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KAPITEL ZWEI: DIE VERWIRRUNG

last update Tanggal publikasi: 2026-07-01 16:20:03

CELINE

In dem Moment, als ich endlich vor diesem Haus stand, überkam mich alles auf einmal.

Meine Knie knickten fast ein. Ich klammerte mich an den Torpfosten, um mich abzustützen, und dann entrang sich mir das erste Schluchzen – hässlich und unkontrolliert –, und sobald es einmal angefangen hatte, konnte ich es nicht mehr aufhalten.

Meine Schultern bebten heftig. Ich drückte meinen Rücken gegen die kalte Wand und rutschte ein wenig nach unten, wobei sich meine Finger in den Riemen meiner Tasche krallten, als wäre er das Einzige, was auf der Welt noch fest stand.

Bilder von Doland schossen mir immer wieder durch den Kopf. Der Knall, als die Lampe auf seinen Schädel traf. Das Blut. Wie er seitwärts auf meinen Boden zusammengesackt war.

Hatte ich ihn getötet?

Nein. Ich presste die Augen fest zusammen. Es war nicht meine Schuld. Er war in mein Zimmer gekommen. Er hatte mich berührt. Er hatte versucht, –

Eine neue Welle der Übelkeit verschlang diesen Gedanken vollständig.

Jahrelang hatte ich seine Blicke ertragen, seine Bemerkungen, seine Hände, die dort waren, wo sie nichts zu suchen hatten.

Heute Nacht hatte ich mich endlich gewehrt. Warum fühlte ich mich dann wie eine Verbrecherin?

Ich richtete mich auf und wischte mir grob über das Gesicht. Hier im Dunkeln zu weinen würde mich nicht retten. Ich musste weg, weit weg von diesem Haus, bevor Muize wieder nüchtern genug war, um nach mir zu suchen.

Meine Gedanken suchten verzweifelt nach Möglichkeiten und landeten bei der einzigen, die sich wie fester Boden anfühlte.

Mein Vater, meine einzige Hoffnung.

Mit zitternden Händen holte ich mein Handy heraus und scrollte, bis ich seinen Namen gefunden hatte. Seit zwei Jahren lag der Kontakt dort unberührt. Keine Anrufe. Keine Nachrichten.

Soweit ich wusste, hatte er sein Leben komplett weitergelebt und vergessen, dass er eine Tochter hatte, die ihre untreue Mutter ihm vorgezogen hatte.

Vielleicht hasste er mich deswegen. Mein Daumen schwebte über der Anruftaste, dann drückte ich sie. Es klingelte einmal. Zweimal. Dreimal.

„Elin?“

Mir stockte der Atem. Diese Stimme. Tief und warm und schmerzlich vertraut. Und dieser Name – mein Kosename, den nur er mir je gegeben hatte – traf mich irgendwo hinter den Rippen und riss etwas weit auf.

Einen Moment lang konnte ich überhaupt nicht sprechen, nur noch schluchzen.

„Elin? Was ist los? Warum weinst du? Hat dir jemand wehgetan?“

„V-Vater …“ Meine Stimme klang gebrochen und leise. „Vater, ich will weg. Ich will nicht mehr hier sein. Ich kann nicht bleiben …“

Stille legte sich über die Leitung. Eine Sekunde. Zwei. Drei.

Ich stand im Dunkeln, das Herz bis zum Hals, und bereitete mich auf eine Ablehnung vor. Ich bereitete mich darauf vor, dass du deine Entscheidung treffen oder dich mit deinen eigenen Problemen auseinandersetzen würdest.

"Komm nach Hause, Elin.“

Drei Worte, und ich brach völlig zusammen.

„Ich schicke dir sofort die Adresse und etwas Geld. Versuch, bis zum Morgen zu warten, bevor du losfährst, mein Schatz. Das ist sicherer.“

„Okay“, brachte ich hervor. „Okay.“

In dem Moment, als das Gespräch beendet war, vibrierte mein Handy. Erst das Geld, dann die Adresse – Savage Moon Pack.

Ich starrte sie genau drei Sekunden lang an. Dann öffnete ich meine Reise-App und buchte den ersten verfügbaren Flug.

*

Zwei Stunden später war ich in der Luft, das Gesicht zum Fenster gewandt, und sah zu, wie die Stadt, in der ich jahrelang ums Überleben gekämpft hatte, unter mir ins Nichts schrumpfte.

Kein Muize mehr. Kein Doland mehr. Kein Herunterschlucken von Beleidigungen mehr und das Ganze als Überleben bezeichnen.

Zum ersten Mal seit einer Zeit, an die ich mich nicht mehr erinnern konnte, hatte ich das Gefühl, atmen zu können.

Es dämmerte gerade, als ich beim Savage Moon Pack landete.

Ich trat aus dem Flughafen hinaus und blieb stehen. Die Luft hier war anders – sauberer, schwerer, nach Kiefern duftend und mit einer wilden Note im Hintergrund. Irgendwie fühlte sich alles größer an.

Als ich mein Handy herausholte, um meinen Vater anzurufen, tauchte plötzlich ein Auto aus dem Nichts auf. Es rammte mich heftig und schleuderte mich von den Beinen.

Ich schlug mit einem lauten Knacken auf dem Boden auf, und der Schmerz schoss wie Feuer in meinen Knöchel.

"Argh!“ Ich stieß einen schrillen Schrei aus und hielt mir das schmerzende Bein.

Ich stützte mich auf meine Ellbogen ab, um nach dem unachtsamen Fahrer zu schlagen, doch da kauerte bereits ein Mann vor mir.

„Verdammt! Der war riesig.“ Ich war für einen Moment wie gelähmt.

Sein dunkles Haar fiel ihm lässig in die Stirn, sein Kinn war scharf genug, um Glas zu schneiden, seine Gesichtszüge so markant, dass sie kaum echt wirkten. Und seine Augen – silbern, klar und intensiv wie ein Wintermorgen, mit etwas Warmem, das unter der Schärfe flackerte.

Er untersuchte meinen Knöchel mit beiden Händen, seine Berührung war für jemanden seiner Größe unglaublich sanft.

Da erreichte mich sein Duft – dunkles Holz und Regen und etwas Wärmeres –, und tief in meiner Brust geschah etwas Seltsames. Ein Ziehen. Schwach, aber unverkennbar.

"Es tut mir leid“, sagte er leise. "Es war ein Unfall.“ Er hob diese silbernen Augen zu meinem Gesicht, und mein Herz tat etwas völlig Unvernünftiges.

Er entschuldigte sich tatsächlich, und mein Herz war ruhig. Eine seltsame, schwindelerregende Erleichterung durchströmte mich.

Sofort verschwand die Wut, die ich empfunden hatte.

„Du kannst dich nicht heilen?“, fragte er und musterte meinen Knöchel mit leicht gerunzelter Stirn.

Ich musste den Blick abwenden, denn jeder Wolf erholte sich innerhalb weniger Minuten von einer leichten Verstauchung. Doch die Tatsache, dass meine Wunde sich noch nicht geschlossen hatte, sprach Bände – und war mir peinlich.

Bevor ich protestieren konnte, schoben sich seine Arme unter meine Knie und um meinen Rücken, und er hob mich hoch, als würde ich absolut nichts wiegen.

„Was –“ Ein Keuchen entfuhr mir. Jeder Instinkt, der sich aus Jahren unerwünschter Berührungen gebildet hatte, schaltete sofort auf höchste Alarmstufe.

Doch dann sah ich den Unterschied, und er war unübersehbar.

Sein Griff war fest, aber behutsam … Als würde er genau darauf achten, wie viel Druck er ausübte. Als hätte er wirklich Angst, mir noch mehr wehzutun.

Ich konnte mich nicht daran erinnern, wann mich das letzte Mal jemand so gehalten hatte, als wäre ich es wert, behutsam behandelt zu werden.

Langsam, widerwillig hörte ich auf, mich zu wehren, und lehnte mich entspannt an ihn. Ich konnte einfach nicht anders, mein Knöchel tat so weh.

„Wohin bringst du mich?“, fragte ich.

„Zum Arzt“, sagte er schlicht, startete den Motor seines Autos und fuhr los.

*

Sein Auto fuhr durch riesige Eisentore und hielt vor einem Gebäude, das mich meinen Knöchel völlig vergessen ließ.

Das Anwesen war zu groß, um es mit einem Wort zu beschreiben. Es glich einem Palast, mit Türmen und Bogenfenstern. Überall sah es unglaublich schön aus.

Er ging zur Seite des Autos hinüber, hob mich wieder in seine Arme, trug mich durch den Eingang, und das Personal im Inneren hielt augenblicklich in seiner Bewegung inne.

„Seid gegrüßt, Alpha Zithan.“ Die Worte erklangen in perfekter Übereinstimmung, während sie ihre Köpfe neigten, als er an ihnen vorbeiging.

Ich erstarrte völlig in seinen Armen.

Alpha?

Ich drehte meinen Kopf und starrte auf sein Profil. Das markante Kinn und die absolute Gelassenheit erschütterten mich bis ins Mark. Die völlige Selbstverständlichkeit, mit der er mich durch einen Palast voller sich verneigender Bediensteter trug, als wäre das völlig normal.

Er hatte sich nicht so verhalten, nicht einmal ansatzweise. Er hatte sich am Straßenrand bei mir entschuldigt. Er hatte die Autotür geöffnet. Er hatte mich getragen, als wäre ich etwas, das es wert war, beschützt zu werden.

Ich wusste nicht, was ich mit dieser Information anfangen sollte, also vergrub ich mein Gesicht an seiner Brust und tat so, als hätte ich nichts gehört.

Er setzte mich in einem großen, ruhigen Raum ab und ging wortlos hinaus. Kurz darauf kam ein Arzt, untersuchte meinen Knöchel, trug Salbe auf und verschwand ebenso schnell wieder.

Ich schnappte mir meine Tasche. Zeit, meinen Vater zu suchen.

Ich war schon auf halbem Weg den Flur entlang, als jemand mit der Schulter hart gegen meine prallte. Gerade noch rechtzeitig konnte ich mich am Geländer festhalten.

„Wie bitte?“, fuhr ich ihn an und wirbelte herum.

Der Mann blieb stehen und drehte sich langsam um.

Ich öffnete den Mund, um ihm meine Meinung zu sagen, doch die Worte versiegten mir völlig.

Es war Alpha Zithan, und ich lächelte. Ich war erleichtert, ihn zu sehen. Schließlich musste ich ihm danken.

„Alpha—“

„Bist du blind oder was?“, unterbrach er mich kühl. Seine Augen wanderten angewidert von meinem Kopf bis zu meinen Zehen.

Ich stand mit offenem Mund da und starrte ihn an. Verwirrt runzelte ich die Stirn, während ich ihn genau musterte, um zu sehen, was los war.

Aber er ist doch Alpha Zithan. Dasselbe Gesicht, dasselbe dunkle Haar und derselbe Kiefer. Alles an ihm war identisch mit dem Mann, der mich gerade von der Straße hereingetragen hatte.

Moment! Irgendetwas stimmte nicht. Seine Augen waren anders.

Nicht silbern, sondern eisblau. Kalt und ausdruckslos und völlig desinteressiert, glitten sie mit kaum verhohlener Irritation über mich hinweg – als wäre meine Anwesenheit auf dieser Treppe eine persönliche Unannehmlichkeit.

Er drehte sich um und ging weg.

Das war nicht derselbe Mann. Das konnte nicht derselbe Mann sein, der sich am Straßenrand entschuldigt, mich durch seinen eigenen Palast getragen und mit sanftester Stimme gefragt hatte, ob ich heilen könne.

Ich klammerte mich an das Geländer und starrte ihm nach.

Was um alles in der Welt war mit Alpha Zithan los? Hat er eine Persönlichkeitsstörung?

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