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KAPITEL 3

Author: NEON ON LIGHT
last update publish date: 2026-10-22 23:54:01

Kapitel 3: Der Ring, den ich nicht hätte annehmen sollen

Adrian machte mir an einem Dienstag einen Heiratsantrag. Kein schickes Abendessen. Keine große Geste. Nur wir beide auf der Dachterrasse seines Penthouses, Essensreste auf dem Tisch verstreut, die Stadt unter uns glitzernd wie ein Lichtermeer. „Willst du mich heiraten?“, sagte er. Ich verschluckte mich an meinen Nudeln. „Wie bitte?“

Er lachte, dieses herzliche, unbeschwerte Lachen, das mich vom ersten Moment an in seinen Bann gezogen hatte. „Ich sagte: ‚Willst du mich heiraten?‘ Ich weiß, man sollte es mit Ring, Rede und vielleicht sogar Streichquartett machen, aber ich bin ungeduldig, und ich liebe dich, und ich möchte den Rest meines Lebens damit verbringen, es dir zu beweisen.“ Er griff in seine Tasche und zog eine kleine Samtschachtel hervor. „Ich werde alles ordentlich machen. Versprochen. Aber jetzt muss ich es einfach nur wissen. Willst du?“ Er öffnete die Schachtel. Der Ring darin war schlicht. Elegant. Ein einzelner Diamant auf einem dünnen Goldring.

Ich starrte ihn an. Vor sechs Monaten hätte ich Nein gesagt. Vor sechs Monaten glaubte ich nicht an die Liebe. Vor sechs Monaten kämpfte ich nur ums Überleben. Doch dann lernte ich Adrian kennen, und alles änderte sich. Er war liebenswürdig. Großzügig. Witzig. Er erinnerte sich an meine Kaffeebestellung, meine Lieblingsblumen, den Namen meines Hundes aus Kindertagen. Als ich krank war, brachte er mir Suppe vorbei. Er hielt meine Hand bei überfüllten Veranstaltungen. Er sah mich an, als wäre ich der Mittelpunkt seines Universums. Bei ihm fühlte ich mich geborgen. Er war alles, was ich mir je gewünscht hatte.

„Ja“, sagte ich. Adrians Gesicht strahlte. „Wirklich?“ „Ja. Ja. Tausendmal ja.“ Er küsste mich, zärtlich, warm und vertraut, und schob mir den Ring an den Finger. Er passte perfekt. „Ich liebe dich“, flüsterte er an meine Lippen. „Ich dich auch.“ Und ich meinte es ernst. Wirklich.

* * *

Später in dieser Nacht, während Adrian neben mir schlief, lag ich wach und starrte auf den Ring. Es fing das Mondlicht ein und zwinkerte mir zu, als wüsste es etwas, was ich nicht wusste. Du bist verlobt. Der Gedanke fühlte sich fremd an. Unwirklich. Als wäre ich in das Leben eines anderen eingetreten. Du wirst Adrian Blackwood heiraten. Du wirst eine Blackwood sein. Der Name jagte mir einen Schauer über den Rücken.

Ich hatte seinen Vater noch immer nicht kennengelernt. Die Gala war in zwei Wochen, ein Familienessen auf dem Anwesen der Blackwoods, gefolgt von der Wohltätigkeitsveranstaltung. Adrian hatte mir versichert, dass alles gut gehen würde. „Mein Vater ist nicht so furchteinflößend, wie er wirkt“, hatte er gesagt. „Er ist nur … intensiv.“ Ich hatte keine Angst vor Intensität. Ich hatte mein ganzes Leben lang mit Intensität zu tun gehabt. Aber irgendetwas an dem Namen Blackwood beunruhigte mich, etwas, das ich nicht benennen konnte. Ich schob den Gedanken beiseite und schloss die Augen. Es war nichts. Es durfte nichts sein.

* * *

Am nächsten Morgen fand ich das Foto. Ich räumte gerade den Kleiderschrank aus, Adrians Kleiderschrank, weil er darauf bestanden hatte, dass ich meine Sachen hineinbringe, als ein Karton vom obersten Regal fiel. Er knallte auf den Boden, der Deckel sprang auf und Papiere und alte Fotos verteilten sich auf dem Teppich. Ich kniete mich hin, um sie aufzuheben. Und dann sah ich es.

Ein Foto. Alt, etwas verblasst. Ein Mann und eine Frau bei irgendeiner Veranstaltung, vielleicht einer Gala oder einer Spendenaktion. Die Frau war wunderschön, mit dunklem Haar und freundlichen Augen. Meine Mutter. Ich starrte das Foto an, meine Hände zitterten. Meine Mutter war auf diesem Foto, neben einem großen, dunkelhaarigen Mann, den ich nicht kannte. Sie lächelten, nicht das höfliche Lächeln von Fremden, sondern etwas Tieferes. Etwas Vertrautes.

„Elena?“ Ich zuckte zusammen. Adrian stand in der Tür, noch im Schlafanzug, die Haare vom Schlafen zerzaust. „Was machst du da?“ „Ich räume auf.“ Ich steckte das Foto schnell in meine Tasche, bevor er es sehen konnte. „Mir ist eine Kiste runtergefallen.“ Er gähnte. „Komm zurück ins Bett.“ „Gleich.“ Er verschwand im Flur.

Ich zog das Foto hervor, mein Herz raste. Meine Mutter, lächelnd einem Mann, den ich noch nie gesehen hatte. Ein Mann, der mir irgendwie bekannt vorkam, obwohl ich ihn nicht zuordnen konnte. Ich drehte das Foto um. Auf der Rückseite stand in verblasster Tinte: „Du warst nie nichts.“ Mir gefror das Blut in den Adern. Diese Worte. Ich kannte diese Worte. Du warst nie nichts. Die Notiz. Der Fremde. Die Nacht, die ich zwei Monate lang zu vergessen versucht hatte. Das konnte nicht sein. Es war ein Zufall. Ein grausamer Scherz. Irgendetwas.

Ich sah mir das Foto noch einmal an, den Mann neben meiner Mutter. Und mir wurde mit einem flauen Gefühl im Magen klar, dass ich ihn schon einmal gesehen hatte. Nicht persönlich. Nicht in einer Erinnerung. In einem Zeitungsartikel. Sein Name war Damien Blackwood. Adrians Vater.

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