LOGINElena Moore glaubte, sie hätte die brutale Welt der Werwolfpolitik hinter sich gelassen, als sie mit achtzehn aus ihrem Rudel floh. Unter Menschen lebte sie ein stilles Leben als Bibliothekarin, verbarg ihre Wolfsnatur und tat so, als sei sie gewöhnlich. Doch als ihr entfremdeter Vater, der Alpha des Midnight-Shadow-Rudels, unerwartet stirbt, wird sie in eine Welt zurückgezerrt, die sie verabscheut. Um sein Vermächtnis zu sichern, war der letzte Wille ihres Vaters ein bindender Vertrag: Elena muss den neuen Alpha heiraten, den rücksichtslosen und kaltherzigen Kael Vance. Der Vertrag ist wasserdicht, wird durch alte Magie durchgesetzt und lässt ihr keine andere Wahl, als seine Gefährtin zu werden. Gezwungen, mit einem Mann zu leben, der sie nur als Schachfigur betrachtet, muss Elena sich in einem gefährlichen Rudel voller Geheimnisse, Verrat und einer schwelenden Rebellion zurechtfinden. Doch Kael ist nicht, was er zu sein scheint. Hinter seiner eisigen Fassade verbirgt sich ein Wolf, gezeichnet von einer schmerzhaften Vergangenheit und mit einer gefährlichen Macht, die sie alle retten oder vernichten könnte. In einer Welt, in der Loyalität gekauft wird und Liebe eine Schwäche ist, müssen Elena und Kael entscheiden, ob ihr Vertrag ein Käfig ist oder der Schlüssel zu einem Schicksal, das sich keiner von beiden je hätte vorstellen können.
View MoreKAPITEL FÜNFDie Tage nach dem Erntefest waren ein angespannter Waffenstillstand. Die offene Feindseligkeit des Rudels hatte sich zu einem stetigen, unterschwelligen Groll gelegt, doch Elena wusste, dass es nur eine Frage der Zeit war, bis die nächste Konfrontation kam. Sie verbrachte ihre Zeit mit Kaels Training, erkundete das Herrenhaus und las in ihrer versteckten Bibliothek. Es war eine fragile Existenz, aber es war ihre Existenz.Kael war zu einer ständigen Erscheinung in ihrem Leben geworden. Er war immer da, ein Schatten im Hintergrund. Er tauchte bei ihren Mahlzeiten auf, bei ihren Trainingseinheiten, in den Korridoren. Er sprach kaum, doch seine Anwesenheit war tröstlich. Sie ertappte sich dabei, in Menschenmengen nach ihm zu suchen, mit den Augen nach ihm Ausschau zu halten.Die Bindung zwischen ihnen wurde stärker. Sie konnte es in ihren Knochen spüren, ein ständiges Summen von Energie, das sie mit ihm verband. Es war ein seltsames Gefühl, eine Mischung aus Sicherheit und G
KAPITEL VIERDie Tage auf dem Anwesen des Midnight-Shadow-Rudels verschwammen für Elena zu einem einzigen Bild. Jeder einzelne Tag war ein wiederkehrender Kreislauf aus Feindseligkeit, Training und Einsamkeit. Die kalte Ablehnung des Rudels wurde nie wärmer, doch Elena begann, eine dickere Haut zu entwickeln. Sie lernte, die Flüstereien und Blicke zu ignorieren. Sie lernte, den Kopf hochzuhalten, wenn man sie verachtete. Sie begriff, dass ihr Hass mehr über sie selbst aussagte als über sie.Kael trainierte sie weiterhin im Kampf. Er war ein harter und fordernder Lehrer, aber sie begann Fortschritte zu sehen. Ihre Reflexe wurden schneller. Ihre Schläge wurden stärker. Sie lernte, auf eine innere Kraftquelle zuzugreifen, von der sie nicht gewusst hatte, dass sie sie besaß. Jede Einheit ließ sie zwar erschöpft und voller blauer Flecken zurück, machte sie aber auch selbstsicherer.Sie begann, ein Muster in den Abläufen des Herrenhauses zu erkennen. Es gab verborgene Gänge, geheime Räume u
KAPITEL DREI:Die erste Woche auf dem Anwesen des Midnight-Shadow-Rudels war ein unerbittlicher Angriff auf Elenas Sinne. Jeder Flur, den sie entlangging, jede Mahlzeit, an der sie teilnahm, jede Begegnung war ein Spießrutenlauf aus kalten Blicken und geflüsterten Beleidigungen. Die Wölfe des Rudels machten keinen Hehl aus ihrer Verachtung. Für sie war sie eine Eindringling, eine Schwächliche, die irgendwie in eine Machtposition geraten war, die sie nicht verdient hatte.Kael war eine ständige, nervtötende Präsenz. Er beobachtete sie immer, musterte jede ihrer Bewegungen. An den unerwartetsten Momenten erschien er an ihrer Seite, seine silbernen Augen prüften jeden ihrer Schritte. Er sprach nicht viel mit ihr, doch seine Präsenz war eine ständige Erinnerung an ihre Gefangenschaft.Sie lernte, sich im tückischen Herrenhaus zurechtzufinden. Die Diener, wie Lily, waren freundlich und hilfsbereit. Sie schienen das Unrecht ihrer Lage zu verstehen. Doch die Rudelmitglieder, die Krieger und
KAPITEL ZWEIElena stand wie erstarrt im Arbeitszimmer, während Kaels letzte Worte in ihren Ohren nachhallten. Die silberne Narbe auf ihrer Handfläche pulsierte warm, eine ständige Erinnerung an die Bindung, die sie gerade besiegelt hatte. Es war vollbracht. Sie war gebunden. Sie wollte schreien, etwas zerschlagen, verschwinden. Doch ihre Beine fühlten sich an wie Blei, und ihr Verstand war wie im Nebel.Ein leises Klopfen ließ sie zusammenzucken. Die Tür öffnete sich und gab eine junge Frau mit honigblondem Haar und warmen braunen Augen frei. Sie trug ein schlichtes graues Kleid und schenkte ihr ein freundliches Lächeln.„Miss Moore? Ich bin Lily. Der Alpha hat mich geschickt, um Sie zu Ihren Gemächern zu bringen.“Elena folgte Lily durch das Labyrinth der Korridore. Das Herrenhaus war gewaltig, ein Irrgarten aus dunklem Holz und schattigen Ecken. Sie blieben vor einer schweren Eichentür stehen. Lily öffnete sie und gab den Blick auf einen großen, elegant eingerichteten Raum frei. Ei











