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Verwickelt mit meinem falschen Bruder
Verwickelt mit meinem falschen Bruder
Author: Larry

Chapter 1

Author: Larry
last update publish date: 2026-09-09 16:36:53

„Trägst du das Eye of Medusa eigentlich immer noch, Dora?“, schwebte Evas zuckersüße Stimme über den dunkel gedeckten Tisch.

Ich hielt mitten in der Bewegung inne. Meine Finger stiegen unwillkürlich an meinen Hals und berührten das kühle Metall der Kette. Vor genau fünf Jahren, in unserer Hochzeitsnacht, hatte Lukas mir dieses Schmuckstück umgelegt. Er hatte mir zärtlich geschworen, dass diese seltene Kette das unumstößliche Symbol unserer ewigen Liebe sei.

Heute war unser fünfter Hochzeitstag. Ich hatte diesen VIP-Tisch gebucht, um ihn zu überraschen. Doch als ich den Raum betrat, saß Eva, meine Stiefschwester, rittlings auf Lukas’ Schoß. Seine Hände lagen fest auf ihrer Taille, während ihre Lippen an seinem Hals klebten.

„Es ist wirklich amüsant, wie naiv du bist“, fuhr Eva fort und zog ihren Ausschnitt ein Stück nach unten.

Dort funkelte derselbe seltene blaue Edelstein. Dasselbe filigrane Platin.

„Die Kette an deinem Hals ist ein dreißig Euro billiges Imitat aus einem Müllladen an der Ecke“, spottete Eva leise und sah mich mit kühl berechnenden Augen an. „Du warst wirklich dumm genug zu glauben, dass jemand wie Lukas eine Herumtreiberin wie dich jemals echt lieben könnte.“

Ein lahmstellender Schock durchfuhr meinen Körper. Meine Finger krampften sich um das billige Metall an meinem Hals. Fünf Jahre lang hatte ich dieses Wertlosding wie einen Heiligtum gehütet. Fünf Jahre lang hatte ich Lukas’ Firma finanziell unterstützt, nachts Berichte für ihn geschrieben und meine eigenen Träume geopfert, um seine Karriere aufzubauen.

Ich sah Lukas an. Keine Scham in seinen Augen. Keinerlei Reue. Er strich Eva lediglich ruhig über den Rücken.

„War alles gelogen, Lukas?“, fragte ich. Meine Stimme zitterte nicht mehr vor Hysterie – sie war taub, leise und kahl. „Jedes einzelne Wort?“

Lukas lehnte sich zurück, knöpfte sein Sakko glatt und fixierte mich mit einer Gleichgültigkeit, die mir den Atem raubte. „Sei nicht albern, Dora. Ich habe erfüllt, was nötig war. Ich dachte jahrelang, du wärst die verschollene Erbin der Sterling-Gruppe. Ich habe fünf Jahre an eine bettelarme Schmarotzerin verschwendet.“

Ein bitteres, kaltes Erkenntnisgefühl stieg in mir auf. Er hatte mich nie geliebt. Er hatte nur einen Titel gejagt.

Ich trat einen Schritt an den Tisch heran. Ich senkte den Kopf nicht mehr.

„Wir sind fertig, Lukas“, sagte ich fest und sah ihm direkt in die Augen. „Ich will die Scheidung. Noch heute Abend. Gib mir mein Erbe, das ich in deine Firma gesteckt habe, zurück, und lösche meinen Namen aus deinen Unterlagen.“

Lukas erstarrte für einen kurzen Moment, überrascht von meiner klaren Forderung. Dann verzog sich sein Gesicht zu einem hämischen, spöttischen Lächeln. Er brach in ein trockenes Lachen aus.

„Die Scheidung fordern? Glaubst du ernsthaft, du hättest hier noch irgendetwas zu melden?“, spottete er, stand langsam auf und beugte sich über den Tisch zu mir. „Die Steuerunterlagen, die du vor zwei Wochen für mich unterschrieben hast? Das waren deine Verzichtserklärungen. Deine Anteile an meiner Firma gehören bereits vollständig Eva.“

„Du hast meine Unterschrift gefälscht...“, flüsterte ich, während die Kälte in meiner Brust zu Eis erstarrte.

„Du hast sie mir freiwillig gegeben, weil du mir blind vertraut hast“, raunte er mir voll Verachtung ins Ohr. „Du hast nichts mehr, Dora. Kein Geld, keine Anteile, keinen Namen. Du bist ruiniert.“

Bevor ich reagieren konnte, griff Eva nach der dampfenden Teekanne auf dem Tisch und kippte den kochend heißen Inhalt direkt über meine Brust.

Ein erstickter Schrei entkam mir. Die brutale Hitze brannte sich augenblicklich durch den Stoff meines Kleides tief in meine Haut. Ich sackte auf ein Knie und klammerte mich an meine brennende Brust, während Eva einen Stapel Geldscheine aus ihrer Tasche zog und sie mir vor die Füße warf.

„Für dein Taxi zurück in dein Drecksleben“, zischte Eva.

Lukas zog seinen schweren Ehering vom Finger und schleuderte ihn nach mir. Das schwere Metall traf meinen Wangenknochen und schnitt die Haut auf. Ein warmer Blutstropfen lief langsam mein Kinn hinab.

Ich richtete mich langsam auf. Der Schmerz der Brandwunde war stark, doch die Wut in meinem Inneren war stärke. Ich strich mir das Blut von der Wange und sah die beiden ein letztes Mal an.

„Ich hoffe sehr für dich, Lukas...“, flüsterte ich mit schneidender Deutlichkeit, „...dass du diese Aktion von heute Nacht niemals bereuen wirst.“

Ohne auf seine Antwort zu warten, drehte ich mich um und verließ das Restaurant.

Draußen peitschte ein unerbittlicher Sintflutregen durch die dunklen Straßen. Der eiskalte Wind schnitt mir in die Schnittwunde im Gesicht, während das Regenwasser die verbrühte Haut an meiner Brust unbarmherzig brannte.

Ich lief durch die Finsternis. Jeder Schritt fiel mir schwerer, doch mein Verstand arbeitete mit rasender Klarheit.

Ich war seit meiner frühesten Kindheit vermisst gewesen, getrennt von meiner wahren Familie durch ein Schicksal, das ich mir nie ausgesucht hatte. Erst vor fünf Jahren hatten Thomas und Dorian mich nach jahrelanger, unermüdlicher Suche endlich ausfindig gemacht. Sie hatten versucht, mich nach Hause zu holen, mich zurück in mein Geburtsrecht als Tochter der Sterling-Familie einzusetzen.

Doch ich hatte abgelehnt.

Ich war verblendet gewesen. Ich hatte ihnen gesagt, dass ich mein eigenes Leben leben wollte, dass ich mit Lukas eine perfekte, normale Familie aufbauen würde. Ich hatte Dorians Warnungen in den Wind geschlagen und den Kontakt verweigert, um mein scheinbares Familienglück zu schützen.

Wie naiv und töricht ich gewesen war. Ich hatte das Gold meiner Familie abgelehnt, um mich von einem Betrüger zerstören zu lassen.

Lukas und Eva hatten keine Ahnung, mit wem sie es wirklich zu tun hatten. Sie ahnten nicht, dass meine Weigerung von damals das Einzige gewesen war, was Lukas vor der Vernichtung bewahrt hatte. Nun gab es keinen Grund mehr, die Sterling-Familie auf Abstand zu halten. Mein Traum von dieser Ehe war tot. Es war Zeit, die Hand meiner wahren Familie zu ergreifen.

Nach einem zweistündigen Fußmarsch durch den Unwetterregen stand ich schließlich vor den riesigen, schmiedeeisernen Toren des Sterling-Anwesens. Die gewaltige Residenz ragte erhaben in den nächtlichen Himmel.

Zwei bewaffnete Sicherheitskräfte am Tor traten mir sofort mit erhobenen Schlagstöcken entgegen.

„Halt! Privatgelände!“, herrschte mich ein Wachmann an. „Verschwinde hier, du Bettlerin!“

Ich zitterte am ganzen Leib, durchnässt bis auf die Knochen. Aus meiner Tasche zog ich mit klammen Fingern einen einfachen, massiven Silberring hervor, den Thomas mir vor fünf Jahren bei unserem ersten heimlichen Treffen gegeben hatte – die direkte Kontaktmöglichkeit zur Familie.

„Geben Sie das dem Butler“, flüsterte ich mit heiserer Stimme. „Sagen Sie ihm... das Auge des Drachen ist zurück.“

Der Guard sah den Ring spöttisch an, doch die unerschütterliche Kälte in meinem Blick ließ ihn zögern. Er fluchte leise und griff zum Funkgerät.

Minuten verstrichen, die sich wie Ewigkeiten anfühlten. Die Dunkelheit um mich herum begann zu schwanken. Ich hielt mich mühsam am kalten Metall des Tores fest.

Schließlich öffnete sich die gewaltige Eichentür des Haupthauses. Der alte Butler Thomas eilte mit einem Regenschirm heraus, an seiner Seite ein großer, breitschultriger Mann in einem maßgeschneiderten schwarzen Anzug.

Es war Dorian Sterling. Mein Bruder. Der eiskalte CEO der Sterling-Gruppe.

„Schon wieder eine Impostorin?“, hörte ich Dorians kalte, tiefe Stimme durch das Prasseln des Regens. „Thomas, ich habe keine Zeit für diese Spiele. Schaff sie weg.“

Thomas trat an das Tor, seine Augen fielen auf mich und den Ring in der Hand des Wächters. Er erstarrte mitten im Schritt, der Schirm entglitt seinen Fingern.

„Dora...?“, stammelte Thomas mit zitternder Lippe. „Sie... Sie sind es wirklich?“

Ich sah den alten Mann an, und ein einziger Tropfen Erleichterung durchdrang meine Erschöpfung.

„Thomas... ich bin wieder zu Hause“, flüsterte ich.

Meine Beine gaben nach. Die Dunkelheit brach über mich herein, und mein Körper sackte nach vorne weg. Ich spürte nicht mehr den harten Boden, sondern zwei starke, muskulöse Arme, die mich auffingen, bevor ich das Bewusstsein verlor.

Dorian hielt meinen nassen, zitternden Körper fest an seine Brust gepresst. Seine Hände krampften sich fest in meinen durchnässten Mantel.

Er beugte sich tief zu mir herab, seine Lippen streiften fast mein Ohr, während seine Stimme wie eiskaltes Metall durch die Nacht schnitt.

„Du hast dir verdammt viel Zeit gelassen, Schwesternherz... und jetzt erzählst du mir genau, wer dir das angetan hat, damit ich ihn auslöschen kann.“

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