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Kapitel 102 – Paul

last update publish date: 2026-09-02 14:02:41

Ich traf Jonas am Dienstagabend, wie es inzwischen zu einer festen Gewohnheit geworden war, in derselben Bar, die er mir bei unserem ersten Treffen gezeigt hatte, mit denselben Kratzern in den Holztischen und demselben Barkeeper, der uns beide inzwischen kannte, ohne dass wir je unsere Bestellung aussprechen mussten. Die Bar hatte sich, ohne dass ich es geplant hatte, zu einem festen Bestandteil meines Lebens entwickelt, ein Ort, an dem ich mich erlauben konnte, einfach Mensch zu sein, ohne d

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    "Was meinst du damit, Zufall?", fragte Paul, mit einer Stimme, die zwischen Besorgnis und Frustration schwankte. "Michelle, ich muss dir etwas Wichtiges sagen, bevor du zu diesem Treffen gehst."Ich saß im Taxi, das mich zu Vogts Büro brachte, mit dem Handy am Ohr, während die Stadt draußen vorbeizog, und spürte, wie sich eine Mischung aus Ungeduld und Sorge in mir ausbreitete. Der Fahrer warf mir einen kurzen Blick durch den Rückspiegel zu, als meine Stimme angespannter wurde, aber ich ignorierte ihn, konzentrierte mich auf Pauls Worte."Ich bin in fünf Minuten da, Paul. Kannst du es mir schnell sagen?""Vogts Vater und mein Vater hatten eine Geschäftsfehde, vor Jahren. Heinrich hat ihm einen wichtigen Deal weggeschnappt, mit Methoden, die nicht ganz sauber waren. Der ältere Vogt hat kurz danach seinen Ruf verloren und ist gestorben. Es gibt Gerüchte, dass Damian das nie vergessen hat."Ich saß mi

  • Was ich mir wert bin    Kapitel 102 – Paul

    Ich traf Jonas am Dienstagabend, wie es inzwischen zu einer festen Gewohnheit geworden war, in derselben Bar, die er mir bei unserem ersten Treffen gezeigt hatte, mit denselben Kratzern in den Holztischen und demselben Barkeeper, der uns beide inzwischen kannte, ohne dass wir je unsere Bestellung aussprechen mussten. Die Bar hatte sich, ohne dass ich es geplant hatte, zu einem festen Bestandteil meines Lebens entwickelt, ein Ort, an dem ich mich erlauben konnte, einfach Mensch zu sein, ohne die Rolle des Geschäftsmanns oder des Ehemanns oder des Sohns, die ich in den meisten anderen Kontexten meines Lebens spielte."Du siehst entspannt aus", sagte Jonas, als er sich mir gegenüber setzte, mit einem Grinsen, das echte Freude zeigte. "Das Wochenende scheint gutgetan zu haben.""Das hat es." Ich lächelte, dachte an den See, an Michelle, an die Leichtigkeit, die uns beide dort begleitet hatte. "Wir haben ein Haus gefunden, an dem wir öfter sein wollen. Vielleicht sogar rege

  • Was ich mir wert bin    Kapitel 101 – Michelle

    Der Termin stand seit dem Montagmorgen in meinem Kalender, mit Katharinas ordentlicher Notiz daneben: Damian Vogt, 11 Uhr, Erstgespräch, potenziell größter Auftrag des Jahres. Ich hatte den Namen bereits ein paarmal gehört, in den Kreisen, in denen ich mich mittlerweile bewegte – ein Investor, relativ jung für seinen Erfolg, mit einem Ruf, der Immobilien- und Beteiligungsprojekte in beeindruckender Geschwindigkeit zu vergolden schien. Ich wusste wenig über ihn persönlich, nur das Übliche, das man über erfolgreiche Männer seiner Art hörte – klug, ehrgeizig, mit einem Auge für Chancen, die andere übersahen.Ich hatte am Wochenende, noch im Nachklang unseres Trips an den See, kurz nach seinem Namen gesucht, mehr aus Neugier als aus Notwendigkeit, und war auf Artikel gestoßen, die von beeindruckenden Deals berichteten, von einer steilen Karriere, die in wenigen Jahren aus einem unbekannten Analysten einen der gefragtesten Investoren der Stadt gemacht hatte. Nirgends hatt

  • Was ich mir wert bin    Kapitel 100 – Michelle & Paul

    Der zweite Tag begann langsam, mit einem Frühstück auf der Veranda, das aus nichts weiter bestand als frischem Brot von der Bäckerei, die wir am Vortag entdeckt hatten, und Kaffee, den Paul mit einer Sorgfalt zubereitete, die zeigte, wie sehr er sich inzwischen in dieser Kunst verbessert hatte. Die Sonne stand schon hoch über dem See, warf goldenes Licht auf das ruhige Wasser, und die Luft roch nach Wald und dem leisen, erdigen Duft des nahenden Herbstes."Was möchtest du heute machen?", fragte Paul, während er mir eine Tasse reichte."Ich dachte an den Wanderweg, von dem Markus erzählt hat.""Dann lass uns das tun."Wir wanderten den ganzen Vormittag, um den See herum, durch einen Wald, der in dieser Jahreszeit eine Mischung aus sattem Grün und ersten gelben Blättern zeigte, mit dem Rascheln unter unseren Füßen und dem gelegentlichen Ruf eines Vogels, der die Stille durchbrach, ohne sie zu st

  • Was ich mir wert bin    Kapitel 99 – Michelle

    "Ich habe eine Idee", sagte Paul, zwei Tage nach unserem Gespräch im Café Weinlaub, während wir gemeinsam in meiner Küche standen und das Abendessen vorbereiteten – er schnitt Gemüse, mit einer Konzentration, die zeigte, wie ernst er seine kulinarischen Fortschritte inzwischen nahm, ich rührte in einem Topf, der zum Glück nichts anbrennen ließ."Was für eine Idee?""Lass uns wegfahren. Dieses Wochenende. Nur wir beide, ohne Handy, ohne Termine, ohne irgendetwas, das mit den letzten Wochen zu tun hat."Ich sah ihn an, überrascht, mit dem Messer noch in der Hand über einer halb geschnittenen Zwiebel. "Einfach so?""Einfach so." Er lächelte, mit einer Leichtigkeit, die ich in den letzten Tagen selten an ihm gesehen hatte, überschattet wie sie gewesen war von der Schwere der Enthüllungen und der mühsamen Arbeit der Versöhnung. "Markus hat ein kleines Haus an einem See, da

  • Was ich mir wert bin    Kapitel 98 – Michelle & Paul

    Ich rief Paul am nächsten Morgen an, kurz nach neun, mit dem Notizbuch noch auf der Anrichte, wo ich es am Vorabend abgelegt hatte, und mit einer Klarheit, die sich über Nacht gefestigt hatte, wie Zement, der endlich ausgehärtet war.Er nahm beim ersten Klingeln ab, mit einer Stimme, die vorsichtig klang, aber nicht ängstlich, mit der Geduld eines Mannes, der gelernt hatte, dass Drängen die Dinge nur schlimmer machte."Michelle.""Können wir uns treffen?", fragte ich, ohne Umschweife. "Heute. Café Weinlaub, wenn du kannst."Eine kurze Pause, in der ich sein Atmen hörte, gefolgt von Erleichterung, die selbst durch die Distanz des Telefons spürbar war. "Ich kann. Wann?""Um zwei.""Ich bin da."Das Café Weinlaub war derselbe Ort, an dem wir uns nach der ersten großen Krise unserer Beziehung getroffen hatten, vor Monaten, als wir beide gelernt hatten, was es bedeutete, f&

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