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Kapitel 5 – Der goldene Käfig

last update 게시일: 2026-10-06 14:26:15

Eve

Das Erste, was mir auffällt, ist die Stille.

Nicht die sanfte, tröstliche Stille, die morgens ein Zuhause erfüllt, während der Wasserkocher läuft und draußen vor dem Fenster Vögel zwitschern. Diese Stille schüchtert ein. Sie drückt auf mich, als würde das Haus selbst lauschen und seinem Besitzer Bericht erstatten.

Dominiks Haus ist riesig. Die Decken ragen höher auf als in jeder Kathedrale, die ich je betreten habe. Jede Oberfläche ist auf Hochglanz poliert. Marmorböden, geschwungene Treppen, Kronleuchter, die wie Kunstwerke aussehen.

Es wirkt viel eher wie ein Palast als wie ein Zuhause. Was kaum überrascht, wenn man bedenkt, dass Dominik sich für den König der Welt hält.

Langsam gehe ich den langen Flur entlang. An den Wänden hängen unbezahlbare Gemälde und schwere Vorhänge. Alle paar Schritte glänzt eine unauffällige Kamera in einer Ecke, ihr schwarzes Auge auf mich gerichtet. Ich unterdrücke den Drang, jeder einzelnen den Mittelfinger zu zeigen.

Meine Suite liegt am Ende eines langen Flurs. Hinter der Doppeltür wartet ein Raum, der größer ist als die Wohnungen der meisten meiner Freunde. Er hat sogar ein eigenes Wohnzimmer, verdammt noch mal.

In der Mitte steht ein geschnitztes Himmelbett aus Holz mit weißer Bettwäsche. Daneben ein Frisiertisch aus demselben Holz, offensichtlich eine Antiquität, auf unglaublich zierlichen Beinen.

Der abgetrennte Sitzbereich ist mit Samtsesseln eingerichtet. Dazu eine riesige Vase mit frischen Blumen, noch mehr Originalkunst und Fenster mit Blick auf akkurat gepflegte Gärten und einen Springbrunnen, der Diamanten in die Luft wirft.

Es ist obszön, wie perfekt alles ist. Als hätte ein Kontrollfreak, der auf Perfektion besteht, jedes einzelne Detail ausgewählt. Ach, Moment …

So schön es auch ist, das hier ist kein Schlafzimmer. Es ist eine aufwendige Vitrine.

Der Luxus ist bloß Tarnung. Die eigentliche Ausstattung besteht aus dem Türschloss auf der Außenseite, den Männern, die direkt unter meinem Fenster Wache stehen, und den unauffälligen, glänzenden Kameralinsen, die ich entdecke, kaum verborgen in den vergoldeten Rahmen.

Vor allem aber erkenne ich es an der Zufriedenheit in Dominiks Augen, wenn er mich ansieht.

Ich ziehe den Koffer aufs Bett und öffne ihn. Beim Anblick meiner eigenen Klamotten schnürt sich mir die Kehle zu. Sie sehen hier falsch aus, schäbig und klein neben all diesem Luxus. Ich nehme sie trotzdem heraus und stopfe sie in Schubladen, die ich nie als meine betrachten werde.

Das Bad glänzt wie eine Doppelseite in einer Wohnzeitschrift. Waschbecken aus Marmor, eine Wanne auf Löwenfüßen, Regale voller Handtücher, zu perfekten Quadraten gefaltet. Es sollte ein Traum sein. Stattdessen ist es nur eine weitere Art, mich zu besitzen. Ich ziehe mich nicht aus. Ich bringe es nicht über mich. Ich stehe in der Tür und stelle mir vor, wie er hereinkommt, obwohl er gesagt hat, dass er mich vor der Hochzeit nicht anfassen wird.

Seine Worte hallen in meinem Kopf wider. Ich weiß nicht, ob ich ihm glaube. Männer wie Dominik bauen ihre Imperien nicht auf eingehaltenen Versprechen. Sie bauen sie auf Angst und darauf, ihre Gegner ständig aus dem Gleichgewicht zu bringen. Vielleicht will er mich nur in falscher Sicherheit wiegen.

Ich gehe zum Bett zurück, setze mich und starre an die Decke. Meine Gedanken rasen weiter. Ich stelle mir vor, wie ich in Weiß neben ihm stehe, Kameras blitzen und ein Ring an meiner Hand glitzert, während mein Vater voller Erleichterung und Scham zusieht.

Ich stelle mir die Hochzeitsnacht vor. Seine Hände, seinen Körper, das Unausweichliche daran. Er wird sich nehmen, was ihm gehört. Das hat er sehr deutlich gesagt.

Der Gedanke daran lässt mich schaudern. Nicht nur wegen des Sex, sondern weil ich zu etwas gemacht werde, das weniger ist als ein Mensch. Ein Besitzstück. Eine Frau, deren einziger Wert darin liegt, ob sie einen Erben hervorbringt.

Mein Magen zieht sich zusammen. Der Gedanke an eine Schwangerschaft ist ein schwarzes Loch, das alles andere verschluckt. Ich weiß nicht einmal, ob ich Kinder will. Jetzt nicht, vielleicht nie.

Falls ich mich irgendwann zur Fortpflanzung entschließe, würde ich mein Kind gern in eine liebevolle Familie setzen. Nicht in … das hier.

Was sage ich, wenn es fragt, wie Mommy und Daddy sich kennengelernt haben? Ach, kleiner Knirps, das ist eine wunderschöne Geschichte. Daddy wollte gerade Grandpa umbringen. Dann hat er Mommy zur Heirat erpresst und mich zu seiner Sexsklavin gemacht.

Dominik scheint allerdings keinerlei Bedenken zu haben. Er will ein Kind, als wäre es ein Geschäftstermin mit Frist. Ein Jahr. Keine Ausreden. Gute Gene. Ich wusste nicht, dass irgendjemand ein derartiges Arschloch sein kann. Was, wenn das Kind das erbt?

Ich schlucke schwer und gehe ins Bad. Meine Hand greift instinktiv nach der kleinen Tamponpackung im Schrank. Ich hole sie heraus und taste mit den Fingern in der Mitte nach.

Noch da. Gut. Meine winzige Rebellion hat die Reise unentdeckt überstanden. Ein erbärmlicher Schild gegen einen Panzer, aber es ist der einzige, den ich habe. Die letzte Barriere zwischen mir und der völligen Kapitulation.

Ich versuche, mir meine Zukunft hier vorzustellen. Wird er mich jeden Abend an seinen Tisch setzen und verlangen, dass ich wie eine Puppe lächle, während seine Männer auf sein Wohl trinken? Wird er mich verstecken, als Geheimnis, das er nur herauslässt, wenn es ihm passt? Werde ich wie eine Königin leben, behängt mit Diamanten? Oder wie eine Gefangene, die Tag für Tag dieselbe Zelle abschreitet?

Beides klingt nicht verlockend.

Ich denke an Dad. An seine Tränen, seine Entschuldigungen, sein Geständnis im Auto. Ich habe nur genug genommen, um deine Studiengebühren zu bezahlen. Vierzehn Jahre Blutgeld, und am Ende hat er Mist gebaut, weil er mir die Chance auf ein besseres Leben geben wollte. Jetzt ist dieses Leben weg. Verschlungen von Dominik Grimaldis unerklärlicher Besessenheit.

Schuld windet sich durch mich, schmerzhaft und giftig. Ich hasse Dad dafür, dass er gestohlen hat. Aber ich hasse mich noch mehr dafür, der Grund zu sein, warum er glaubte, es tun zu müssen.

Ich schließe die Augen, aber der Schlaf kommt nicht. Ich darf hier nicht zerbrechen. Noch nicht. Wenn Dominik mich weinen sieht, ist das, als würde ich ihm den vollständigen Sieg schenken. Also schlucke ich die Tränen herunter, begrabe sie tief und verspreche mir eines: Wenn er mich gebrochen haben will, muss er dafür arbeiten.

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