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Kapitel 2

Author: Aurora
Die spöttische Stimme am anderen Ende der Leitung drang in ihr Ohr. Erst nach einigen Sekunden fand Elena ihre Fassung wieder.

„Felix, dein Bruder hat mich gerade nach Strich und Faden verarscht und jetzt bist du dran, ja?“

Am Telefon war Felix Stein, Adrians leiblicher Bruder.

Als Elena damals mit Adrian zusammengekommen war, hatte Felix ihr nie auch nur ein freundliches Gesicht gezeigt.

„Du bist heute schon einmal sitzen gelassen worden. Wovor hast du beim zweiten Mal noch Angst?“ Felix’ Stimme klang spöttisch: „Das passt gar nicht zu deinem sonst so furchtlosen Wesen.“

Elena hatte ein hitziges Temperament und konnte keine Provokationen ertragen.

„Na schön, ich komme. Wer hat hier vor wem Angst?“ Sie fauchte. „Aber selbst wenn ich mit dir hingehe, das Standesamt hat um diese Uhrzeit längst zu.“

„Darum brauchst du dich nicht zu kümmern“, entgegnete Felix kühl.

Zwanzig Minuten später stand Elena erneut vor dem Standesamt.

Vor ihr tauchte Felix auf, groß gewachsen, mit einer eleganten, zurückhaltenden Ausstrahlung. Sein Gesicht war so schön, dass es einem für einen Moment den Atem nahm.

Vor allem die Wucht seiner Ausstrahlung war überwältigend, seine Präsenz ließ keinen Widerspruch zu.

Adrian war schon ein besonders gut aussehender Mann, doch im Vergleich zu Felix konnte er schlicht nicht mithalten.

„Du hast dich tatsächlich hergetraut“, meinte Felix. Seine Mundwinkel hoben sich leicht, und in seinen Augen lag ein schalkhafter Glanz mit einem Hauch von Gefahr.

Im direkten Gegenüber mit ihm war von Elenas Unbekümmertheit aus dem Telefonat nicht mehr viel übrig. Unwillkürlich wurde sie etwas kleinlauter.

„Es bringt sowieso nichts“, murmelte sie, „die Türen vom Standesamt sind schon halb geschlossen.“

Felix zog eine Augenbraue hoch und warf einen Blick zur Tür hinter ihr. Seine Stimme klang tief.

„Willst du wirklich mit mir die Ehe eintragen lassen? Bist du dir sicher?“

„Du hast doch auch keine Angst. Warum sollte ich dann welche haben?“ Elena gab trotzig zurück.

Wenn hier überhaupt jemand Angst haben sollte, dann eher er.

Immerhin sind er und Adrian leibliche Brüder.

„Du hast Mut.“

Felix sagte es leise. In seinen Augen blitzte für einen Moment kaum wahrnehmbares Wohlwollen auf, dann griff er nach ihrem Handgelenk und zog sie mit sich ins Gebäude.

Elena erstarrte. Er machte das wirklich?

Sie blieb abrupt stehen. Felix wandte sich um, zog eine Augenbraue hoch.

„Was ist? Bekommst du kalte Füße?“

Elena zögerte kurz.

„Warum willst du mich überhaupt heiraten?“

Er mag mich doch gar nicht wirklich.

Felix stieß ein leises Lachen aus.

„Heiraten muss ich sowieso irgendwann, oder nicht? Anstatt Zeit zu verschwenden, um jemanden zu suchen, nehme ich lieber eine Frau, mit der unsere Familie zufrieden ist.“

Elena fragte nicht weiter nach.

Vielleicht lag es daran, dass ihre Familien seit Jahren eng miteinander verbunden waren.

Die Eltern der Steins und der alte Herr Stein waren immer sehr angetan von ihr gewesen.

Unter diesen Umständen erschien ihr sein Verhalten fast schon logisch.

...

Keine zehn Minuten später traten die beiden wieder aus dem Standesamt.

In ihren Händen lag jeweils ein frisch ausgestellter Trauschein.

Als Felix bemerkte, wie Elena gedankenverloren auf das Dokument in ihrer Hand starrte, ertönte seine kühle Stimme.

„Für Reue ist es jetzt zu spät. Selbst wenn du dich jetzt scheiden lassen willst, wird es nicht so schnell gehen.“

Verdammt!

Kaum verheiratet und schon redet er von Scheidung. Wer will sich denn scheiden lassen?

Elena warf ihm einen genervten Blick zu, blieb mit der Stimme aber höflich.

„Hauptsache, du bereust es nicht, Felix.“

Sie wollte bereits die Stufen hinuntergehen, als Felix plötzlich die Hand ausstreckte und sie einfach in seine Arme zog.

Elena prallte direkt gegen seine Brust. Mit ihren 1,67 Metern war sie im Vergleich zu ihm trotzdem ein ganzes Stück kleiner.

Der angenehme Duft von Zedernholz, der von ihm ausging, drang ihr in die Nase und ließ ihr Herz für einen Moment stolpern.

Ihre Wangen wurden heiß.

„Wohin willst du?“ Felix fragte mit seiner tiefen, leicht rauen Stimme über ihrem Kopf.

Es dauerte, bis Elena ihren Herzschlag wieder unter Kontrolle hatte und normal atmete. „Nach Hause natürlich“, antwortete sie.

„Du willst dich direkt nach der Hochzeit von deinem Ehemann trennen?“

Felix senkte den Blick auf sie. Er sah, wie ihre dunklen Wimpern wie Flügel flatterten, ihr helles Gesicht von einem zarten Rot überzogen war. Die Mischung aus unschuldiger und verführerischer Ausstrahlung und ihrer kühlen Art war gefährlich anziehend.

„... Ich habe es vergessen“, murmelte Elena.

Sie hob den Kopf und traf seinen Blick, ohne zu bemerken, wie sich darin ein dunkler Schimmer zeigte.

Felix wandte ungerührt den Blick ab und ließ sie los. „Komm mit“, sagte er nur.

Dann ging er als Erster die Stufen hinunter. Elena dachte nicht weiter darüber nach und folgte ihm.

Wir sind jetzt schließlich ein rechtmäßig verheiratetes Paar. Er wird mich schon nicht verkaufen.

Außerdem, allein der Gedanke, dass ihr Exfreund nun plötzlich ihr Schwager war, fühlte sich unglaublich befriedigend an.

...

Die Villa lag an einem Hang in einer der teuersten Gegenden der Stadt, dort, wo jeder Quadratmeter ein kleines Vermögen kostete. Von außen wirkte sie schlicht, doch in jedem Detail steckte sichtbarer Luxus.

Elena stand in der Mitte des großzügigen Wohnzimmers und sah Felix fragend an.

„Und das hier ist?“

„Das ist unser Haus. Von jetzt an wohnst du hier“, erklärte Felix knapp.

„Und du?“ Elena rutschte es fast automatisch heraus.

Felix zog leicht die Augenbrauen hoch, sein Blick wurde kühl. „Bist du so durcheinander, dass du nicht einmal mehr weißt, was ‚unser Haus‘ bedeutet?“

Mit anderen Worten: Natürlich wohnte er ebenfalls hier.

Elena verzog verlegen die Lippen. Innerlich schimpfte sie. Seine Zunge ist wirklich immer noch genauso giftig wie früher.

Genau wie vor zehn Jahren, als sie ihn zum ersten Mal kennengelernt hatte.

Seine Worte waren hart, scharf und alles andere als sympathisch.

Sie mochte es nicht.

...

Felix wies die Haushälterin, Frau Klein, an, Elena das Haus und das Grundstück zu zeigen, dann wandte er sich ab und ging die Treppe hinauf.

Elena atmete erst einmal auf. Felix sah sie so kalt an, dass Elena sich vorkam wie eine Schuldnerin.

Sie folgte Frau Klein durch das Haus und merkte erst da, wie groß diese Villa tatsächlich war. Es war ein Einzelstück, fünf Etagen hoch, mit einem Aufzug im Inneren. Zehn Angestellte arbeiteten hier, alle waren erst vor Kurzem versetzt worden.

Von Frau Klein erfuhr sie, dass Felix erst heute Morgen aus dem Ausland zurückgekehrt war.

Elena war überrascht. Kaum ist er wieder da, weiß er schon, dass Adrian mich beim Standesamt versetzt hat?

Hat er mich nur deshalb geheiratet, um sich an mir für das zu rächen, was vor drei Jahren passiert ist?

Sie wollte ihn eigentlich noch darauf ansprechen, bekam aber nur zu hören, dass er in seinem Arbeitszimmer beschäftigt war.

Also blieb ihr nur zu warten. Irgendwann schlief sie, halb über das Sofa im Hauptschlafzimmer gebeugt, einfach ein.

Erst als sie spürte, dass sich etwas auf ihr bewegte, schlug Elena benommen die Augen auf. Felix’ makelloses Gesicht war plötzlich ganz nah vor ihr.

„Was machst du da?“

Elena hielt unwillkürlich die Luft an. Sie verschränkte die Arme vor der Brust und sah ihn misstrauisch an.

Felix zog die Decke einfach wieder glatt und richtete sich ein Stück auf.

„Beruhig dich. Ich bin nicht so verzweifelt, dass mich dein immer noch ziemlich jugendlicher Körper aus der Fassung bringt.“

Elena spürte, wie ihr die Wut in die Höhe schoss. „Ich sehe längst nicht mehr aus wie vor drei Jahren. Ich habe mich durchaus entwickelt, danke!“

Sie griff nach seiner großen Hand und wollte sie schon demonstrativ in Richtung ihrer erhobenen Brust führen ...

Im letzten Moment schaltete ihr Verstand wieder ein. Sie hielt abrupt inne und ließ seine Hand hastig los.

Wie zum Teufel konnte es nur so weit kommen?

Mit Adrian war sie fünf Jahre zusammen gewesen, und nicht einmal einen Kuss hatten sie miteinander geteilt.

Und eben hatte sie beinahe genau das getan ...

Als Felix sah, wie ihr die Röte bis zu den Ohren stieg, zuckte seine schmale Oberlippe nach oben. Er neckte sie absichtlich.

„Warum hörst du auf? Hast du Angst, dass das Ergebnis nicht deinen Erwartungen entspricht?“

Elena fühlte, wie ihr das Gesicht brannte. Vor lauter Verlegenheit und Ärger stieß sie ihn von sich.

„Selbst wenn ich wirklich nicht gut entwickelt bin, geht dich das überhaupt nichts an!“

Sie wollte aufstehen, doch im nächsten Moment drückte er sie wieder zurück. Ihr Rücken sank erneut in die Sofalehne.

Als sie sich noch einmal aufrichten wollte, beugte sich Felix mit seinem großen Körper über sie. Seine Präsenz war überwältigend, sein Atem streifte ihre Haut.

„Elena.“

Felix’ tiefe Stimme hatte einen verführerischen Klang, der ihr direkt unter die Haut ging.

„Du hast den Mut, mich zu heiraten, aber nicht den Mut, weiterzugehen?“

Er war von bestechender Schönheit, seine vornehme, zurückhaltende Art überdeckte geschickt den dunklen Schimmer in seinen Augen. Das aufgeknöpfte Hemd legte seinen markanten Hals und den sichtbaren Adamsapfel frei.

In Elenas Kopf flackerte plötzlich eine Szene von vor drei Jahren auf.

Sie hatte es im Fernsehen oft genug gesehen!

Hitze schoss ihr in den Kopf. Sie packte plötzlich Felix’ Hemdkragen und zog ihn herunter, bis ihre Lippen seine schmalen Lippen trafen.

Elena öffnete den Mund und begann scheinbar geübt zu knabbern, doch ihre Bewegungen waren unbeholfen und unkoordiniert. Mehrmals stieß sie gegen seine Zähne.

Felix’ Blick verdunkelte sich, seine Gesichtszüge blieben kontrolliert, doch seine Stimme war rau vor unterdrückter Emotion.

„Elena, weißt du überhaupt, was du da machst?“

„Natürlich weiß ich das. Ich mache mich über dich her“, gab Elena trotzig zurück und wollte erneut ansetzen.

„Na? Hast du Angst?“

Sie sah ihn herausfordernd an. Sie kannte ihn gut genug, um zu wissen, dass er sie genauso wie vor drei Jahren nur wieder aufziehen wollte.

„Beschwer dich hinterher nicht.“

Felix senkte den Kopf und übernahm die Führung, vertiefte den Kuss und raubte ihr beinahe den Atem. Die Hitze seines Körpers schien sie fast zu verbrennen.

Seine Stimme war dunkel und heiser, in seinen schwarzen Augen stand unverhohlene Begierde. „Wie wäre es, wenn wir endlich zu Ende bringen, was wir vor drei Jahren nicht zu Ende gebracht haben?“
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