Hand ihre weichen, hellen Pobacken rot färbt, ist verlockend.
„Nein“, faucht sie. „Ich bin seit meinem siebzehnten Lebensjahr keine Jungfrau mehr. Wir leben nicht im Mittelalter.“
Etwas Wildes packt mich. Ein überwältigender Drang zu töten. Nicht sie. Jeden, der es gewagt hat, Spuren an meinem Eigentum zu hinterlassen. Wut rast durch meine Adern. Ein Sturm, den ich nicht eingeladen habe.
„Wer?“, verlange ich zu wissen. „Gib mir ihre Namen.“
Sie starrt mich an, als wäre ich verrückt. „Die sage ich Ihnen nicht. Sie nehmen es nur als Vorwand für einen Blutrausch, weil jemand gewagt hat, mich zu ficken, bevor Sie mich in diesen Albtraum gezerrt haben.“
„Noch ist es kein Albtraum“, sage ich leise. „Aber es könnte einer werden. Du musst nur etwas sagen.“
Ihre Lippen zittern vor Wut. „Versuchen Sie es doch.“
Die Luft zwischen uns knistert, heiß und leicht entzündlich. Ich spieße einen weiteren Bissen Hähnchen auf, nur um nicht über den Tisch zu greifen und die Namen aus ihr herauszuschütteln. Der Gedanke an fremde Hände auf ihr lässt mich rotsehen. Ich versuche, mich darauf zu konzentrieren, dass ich der Letzte sein werde.
Es funktioniert nicht so gut, wie ich möchte.
Für den Rest des Mittagessens streiten wir. Sie ist klug, scharfsinniger als die meisten Männer, die ich getötet habe. Ihre Zunge ist eine Klinge, die sie präzise führt. Jede Beleidigung müsste mich ärgern. Stattdessen will ich sie gegen die Wand drücken und testen, wie schlagfertig sie noch ist, wenn meine Hand um ihre Kehle liegt.
Schließlich schiebt sie ihren Teller weg. „Darf ich gehen, oder wollen Sie mich vorher noch über den Tisch beugen? Bei Ihrem angeblich so unersättlichen Appetit.“
Das Bild trifft mich sofort, lebendig und deutlich. Ihre Handflächen auf dem Leinen, Porzellan, das über den Tisch fliegt, mein Schwanz, der in sie stößt, bis sie meinen Namen schreit. Ich werde so schnell hart, dass es wehtut.
Die Versuchung nagt, aber Disziplin ist mein Gott.
„Nicht vor der Hochzeit“, sage ich ihr.
Verblüffung steht ihr ins Gesicht geschrieben. „Was? Ausgerechnet Sie glauben daran, zu warten?“
„Nicht warten“, korrigiere ich. „Disziplin. Wenn ich dich nehme, dann als meine Frau. Das ist nicht verhandelbar.“
Sie murmelt etwas, halb erleichtert, halb ungläubig.
Ich sehe zu, wie sie aufsteht. Ihre Hüften schwingen, ohne dass sie es bemerkt, und reizen mich nur noch mehr. Sie geht die Treppe hinauf, ohne zurückzublicken.
Meine Erektion pocht gegen die Tischkante. Ich ignoriere sie.
Es ist noch Zeit.
Die Zeremonie findet bald genug statt. Der Ring wird sie fest an mich binden. Und wenn die Gelübde gesprochen und die Papiere unterschrieben sind, reite ich meine wilde Stute so zu, wie sie schon immer zugeritten werden sollte.
EveIch stehe mitten in unserem Zimmer. Die Stille des Hauses drückt gegen meine Trommelfelle. Dominiks Hitze hängt noch an meiner Hüfte, wo seine Hand mich beansprucht hat. Diese eingebildete Wärme ist eine brutale Erinnerung daran, dass er mich für sein Eigentum hält.Jeder Seufzer, jedes Zucken, jeder Genuss gehört mir. Ich sehe alles und darf alles unterbrechen. Wie zum Teufel kommt er dazu, mir zu befehlen, baden zu gehen?Die Wut in mir ist nicht mehr heiß. Sie ist kalt und kristallklar. Geschärft von der Demütigung, dabei zusehen zu müssen, wie dieser Bastard einem Mann die Hand verletzt, nur weil er mich angesehen hat. Er hält mich für eine Trophäe, deren Wert sich daran bemisst, wie viel Gewalt er anderen antut.Ich brauche eine Pause von dem unablässigen Lärm in meinem Kopf.Ich stürme aus dem Schlafzimmer und wieder nach unten. Biege in Richtung Küchentrakt ab, meine Stilettoabsätze schlagen einen harten Rhythmus auf den Marmorboden.Ich will nicht baden. Ich will nicht nac
DominikIch habe immer darauf bestanden, dass mein Zuhause widerspiegelt, wer ich bin. Jetzt ist eine neue Variable hinzugekommen, und der Puls unseres gemeinsamen Lebens muss seinen Rhythmus erst finden.In der Abenddämmerung ist meine Villa bereit für ihren ersten Auftritt mit meiner Frau an meiner Seite.Poliertes Kristall, entzündete Kerzen, der lange Tisch mit reinweißem Leinen gedeckt. Die Gläser sind aus so makellosem Kristall, dass sie schon klingen, wenn man sie anhaucht.Doch ich sehe nicht auf die Gedecke. Ich sehe Eve an. Anders geht es nicht.Heute Abend trägt sie kein Kleid. Stattdessen habe ich einen anthrazitfarbenen Jumpsuit gewählt. Ein messerscharfer Schnitt, ein tiefer V-Ausschnitt und ein Satin-Obigürtel, der um ihre Taille geknotet ist. Gefährlich hohe schwarze Stilettos machen sie fast so groß wie mich.Ihr Haar ist auf eine Seite gelegt. Die Locken locker hochgebunden, damit die lange Linie ihres Halses frei bleibt. Keine Diamanten. Nur eine schmale goldene Arm
EveDas Haus hat einen Herzschlag, wenn man genau hinhört.Regelmäßig stampfen die Stiefel der Wachen an meiner Tür vorbei. Lucianas Schritte sind schneller und leichter, begleitet vom leisen Klirren des Geschirrs auf einem Tablett. Enzos Gang ist unverwechselbar. Schwerer und langsamer als der der anderen. Ich habe sie alle gelernt. Jeder Laut hat sich wie eine Karte in mich eingeprägt. Jede Lücke ist eine mögliche Chance.Heute Morgen beschließe ich, es zu riskieren, nachdem ich tagelang mit mir gerungen habe.Ich bin diese unheilige Ehe eingegangen, um das Leben meines Vaters zu retten. Und dazu bin ich immer noch entschlossen. Aber als ich zugestimmt habe, mich Dominik Grimaldi auszuliefern, habe ich den Preis nicht ganz begriffen.Wie vollständig seine Welt mich verschlingen würde. Wie meine eigenen Bedürfnisse und Wünsche restlos in dem untergehen würden, was er will.Sobald ich außer Sichtweite des Hauses bin, werde ich jemanden anhalten und um ein Handy bitten. Dad sagen, dass
DominikAls die Dämmerung den Raum in blasses Licht taucht, liegt sie steif neben mir. Ihr ganzer Körper ist gespannt wie eine Bogensehne. Sie kehrt mir den Rücken zu, die Schultern eingezogen, als könnte sie sich vor der Erinnerung an letzte Nacht verstecken.Sie glaubt, sie hätte etwas gewonnen, weil sie mich ausgehalten hat, ohne zu zerbrechen. Ihr Schweigen, ihre hartnäckige Weigerung zu betteln, seien ein Sieg gewesen.Sie irrt sich.Der Triumph gehört ganz allein mir.Ich habe sie frustriert zurückgelassen. Zitternd. Nass und wütend auf sich selbst. Jede Sekunde, die sie vor Verlangen zitternd neben mir lag, jeder scharfe Atemzug, den sie zu unterdrücken versuchte, gehörte mir. Sie ist ein in die Enge getriebenes Tier, das die Zähne fletscht. Und das weckt in mir nur den Wunsch, meine noch tiefer in sie zu schlagen.Und sie wird niemals Erleichterung finden dürfen, ohne zu mir zu kommen und darum zu bitten.Als ich aufstehe, versucht sie sich wegzudrehen und tiefer in den Laken
EveDer Lärm der Hochzeitsfeier klingt mir noch in den Ohren, verstummt aber schlagartig, als wir in die Auffahrt einbiegen.Kein Geplauder über Champagnergläsern, keine anschwellende Orchestermusik. Die Villa empfängt uns mit einer Stille, die so vollkommen ist, dass sie inszeniert wirkt. Als hätten die Wände den Befehl bekommen, den Atem anzuhalten.Mein Puls stolpert gegen meine Rippen. Ich richte mich auf und verberge jedes verräterische Zeichen, so gut ich kann. Vor ihm Angst zu zeigen fühlt sich an wie Blut im Wasser, während ringsum Haie kreisen.Am Fuß der Marmorstufen zögert Dominik nicht. Er beugt sich vor, nimmt mich auf die Arme und hebt mich mühelos vom Boden. Mein erschrockenes Keuchen bleibt mir im Hals stecken. Um seinen Mund spielt diese leise, kalte Belustigung, die ich schon viel zu gut kenne.„Willkommen zu Hause, Mrs. Grimaldi“, murmelt er und trägt mich über die Schwelle.Die Worte legen sich wie Fesseln auf meine Haut. Schwerer noch als der Ring, der schon an me
DominikHochzeiten sollen Feste sein. Meine ist ein Bühnenstück, und ich führe Regie.Das Gewölbe der Kathedrale ragt hoch über uns auf. Die Rippenbögen lenken den Blick zu Heiligen aus Stein, während die Buntglasfenster farbiges Licht über den Mittelgang bluten lassen.Jede Bank ist besetzt. Der riesige Innenraum quillt über von Männern und Frauen, die wissen, wie man lächelt, während man einen Mord plant.Blumen ergießen sich über jeden Sims und jede Säule, so üppig, dass der Marmor sich unter ihrem Gewicht zu biegen scheint. Kerzen brennen in eisernen Wandhaltern. Ihr Schein ringt mit dem Sonnenlicht aus den Rosettenfenstern und vergoldet die Szene in gebrochenem Glanz.Selbst der Priester trägt die Zufriedenheit eines Mannes im Gesicht, der für seine plötzliche Flexibilität gut bezahlt wurde. Seine Stimme ist weich von der großzügigen Spende, die eine so kurzfristige Zeremonie erst möglich gemacht hat.Die Heiligkeit dieses Ortes lässt sich so leicht beugen wie Männer. Die Ironie







