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KAPITEL DREI: PARTNER?

last update publish date: 2026-07-01 16:24:11

CELINE

Ich stand oben an der Treppe und starrte in den leeren Flur, in dem der Mann mit den kalten Augen gerade noch gestanden hatte.

Die Wärme, an die ich mich von heute Morgen erinnerte, war völlig verschwunden. Weggefegt, als hätte es sie nie gegeben. Diese vertrauten Gesichtszüge, dasselbe dunkle Haar, dieselbe Kinnlinie, derselbe Mund – hatten mich angesehen, als wäre ich ein Ärgernis, mit dem er nicht gerechnet hatte.

„Bist du blind oder was?“

Vielleicht hatte er einen schrecklichen Morgen. Vielleicht waren Alphas einfach launische, temperamentvolle Wesen, die sich in der einen Stunde bei verletzten Fremden entschuldigten und sie in der nächsten wieder abwiesen.

Ich umklammerte das Geländer und ging vorsichtig die Treppe hinunter.

Ich wollte ihm nur danken und dann gehen. Ich musste meinen Vater finden und mein Leben wieder aufbauen. Ich war nicht vor einer Katastrophe geflohen, um mich in eine andere zu verstricken.

Ich erreichte den Fuß der Treppe und blieb wie angewurzelt stehen. Dort sah ich, dass Alpha Zithan auf einem der großen Sofas saß, das Handy in der Hand, und mit ruhiger, konzentrierter Aufmerksamkeit tippte.

Ich starrte ihn an, dann schaute ich die Treppe hinauf und wieder zu ihm zurück. Mein Gehirn kam langsam und mühsam zum Stillstand.

Wenn Alpha Zithan dort auf dem Sofa saß, entspannt, unbeeindruckt, offensichtlich schon seit einiger Zeit – wer hatte dann gerade oben mit mir gesprochen?

Wer hatte mich mit diesen eiskalten blauen Augen angesehen und gefragt, ob ich blind sei?

Dasselbe Gesicht, aber andere Augen.

Ein Schauer lief mir den Rücken hinunter. Ich machte einen vorsichtigen Schritt auf die Couch zu, hielt dann aber inne. Die Erinnerung an diesen eisblauen, verächtlichen Blick war noch so frisch, dass sie wie ein Stich schmerzte. Das Letzte, was ich brauchte, war, auf ihn zuzugehen und diesen Blick ein zweites Mal zu ernten.

Stattdessen drehte ich mich um und machte mich auf den Weg zur Tür.

„Na, wen haben wir denn hier?“

Die Stimme ließ mich mitten im Schritt innehalten. Tief, warm und voller Belustigung.

Ich drehte mich langsam um, und mir fiel die Kinnlade herunter.

Wieder stand Alpha Zithan vor mir, doch als ich in seine Augen blickte, sah ich weder Silber noch Eisblau.

Stattdessen waren seine Augen hellgrün – strahlend und verschmitzt, sie fingen das Licht ein wie etwas Lebendiges, und das Lächeln, das sich auf seinem Gesicht ausbreitete, war das unverhohlen koketteste, das ich je bei einem Menschen gesehen hatte.

Sein Blick begann an meinem Scheitel und wanderte langsam und bedächtig bis hinunter zu meinen Füßen, ließ sich dabei alle Zeit der Welt und machte absolut keinen Hehl daraus, was er tat.

Mir wurde sofort heiß im Gesicht.

„Ein hübsches Mädchen wie du würde hier nicht unbemerkt bleiben“, sagte er und kam auf mich zu. „Wie kommt es, dass ich dich bisher noch nicht gesehen habe?“

Moment mal! Machte er Witze? Als hätten wir uns erst vor ein paar Stunden kennengelernt und er hätte sich damals nicht so verhalten.

Er zwinkerte mir zu. Er zwinkerte mir tatsächlich zu – voller Selbstbewusstsein und ohne jede Scham.

Meine Güte. Was war nur los mit diesem Mann?

„Ich wollte mich bei dir bedanken, dass du den Arzt wegen meines Knöchels geschickt hast“, sagte ich schnell und machte bereits einen Schritt zurück. „Das weiß ich zu schätzen. Ich gehe jetzt.“

Er bewegte sich schneller. In einem Moment war er noch mehrere Fuß entfernt, im nächsten stand er direkt vor mir, so nah, dass ich mein Kinn anheben musste, um ihn anzusehen. Er blickte mit diesen leuchtend grünen Augen auf mich herab, seine Unterlippe leicht zwischen den Zähnen eingeklemmt, auf eine Art, die mit ziemlicher Sicherheit kalkuliert war.

Er war gutaussehend, zum Verrücktwerden, unverschämt gutaussehend. Dieselbe Knochenstruktur wie der Mann mit den silbernen Augen, bei dem ich mich sicher gefühlt hatte, doch während dieser still und ruhig gewesen war, sprühte dieser hier vor Energie. Als stünde man neben etwas, das jeden Moment in Flammen aufgehen könnte.

Dieselben drei Gesichter, aber drei verschiedene Augenpaare. Drei völlig unterschiedliche Männer, die dasselbe unmögliche Gesicht trugen.

Was geschah hier?

„Warum siehst du mich an, als hättest du einen Geist gesehen?“, fragte er, und sein Lächeln wurde vor Neugier schärfer.

„Du …“, ich zeigte mit leicht zitterndem Finger auf ihn. „Du hast mich gerade beleidigt. Oben.“

Seine Augenbrauen hoben sich. „Dich beleidigt?“

„Ja. Gerade eben!“

Etwas veränderte sich in seinem Gesichtsausdruck – Erkennen, das schnell von Belustigung verschlungen wurde.

„Liebling“, sagte er und senkte leicht die Stimme, „ich habe in meinem ganzen Leben noch nie eine hübsche Frau beleidigt. Ich sehe dich zum ersten Mal.“

„Das ist eine glatte Lüge“, spottete ich und verdrehte die Augen. Seltsamerweise fühlte ich mich in der Gegenwart dieses Mannes wohl.

„Ist es das?“ Er wirkte nicht im Geringsten beunruhigt.

„Du hast mich angesehen, als wäre ich etwas, das an deiner Schuhsohle klebt.“

„Das würde ich niemals tun.“ Er presste eine Hand mit theatralischer Aufrichtigkeit an seine Brust. „Diese Augen haben eine Frau noch nie mit weniger als vollkommener Wertschätzung angesehen.“

Entweder war er der überzeugendste Lügner, dem ich je begegnet war, oder –

„Du hältst mich für jemand anderen“, sagte er, und diesmal war das Lächeln echt. Echte Belustigung, mit einem warmen Unterton.

„Lach mich nicht aus.“

„Ich lache nicht.“ Dabei lachte er ganz offensichtlich. Lautlos, was irgendwie noch schlimmer war.

Ich hatte keine Zeit für so etwas. Mein Vater war irgendwo in dieser Stadt, mein Handy musste aufgeladen werden, und ich führte eine endlose Diskussion mit einem Mann, der drei Gesichter und keinerlei Schamgefühl hatte.

Ich wandte mich zum Gehen.

Seine Hand umfasste mein Handgelenk, sanft, und ich stolperte, sodass ich mich schließlich mit meiner freien Hand an seiner Brust abstützte. Aus dieser Nähe stieg mir sein Duft zum ersten Mal richtig in die Nase. Anders als der von Zithan. Während Zithan nach dunklem Holz und Regen roch, roch dieser hier nach Zedernholz.

Ein stechender Schmerz durchzog meine Brust, und ich wich sofort zurück.

„Wie wäre es, wenn du heute Abend mit mir zum Paarungsfest kommst?“, sagte er, völlig unbeeindruckt.

„Nein.“ Ich schüttelte den Kopf. „Ich muss …“

„Wunderbar!“

Ich blinzelte. „Ich habe Nein gesagt.“

„Du hast es nicht schnell genug gesagt.“ Er war bereits in Bewegung, hob mich hoch – einen Arm unter meine Knie, den anderen um meinen Rücken – und machte sich auf den Weg die Treppe hinauf, bevor ich begreifen konnte, was gerade geschah.

„Lass mich runter!“ Ich schlug ihm gegen die Brust. „Ich will weg! Ich muss noch woanders hin!“

Völlig unbeeindruckt sowohl von den Schlägen als auch von den Schreien stieg er die Treppe hinauf mit der lässigen Leichtigkeit eines Mannes bei einem gemütlichen Sonntagsspaziergang.

„Du wirst es lieben“, sagte er fröhlich. „Das beste Paarungsfest im ganzen Gebiet. Ich lasse dir ein Kleid schicken.“

Er ließ mich auf ein Bett in einem großen Zimmer mit hohen Fenstern fallen, zeigte mit diesem ärgerlichen Grinsen auf mich und verschwand, bevor ich einen weiteren Protest formulieren konnte.

Nicht schon wieder. Ich ließ mich rücklings auf das Bett fallen und starrte an die Decke.

Ich holte mein Handy heraus und schaltete es ein. Die Benachrichtigungen strömten nur so herein: dreißig verpasste Anrufe von Muize und zehn Nachrichten. Fünf verpasste Anrufe von meinem Vater und sieben Nachrichten.

Ich öffnete zuerst Muizes Nachrichten und machte mich auf das Schlimmste gefasst.

„Schlampe. Was hast du meiner besten Freundin angetan?“

„Bete zur Mondgöttin, dass Doland das überlebt. Mach dich darauf gefasst, im Knast zu verrotten.“

Mir schnürte sich die Kehle zu. Ich klickte auf die nächste Nachricht.

„Wo zum VERDAMMTEN bist du??“

Ich legte das Handy mit dem Display nach unten auf das Bett und starrte an die Decke. Ich hatte Doland nicht ernsthaft verletzen wollen. Ich wollte ihm nur klarmachen, was es bedeutet, eine Grenze zu respektieren. Aber er war in mein Zimmer gekommen. Er hatte die Tür abgeschlossen. Er hatte mich angefasst.

Ich nahm das Handy wieder in die Hand, um die Nachrichten meines Vaters zu öffnen – der Bildschirm wurde schwarz. Der Akku war leer.

„Das kann doch nicht wahr sein.“ Mir fiel die Kinnlade herunter. „Wie soll ich meinen Vater jetzt anrufen?“

*

Ich stand vor dem Eingang zur großen Halle, hielt den Rock des tiefgrünen Kleides fest, in das mich die Dienstmädchen hineingezwängt hatten, und versuchte mich daran zu erinnern, was ich hier eigentlich tat.

Die Halle war riesig – warmes Licht strömte von überall her, Musik schwebte durch die Luft, der ganze Raum summte vor einer Energie, die zum Teil von Feierlichkeit geprägt war. Paare bewegten sich gemeinsam, Körper drückten sich eng aneinander, die Atmosphäre war dicht vor Sehnsüchten und Begierden.

Ein Paarungsfest. Ein echtes, echtes Paarungsfest.

Muizes Stimme drang ungebeten in meine Erinnerung. „Unattraktiv. Kein Wolf. Kein Partner.“

„Du bist nicht hier, um einen Partner zu finden“, erinnerte ich mich. „Eine Stunde. Musik, ein Drink. Dann geh raus und such deinen Vater.“

Ich fand die Bar und trank zwei Schnäpse, bevor der Barkeeper auch nur blinzeln konnte.

„Hast du etwas Stärkeres und Kräftigeres?“, fragte ich und stellte das leere Glas ab.

Er lachte, als hätte ich etwas Lustiges gesagt. „Habe ich. Aber dann schaffst du es nicht mehr heil nach Hause.“

„Bring es trotzdem.“

Er stellte eine volle Flasche auf die Theke. Ich öffnete sie und trank direkt aus dem Flaschenhals.

Dann traf es mich.

Ein scharfer, plötzlicher Ruck direkt in der Mitte meiner Brust – so heftig, dass mir fast die Knie nachgaben. Ich klammerte mich an die Thekenkante und presste meine freie Hand flach gegen mein Brustbein.

„Verursacht zu viel Alkohol ein Brennen in der Brust?“, fragte ich.

Der Barkeeper war völlig erstarrt und starrte mit einem Ausdruck, den ich noch nie zuvor bei einem Barkeeper gesehen hatte, an mir vorbei zur Tür.

In seinen Augen war deutlich Angst zu sehen. „Die Blackthorne-Drillinge“, hauchte er.

Ich drehte mich langsam um und folgte seinem Blick. Dort sah ich drei Männer am Eingang stehen. Drei identische Gesichter, gleiche Größe, gleiches dunkles Haar, gleiche breite Schultern, die den Türrahmen ausfüllten, als gehörten ihnen nicht nur der Raum, sondern auch die Luft darin.

Ein Paar Augen war silbern, eines eisblau, eines hellgrün.

Das Ziehen traf mich erneut, heftig und bis in die Knochen. Es kam aus allen drei Richtungen gleichzeitig.

Und dann sprachen alle drei in perfekter Übereinstimmung ein und dasselbe Wort.

„Mate!“

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