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Kapitel 4

Author: Aurora
Zum Glück klingelte in diesem Moment Elenas Handy und rettete sie aus der peinlichen Situation.

„Hallo?“

Ihr Herzschlag wurde schneller, sie ging hastig ran.

Am anderen Ende meldete sich ihre beste Freundin, das Topmodel Mara Schmitt, mit spöttischem Ton.

„Na, meine große Elena, du bist gestern unter die Haube gekommen. Hast du es gestern Abend gar nicht abwarten können und gleich ausprobiert?“

Der Lautsprecher war ziemlich laut.

Elena fiel ein, dass Felix noch im Zimmer war. Sie drehte den Kopf zur Seite. Zum Glück war er gerade dabei, hinauszugehen.

„Den Schein haben wir, ja.“

Elena sagte und atmete auf.

„Aber ausprobiert haben wir nichts.“

„Fünf Jahre Beziehung, und ihr habt es gerade mal zu ein bisschen Küsschen gebracht. Nicht einmal richtig angefasst habt ihr euch...“

Mara stieß einen Laut des Entsetzens aus. „Sag bloß, du hast erst in der Hochzeitsnacht gemerkt, dass dein Mann impotent ist, oder?“

Mara war so aufgeregt, dass ihre Stimme noch lauter wurde.

Genau in diesem Moment öffnete Felix die Tür und kam wieder herein. Das letzte Wort „impotent“ bekam er noch glasklar mit.

Sein Blick wanderte zu Elena, seine Augenwinkel hoben sich leicht.

Impotent?

Elena hatte die Stimme gehört und sah im selben Moment zur Tür. Als sie Felix erblickte, stockte ihr der Atem.

Mara bemerkte die Situation im Schlafzimmer nicht und redete munter weiter.

„Das geht ja gar nicht. Der muss sofort zum Arzt gehen...“

„Wenn das nicht in den Griff zu kriegen ist, musst du dir ernsthaft überlegen, ob du mit einer platonischen Ehe leben kannst...“

Elena spürte, wie ihr der Kopf heiß wurde, und drückte hastig auf Auflegen.

Sie lächelte verlegen. „Warum bist du zurückgekommen?“

„Ich wollte meine Uhr holen.“

Felix nahm im Ankleidezimmer eine mechanische Uhr heraus, legte sie an, schloss den Verschluss und trat dann direkt vor Elena.

Als er fertig war, streckte er den Arm an ihr vorbei zum Schminktisch und umschloss sie fast mit seinem Oberkörper.

Felix beugte sich vor, bis sein Gesicht dicht vor ihrem war, und sein warmer Atem streifte ihre Haut.

„Ob ich impotent bin, finden wir heute Abend heraus.“

Elena spannte den ganzen Körper an, saß stocksteif da und blinzelte unnatürlich zweimal.

„Ich habe nichts gesagt.“

Felix’ Mundwinkel zuckten.

„Elena, warte, bis ich zurück bin. Wir werden sehen.“

Bevor Elena auch nur den Ansatz einer Erklärung geben konnte, war Felix schon mit langen Schritten wieder aus dem Zimmer verschwunden.

Elena stieß den Atem aus und rief erneut bei Mara an.

„Du hast das falsch verstanden.“

„Was habe ich falsch verstanden?“

„Du hast einfach aufgelegt. Was ist los?“

„Nur weil ich gesagt habe, dass Adrian impotent ist?“

Mara redete wie ein Dammbruch, all ihre Fragen und ihr Ärger prasselten auf Elena ein.

Elena holte tief Luft.

„Es geht nicht um Adrian. Es geht um Felix.“

Aus Angst vor einem weiteren Missverständnis setzte sie schnell nach.

„Gestern habe ich Felix Stein geheiratet...“

„Was bitte?“

Mara schrie fast in den Hörer.

Zehn Minuten später.

Nachdem sie sich Elenas ganze Geschichte angehört hatte, beschimpfte Mara Adrian und Nina so gründlich, dass kein gutes Haar an ihnen blieb.

Es war sehr, sehr unflätig.

Mara ließ erst einmal ihren ganzen Ärger heraus, dann fühlte sie sich etwas besser und begann, Elena zu trösten.

„Genau so muss das laufen. Soll er ruhig schön bereuen. Wenn er nicht dein Mann sein will, dann eben dein Schwager.“

„Elena, dein Blick hat sich diesmal wirklich schnell verbessert. Felix Stein ist Vorstand der Stein-Gruppe, gut aussehend, reich und ohne Skandale. Er ist Adrian in jeder Hinsicht haushoch überlegen. Nur...“

„Er hat nur geheiratet, damit man ihn mit dem Thema Hochzeit in Ruhe lässt und weil du ihm geeignet erschienst. Ihr habt keine gemeinsame Basis, ihr konntet euch früher nicht einmal leiden. Meinst du nicht, dass...“

Den Rest sprach Mara nicht mehr aus, aber Elena wusste genau, was sie meinte.

„Schon gut, wir holen uns beide, was wir brauchen“, sagte Elena leise und senkte den Blick.

Gestern hatte sie aus Trotz unterschrieben, heute hatte sie sich damit abgefunden.

Sie hatte den letzten Wunsch ihres Vaters erfüllt. Ob es später zu einer Scheidung kam oder nicht, war ihr nicht mehr so wichtig.

„Na gut, wenn du das so siehst, dann schicke ich dir jetzt ein Hochzeitsgeschenk. Warte einfach ab, bis es bei dir ankommt!“

„Was für ein Geschenk?“ Elena fragte.

Mara ging nicht weiter darauf ein. Am anderen Ende drängten sie schon, dass sie zum Werbedreh müsse, und sie legte kurzerhand auf.

Elena starrte einen Moment auf das Display.

Typisch Mara!

...

Hauptsitz der Stein-Gruppe.

Im Vorstandsbüro im obersten Stockwerk.

Nach der Sitzung saß Felix kerzengerade an seinem Schreibtisch. Der dunkle Anzug unterstrich seine vornehme, ruhige Ausstrahlung und die natürliche Autorität, die von ihm ausging.

Ohne den Blick zu heben, wies er seinen Assistenten Marius Böringer an.

„Such mir einen passenden Ehering aus und bereite bitte außerdem einen Schenkungs- und Abtretungsvertrag über Anteile vor.“

Marius nickte respektvoll.

„Ja, Herr Stein.“

Er machte jedoch keine Anstalten zu gehen. Felix hob den Kopf und streifte ihn mit einem kurzen Blick.

„Noch etwas?“

„Ihr Großvater weiß, dass Sie wieder in der Stadt sind“, sagte Marius, „er hat mich angerufen und ausrichten lassen, dass Sie heute Abend zum Essen ins Stammhaus kommen sollen.“

Felix’ Blick wurde dunkler. „Gut. Ich kümmere mich darum.“

Marius verließ das Büro.

Felix wählte eine Nummer. Kaum war die Verbindung hergestellt, prasselte am anderen Ende auch schon eine Standpauke auf ihn ein.

„Du bist wohl inzwischen so wichtig, dass du dich bei deinem eigenen Großvater nicht mehr melden musst? Du kommst zurück in die Stadt und sagst mir nicht einmal Bescheid. Kein Mensch findet dich. Muss ich jetzt etwa einen Termin machen, wenn ich dich sehen will?“

„Bitte reg dich ab, Opa. Gestern war ich wegen des Jetlags völlig durch, ich bin nicht dazu gekommen, dich zu informieren“, sagte Felix. Seine langen Finger mit den klaren Gelenken trommelten leicht auf die Tischplatte.

Der alte Herr Stein stieß ein scharfes Schnauben aus.

„Spare dir die Ausreden. Ich habe dir in den letzten drei Jahren oft genug gesagt, dass du, sobald du wieder hier bist, jemanden finden und die Sache endlich festmachen sollst. Heiraten, Kinder bekommen ...“

„Vergiss das ja nicht.“

Die Worte seines Großvaters erinnerten Felix an etwas. Ein kurzer, weicher Glanz huschte durch seine Augen.

„Keine Sorge, Opa. Ich erinnere mich sehr genau daran.“ Er sagte leise.

Seine schmalen Lippen verzogen sich zu einem angedeuteten Lächeln. „Ich verspreche dir, du wirst sicher zufrieden sein.“

...

Adrian kam schließlich aus seinem Rausch zu sich.

Mit halb geöffneten Augen tastete seine Hand suchend über das Bett, bis er das Handy unter dem Kopfkissen hervorzog.

Ein Blick auf die Uhrzeit genügte. Es war bereits später Nachmittag, und seine Müdigkeit war auf einen Schlag verschwunden. Er setzte sich sofort auf.

Am Vormittag hatte er eine Besprechung gehabt, und Elena hatte ihn nicht angerufen, um ihn daran zu erinnern.

In diesem Moment kam sein Assistent eilig zur Tür herein. Als er Adrian wach auf dem Bett sitzen sah, senkte er den Kopf. „Herr Stein...“

„Warum kommst du erst jetzt?“, fragte Adrian vorwurfsvoll. Auf seinem Handy blinkten mehrere verpasste Anrufe, alle von seinem Assistenten.

„Ich dachte, Sie haben vielleicht etwas Wichtiges vor, und ich wollte Sie nicht stören“, erklärte der Assistent. Eigentlich war er hergekommen, um zu berichten, dass Felix zurück in der Stadt war.

Doch bevor er etwas sagen konnte, fragte Adrian mit kalter Stimme. „Wo ist Elena?“

Der Assistent war für einen Moment wie vor den Kopf gestoßen und schüttelte dann nur den Kopf.

Woher sollte er das wissen?

In den letzten fünf Jahren hatte Elena bei allen wichtigen Terminen nie versagt. Um nichts hatte Adrian sich kümmern müssen. Sie hatte ihn stets persönlich an Besprechungen erinnert.

Daran hatte Adrian sich längst gewöhnt.

Egal, zu welcher Tageszeit.

Selbst wenn Elena krank gewesen war, hatte sie ihn mindestens eine Stunde vorher angerufen, um ihn liebevoll zu wecken.

Bei solchen Kleinigkeiten hatte Elena ihn noch nie enttäuscht.

Doch diesmal wagte sie es, ihm wegen dieser kleinen Sache mit dem geplatzten Termin die kalte Schulter zu zeigen.

Ich habe sie früher einfach zu sehr verwöhnt, dachte Adrian.

Mit verfinsterter Miene wählte Adrian Elenas Nummer.

Das Gespräch brach jedoch nach einem einzigen Klingeln ab.

Er versuchte es noch einmal, mit demselben Ergebnis.

Die Nummer war blockiert!

Adrians Gesicht wurde noch dunkler.

Er schickte Elena eine Nachricht. Auf dem Bildschirm erschien der Hinweis, dass die Nachricht abgewiesen worden war, daneben ein rotes Ausrufezeichen...

Gut!

Sehr gut!

In Adrians Augen lag nun eine eisige Wut. Diesmal kam sie ihm damit nicht davon, so viel stand fest. Wenn Elena zu ihm zurückwollte, musste sie ihr Prinzessinnengehabe ablegen.

...

Die Sonne stand schon tief.

In der Villa am Hang.

Im Schlafzimmer saß Elena im Fenstererker im Schneidersitz, den Laptop auf den Knien. Ihre hellen, feinen Finger flogen schnell über die Tastatur.

Den ganzen Tag war sie nirgendwo hingegangen und hatte zu Hause an einem Drehbuch gefeilt.

Als Drehbuchautorin waren nach ihren Vorlagen bereits zwei Online-Serien gedreht worden, mit durchschnittlichen Klickzahlen.

Keine großen Hits, aber auch keine Flops.

Plötzlich klingelte ihr Handy. Sie warf einen Blick auf die angezeigte Nummer und nahm brav ab. „Opa.“

Heinrich Weiß sagte lachend: „Kleine, du warst schon lange nicht mehr bei mir. Gestern hast du doch den Trauschein geholt, oder? Such dir einen Termin, an dem du deinen Großvater besuchen kommst und bring Adrian gleich mit.“

Elena war für ein paar Sekunden wie erstarrt, dann antwortete sie ehrlich. „Opa, Adrian und ich haben uns getrennt.“

Am anderen Ende lachte ihr Opa ein paar Mal. Offenbar war ihm das alles nur zu vertraut. „Was ist los? Hat er schon wieder Blödsinn gemacht und dich verärgert?“

Seine Reaktion ließ bei Elena Erinnerungen an die Vergangenheit hochkommen, ihr Herz zog sich schmerzhaft zusammen.

„Diesmal ist es ernst, Opa“, sagte sie mit bitterem Lächeln.

Sie machte eine kurze Pause und fuhr dann fort. „Adrian und ich sind getrennt. Ich habe Felix Stein geheiratet, wir haben den Trauschein geholt.“

Draußen vor der Schlafzimmertür hatte Felix genau in diesem Moment den Griff in der Hand. Als er ihre Worte hörte, erstarrte seine Hand in der Luft und sein Blick wurde dunkel und unergründlich.
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Sternchen
Scheint ja auch nette Menschen zu geben
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