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Kapitel 4

Author: Rya pen
last update publish date: 2026-09-09 00:41:49

NADIA

Meine Hand zitterte, als ich die gedruckten Worte auf den Papieren immer und immer wieder las. Langsam verschwommen sie vor meinen Augen, während sich Tränen darin sammelten.

„A-Aber warum?“, flüsterte ich und blickte zu Killian auf, während eine Träne über meine Wange rollte.

Er zuckte nur gleichgültig die Achseln und weigerte sich, meinem Blick standzuhalten.

Ich schloss die Augen. „N-Nein, nein. Das … das muss ein Irrtum sein. Er würde mir das niemals antun.“

„Nadi.“ Ich hielt inne und traf seinen Blick, als der alte Spitzname in einem leisen Flüstern über seine Lippen glitt. „Er hat bereits unterschrieben.“

Hektisch blätterte ich durch die Seiten und fand insgesamt fünf Unterschriften. Elias’ Unterschrift.

„Er hat gesagt, du hast vierundzwanzig Stunden Zeit zum Unterschreiben, bevor der Anwalt kommt, um sie abzuholen.“

„Hör auf!“, kreischte ich und starrte Killian wütend an. Wenn meine Augen Laser schießen könnten, wäre er jetzt nur noch Staub. „Ich will seine Worte nicht aus deinem Mund hören!“

Ich riss mein Handy heraus und wischte wütend durch meine Kontakte auf der Suche nach seiner Nummer. „Ich will, dass er mir diese Worte selbst ins Gesicht sagt!“, zischte ich mit brüchiger Stimme.

Sein Telefon läutete für einige Sekunden, bevor er das Gespräch abwürgte.

Ich schnaubte, versuchte es erneut und wischte mir wütend die Tränen ab.

Das Gleiche passierte wieder. Meine Finger krampften sich um das Handy, und ich versuchte es noch drei weitere Male, bis die Verbindung gar nicht mehr zustande kam.

Er hatte mich blockiert.

„Nadia.“

Ich sah zu Killian und erblickte ihn, wie er auf sein Telefon starrte, die Brauen tief in die Stirn gezogen und die Lippen zu einem schmalen Strich gepresst.

Als er aufsah, lag ein Funke von Wut und Besorgnis in seinen Augen.

„Er wird nicht abheben.“

Ich blinzelte und starrte auf sein Display, auf dem Elias’ Nachricht angezeigt wurde:

Sag ihr, sie soll aufhören anzurufen. Alles, was ich will, sind ihre Unterschriften auf den Papieren.

„Ehrlich gesagt hättest du das kommen sehen müssen“, seufzte Killian. „Es gibt eine Klausel. Du kannst im Haus wohnen bleiben und so tun, als wäre alles in Ordnung, bis er Chloe heiratet.“

„Chloe?“, murmelte ich. Für einen Moment war es mäuschenstill im Esszimmer, bis mein Kopf nach hinten flog und ein so dunkles, leeres Lachen aus meiner Kehle drang.

Mein Ehemann, mit dem ich seit zehn Jahren verheiratet war, ließ sich von mir scheiden, um seine Sekretärin zu heiraten?!

„Nein“, lachte ich freudlos auf und pfefferte die Papiere auf den Tisch. „Ich unterschreibe nicht.“

Ich drehte mich um, um zu gehen, und murmelte vor mich hin: „Ich werde das auf gar keinen Fall unterschreiben.“

„Das ist nichts, wovor du weglaufen kannst. Er hat bereits abgeschlossen.“

„Das ist mir scheißegal!“, wirbelte ich herum und schrie Killian an. „Das ändert überhaupt nichts! Ich bin seit zehn verdammten Jahren mit ihm verheiratet. Das Mindeste, was er tun kann, ist, mir ins Gesicht zu sagen, dass er sich von mir scheiden lassen will, um diese Schlampe zu heiraten!“

„War ich denn nicht gut genug?!“ Die Tränen rollten nun unaufhaltsam, und mit ihnen meine kochende Wut. Ich wollte jemanden umbringen.

„Ich habe ihm alles gegeben! Er ist alt genug, um mein Vater zu sein, und trotzdem hat er mich geheiratet – und ich habe ihm alles geschenkt! Mein Leben, mein Herz, meine Seele, meinen Körper!“ Mein ganzer Leib bebte, die Adern an meinem Hals traten hervor, so laut schrie ich.

​„Ich habe ihm vertraut!“, meine Stimme brach. „Zehn Jahre! Zehn kostbare Jahre meines Lebens hat er verschwendet! Hat mich wie ein hilfloses Küken aus meiner Familie gerissen, nur um mich zu benutzen und wegzuwerfen, sobald er etwas Besseres gefunden hat. Scheiß auf ihn! Scheiß auf sie! Scheiß auf euch alle!“

Ich wirbelte herum und stürzte in mein Zimmer. Ich knallte die Tür hinter mir zu, dass das ganze Zimmer unter der Wucht erbebte.

Ich klappte bauchlings auf meinem Bett zusammen, und zum ersten Mal seit langer Zeit weinte ich mir die Seele aus dem Leib.

​Ich hatte keine Ahnung, wie viele Stunden vergangen waren, als das Knarren meiner Zimmertür schließlich die Stille durchbrach.

Ich starrte weiterhin regungslos ins Leere und würdigte wen auch immer, der eingetreten war, keines Blickes. Ich war gebrochen, in unzählige Scherben zersplittert.

„Nadia“, ertönte Killians tiefe, sanfte Stimme im Raum. Ich spürte, wie sich die Matratze zu meinen Füßen senkte, aber ich ignorierte ihn.

„Ich werde nicht so tun, als wüsste ich, wie du dich fühlst, aber ich kann zumindest mit dir fühlen. Du bist … eine gute Seele, und mein Vater verdient es, in der Hölle zu schmoren für das, was er dir angetan hat. Er hat kein Recht—“

„Killian, bitte“, fiel ich ihm ins Wort, unfähig, die Worte zu ertragen, die aus ihm heraussprudelten, als hätte er sie immer und immer wieder einstudiert. „Ich will einfach nur allein sein.“

Er seufzte. „Ich bin eindeutig verdammt schlecht darin, also komme ich direkt zum Punkt.“

Ich hörte, wie er seine Position auf dem Bett veränderte.

„Lässt du das wirklich einfach so mit dir machen?“

Ich blinzelte und drehte mich langsam zu ihm um. „Was?“

„Ich frage dich, ob du zusehen willst, wie Elias und Chloe auf dir herumtrampeln, nur weil …“

Ich schnaubte ungläubig. „Du klingst, als hätte ich eine Wahl, mich dieser Scheidung zu widersetzen.“

„Widersetzen? Verdammt, nein – ich will, dass du sie akzeptierst und dafür sorgst, dass er wünscht, er hätte dich nie auch nur angesehen. Ich will, dass du diese Chance ergreifst und ihm genauso wehtust, wie er dir wegetan hat. Dass die beiden es zutiefst bereuen, dich jemals wie Abfall behandelt zu haben.“

Ich richtete mich auf, seine Worte jagten wie ein Stromschlag Leben durch meinen Körper. „Wie?“

„Ganz einfach. Triff ihn dort, wo es am meisten wehtut. Zerstöre alles, wofür er jemals gearbeitet hat, reiß es ihm direkt unter den Füßen weg und sieh zu, wie er hilflos zappelt, ohne etwas tun zu können.“ Seine Augenbrauen zogen sich finster zusammen, und seine Augen blitzten vor unverfälschter Wut.

„Warum darum weinen, was er dir genommen hat … wenn du dir stattdessen etwas zurückholen kannst?“

Das Einzige, was Elias mehr liebte als sein eigenes Leben, war …

„Seine Firma? Du willst, dass ich seine Firma zerstöre?“, fragte ich mit schockiert gerunzelter Stirn. „Aber ich habe nicht die geringste Ahnung, wie man eine Firma zerstört.“

„Deshalb hast du ja mich. Schließ dich mir an, und lass uns ihm zeigen, wie die Hölle wirklich aussieht.“

„Du versuchst doch nur, mich zu benutzen“, verengte ich die Augen. Dass Killian seinen Vater hasste, war nun wirklich keine Neuigkeit für mich – aber sich hinter dem Vorwand zu verstecken, mir helfen zu wollen, passte mir gar nicht.

„Und ich biete mich dir an, benutzt zu werden“, grinste er verschlagen.

Ich hielt seinem Blick länger als drei Sekunden stand und musterte ihn eingehend. Dann richtete ich mich auf und pfiff auf alles.

„Und was bekomme ich im Gegenzug?“

Killians Augen leuchteten auf wie eine helle Lampe, und seine Lippen verzogen sich zu einem gerissenen Grinsen. „Jetzt kommen wir der Sache schon näher.“

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