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Kapitel 5

Author: Lux Rhee
last update publish date: 2026-07-03 18:05:43

Athena

„Unterschreiben Sie hier im letzten Abschnitt, Athena, dann ist Ihre Ehe mit Henry Reeves offiziell beendet“, murmelte mein Anwalt und schob das schwere juristische Dokument über den Schreibtisch.

Ich nahm den schwarzen Stift, meine Finger blieben ruhig, als ich auf das Papier hinuntersah. Drei Wochen waren vergangen, seit ich das Penthouse verlassen hatte. Drei lange Wochen, in denen Henrys unbeantwortete Anrufe in quälend lange Sprachnachrichten übergegangen waren, die ich genau einmal abgehört und dann für immer gelöscht hatte. Jetzt, vor diesem Dokument, wurde mir klar, dass Henry nicht einmal heute im Büro des Anwalts erschienen war. Seine Unterschrift stand bereits dort – trocken und dunkel auf der Linie –, und wartete nur noch auf meine. Selbst am absoluten Ende unserer fünf gemeinsamen Jahre konnte er sich nicht dazu durchringen, mir in die Augen zu sehen.

Ich setzte den Stift aufs Papier, unterschrieb meinen Namen mit schnellem Strich und stand auf. „Es ist erledigt, Mr. Harrison. Schicken Sie ihm seine Ausfertigung.“

„Ich kümmere mich sofort darum, Athena“, sagte er mit einem kurzen Nicken. „Passen Sie auf sich auf.“

Ich verließ das ruhige Bürogebäude und trat auf die steinernen Stufen des Gerichtsgebäudes. Die Morgensonne schien hell, doch ich spürte ihre Wärme kaum.

„Es ist erledigt“, sagte eine tiefe, vertraute Stimme rechts von mir.

Ich blickte auf und sah Damon Calloway neben einer Steinsäule stehen. Die Hände lässig in den Hosentaschen, wartete er entspannt auf mich. Er hatte das Datum der endgültigen Scheidung im Blick behalten und stand nun hier. Er gratulierte mir nicht, und er bot auch keine falschen Mitleidsworte an. Er stand einfach nur still da und wartete, bis ich bereit war, zuerst zu sprechen.

„Es ist erledigt“, wiederholte ich leise, atmete aus und ging die Stufen zu ihm hinunter.

„Wie fühlst du dich?“, fragte Damon. Seine dunklen Augen musterten mein Gesicht mit voller Aufmerksamkeit.

„Leer“, antwortete ich. Das ehrliche Wort kam über meine Lippen, bevor ich es zurückhalten konnte. Ich zog die Strickjacke fester um meine Taille. „Als ob es eigentlich viel mehr wehtun müsste, als es gerade tut. Ich weiß nicht, warum es das nicht tut.“

„Vielleicht, weil ein Teil deines Herzens diese Ehe schon lange vor heute betrauert hat“, sagte Damon sanft und trat näher an mich heran. Er kam so nah, dass der holzige Duft seines Parfums die Stadtluft durchdrang und ich den Kopf heben musste, um ihm ins Gesicht zu sehen. „Lass mich dich von hier wegbringen, Athena. Lass mich dich an einen Ort bringen, der nicht voll von alten Erinnerungen ist.“

Ich wusste, ich sollte Nein sagen. Die kluge, vorsichtige Entscheidung einer frisch Geschiedenen wäre gewesen, ein Taxi zu meiner vorübergehenden Wohnung zu nehmen, die Tür abzuschließen und den Schmerz allein zu verarbeiten. Aber ich war so unendlich müde, immer klug zu sein. Ich war es leid, vorsichtig zu sein, und völlig erschöpft davon, mich für einen Mann zusammenzureißen, der nie auch nur versucht hatte, mich festzuhalten.

„Wohin?“, fragte ich und sah zu ihm auf.

„Wohin du willst“, antwortete Damon sofort, und ein kleines, aufrichtiges Lächeln umspielte seinen Mund. „Nur nicht hier.“

Er öffnete die Beifahrertür seines eleganten schwarzen Wagens, und ich stieg ein. Wir fuhren vom Gerichtsgebäude weg, direkt in Richtung Küste. Es war eine zweistündige Fahrt, gefüllt mit angenehmem Schweigen und leisen Gesprächen. Er drängte mich nicht nach Details zu den Gerichtsakten und erwähnte Henrys Namen kein einziges Mal. Irgendwo auf der kurvigen Küstenstraße vibrierte mein Handy in der Tasche mit einer Nachricht von Henry, doch zum ersten Mal seit fünf Jahren zuckte ich nicht zusammen. Ich spürte keinen scharfen Stich von Panik in der Brust. Ich ignorierte es einfach.

Als die Sonne am Horizont versank, lenkte Damon den Wagen an einen abgelegenen Strand. Wir gingen hinaus auf den dunklen Sand. Der kalte Wind löste mein Haar vollständig aus den Klammern, sodass die Strähnen mir ins Gesicht peitschten. Das Rauschen der Wellen, die gegen die Felsen schlugen, war laut und gleichmäßig.

Damon blieb stehen, drehte sich zu mir und sah mich mit einem so absoluten und ruhigen Blick an, dass sich meine Brust auf ganz andere Weise zusammenzog als durch Trauer.

„Ich werde nicht so tun, als wollte ich dich nicht, Athena“, sagte Damon. Seine Stimme schnitt klar durch das Heulen des Windes. „Ich will dich, seit dem Tag, an dem du vor zwei Jahren mein Führungsjobangebot für ihn abgelehnt hast. Aber jetzt frage ich dich, ohne dass noch irgendetwas zwischen uns steht: Sei mit mir zusammen.“

Ich sah ihn an, mein Atem stockte, als er einen weiteren Schritt auf mich zutrat.

„Sag nicht Ja, weil du vor deiner Vergangenheit davonläufst“, fuhr er fort, seine Augen fest auf meine gerichtet. „Sei mit mir zusammen, weil du es wirklich willst.“

Die Wellen schlugen weiter hinter ihm, geduldig und rhythmisch, als hätten sie alle Zeit der Welt, auf meine Antwort zu warten.

Ich stand auf dem kalten Sand, und mein Verstand blitzte automatisch durch die letzten fünf Jahre zurück. Ich dachte an die leeren Preisverleihungen, bei denen ich nur Requisite gewesen war. Ich dachte an das sterile Krankenhausbett, in dem ich allein gelegen, geblutet und geweint hatte, während mein Mann mit einer anderen Frau ein Glas erhob. Ich dachte an die Mappe auf der Küchenzeile mit der schmerzhaften Wahrheit darunter – einen Zettel, den Henry wahrscheinlich nicht einmal gelesen hatte.

„Ja“, sagte ich. Das Wort kam klar und endgültig heraus. „Ja, Damon.“

Ein Ausdruck roher, unverhüllter Erleichterung breitete sich auf seinem attraktiven Gesicht aus. Er griff nach meiner Hand, schloss seine langen Finger fest darum und zog mich in seine Nähe. Die Wärme seiner Haut war sofort spürbar.

Doch genau in dem Moment, als sich seine Finger um meine schlossen, durchbrach ein schriller, lauter Klingelton die Stille des Strandes.

Damons Handy vibrierte heftig in seiner Jacketttasche. Er runzelte leicht die Stirn, sein Griff um meine Hand lockerte sich ein wenig, als er in die Tasche griff und das Gerät herausholte. Er warf einen Blick auf das Display, und ein seltsamer, undurchschaubarer Ausdruck huschte über sein Gesicht – ein Blick, den ich nicht einordnen konnte, der mir aber den Magen umdrehte.

Ich trat leicht zur Seite und erhaschte einen Blick auf den hellen Bildschirm, bevor er ihn wegkippen konnte.

Der Name auf dem eingehenden Anruf war Vivienne.

Damon ging nicht ran. Er drückte die Seitentaste und brachte den Anruf zum Schweigen, ohne ein Wort darüber zu verlieren. Dann schob er das Handy tief in seine Tasche zurück. Er wandte sich wieder mir zu, zog mich in seine Arme und bot mir den Schutz, nach dem ich mich jahrelang gesehnt hatte.

Ich ließ mich von ihm halten, während der Wind um uns wehte, doch mein Verstand hatte sich bereits auf diesen leuchtenden Bildschirm fixiert. Ich speicherte diesen einen Namen in einer sehr stillen, dunklen Ecke meines Bewusstseins ab – ohne zu ahnen, wie teuer uns dieser Name noch zu stehen kommen würde.

Damon hielt mich für einen langen Moment fest, bevor er sich schließlich zurückzog. Seine Hand kam hoch, um eine lose Haarsträhne aus meinem Gesicht zu streichen, und seine Augen waren wieder ruhig, als ob der Anruf nie stattgefunden hätte.

„Du bist kalt“, sagte er. „Lass uns dich zurück zum Auto bringen.“

Ich nickte, aber ich konnte nicht aufhören, den Namen in meinem Kopf zu wiederholen. Vivienne. Ich kannte niemanden mit diesem Namen in Damons Leben. In zwei Jahren der Zusammenarbeit mit ihm hatte er nie auch nur einmal eine Vivienne erwähnt. Nicht bei Abendessen, nicht während nächtlicher Anrufe über Verträge, nicht einmal während der Bürofeier letzten Winter, als alle über ihre Familien sprachen.

Wir gingen schweigend über den Sand zurück. Der Wind hatte aufgefrischt, und die Wellen klangen jetzt lauter, fast wütend gegen die Felsen. Damon hielt meine Hand die ganze Zeit umschlungen, als ob er dachte, ich könnte meine Meinung ändern, wenn er losließe.

Als wir das Auto erreichten, öffnete er zuerst meine Tür, auf dieselbe Weise wie immer. Ich setzte mich hin und beobachtete, wie er zur Fahrerseite ging. Durch die Windschutzscheibe sah ich, wie er noch einmal auf sein Telefon schaute, bevor er einstieg. Was auch immer er auf dem Bildschirm sah, ließ seinen Kiefer für nur eine Sekunde anspannen.

„Alles in Ordnung?“ fragte ich, als er sich auf seinen Sitz gleiten ließ.

„Alles ist in Ordnung“, sagte Damon und startete den Motor. „Nichts, worüber du dir Sorgen machen musst.“

Ich wollte ihm glauben.

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