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Kapitel 4

Author: Washing Wheat
Ich schüttelte seine Hand ab.

„Hast du nichts Eigenes zu tun? Warum bist du ständig so besessen von meinem Terminkalender?“

Tony erstarrte.

Offensichtlich erkannte er seine eigenen früheren Worte wieder.

Nach langem Schweigen sagte er:

„Es war mein Fehler, dir letztes Mal nichts von der Geschäftsreise zu erzählen. Von jetzt an werde ich dir sagen, wohin ich gehe.“

„Morgen muss ich zur Universität. Der Konflikt zwischen Yvonne und ihren Mitbewohnerinnen ist eskaliert. Die Studienberaterin möchte mit ihren Erziehungsberechtigten sprechen. Ihre Eltern können wegen einer dringenden Angelegenheit nicht kommen, deshalb gehe ich an ihrer Stelle.“

„Verschiebe die Operation auf übermorgen. Dann begleite ich dich.“

Nun war endgültig klar, dass ich auf Tonys persönlicher Rangliste immer an letzter Stelle stehen würde.

Ruhig erwiderte ich:

„Nicht nötig. Es macht keinen Unterschied, ob du dabei bist oder nicht.“

Tony nahm offenbar an, ich verstünde nur nicht, welche praktischen Vorteile die Anwesenheit eines Arztes bot.

Mit ungewöhnlicher Geduld erklärte er:

„Ich kann Spezialisten für dich kontaktieren und dir die Befunde erklären. Zumindest kann ich mich anstellen und deine Anmeldung erledigen.“

Bevor ich ihn ein zweites Mal zurückweisen konnte, klingelte sein Handy.

Yvonnes tränenreiche Stimme drang aus dem Lautsprecher.

„Herr Dr. Frank, ich glaube, jemand versucht, das Schloss meiner Tür aufzubrechen. Ich habe solche Angst ...“

Tonys Gesichtsausdruck veränderte sich augenblicklich. Er drehte sich um und eilte zur Tür.

„Warte“, rief ich ihm nach.

Tony blieb stehen, wandte sich mit ungeduldig gerunzelter Stirn zu mir um und fragte:

„Mary, glaubst du, ich muss dich erst um Erlaubnis bitten und dir Bericht erstatten, bevor ich jemandem das Leben retten darf? Jetzt ist nicht der Zeitpunkt für einen Wutanfall. Sie könnte wirklich in Gefahr sein. Kannst du endlich aufhören, sie ständig anzugreifen?“

Als hätte er sich plötzlich an etwas erinnert, stieß er einen schweren Seufzer aus.

„Ich werde dich zur Operation begleiten. Aber jetzt solltest du unterscheiden können, was dringend ist und was nicht.“

Tony hatte mich völlig missverstanden.

Ich hatte ihn nur aufgehalten, um noch einmal klarzustellen, dass ich ihn bei der Operation überhaupt nicht brauchte.

Doch er hatte es zu eilig, mich ausreden zu lassen.

Schon verschwand er in der Nacht.

---

Mein Operationstermin wurde trotzdem verschoben.

Tony kannte meinen behandelnden Arzt seit Langem und hatte ihn eigens darum gebeten.

„Sie sollten künftig wirklich nicht ständig Streit mit ihm anfangen“, sagte der Arzt lächelnd.

Er sah mich an wie ein kleines Mädchen, das wegen einer Nichtigkeit schmollte.

„Herr Dr. Frank hat mir alles erzählt. Er sagte, die Behauptung, Sie wollten die Operation allein durchstehen, sei nur Ihrer Wut auf ihn geschuldet. Herr Dr. Frank liebt Sie wirklich. Er ist außerordentlich beschäftigt und hat dennoch eigens seine Dienste getauscht, um Sie zu einem so kleinen Eingriff zu begleiten.“

Ich öffnete den Mund, brachte jedoch kein einziges Wort hervor.

Eine überwältigende Erschöpfung und Ohnmacht erfassten mich.

Nach meinem ursprünglichen Plan sollte ich an diesem Tag operiert werden, mich anschließend ausruhen und am nächsten Tag in die neue Stadt fliegen.

Am übernächsten Tag sollte ich meine neue Stelle antreten.

Nun hatte Tony mit einem einzigen Satz all meine Pläne zunichtegemacht.

Als ich ihn anrief, um ihn zur Rede zu stellen, nahm Yvonne ab.

„Tony war völlig erschöpft. Er ist eingeschlafen. Wenn du etwas brauchst, kannst du es mir sagen.“

Yvonne sprach gedämpft und klang gespielt entschuldigend.

„Ach ja, solltest du heute nicht operiert werden? Es tut mir so leid, aber Tony kann dich vermutlich doch nicht begleiten.“

Sie brach plötzlich ab und fügte hastig mit schuldbewusster Stimme hinzu:

„Mary, bitte versteh das nicht falsch ...“

Ich legte hart auf.

Damit ich es auch garantiert falsch verstand, veröffentlichte Yvonne sofort einen neuen Beitrag in den sozialen Medien.

„Es ist so schön, beschützt zu werden. Ich habe den besten großen Bruder der Welt!“

Auf dem Foto war ein Hotelzimmer zu sehen.

Tony lehnte mit verschränkten Armen und geschlossenen Augen in einem Sessel am Fenster.

Unter seinen Augen zeichneten sich dunkle Schatten ab.

Er sah genauso aus wie ein Mann, der die ganze Nacht am Bett eines anderen Menschen gewacht hatte.

Ich blockierte beide.

Dann vereinbarte ich einen ambulanten Termin in einem Krankenhaus in Sanford.

Zum Glück handelte es sich nur um einen kleinen Eingriff.

Danach war kein stationärer Aufenthalt nötig.

Wenn ich mich in diesem Krankenhaus nicht operieren lassen konnte, würde ich eben ein anderes wählen.

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