FAZER LOGINFreitag, sieben Uhr fünfzig.Elena saß im rechten Zimmer am Tisch. Das Telefon lag vor ihr, daneben das Heft und der Bleistift.Sie hatte die Nacht nicht gut geschlafen. Nicht wegen der Arbeit, die noch vor ihr lag, sondern wegen des Gesprächs in der Tiefgarage. Sie hatte bekommen, worum sie gebeten hatte. Trotzdem ließ sich der Abstand zwischen ihr und dem Mann, den sie angerufen hatte, nicht mit einem Auftrag überbrücken.Um acht Uhr vier erschien die erste Nachricht von Brenner.Wir sind drin.Elena las die Worte und legte das Telefon wieder hin.Um acht Uhr elf kam die nächste Nachricht.Zweiter Schrank, von unten.Sie antwortete nicht. Brenner wusste, dass sie wartete.Als um acht Uhr sechsundzwanzig die dritte Nachricht eintraf, stand Elena auf.Wir sind raus.Sie ging in die Küche, setzte Wasser auf und stellte zwei Tassen auf die Arbeitsfläche. Erst als sie die zweite Tass
Elena rief um zweiundzwanzig nach neun an.Er nahm beim ersten Klingeln ab.„Ich brauche morgen um acht Ihre Hilfe“, sagte sie.Am anderen Ende blieb es still.„Wobei?“„Beim Zugang zum Archiv des Nachlasses. Brenner hat die Unterlagen geprüft. Ihr Name steht im Vertrag, und ohne Sie kommen wir nicht hinein.“„Wo sind Sie?“Elena nannte ihm die Straße.„Drittes Untergeschoss?“„Ja.“„Ich komme.“Sie wollte noch etwas sagen, doch er hatte bereits aufgelegt.Elena blieb mit dem Telefon am Ohr sitzen. Dann senkte sie die Hand und legte es auf den Beifahrersitz.Sie hatte ihn angerufen.Mehr musste sie sich in diesem Moment nicht eingestehen.Um Viertel nach zehn fuhr sie los.Die Straßen waren fast leer. Sie passierte die Oper, bog zweimal ab und erreichte die Einfahrt einer Tiefgarage. Die Schranke öffnete sich, nachdem sie ihre Karte vor
Die Uhr im rechten Zimmer zeigte zwanzig nach acht.Elena hielt das Telefon in der Hand, ohne auf das Display zu sehen. Schließlich legte sie es neben den Wasserkrug und stand auf.In der Küche machte sie kein Licht. Sie füllte Wasser in den Kessel, stellte ihn auf die Platte und wartete, bis es kochte. Dann goss sie das Wasser in eine Tasse.Sie trank nicht.Als sie ins rechte Zimmer zurückkehrte, lag Brenners Mappe noch auf dem Tisch. Die vier Verträge steckten darin, zusammen mit den Unterlagen über die Zahlungen. Elena schob die Mappe zur Seite.Ganz hinten hatte sie am Nachmittag ein gefaltetes Blatt entdeckt. Es gehörte nicht zu den Verträgen.Sie nahm es heraus und öffnete es.Drei Zeilen standen darauf.In der ersten befanden sich eine Adresse in der Innenstadt, eine Hausnummer und ein Stockwerk. Ein kurzer Zusatz beschrieb einen zweiten Eingang.In der zweiten Zeile stand ein Code aus acht
Elena kam um zwanzig nach eins zurück.Sie hängte ihre Jacke auf, ging in das rechte Zimmer und setzte sich an den Tisch. Der Wasserkrug stand noch neben den drei Gläsern. Daneben lag der Beschluss mit den beiden Unterschriften.Sie schob das Glas beiseite und nahm ein leeres Blatt.Oben schrieb sie das Datum.Darunter begann sie mit der Erklärung für Vivienne.Sie hielt sich an die Reihenfolge der Ereignisse. Was sie selbst gesehen hatte, beschrieb sie als Beobachtung. Was Vivienne ihr erzählt hatte, kennzeichnete sie als Aussage. Wo ihr ein Beleg fehlte, schrieb sie das ausdrücklich dazu.Sie fügte keine Vermutungen hinzu. Sie erklärte nicht, was Vivienne ihrer Meinung nach beabsichtigt hatte. Sie hielt lediglich fest, welche Informationen vorlagen und welche Fragen noch offen waren.Als sie fertig war, las sie das Blatt zweimal.Dann strich sie einen Satz, weil er eine Schlussfolgerung enthielt, die sich nicht belegen ließ. Den Rest ließ sie stehen.Sie rief Frau Dehmel.Die Mitarb
„Wollen Sie ihn sehen?“Elena stand am Tor und sah Frau Pahl an.Die Frage war einfach. Trotzdem antwortete Elena nicht sofort.Sie hatte den ganzen Vormittag damit verbracht, Spuren zu verfolgen, Zahlen zu vergleichen und Fragen zu stellen, auf die niemand eine vollständige Antwort geben wollte. Jetzt stand sie vor einer Tür, hinter der ein Kind war, von dem sie bis vor Kurzem nichts gewusst hatte.„Ja“, sagte sie schließlich.Frau Pahl führte sie zurück durch die Diele.Elena folgte ihr durch eine weitere Tür in einen schmalen Gang. An den Wänden hingen keine Bilder. Nur mehrere Türen mit kleinen Nummern unter den Klinken unterbrachen die helle Wand.Am Ende des Gangs befand sich eine Glasscheibe.Dahinter lag ein Raum mit vier Fenstern zum Hof. Ein Tisch stand in der Mitte, daneben ein Stuhl. Auf dem Tisch lagen Papier und ein Stift. Ein Glas Wasser stand so weit vom Rand entfernt, dass es nicht versehen
Elena blieb noch einige Minuten in Viviennes Küche.Die beiden Blätter des Instituts lagen zwischen ihnen auf dem Tisch. Vivienne hatte sie nicht wieder angefasst. Ihr Blick wanderte immer wieder zu den Ergebnissen, als hoffte sie, dass die Worte sich verändern würden, wenn sie nur lange genug hinsah.Elena steckte die Blätter zurück in den Umschlag.„Sie haben gesagt, dass es um ein Kind geht“, sagte sie. „Ich möchte wissen, was Sie mir noch nicht erzählt haben.“Vivienne rieb ihre Hände aneinander.„Ich kann Ihnen nicht alles erklären.“„Dann fangen Sie mit dem an, was Sie erklären können.“Vivienne stand auf, ging in den Flur und kam mit einem kleinen Bild zurück. Sie hielt es zunächst in der Hand, ohne es Elena zu zeigen.„Das habe ich aufbewahrt.“„Was ist es?“Vivienne drehte das Bild um und legte es vor Elena auf den Tisch.Es zeigte ein Kind vor einer Mauer. Im Hintergrund
Der Boardroom von Hale Enterprises roch nach poliertem Mahagoni, starkem Kaffee und kaum verhüllter Panik. Sonnenlicht schnitt durch die vom Boden bis zur Decke reichenden Fenster und beleuchtete den langen Tisch, an dem neun ernste Gesichter Cassian und Elena beobachteten, als sie eintraten. Richa
Der private Salon fühlte sich enger an, als er war. Die schweren Samtvorhänge und antiken Möbel rückten wie Zeugen eines Prozesses näher. Elenas Hand blieb in Cassians festem Griff gefangen – warm, ruhig und das Einzige, was sie erdete, während Richard Hales Worte nachhallten.„Amelias Großeltern“,
Elenas Finger krallten sich so fest um das steinerne Geländer, dass ihre Knöchel weiß hervortraten. Die Nachtluft, die zuvor eine willkommene Erleichterung gewesen war, fühlte sich nun dick und erstickend an. Sie musste sich nicht umdrehen, um zu wissen, wer hinter ihr stand. Diese Stimme tief, in
Der Bass pulsierte durch die überfüllte Villa wie ein zweiter Herzschlag, doch Elena Voss spürte ihren eigenen in der Kehle stocken. Kristalllüster warfen gebrochenes Licht auf Designer-Kleider und maßgeschneiderte Anzüge, während Gelächter wie Glasscherben durch die Luft schnitt. Das hier sollte e







