LOGINAus Marens Sicht
„Bleib genau da, wo du bist.“
Ich blieb. Nicht weil ich mich entschieden hätte, sondern weil irgendwo zwischen seinem Näherkommen und diesen Worten, die gegen meinen Mund landeten, mein Körper bereits für mich entschieden hatte.
Er berührte mich immer noch nicht. Das war das Problem.
Er stand so nah, dass ich die Verschiebung der Luft spüren konnte, jedes Mal wenn er atmete, nah genug, dass ich, wenn ich mich auch nur ein winziges Stück nach vorne bewegt hätte— mein Verstand sagte, er würde mich küssen. Mein Körper sagte: lass ihn.
Seine Hand hob sich. Langsam. Absichtlich. Als hätte er alle Zeit der Welt, um zu entscheiden, was er mit mir anstellen wollte. Meine Augen schlossen sich von allein. Meine Finger krallten sich um die Papiere in meiner Hand.
Und dann nichts. Keine Berührung, keine Wärme, kein Kuss. Ich öffnete die Augen und er war bereits zurückgetreten. Ein dünner Faden hing zwischen seinen Fingern, kaum sichtbar. Er sah ihn eine Sekunde lang an, als hätte er ihn persönlich beleidigt, dann ließ er ihn auf den Tisch fallen.
Sein Blick kehrte zu mir zurück. Wissend — die Art von Blick, die bedeutete, dass er alles gesehen hatte, was er sehen wollte, und aufgehört hatte, etwas anderes vorzutäuschen.
„Du hast aufgehört zu atmen“, sagte er.
Meine Kehle wurde trocken. „Ich habe nicht—"
„Du hast gedacht, ich würde dich küssen“, sagte er.
Ich wollte widersprechen, aber die Worte blieben in meiner Kehle stecken. Meine Wangen brannten unter seinem Blick…
„Hast du.“ Er sagte es so, wie er alles sagte, als wäre die Sache bereits abgeschlossen und mein Widerspruch nur Hintergrundgeräusch. „Das ist interessant.“
Die Hitze, die in meinen Nacken stieg, war so schnell, dass mir schwindelig wurde. Ich drehte mich weg, bevor er noch etwas anderes von meinem Gesicht ablesen konnte.
„Ich habe dir doch gesagt, ich hatte es heute Morgen eilig.“
„Du hast es immer eilig“, sagte er und griff nach seiner Jacke. Er knöpfte sie zu, als wäre gerade nichts passiert, als hätte ich nicht gerade dagestanden und auf etwas gewartet, das ich absolut nicht hätte wollen dürfen. „Und trotzdem bist du immer zu spät.“
„Das ist nicht fair. Heute war eine einmalige—"
„Richten Sie sich her.“ Die Worte schnitten mitten in meine hinein und ich hörte auf zu sprechen. Sein Blick glitt einmal über mich, ohne zu verweilen, nur prüfend, so wie er einen Quartalsbericht ansah, bei dem er bereits entschieden hatte, dass er unterdurchschnittlich war. „Dann räumen Sie den Raum auf.“
„Ja, Sir“, sagte ich, weil es das oder etwas war, das ich später bereuen würde.
Die Tür öffnete sich und Kaden trat mit seinem Tablet ein, seine Augen bewegten sich kurz zwischen uns hin und her, bevor er diesen vorsichtigen, neutralen Ausdruck aufsetzte, den er wie eine Uniform trug.
„Die Oslo-Delegation hat für morgen früh sieben Uhr bestätigt“, sagte er. „Die Rechtsabteilung wartet auf Ihre Freigabe für die östlichen Grenzdokumente.“
„Schicken Sie sie durch.“ Dorian sah nicht zu mir zurück. „Briefen Sie mich um zwei.“
„Da ist auch noch der Harlow-Vertreter. Er wartet schon seit—"
„Dann kann er weiter warten. Er ist zu mir gekommen. Ich nicht zu ihm.“
Kaden nickte einmal und Dorian ging an ihm vorbei, ohne ein weiteres Wort. An der Tür blieb er stehen, drehte sich immer noch nicht um, sah immer noch nicht zurück.
„Versuchen Sie, nicht wieder zu spät zu kommen, Maren.“
Und dann war er weg.
Kaden warf mir einen Blick zu, der zu einem Teil Mitgefühl und zu zwei Teilen Amüsement war. „Alles klar bei dir?“
„Wunderbar“, sagte ich. „Fantastisch. Der beste Tag, den ich diese Woche hatte.“
Er presste die Lippen zusammen, als würde er sich sehr bemühen, nicht zu lachen, nickte einmal und folgte seinem Alpha hinaus.
Der Raum fühlte sich anders an, nachdem er gegangen war. Zu still, zu reglos, als wäre etwas aus ihm herausgezogen worden.
Meine Hände waren nicht ganz ruhig und mein Puls saß irgendwo zu hoch in meiner Brust für eine Frau, die gerade zum Narren gehalten worden war.
Na ja, das war eben Dorian Voss. Er hatte schon immer eine Art gehabt, mich… kleiner fühlen zu lassen. Ich hatte nur noch nie so darauf reagiert. Oder vielleicht doch. Ich war nur sehr gut darin geworden, so zu tun, als hätte ich es nicht.
Ich atmete aus und zwang meinen Körper, sich zu bewegen. Ich sammelte die Akten ein und stapelte sie. Richtete die Stühle aus. Sammelte die Gläser ein, die die Investoren zurückgelassen hatten. Kleine, einfache Aufgaben, die Sinn ergaben, Aufgaben, die mich nicht so ansahen wie gerade seine Augen.
Mein Handy vibrierte auf dem Tisch. Ich ignorierte es und beendete das Ausrichten des letzten Stapels Dokumente. Es vibrierte wieder. Ich nahm es auf.
Unbekannte Nummer. Kein Name, kein gespeicherter Kontakt, nichts, das mir sagte, wer am anderen Ende war.
Ein Bild lud langsam und wurde dann schärfer, und mir blieb der Atem weg.
Es war der Konferenzraum, von draußen durch die Glaswand aufgenommen. Der Winkel war perfekt auf die schlimmstmögliche Weise. Dorian stand vor mir, viel zu nah. Mein Rücken gegen den Tisch. Sein Kopf zu mir heruntergesenkt.
Was auch immer für Abstand zwischen uns bestanden hatte, war auf dem Bild verschwunden, der Faden war nicht zu sehen, seine Hand war nicht klar erkennbar, und was klar war, war alles, wonach es aussah. Es sah nicht nach nichts aus. Es sah nach etwas aus, das von jedem, der einen Grund hatte, es zu verdrehen, in alles Mögliche verdreht werden konnte.
Jemand hatte die ganze Zeit in diesem Flur gestanden. Hatte gewartet. Hatte genau auf diesen Moment gewartet. Und sie hatten es mir geschickt, was bedeutete, dass sie bereits meine Nummer kannten, mein Gesicht und genug über mein Leben, um zu wissen, was dieses Foto in den falschen Händen anrichten konnte.
Eine zweite Nachricht kam durch, bevor ich das Handy weglegen konnte.
Weiß dein Freund, wie nah du seinem Vater bist?
**CHAPTER 27****Athena POV**"You are walking right into a cage with a desperate animal," Audrey said while pacing aggressively across the living room carpet. "He is completely cornered, Athena. He has the federal government breathing down his neck, and his assets are officially frozen.""It is a legal ambush waiting to happen," Ms. Abbott added from her spot by the large windows. "He has absolutely nothing left to lose. Men with nothing to lose do not call for friendly, casual chats. They call to find a weakness. His legal team wants to drag you into a room to manipulate you into a private settlement before the grand jury convenes.""It is pure, unadulterated bullshit," Clara yelled. She dropped her heavy purse onto the sofa with a loud thud. "I am not going to repeat the very colorful swear words I used ten minutes ago. Just pretend I am shouting them at the top of my lungs right now. You are absolutely not going. You do not owe that lying bastard a single second of your time."I s
**Chapter Five****Ondine's POV**"You broke your own rule, Vaughn," I said loudly.I stood in the center of his massive office. My hands shook as I gripped the edge of a leather chair. The memory of his hard kiss from last night still burned on my lips. My heart raced wildly just thinking about it.Vaughn did not look up from the paperwork on his desk. He turned a page slowly. "I have many rules, Ondine. You need to be specific.""You wrote an entire contract," I reminded him angrily. "Clause four. No romantic involvement between the employer and the employee. You crossed the line."Vaughn finally dropped his pen. He leaned back in his large chair and stared at me. His dark eyes held zero regret."I kissed you," he stated bluntly. "Are you asking me to apologize?""I am asking you to keep a professional distance," I shot back. "You cannot just grab me and kiss me whenever you please."A slow smirk spread across his face. He stood up from his chair and walked around the desk. He moved
"Are you just going to stand there and stare, Ondine? You are completely ruining the mood."Odalys smirked from the tangled sheets of my own bed.I froze at the door. My hands gripped the strap of my backpack so tightly my knuckles turned white. I looked at her bare shoulders, then shifted my gaze to Liam. The boy I loved. The boy I trusted with my entire life."What are you doing?" I whispered. My voice cracked in the quiet room.Liam did not even scramble to cover himself. He casually picked up his jeans from the floor. "Exactly what it looks like, Ondine. Do not act so shocked.""We have been together for two years, Liam," I said. My chest tightened. A familiar wheeze rattled in my throat. My asthma was acting up, but I refused to show weakness. Not in front of them."Two boring years," Liam scoffed. He pulled his jeans up and buckled his belt. "You are always sick. Always talking about becoming a teacher. Always playing the sweet little orphan girl who helps everyone else. It is e
"Keep your hands on the wheel, Adrien, while I check the radio frequency again," Gwendolyn said, her voice cutting clean through the hum of the auxiliary diesel engine as the *North Star* cut through the choppy, black waters of the North Sea."I've got the helm, Gwen, but this swell is getting heavier by the minute," Adrien replied, his boots braced firmly against the wet teak deckboards as he adjusted their heading against the harsh eastern wind. "If this fog doesn't clear before we reach the Skagerrak strait, we're going to be blind when the commercial shipping traffic picks up.""Is the radio picking up any signals from the Danish coast guard?" Nathaniel asked, stepping up the narrow wooden steps from the lower cabin, holding two tin mugs of hot tea while balancing the heavy iron index chest against his hip."Nothing on the public maritime channels, Nathan," Gwendolyn said, her fingers turning the small brass dials of the shortwave receiver mounted beside the companionway. "Just st
The heavy oak double doors of the southern ridge barn stood wide open to the crisp morning air, letting the pale sunlight pour across the freshly sealed floorboards. The scent of damp earth and pine needles mingled with the rich, sharp aroma of cured sealant and cut timber. High above us, the gold-leaf acoustic panels caught the daylight, gleaming like suspended shields against the dark roof vault.Cole stood beside the white marble threshold, his broad frame framed by the towering midnight-black slate columns. His dark canvas utility jacket was unbuttoned, his fitted dark sweater outlining the broad expanse of his chest as his sharp, predatory eyes tracked two craftsmen carrying a heavy, unvarnished oak seat frame into the lower gallery."Lower the rear alignment by two inches," Cole growled, his low, gravelly voice cutting through the hollow space with absolute, quiet authority. He didn't raise his voice, but the two men stopped instantly, adjusting their grip on the heavy timber fr
Maren„Ich will wissen, was du bist, Maren.“Alpha Desta saß mir gegenüber in der Eckkabine eines abgeschiedenen Speisezimmers, genau an der Grenze ihres Territoriums. Sie war eine kompakte Frau in ihren Sechzigern, die ihr Pack seit zweiundzwanzig Jahren führte und die genaue, unbeeilte Autorität besaß, die man nur hat, wenn man nie die Stimme erheben muss, um einen Raum zu beherrschen.„Nicht, was die Charta sagt, dass du bist“, fuhr Desta fort und hob ihre Teetasse, ohne den Blick von mir zu nehmen. „Nicht, wozu dich die politische Situation gemacht hat. Was du tatsächlich bist.“„Was meinst du?“, fragte ich.„Du wurdest als Mensch versiegelt“, sagte Desta klar. „Du hast für einen Alpha gearbeitet, ohne zu wissen, was du bist. Du bist eine Beziehung mit ihm eingegangen, während du vollkommen im Dunkeln warst. Du hast eine Markierung, eine freiwillige Ritualfreisetzung und ein öffentliches Ratsverfahren im Raum von zwei kurzen Monaten durchlaufen. Die meisten Wölfe wären unter einem
Aus Marens Sicht„Sie sollten wahrscheinlich einen Schritt zurücktreten, Mr. Voss, bevor jemand durch dieses Fenster sieht und ein weiteres Kapitel zu den Gerüchten hinzufügt.“Meine Stimme klang klein, sogar in meinen eigenen Ohren, und durchbrach die schwere Stille auf dem Balkon. Dorians Hand bli
Aus Marens Sicht„Ich kann in der Lobby schlafen, Mr. Voss. Oder ich lasse mir einfach ein Feldbett vom Housekeeping bringen und stelle es neben die Haustür.“Ich hatte nicht einmal meinen Mantel ausgezogen, während ich mitten im riesigen Penthouse-Suite stand. Der Raum war lächerlich groß, mit hoh
Aus Marens Sicht„Mr. Voss, willkommen zurück. Soll ich das Übliche für Sie und Ihre Freundin vorbereiten?“Das Lächeln der Flugbegleiterin war warm und zielte genau auf die falsche Person. Ich stand am Eingang der Privatjet, meine Laptoptasche schwer auf der Schulter, und beobachtete, wie sie zwis
Aus Marens Sicht„Was hast du getan?“ fragte Bex, kaum dass sie abgehoben hatte.„Ich habe nichts getan.“ Ich lief bereits schnell den Flur entlang, weg vom Konferenzraum, das Handy am Ohr. „Jemand hat mir ein Foto geschickt. Mich und Dorian. Im Konferenzraum. Jemand stand die ganze Zeit draußen, B







