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VERSTRICKTES GELÜBDE
VERSTRICKTES GELÜBDE
Author: Blossom writes

Kapitel 1

last update publish date: 2026-05-24 06:43:29

Der Bass pulsierte durch die überfüllte Villa wie ein zweiter Herzschlag, doch Elena Voss spürte ihren eigenen in der Kehle stocken. Kristalllüster warfen gebrochenes Licht auf Designer-Kleider und maßgeschneiderte Anzüge, während Gelächter wie Glasscherben durch die Luft schnitt. Das hier sollte eine Feier sein – Richard Hales neuesten Geschäftserfolg –, aber für Elena fühlte es sich an, als balanciere sie auf einem Seil über einer Grube voller Wölfe.

„Du bist immer noch Jungfrau, oder, Ellie?“, höhnte Jake, einen Arm um ein Mädchen gelegt, dessen Kleid kürzer war als ihr Anstand. Seine neue Freundin grinste, das Champagnerglas lässig zwischen manikürten Fingern baumelnd. „Little Miss Perfect. Predigt immer davon, auf den Richtigen zu warten. Wie lange war das jetzt? Zweiundzwanzig Jahre mit nichts?“

Hitze schoss Elena in die Wangen. Es war nicht nur der Spott. In ihren Kreisen – den elitärsten Nachkommen von CEOs, Investoren und altem Geld – war das Image Währung. Jake hatte bereits Gerüchte verbreitet, sie sei „frigide“ und „unnahbar“, nachdem sie ihn letztes Jahr abgewiesen hatte. Diese Gerüchte hatten sie eine prestigeträchtige Praktikumsempfehlung gekostet – einer der Partner der Kanzlei war Jakes Onkel. Als die unberührte, langweilige Stiefschwester des berüchtigten Cassian Hale war sie ein leichtes Ziel. In dieser Welt war Verletzlichkeit Schwäche, und Schwäche wurde verschlungen. Niemand respektierte eine Frau, die nicht einmal einen Mann „handhaben“ konnte.

Der Kreis ihrer sogenannten Freunde lachte, Handys bereits halb erhoben wie Geier, die frisches Fleisch umkreisten. Sie konnte die Posts förmlich sehen: *Elena Voss, immer noch unberührt, immer noch irrelevant.*

Etwas in ihr zerbrach. „Bin ich nicht“, sagte sie, schärfer als beabsichtigt. Die Worte sprudelten einfach weiter heraus, unbesonnen und unaufhaltsam. „Ich schlafe mit jemandem. Mit Cassian Hale. Meinem Stiefbruder.“

Stille schlug über der Gruppe zusammen wie Eiswasser. Dann folgte die Explosion aus Flüstern.

„Unmöglich!“ „Richard Hales Sohn?“ „Dieser heiße, arrogante Bastard?“

Jakes Gesicht verzerrte sich. „Bullshit. Du lügst.“

Elena hob das Kinn, ihr Herz hämmerte so heftig, dass ihr schwindelig wurde. „Glaub, was du willst. Wir sind seit der Hochzeit zusammen. Er kann die Hände nicht von mir lassen.“

Die Lüge schmeckte wie verbotener Wein auf ihrer Zunge – süß, gefährlich und bereits dabei, alles zu vergiften.

Sie drehte sich um und schob sich durch die Menge, bevor jemand sehen konnte, wie ihre Hände zitterten. Frische Luft schlug ihr ins Gesicht, als sie auf die Terrasse floh und sich am steinernen Geländer festhielt. *Was zur Hölle habe ich gerade getan?*

Erinnerungen überschwemmten sie, während sie auf die gepflegten Gärten unter sich starrte. Sie war acht gewesen, als ihre Welt zerbrach und sich zu etwas Kälterem neu formte. Ihre Mutter – Richard Hales neue Frau – hatte sie nach der Adoption aus dem Waisenhaus auf das weitläufige Hale-Anwesen gebracht. Elena erinnerte sich noch lebhaft an das erste Treffen.

Cassian, damals zwölf, hatte oben auf der großen Treppe gestanden wie ein junger König, der einen unerwünschten Eindringling musterte. Groß für sein Alter, mit scharfen Wangenknochen und Augen wie Sturmwolken, hatte er nicht gelächelt. Nicht ein einziges Mal. Während ihre Eltern strahlten und von „einer echten Familie“ sprachen, hatte Cassian direkt durch sie hindurchgesehen.

„Du bist nicht sie“, hatte er tonlos gesagt, als ihre Mutter kurz weg war. „Du wirst nie meine Schwester sein. Versuch es gar nicht erst.“

Dieser Groll war über die Jahre nur noch härter geworden. Cassian war brillant, rücksichtslos und unantastbar – der goldene Erbe, der wie ein Rockstar feierte, aber Millionen-Deals vor dem Frühstück abschloss. Arrogant, beißend sarkastisch und erbittert beschützend gegenüber der Erinnerung an seine leibliche Schwester, die jung bei einem tragischen Unfall gestorben war. Er sah Elena als Ersatz, als Betrügerin, als ständige Erinnerung an das, was er verloren hatte. Ihre Streitigkeiten waren im Haus legendär: Schreiereien über Nichtigkeiten, wochenlanges eisiges Schweigen, kleinliche Sabotage der Pläne des anderen.

Ihre Mutter, die ewige Optimistin, hoffte immer noch, dass sie den Riss eines Tages heilen und eine echte Familie werden würden. Elena hatte es anfangs versucht – kleine Gesten, gemeinsame Mahlzeiten, ihn sogar einmal in der Schule verteidigt –, doch Cassian hatte jeden Olivenzweig mit chirurgischer Präzision abgelehnt. Als Erwachsene, die nur noch zu Feiertagen und Pflichtveranstaltungen unter einem Dach lebten, waren sie Meister der gegenseitigen Zerstörung. Höflich in der Öffentlichkeit, giftig unter vier Augen.

Und jetzt hatte sie seinen Namen in ihren Schlamassel hineingezogen.

Eine tiefe, samtige Stimme durchschnitt die Nacht hinter ihr, durchtränkt von Eis und kaum beherrschter Wut:

„Möchtest du das wiederholen, Stiefschwester?“

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