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Author: Helsa
last update publish date: 2026-05-30 19:38:25

ZANDRO

Meine Schwester war verschwunden. Wahrscheinlich irgendwo in dieser gottverlassenen Stadt, verängstigt, verletzt und allein.

Und trotzdem konnte ich an nichts anderes denken, als Helma über meinen Schreibtisch zu beugen und die Wahrheit aus ihr herauszuficken, bis sie schrie.

Der Gedanke widere mich an.

Er machte mich gleichzeitig steinhart.

Ich knallte die Whiskeyflasche auf den Tisch und zwang mich, den Blick wieder auf den Laptop zu richten.

Vittoria kam zuerst.

Immer.

Doch sobald ich meine Schwester gefunden hatte, würde die verlogene Frau, die oben eingesperrt war, jede einzelne Antwort liefern, die sie mir schuldete.

Die Ortungssignale waren noch immer ein verdammtes Chaos. Wer Vittoria entführt hatte, wollte sie nicht töten.

Sie wollten sie haben.

Das hier war kein zufälliges Massaker.

Es war eine Botschaft.

Und Menschen, die eine derart dreiste Botschaft schickten, glaubten normalerweise, dass sie überleben würden, was ich ihnen zurückschicken würde.

In meinem Kopf hallte die Stimme meines Vaters wider, kalt und spöttisch.

Du hast zugelassen, dass man mein süßes Mädchen entführt. Nutzloser Idiot.

„Fick dich“, murmelte ich.

Ich öffnete die Akten aller Bastarde, die ein Motiv hatten.

Das arrogante Gesicht von Enrico Vitale erschien als Erstes auf dem Bildschirm.

Unser Streit um die Territorien schwelte seit Monaten.

Er liebte Blut, Gewalt und die alten Methoden.

Ich bevorzugte Ergebnisse.

Falls er dahintersteckte, hatte er gerade das Todesurteil für jeden unterschrieben, der ihm jemals etwas bedeutet hatte.

„Boss.“

Luca trat ins Zimmer. Sein Gesicht war finster.

Er nannte mich nur dann Boss, wenn es gleich blutig wurde.

Ich richtete mich auf.

„Sag mir, dass du etwas hast.“

Er reichte mir ein Tablet.

„Möglicher Standort. Fahrzeug und Männer passen zur Beschreibung. Frankie, der Junkie, schwört, er hätte die Braut gesehen.“

„Frankie würde für fünfzig Dollar schwören, seine eigene Mutter sei noch Jungfrau.“

„Stimmt. Aber wenn wir den Hinweis ignorieren ...“

Es gab nur eine Antwort.

„Wir rücken aus. Sofort.“

Der Konvoi setzte sich in Bewegung wie Schatten mit Reißzähnen.

Wir erreichten die verlassenen Lagerhallen am Stadtrand lautlos.

Ein Gebäude fiel sofort auf.

Frische Reifenspuren.

Deutlich besser instand gehalten als die verrotteten Hallen drum herum.

Luca drückte mir zusätzliche Magazine in die Hand.

Stefans Stimme knackte über das Headset.

„Vier versteckte Fahrzeuge. Sechs sichtbare Gegner. Keine Spur von Angel.“

Angel.

Der alte Codename meines Vaters für Vittoria.

In dem Moment, als wir das Gebäude stürmten, brach die Hölle los.

Schüsse zerrissen die Luft.

Männer schrien und gingen zu Boden, während mein Team sie mit kalter Präzision ausschaltete.

Der metallische Geruch von Blut erfüllte die Halle.

Als der letzte Körper auf dem Beton aufschlug, legte sich eine brutale Stille über alles.

Ich ging neben einem der Toten in die Hocke und durchsuchte ihn.

Kein Ausweis.

Kein Telefon.

Profis.

Ich klappte mein Messer auf, trennte mit einem sauberen Schnitt seinen Zeigefinger ab und verpackte ihn für die Identifizierung.

Irgendjemand würde reden.

Ein dumpfes Geräusch kam von der hinteren Wand.

Wir bewegten uns gleichzeitig.

Auf ein stummes Zeichen trat ich die Tür ein.

Sie flog krachend auf.

Ein Schuss pfiff an meinem Kopf vorbei.

Ich duckte mich, richtete mich wieder auf und feuerte.

Die Kugel traf den Mann genau zwischen die Augen.

Er fiel sofort.

Vittorias gedämpfter Schrei durchschnitt das Klingeln in meinen Ohren.

Sie kauerte in einer Ecke.

Ihr Hochzeitskleid war zerrissen und schmutzig.

Ihre Hände waren gefesselt.

Dunkle Blutergüsse zeichneten sich auf ihrem Gesicht ab.

Ein schmutziger Handabdruck prangte auf ihrer linken Brust.

Ihre sommerblauen Augen waren vor Angst geweitet.

Wäre der Mann, der sie angefasst hatte, nicht bereits tot gewesen, hätte ich ihn zurück ins Leben geholt, nur um ihn langsamer leiden zu lassen.

Ich ging vor ihr auf ein Knie und zog vorsichtig das Klebeband von ihrem Mund.

Keine Anzeichen einer Vergewaltigung.

Eine kleine verdammte Gnade.

Sie klammerte sich zitternd an mich.

„Vittoria ... haben sie dich ...?“

„Nein“, flüsterte sie mit brüchiger Stimme und griff nach meinen Revers. „Haben sie nicht. Mir geht es gut.“

Als ich ihr aufhalf, schwankte sie kurz.

Dann blieb sie abrupt stehen.

„Lewin ... ist Lewin in Ordnung?“

Mein Brustkorb zog sich zusammen.

Ich schüttelte den Kopf und zog sie in meine Arme.

Neue Schluchzer erschütterten ihren Körper.

„Ich habe ihn umgebracht ... Es ist meine Schuld.“

„Nein“, log ich leise gegen ihr Haar, während die Schuld in mir noch heißer brannte als die Wut.

Ich war der Grund, warum er tot war.

Einfach, weil es mich gab.

„Ich werde herausfinden, wer das getan hat, Angel.“

Ich küsste ihre Stirn.

„Und ich werde sie anflehen lassen, sterben zu dürfen, bevor ich sie töte. Auf den Gräbern unserer Eltern schwöre ich es.“

Sie weinte nur noch heftiger.

Genau in diesem Moment klingelte mein Telefon.

Der denkbar schlechteste Zeitpunkt.

Trotzdem nahm ich ab.

„Was?“

„Wir haben ein Problem, Boss“, sagte die Stimme am anderen Ende.

„Die Frau ... sie ist verschwunden. Wir können sie nirgendwo finden.“

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