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Kapitel 5

Author: Aurora
Elenas Worte waren für ihren Großvater kaum zu glauben. Nachdem er ein ums andere Mal nachgefragt hatte, lachte er noch herzlicher als zuvor.

„Gut, Hauptsache, du bist verheiratet. Wann bringst du ihn mal bei mir vorbei, damit ich mir den Jungen ansehen kann?“

Elena antwortete brav: „Kein Problem, Opa.“

Nachdem sie aufgelegt hatte, wurde die Schlafzimmertür geöffnet.

Felix betrat das Zimmer und kam mit langen Schritten auf sie zu.

Seine Ausstrahlung war vornehm und ruhig, die scharf geschnittenen Brauen und klaren Augen unterstrichen sein Gesicht. Er war wirklich außergewöhnlich gut aussehend.

Elena stockte der Atem. Sie hob den Kopf und sah zu ihm auf.

„Du bist zurück.“

Felix brummte zustimmend, seine Stimme war leicht heiser.

„Frisch verheiratet, da komme ich natürlich zurück, um mit dir zu essen.“

Elena war einen Moment lang sichtlich gerührt. „Danke“, sagte sie leise.

Früher, in den Jahren mit Adrian, hatte er sie selbst bei den vereinbarten Essen schon einmal stundenlang allein im Restaurant warten lassen.

Erst später hatte sie erfahren, dass Nina ihn jedes Mal zu sich gerufen hatte.

Wenn Nina nur niesen musste, brachte Adrian sie schon nervös ins Krankenhaus.

Elena war immer diejenige gewesen, die er stehen ließ.

Wenn sie wütend geworden war, hatte Adrian ihr vorgeworfen, sie sei hysterisch und kleinlich.

Elena riss sich aus ihren Gedanken.

Sie klappte den Laptop zu, legte ihn neben sich auf den Fenstersims, stand auf und lächelte ihn leicht an.

„Du musst nicht extra meinetwegen zurückkommen. Das ist wirklich nicht nötig.“

Es war ja nur eine Blitzhochzeit gewesen, bei der beide bekamen, was sie brauchten.

„Dich zu begleiten, ist selbstverständlich.“

Felix sah sie an, seine Stimme war ruhig. „Ich habe dir gesagt, ich will eine Ehe, in der man zusammen lebt und zusammen schläft.“

In Elenas Herzen breitete sich ein feiner Hauch von Wärme aus, doch sie dachte nicht weiter darüber nach.

Sie wusste, dass Felix von Natur aus reif und verlässlich war und dass das nichts Besonderes mit ihr zu tun haben musste. Also nickte sie.

„Gut, ich wasche mir kurz die Hände und komme mit dir runter zum Essen.“

Sie ging in Richtung Badezimmer.

Felix sah ihr nach, sein Blick blieb auf ihrem Rücken, in seinen Augen wurde der Ausdruck noch dunkler.

...

Im Esszimmer im Erdgeschoss saßen die beiden sich an einem quadratischen Tisch gegenüber und boten zusammen ein erstaunlich harmonisches Bild.

Auf dem Tisch standen mehrere Gerichte, alles Sachen, die Elena liebte.

Sie hatte nicht gedacht, dass sie denselben Geschmack hatten.

Elena saß ganz gerade da und aß ruhig vor sich hin.

Plötzlich nahm Felix ein Stück knusprig gebratene Rippe und legte es in ihre Schale.

„Das magst du doch. Iss ein bisschen mehr davon.“

Verwundert hob Elena den Kopf.

„Woher weißt du, dass ich das gern esse?“

„Das herauszufinden ist nicht schwer.“

Felix sah sie mit seinen dunklen, tiefen Augen direkt an, seine Stimme war ruhig, fast selbstverständlich.

„Wir sind ein Ehepaar. Ich werde mir Mühe geben, dich besser kennenzulernen.“

Bei diesen Worten stach es ihr in der Nase.

Wer einen Menschen wirklich kennenlernen will, findet immer einen Weg.

Adrian hatte sich bis heute weder gemerkt, was sie gern aß, noch was sie gern trank.

Sie war allergisch gegen Mango.

Adrian hatte ihr trotzdem einmal einen Mango-Lassi bestellt, genau den, den Nina so gern trank.

„Felix.“ Elenas Stimme war ein wenig belegt.

„Ich höre“, antwortete Felix leise.

Elena sah ihn einen Moment lang direkt an, dann nahm sie all ihren Mut zusammen.

„Du konntest mich doch nie leiden. Warum bist du plötzlich so gut zu mir?“

Nicht ausstehen?

So denkt sie also über mich.

In Felix’ Blick löste sich der dunkle Ausdruck langsam auf, seine Mundwinkel hoben sich zu einem schwer zu deutenden Lächeln.

„Ist es nicht selbstverständlich, dass ein Mann gut zu seiner Frau ist?“

Elena bekam nicht die Antwort, auf die sie gehofft hatte, und wollte es auf sich beruhen lassen, als Felix’ Stimme sich wieder schärfte.

„Außerdem warst du früher so naiv, dass du anderen automatisch auf die Nerven gegangen bist.“

...

Hätte ich bloß nicht gefragt, dachte Elena.

Den Rest der Mahlzeit aßen sie schweigend, keiner von beiden sagte noch etwas.

Nach dem Essen ging Felix wieder in sein Arbeitszimmer.

Am Abend nahm Elena den Thermobecher mit dem Tee, den Frau Klein gekocht hatte, und klopfte an die Tür des Arbeitszimmers.

Sie wollte mit Felix darüber sprechen, wie sie den Besuch bei ihrem Großvater regeln sollten.

„Komm rein.“ Felix’ tiefe Stimme kam von drinnen.

Elena öffnete die Tür, ging an den Schreibtisch und stellte den heißen Tee auf seine rechte Seite.

„Trink ein bisschen Tee.“

„Okay.“

Felix nahm einen Schluck, hob dann plötzlich die Lider. In seinen Augen lag ein Hauch zweideutiger Belustigung. „Maulbeer-Tee? Willst du mir damit etwas Bestimmtes sagen?“

Elena wurde heiß im Gesicht. Plötzlich fiel ihr das Gespräch von heute Morgen wieder ein, sie beeilte sich zu erklären. „Nein, den hat Frau Klein gemacht.“

Kaum hatte sie geantwortet, bereute sie es schon.

Na toll. Jetzt klinge ich auch noch wie eine Expertin auf dem Gebiet.

Felix sah, wie sich ein zartes Rot auf Elenas Gesicht ausbreitete. Sie wirkte plötzlich wie ein kleines, leicht aufgeschrecktes Kaninchen, das man kaum weiter aufziehen mochte.

Er hatte auf einmal kein Herz mehr, das Thema weiter auszureizen.

Stattdessen stand Felix auf. Seine große Gestalt baute sich vor ihr auf, dann reichte er ihr eine kleine schwarze Schachtel aus Samt.

„Für dich.“

„Was ist das?“ Elena nahm die Schachtel irritiert entgegen und öffnete sie.

Als sie die beiden Eheringe darin sah, war sie sichtlich überrascht.

Felix’ Stimme klang tief und warm.

„Gestern haben wir den Trauschein ziemlich überstürzt geholt. Das hier sind die nachgereichten Eheringe.“

„Gefallen sie dir?“

Er fragte noch einmal nach, sein Blick war ganz auf sie gerichtet, fast zu konzentriert.

Elena atmete schneller. Es war zwar eine Blitzhochzeit gewesen, aber gegen dieses Gefühl, jemandem aufrichtig am Herzen zu liegen, war sie nicht gefeit.

Sie nickte energisch.

„Ja.“

Felix nahm ihre Hand, holte den schmaleren Ring aus der Schachtel und schob ihn ihr an den Ringfinger. Seine Stimme hatte etwas Besitzergreifendes.

„Den trägst du ab jetzt immer.“

Er senkte das Gesicht. Aus der Nähe wirkten seine Konturen noch markanter und tiefer. Elena hielt unwillkürlich den Atem an, ihr Herz begann heftig zu schlagen.

Weil er so lange keine Antwort hörte, glaubte Felix schon, sie wollte sich sträuben. Sein Blick verdunkelte sich.

„Willst du nicht?“

Elena schüttelte rasch den Kopf.

„Doch. Ich will.“

Erst da entspannte sich sein Gesicht wieder ein wenig. Felix streckte seine linke Hand aus. Seine Finger waren lang, die Gelenke klar gezeichnet.

„Dann sei so lieb und steck mir meinen Ring an.“

Für Elena war das keine Frage. Sie nahm gehorsam den breiteren Ring heraus und schob ihn ihm mit vorsichtigen Bewegungen an den Finger.

Ihre Finger waren weich und zart, und als ihre Haut seine streifte, bekam die Luft zwischen ihnen plötzlich einen unterschwelligen Zug von Intimität.

Felix legte auf einmal den Arm um ihre schmale Taille, zog sie dicht an sich heran und senkte den Kopf, um sie anzusehen.

„Als Nächstes können wir doch das tun, was ein Ehepaar eben so tut, oder?“

Bei seinen Worten begann Elenas Herz noch schneller zu schlagen, in ihrem Kopf herrschte für einen Moment völlige Leere.

Erst nach einer Weile fand sie ihre Stimme wieder.

„Was?“

Felix hob die Hand, sein Daumen strich über ihre weiche Wange. In seinen Augen flackerte Hitze.

„Elena, sag mir nicht, dass du noch nie mit einem Mann geschlafen hast?“

Er wollte sich zu ihr hinunterbeugen und sie küssen, doch Elena war so nervös, dass ihr Körper zusammenzuckte. Fast reflexhaft wich sie mit dem Gesicht zurück.

Als er ihren Widerstand spürte, verflog die Glut in seinen Augen nach und nach. Er ließ sie los.

„Schon gut. Ich gebe dir Zeit.“

Elena war einen Moment wie vor den Kopf gestoßen.

„Er rührt mich wirklich nicht an, ohne dass ich einverstanden bin?“, dachte Elena.

Elena wusste selbst nicht, warum, aber Felix, der ihr sonst immer so kühl und unnahbar vorkam, wirkte auf einmal seltsam sanft.

Sie verstand nicht recht, warum das so war, fühlte jedoch wegen eben dieser Szene ein Stechen des schlechten Gewissens und senkte den Blick. „Tut mir leid. Ich bin noch nicht so weit.“

Felix’ Lippen verzogen sich zu einem leichten Bogen. Er fuhr ihr sanft durch die Haare.

„Für so eine Kleinigkeit musst du dich nicht entschuldigen.“

„Ich habe gesagt, ich gebe dir Zeit. Aber... lass mich nicht zu lange warten.“

Für einen Augenblick hatte Elena das deutliche Gefühl, dass man sie auf Händen trug. So etwas hatte sie bei Adrian nie erlebt.

Nach einer Weile nickte sie brav. „Gut“, murmelte sie und meinte es ernst, dann fiel ihr wieder ein, weshalb sie überhaupt zu ihm gekommen war. „Ach so, mein Großvater möchte dich kennenlernen. Kommst du mit mir zu ihm?“

„Natürlich. Aber ...“

Felix’ Blick wurde dunkler. Er beugte sich zu ihr hinunter, seine Stimme war tief und verführerisch an ihrem Ohr.

„Elena, ein Kuss vorher?“
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