LOGINLori
Travis stolperte in der Sekunde von der Matratze, als das grelle Neonlicht seine Augen traf, und warf die Bettdecke zur Seite, noch bevor mein schockstarrer Verstand das Albtraumszenario, das sich vor mir abspielte, überhaupt begreifen konnte. „Lori ... Schatz ... warte, bitte!“, stammelte er heraus. Seine Stimme war von panischer Angst erfüllt, während er vollkommen nackt dadstand und unbeholfen versuchte, seinen Unterkörper mit den Händen zu bedecken. „Es ist nicht so, wie ...“ „Es ist nicht so, wie ich denke?“, fuhr ich dazwischen und schnitt ihm das Wort ab, bevor er diese klischeehafte Ausrede überhaupt zu Ende bringen konnte. Ich zwang meine tränenverschwommenen Augen, an seiner Schulter vorbei zum Bett zu blicken – verzweifelt danach, das Gesicht des Mädchens zu sehen, das er mir vorgezogen hatte. Mein Herz rutschte mir tief in den Magen, und eine Welle glühender Wut schoss durch meine Adern, als mein Blick auf ihren traf. Elena starrte mich mit einem trägen, triumphierenden Grinsen im rötlich angelaufenen Gesicht direkt an. Elena war die Kapitänin unseres Cheerleader-Teams. Sie war eine rücksichtslose, snobistische Zicke, die mir seit der allerersten Woche meines ersten Studienjahres das Leben zur absoluten Hölle gemacht hatte. Sie hatte Monate damit verbracht, mich niederzumachen, meine Choreografien lächerlich zu machen und mich wie Dreck zu behandeln. Und jetzt saß sie vollkommen nackt in meiner Bettwäsche. „Du hast mir vor genau einer Stunde wörtlich geschworen, dass du heute Abend dem gesamten Campus von uns erzählen würdest, Travis!“, brachte ich hervor. Meine Kehle war wie zugeschnürt, während ich mit aller Macht darum kämpfte, die heißen Tränen zurückzudrängen, die mir in den Augen brannten. „Und stattdessen bist du in meinem Schlafzimmer und fickst meine schlimmste Feindin auf meinem eigenen verdammten Bett?!“ Elena stieß ein leises, amüsiertes Spottlachen aus und schwang ohne jedes Schamgefühl ihre langen Beine über die Kante der Matratze, während sie und Travis hektisch begannen, den Boden nach ihrer verstreuten Kleidung abzusuchen. Ich konnte ihren Anblick keine einzige Sekunde länger ertragen. Der Gestank von Sex, billigem Alkohol und Verrat, der mein Zimmer erfüllte, machte mich physisch krank. Ich drehte mich auf dem Absatz um, rannte aus dem Schlafzimmer und knallte die Tür hinter mir zu. Ich bog um die Ecke des Flurs und rannte fast direkt in Jessica hinein, die zwei rote Becher hielt. „Woah, Lor! Was ist die Eile? Wo willst du—?“ Ich sagte kein Wort. Ich schubste mich an ihr vorbei, ignorierte ihre verwirrten Rufe, während ich mich durch das überfüllte Wohnzimmer schlängelte, mich durch die Menschenmassen drängte, bis ich durch die Haustür brach und die Nachtluft mich traf. Der eisige Wind schlug mir direkt ins Gesicht und ließ mich nach Luft schnappen, als ich auf der Veranda stand. Meine Brust hob und senkte sich heftig, aber die frische Luft tat nichts, um die explosive Wut zu dämpfen, die durch meine Eingeweide raste. Ohne nachzudenken, setzten sich meine Füße in Bewegung, und ich rannte den dunklen Campusweg hinunter. Ich hatte keine Ahnung, wohin ich lief, und mein Verstand war viel zu betrunken und chaotisch, um klar zu navigieren. Aber ich war viel zu wütend – und viel zu tief gedemütigt –, um auch nur in der Nähe dieses Wohnheims zu bleiben. Ich musste so viel körperliche Distanz wie nur menschenmöglich zwischen mich und Travis bringen. Ich musste diesen quälenden Verrat, der in meiner Brust brannte, unbedingt betäuben, aus diesem wachen Albtraum aufwachen und das Bild seiner Hände auf Elena für immer aus meinem Gehirn löschen. Der Damm brach, und heiße, schwere Tränen strömten über meine erhitzten Wangen. Ich machte mir nicht einmal die Mühe, sie wegzuwischen, sondern ließ sie frei fließen, während meine Lungen bei jedem hektischen Schritt brannten. Nach zehn quälenden Minuten besinnungslosen Rennens gaben meine Beine schließlich nach. Ich stolperte vor einer Spelunke abseits des Campus zum Stehen, stützte die Hände auf die Knie und rang nach Luft, während mein ganzer Körper vor fester Erschöpfung zitterte. Als mir klar wurde, dass meine schmerzenden Beine mich keinen einzigen Schritt weiter tragen konnten, stieß ich die Holzschubtür der Bar auf und schlüpfte hinein. Das Innere war schummrig beleuchtet, erfüllt vom leisen Summen von Gesprächen und sanfter Rockmusik. Auf unsicheren Beinen ging ich zum zentralen Tresen und sank auf einen hohen Barhocker aus Leder. Der Barkeeper – ein älterer Mann mit silbernem Bart und einer sauberen weißen Schürze – kam zu mir herüber und wischte das Holz mit einem Lappen ab. „Was kann ich dir heute Abend bringen, du Hübsche?“ „Geben Sie mir den stärksten Drink, den Sie da haben“, forderte ich durch zusammengebissene Zähne. Ich musste trinken, bis jede einzelne Spur von Klarheit verschwunden war. Ich musste meine Gedanken ertränken, bis das Bild von Travis und Elena in meinem Bett vollständig aus meinem Kopf gebrannt war. „Den stärksten Drink?“, wiederholte der Barkeeper. Seine dichten Augenbrauen zogen sich in einem skeptischen Stirnrunzeln zusammen, während er mein zerzaustes Haar und mein tränenverschmiertes Gesicht musterte. „Das wäre unser Rye-Whiskey aus dem obersten Regal.“ „Perfekt. Bringen Sie mir die ganze Flasche“, verlangte ich kalt. „Hmm ...“, war alles, was der Barkeeper murmelte. Er stieß ein leises Knurren aus, während sein Blick an meiner Schulter vorbeiglitt, um einen subtilen, wissenden Blick mit jemandem auszutauschen, der weiter hinten am Tresen saß. Neugierig drehte ich den Kopf, um zu sehen, wen er ansah – und mein Atem stockte augenblicklich im Hals. Nur zwei Hocker von mir entfernt saß kein Anderer als Lucas Miller und ließ beiläufig ein Glas mit bernsteinfarbener Flüssigkeit in seiner Hand kreisen. Unsere Blicke verhakten sich in der schummrigen Beleuchtung und hielten einander für gefühlte Ewigkeiten fest, obwohl es nur ein Bruchteil einer Sekunde war. Wenn Travis der Goldjunge des Football-Teams war, dann war Lucas der unangefochtene König des Eises. Als elitärer Captain des Hockey-Teams der Universität war er mit Abstand der berühmteste, umwerfend gutaussehendste und unnahbarste Athlet auf dem gesamten Campus. Ein berüchtigter Playboy, dessen Name in den Umkleidekabinen der Cheerleader ständig geflüstert wurde. „Ist eine ganze Flasche unverdünnter Whiskey nicht ein bisschen zu heftig für ein wunderschönes Mädchen wie dich, um sie ganz alleine runterzukippen?“, fragte Lucas beiläufig. Seine tiefe, samtene Stimme durchbrach die Stille. Ein langsames, gefährliches Grinsen breitete sich über seine markante Kieferlinie aus, während seine dunklen Augen mich träge und bewusst musterten und er mich von oben bis unten abschätzte. Ein scharfer Atemzug blieb mir in der Lunge stecken, vollkommener Schock lähmte mich angesichts der Tatsache, dass Lucas Miller tatsächlich mit *mir* redete. Ich starrte zurück, unfähig, den Blick abzuwenden, während sein dunkler, stechender Blick den meinen gefangen hielt – und eine gefährliche Art von Ablenkung versprach, auf die ich mich plötzlich mehr als bereitwillig einlassen wollte.Lori„Was um alles in der Welt habe ich mir da nur eingebrockt?“, murmelte ich in meine Handflächen und vergrub mein Gesicht in absoluter Scham.Wenn Ann schon so heftig auf diese Nachricht reagierte, obwohl sie nicht einmal diejenige war, die es in irgendeiner Weise betraf – wie würde sich dann erst Jessica fühlen? Verletzlich? Völlig hintergangen?Die Last drückte mir auf die Lungen. Wenn ich nur daran dachte, dass ich ihr aktiv ins Gesicht gelogen und so getan hatte, als wäre mein Lucas jemand völlig anderes ... Wir hatten sogar auf unserem Wohnzimmerboden gesessen und unsere beiden Lucases miteinander verglichen, während sie von ihrem Schwarm geschwärmt hatte.Die Schuldgefühle waren erstickend.Ich saß völlig reglos auf der Kante der Matratze und malte mir aus, wie die Konfrontation ablaufen würde. Würde sie mich zuerst anschreien? Oder würde sie es vielleicht im ersten Moment einfach nur belächeln, weil sie dachte, ich erl
LoriViel zu benommen, um mich zu bewegen, blieb ich wie eingefroren vor Anns geschlossener Schlafzimmertür stehen, was sich wie Stunden anfühlte. Meine Füße waren wie auf dem kalten Boden festgeklebt. Ich stand da und rang mit mir selbst. Ein Teil von mir wollte verzweifelt anklopfen und sie um Vergebung bitten, während der andere Teil mir sagte, ich solle sie erst einmal in Ruhe lassen, damit sie sich abkühlen konnte.Letztendlich entschied ich mich für Letzteres. Ich drehte mich um und ging langsam in mein eigenes Zimmer zurück.Ich war vollkommen erschöpft, viel zu müde, um mir Abendessen zu machen oder irgendetwas anderes Produktives zu tun. Der seelische Stress hatte mir jedes einzelne Bisschen Energie ausgefaugt. Ich kroch einfach unter meine Decke, zog sie mir über den Kopf und glitt in einen schweren, traumlosen Schlaf.Lucas’ Anruf weckte mich etwa eine Stunde später. Das Display erhellte den dunklen Raum, und ich wischte üb
Lori„Und was ist, wenn ich sage, dass ich eigentlich immer noch sehr wütend auf dich bin? Würdest du dann im Gegenzug wütend auf mich werden?“, fragte Lucas durch den Bildschirm.Er sah unglaublich süß aus, wie er versuchte, die Stirn zu runzeln und völlig ernst zu wirken. Aber seine tiefe Stimme war so voller Necken, dass mir absolut nichts anderes übrig blieb, als laut zu lachen; das Geräusch hallte in meinem Schlafzimmer wider.„Komm schon, Lu. Bitte vergib mir einfach“, flehte ich und machte meine Stimme sanft. „Ich habe dir doch schon genau erklärt, was an diesem Tag passiert ist. Ich stand direkt neben Jessica und wollte absolut nicht, dass sie verdächtigt, dass du der Typ warst, der diese Cupcakes ins Wohnheim geschickt hat. Ich verspreche, dass ich deine Anrufe das nächste Mal nicht ignorieren werde.“Lucas ließ ein leises Glucksen hören, und seine Augen wurden augenblicklich warm. „Ich weiß, Lori. Ich habe dich nur geneckt. Wie k
LucasDer erste Tag der Physiotherapie war genau die Art von reiner Folter, die ich erwartet hatte. Eigentlich war es noch viel schlimmer, als ich es mir je ausgemalt hatte. Der Therapeut meinte, er würde es in der ersten Sitzung ruhig mit mir angehen lassen. Aber wenn das, wozu er mich jetzt gerade zwang, der einfache Teil war, wie viel schlimmer würde dann der harte Teil werden, wenn wir anfingen, echte Gewichte zu stemmen?„Ich bin müde“, verkündete ich glatt. Ich schnappte mir mein weißes Handtuch von der Bank, um den dicken Schweiß abzuwischen, der mein Gesicht und meinen Hals hinuntergetropft war. Meine Muskeln zitterten von den einfachen Bewegungen.„Wir haben noch zwei Runden vor uns, Herr Miller“, sagte der Therapeut in einem strengen, sachlichen Ton, ohne von seiner Stoppuhr aufzusehen. „Wenn wir die nicht zu Ende bringen, trage ich den heutigen Tag in Ihrem offiziellen Fortschrittskalender nicht als erledigt ein. Ihre Trainer beobacht
Lori„Dann hast du keine Ahnung, wie weit ich zu kämpfen bereit bin, um das alles in die Luft zu jagen“, schoss Travis zurück. Seine Stimme war leise, scharf und kalt.Er starrte mich direkt an. Die unerbittliche, toxische Entschlossenheit, die er gerade versprochen hatte, lag tief in seinen dunklen Augen vergraben.„Aber ich habe dir bereits gesagt, dass ich kein Interesse mehr an dir habe“, hielt ich dagegen. Ich weigerte mich, auch nur einen Zentimeter zurückzuweichen. „Wie oft muss ich es eigentlich noch sagen, bis du endlich begreifst, wie ernst es mir ist?“Travis massierte sich langsam die Schläfen. Ich kannte seine Muster viel zu gut. Er schob nur Zeit auf, während er krampfhaft versuchte, sich das Nächste auszudenken, um das Argument zu gewinnen. Bevor er auch nur ein weiteres Wort herausbringen konnte, stand ich abrupt von dem Plastikstuhl auf.„Hey! Wo willst du denn hin?“, bellte er, während sich sein Gesicht verzog. „Wir sind hier noch lange nicht fertig, Lori.“„Ähhm ...
Lori„Bitte geh ran. Ich flehe dich an“, murmelte ich vor mich hin. Ich lief in meinem Zimmer auf dem kleinen Teppich hin und her und betete, dass Lucas am anderen Ende der Leitung abheben würde.Mein Herz setzte einen schmerzhaften Schlag aus, als das Klingeln aufhörte und stattdessen wieder direkt auf die Mailbox umschaltete. Ich drückte auf Auflegen und versuchte es noch ein einziges Mal.Ich redete mir ein, dass er vielleicht nur kurz im Badezimmer und deshalb nicht bei seinem Handy war. Aber ich kannte Lucas mittlerweile gut genug, um die Wahrheit zu wissen. Er hatte sein Smartphone immer in Reichweite.Er ignorierte mich ganz bewusst.Ich ließ mich auf die Kante meiner Matratze sinken und stieß einen frustrierten Seufzer aus. Plötzlich begann mein Handy zu klingeln. Aufgeregt breitete sich ein breites Lächeln in meinem Gesicht aus, und ich wischte über das Display, um den Anruf anzunehmen, ohne auch nur einen Blick auf die







