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Kapitel 2

Author: Rya pen
last update publish date: 2026-09-09 00:34:28

NADIA 

Meine Augen krampften sich zusammen, als ich auf den Schmerz wartete und darauf gefasst war, dass er kommen würde … Stattdessen schlang sich eine kräftige Hand um meine Taille und presste meinen Körper an eine harte Brust.

„Schrei nicht. Ich bin’s.“

Die vertraute Stimme schallte mir in den Ohren, und der Widerstand in meinem Körper verflog fast augenblicklich, als ich die Augen aufriss.

Killian?

Als mein Körper an seinem erschlaffte, lockerte sich seine Handfläche auf meinem Mund, und der Arm um meine Taille wich zurück, als er einen Schritt nach hinten machte.

Ich drehte mich zu ihm um, als er mich losließ, und sah aus weit aufgerissenen Augen in seine stahlgrauen. „Was machst du um diese Uhrzeit hier?“, zischte ich ihm im Flüsterton entgegen.

Er warf mir einen kurzen Blick zu, hob die Schultern und drehte sich um, um das Messer wieder an seinen ursprünglichen Platz zu legen.

Ich konnte nicht glauben, dass er vor mir stand. Das letzte Mal hatte ich ihn vor einem Jahr gesehen, bevor er plötzlich aufhörte, wie der Teufel höchstpersönlich aufzutauchen.

Mein Blick wanderte über seinen Körper und musterte sein Erscheinungsbild. Seine Haare waren jetzt kürzer. Er sah gut gepflegt aus, obwohl sich sein Bizeps unter dem Hemd anspannte.

Aber in diesen Augen brannte noch immer das gleiche spitzbübische, rebellische Feuer wie vor einem Jahr.

„Weiß dein Vater, dass du hier bist?“, fragte ich erneut, als er nicht antwortete.

„Ja … eigentlich nein.“ Er traf meinen Blick, und ein leichtes Lächeln breitete sich auf seinem Gesicht aus. Eines, das schnell erlosch, als sein Blick für den Bruchteil einer Sekunde an meinem Körper hängen blieb.

Er räusperte sich, und ich sah ihn prüfend an.

„Ich sollte eigentlich schon heute Morgen hier sein, aber mein Flug hatte Verspätung. Dann habe ich noch einen Freund besucht. Und ehe ich mich versah, war die Zeit um und jetzt bin ich hier.“

Ich presste die Lippen zusammen und zog die Augenbrauen kraus. „Könntest du nicht wie ein normaler Mensch bis zum Morgen warten?“

„Wenn du mich schon verhören willst, dann tu es nicht in dieser Aufmachung.“

Mein Blick wanderte an mir herab und ich erstarrte.

Oh mein Gott! Ich hatte mein Tuch vergessen! Und hier stand ich vor ihm und präsentierte alles auf einem Silbertablett!

Mir klappte der Kiefer herunter. Ich war zu Tode blamiert.

„Ich habe mein Sakko im Wohnzimmer gelassen—“

Ohne abzuwarten, bis er zu Ende gesprochen hatte, flitzte ich aus der Küche und steuerte direkt auf sein Sakko zu, das an der Lehne der Couch hing.

Ich schnappte es mir, zwängte meine kleinen Hände hinein und wickelte es fest um meinen Körper.

Sofort stieg mir der Duft seines Parfüms in die Nase.

Holzig … Pfefferminze …

Ich sollte einfach zurück ins Schlafzimmer gehen und so tun, als wäre das alles nie passiert …

Verdammt! Wie konnte ich nur—

„Mach dir keine Vorwürfe. Ich habe nicht lange genug hingeschaut, um mir irgendetwas einzuprägen“, rief Killian aus der Küche, und irgendwie trug das absolut nicht dazu bei, dass ich mich entspannte.

​Ich atmete tief ein, während sein Duft mir direkt in den Kopf stieg. Ich drehte mich um und ging zurück in die Küche. Als ich dort ankam, waren die Scherben der Vase bereits aufgeräumt und Killian steckte mit dem Kopf tief im Kühlschrank.

„Ähm … tut mir leid wegen vorhin. Ich wollte nicht … Ich habe nicht—“

„Schon gut. Und warum gibt es hier eigentlich nichts zu essen?“, fragte er.

„Ähm, in der untersten Reihe steht eine Dose. Ich habe heute Morgen Lasagne für deinen Vater gemacht und …“, meine Stimme verstummte, während ich beobachtete, wie er den Kühlschrank leise schloss und die Dose in die Mikrowelle schob. „Wenn ich gewusst hätte, dass du kommst, hätte ich etwas vorbereitet.“

„Mein Vater hat es dir nicht gesagt?“ Er zog eine Braue hoch und ich schüttelte den Kopf. „Warum? Sand im Getriebe?“

Ich schluckte und sah weg. „Nein. Alles bestens. Er hat es wahrscheinlich einfach vergessen.“

„Hm. Vergessen? Du machst hier niemandem etwas vor, Nadia. Jedenfalls nicht mir.“

Ich ignorierte ihn und zwang meinen Blick auf die Mikrowelle, während er sich in der Küche bewegte.

„Nadia, eine Sache würde mich ja schon interessieren.“

„Was denn?“

„Hast du jemals darüber nachgedacht, was mit jemand anderem zu haben?“

Ein krächzender Laut entwich meiner Kehle.

Er sah mich an und schenkte mir seine ungeteilte Aufmerksamkeit. „Mit jemand Jüngerem zum Beispiel?“ Seine Augen brannten förmlich.

Dieser intensive Blick wanderte über meinen Körper, und es fühle sich fast so an, als trüge ich sein Sakko gar nicht … als könnte er alles darunter sehen.

Meine Wangen brannten wie Feuer. Mein Blick huschte nervös hin und her, und mein Mund öffnete und schloss sich tausendmal, ohne dass auch nur ein einziger Ton herauskam.

Ein Leises Lachen ertönte, und als ich ihm einen Blick zuwarf, sah ich ihn mit verschränkten Armen an der Küchenzeile lehnen.

„Gott, du bist immer noch dieselbe. So leicht aus der Fassung zu bringen, und diese roten, pausbäckigen Wangen verraten dich jedes Mal.“

Ich ballte die Hände zu Fäusten, starrte ihn wütend an und mahlte mit den Zähnen.

Oh ja! Er hatte sich wirklich kein bisschen verändert!

Ich schnaubte. „Sieht so aus, als hättest du hier alles im Griff. Ich gehe ins Bett.“

„Ins Bett? Wirklich? Gesellschaft leisten willst du mir nicht? Ich bin immerhin dein Gast!“

Ich rollte mit den Augen. „Als hätte ich gewusst, dass du kommst. Außerdem schlichen Gäste nicht wie Ratten in der Küche herum.“

„Ich habe hungert. Kannst du mir das verübeln?“ Er hielt die Handflächen nach oben. Das Piepen der Mikrowelle ertönte und er holte die Dose heraus, schaufelte sich eine ordentliche Portion Lasagne auf, schnappte sich ein Stück Knoblauchbrot, stellte alles auf die Kücheninsel, griff nach den Gläsern und legte den Kopf schief.

„Isst du was mit?“

„Nein, ich bin noch satt vom Abendessen.“

„Okay, aber leiste mir Gesellschaft. Ich kann nicht alleine essen.“ Er schnappte sich einen Barhocker und setzte sich hin, die Flasche Wein und das Glas direkt neben seinem Teller.

„Und, wie geht’s dir so?“, fragte er, als ich mich auf den Hocker gegenüber von ihm setzte.

„Alles beim Alten. Und dir?“

„Gut … schätze ich. Außer dass mein Leben ohne meinen gewohnten Unterhaltungswert ziemlich langweilig geworden ist.“ Er zwinkerte mir zu.

Er schloss die Augen, während er die Lasagne genoss. „Habe ich dir eigentlich schon mal gesagt, was für eine fantastische Köchin du bist?“

​Ich grinste, unwähig, das Erröten auf meinen Wangen zu unterdrücken. „Ja. Gefühlte eine Million Mal.“

„Das ist um Längen besser als die Lasagne deiner Mutter. Apropos Mütter, wie geht es deinen Eltern? Wann hast du sie das letzte Mal gesehen?“

Ich zuckte mit den Schultern. „Denem geht’s gut. Obwohl ich sie kaum noch sehe, außer wenn Elias ihnen Geschenke schickt. Es ist, als würde ich für sie gar nicht mehr existieren.“

Er schwieg und sah mich mit einem wissenden Blick an, bevor er sagte: „Mach dir daraus nichts. Das Leben mit Eltern wird völlig überschätzt, glaub mir.“

Ich schmunzelte und sah ihm dabei zu, wie er sich wieder über sein sehr spRouting-spätes Abendessen hermachte.

„Killian.“

„Hm?“

„Du hast mir immer noch nicht gesagt, warum du zurückgekommen bist. Es ist wie lange her? Ein Jahr? Und plötzlich stehst du einfach so wieder vor der Tür.“

Er hielt inne, ein Stück Brot steckte ihm noch im Mund.

„Du erwartest doch nicht im Ernst, dass ich dir abkaufe, du wärst nur wegen der Lasagne hier.“

„Sie ist nun mal verdammt gut.“

Ich seufzte. „Killian. Sag’s mir. Was ist passiert?“

Sein Blick senkte sich, Zögern stand ihm ins Gesicht geschrieben, bevor er schließlich aufsah.

„Die Firma steht kurz vor der Insolvenz … und ich bin hier, um sie zu retten.“

Mir klappte der Kiefer herunter. Insolvenz? Elias’ Multimillionen-Dollar-Unternehmen stand vor der Pleite?

„Das ist unmöglich. Wie konnte das überhaupt passieren?“

Killian tupfte sich mit der Servierte die Mundwinkel ab. „Jemand aus der Firma veruntreut Gelder. Und ich habe die starke Vermutung, dass er es dir nicht gesagt hat, weil er selbst derjenige ist, der das Geld abzweigt.“

„Das ergibt doch gar keinen Sinn. Warum sollte er so etwas tun?“

Killian hielt inne. Sein Blick fixierte meinen, und da war sie wieder. Diese brennende Intensität, die meine Haut zum Kribbeln brachte.

„Du weißt warum, Nadia. Du weißt ganz genau, warum.“

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