LOGINIch nahm den Servicekorridor hinter den Osttribünen, sobald ich das Arenator passiert hatte.
Die Haupthalle war immer noch voll. Zu viele Leute schauten immer noch. Der Stein unter meinen Stiefeln war nass vom Schlauch, den sie für den Sand benutzt hatten. Wasser lief in dünnen Linien zum Abfluss.
Er holte mich ein, wo der Korridor enger wurde und die Fenster aufhörten.
Grey.
Ich ging weiter.
Luna Grey.
Ich blieb stehen. Die nächste Tür öffnete sich direkt auf den Hof. Zu viele Augen da draußen.
Er trat vor mich. Nah, aber ohne zu berühren. Immer noch in Kampfkleidung. Kragen dunkel. Schnitt an einem Knöchel, den er nie verbunden hatte. Sah mich an, als wäre ich ein Problem, das man lösen musste, bevor es schlimmer wurde.
Was bist du.
Nicht neugierig. Flach.
Eine Schülerin, sagte ich.
Tu das nicht.
Die Bindung lag zwischen uns genauso wie seit der Eingangshalle. Schwer. Falsch. Eine Ablehnung hätte sie abschwächen sollen. Diese hier tat es nie. Ich spürte sie in den Zähnen.
Ich weiß es nicht, sagte ich. Das ist die Wahrheit.
Er betrachtete mein Gesicht eine Sekunde länger, als nötig war.
Die Ablehnung bleibt.
Ich habe dich das erste Mal gehört. Genau wie vierhundert andere Leute.
Ich werde dich beobachten.
Warum.
Er antwortete nicht.
Zwei Erstjährige kamen um die ferne Ecke, sahen ihn, sahen mich, drehten ohne ein Wort um. Ihre Schritte verklangen. Irgendwo tropfte ein Rohr. Oben redete die Menge immer noch über den Beta, der vor einem Mädchen ohne Rang zurückgetreten war.
Caius sah auf meine Hände. Ich hatte nicht gemerkt, dass sie zu Fäusten geballt waren. Ich öffnete sie.
Du hast dich nicht verwandelt.
Ich verwandle mich nicht.
Da war nichts. Der Beta hat es gespürt. Ich habe es von der Plattform aus gespürt.
Dann hast du mehr gespürt als ich.
Er lächelte fast. Es erreichte seine Augen nicht. Du bist eine schlechte Lügnerin.
Ich lüge nicht.
Er trat einen halben Schritt näher. Die Luft veränderte sich. Keine Hitze. Druck. Dieselbe Art, die bei achtundfünfzig Sekunden auf dem Arenasand gelegen hatte. Das Mal unter meinem Ärmel juckte einmal. Dumpf. Wie ein blauer Fleck, der sich an sich selbst erinnerte.
Wenn du das absichtlich machst, sagte er, hör auf.
Ich mache es nicht.
Er wartete, als würde er erwarten, dass der Satz auseinanderfiel. Er tat es nicht.
Gut. Sagte er so, wie er Befehle gab. Halt dich von Rhea fern. Halt dich vom Rat fern. Wenn dem Stein oder der Luft oder einem anderen Schüler noch etwas passiert, kommst du zuerst zu mir. Nicht ins Archiv. Nicht zu deiner Zimmergenossin.
Du kannst mir keine Aufpasser zuteilen.
Habe ich schon. In der Halle. Vor allen.
Das saß. Ich hasste, dass es saß.
Ich wollte an ihm vorbeigehen. Er blockierte nicht mit dem Körper. Er bewegte sich einfach nicht genug, und mein Handgelenk streifte seine Hand.
Beide erstarrten wir.
Kein Funke. Funken sind klein. Das war eine Lichtschicht unter der Haut. Silber, das gold wurde. Lief von der Stelle, wo wir uns berührt hatten, meinen Unterarm hinauf und über den Rücken seiner Hand. Sichtbar. Hässlich-hell im dunklen Korridor. Die Bindung zerrte so stark, dass mir der Atem stockte.
Er zog zuerst zurück.
Das Licht starb in Stücken. Mein Handgelenk fühlte sich danach kalt an.
Caius sah auf seine eigene Hand, als hätte sie etwas getan, ohne zu fragen. Dann sah er mich wieder an. Was auch immer an Kontrolle er mitgebracht hatte, war jetzt dünner.
Folge mir nicht, sagte ich.
Hatte ich nicht vor.
Er bog in die andere Gabelung ab. Ich blieb stehen, bis seine Schritte verklungen waren. Nahm den langen Weg zurück zu den Wohnheimen, weil meine Beine etwas Gewöhnliches brauchten.
Seren saß auf ihrem Bett mit einem Nähzeug und meinem Ersatzhemd auf dem Schoß. Das Fenster war offen. Hofgeräusche kamen in Fetzen herauf.
Du warst in den Prüfungen, sagte Seren, ohne aufzuschauen. Hab gehört. Beta namens Corrin. Die Leute sagen, du hast dich nicht bewegt.
Habe ich nicht.
Seren knüpfte einen Stich ab. Dann schaute sie hoch. Die Augen gingen geradewegs zu meinem Handgelenk.
Deine Haut.
Ich schaute hinunter. Das Schimmern war weg. Nur eine schwache Linie, wo seine Finger gewesen waren. Als hätte ich mich an etwas Heißes gelehnt.
Ist nichts.
Ich war auf dem Treppenabsatz im dritten Stock, sagte Seren. Leise. Ich habe euch zwei im Servicekorridor gesehen. Wollte nicht. Das Fenster hat einen schlechten Winkel.
Ich setzte mich auf mein eigenes Bett. Stehen fühlte sich an wie eine Vorstellung.
Was hast du gesehen.
Seren legte die Nadel weg.
Das ist keine Mate-Bindung, flüsterte sie. Das ist etwas anderes.
Ich antwortete nicht gleich. Der Zettel von gestern Nacht lag immer noch in der Schublade. Vier Wörter. Er kann dich spüren. Der Riss im Archivboden. Die Schriftrolle, die die alte Omega verbrannt hatte. Nicht verwandeln.
Woher weißt du, wie eine Mate-Bindung aussieht, sagte ich.
Habe zwei gesehen. Meine Cousine und ihren Alpha. Und ein Paar im dritten Jahr, das keine Vorlesung durchsitzen kann, ohne krank auszusehen. Es ist ein Zug. Hässlich manchmal. Es ist nicht... Seren machte eine kleine Form in die Luft mit den Fingern. Nicht Licht. Nicht diese Farbe. Sitzt nicht auf der Haut wie ein Brandmal.
Wenn du jemandem davon erzählst, verliere ich, was an Deckung ich noch habe.
Ich erzähle niemandem etwas. Seren nahm die Nadel wieder auf und legte sie dann wieder hin. Luna. Was bist du.
Dieselbe Frage. Anderer Mund.
Ich weiß es noch nicht.
Seren nickte einmal. Als wäre das eine Antwort, mit der sie eine Nacht lang leben konnte. Corrin erzählt den Leuten, du hast betrogen. Rhea erzählt den Leuten, du hast ihn verhext. Caius hat kein Wort gesagt, was schlimmer ist.
Er hat gesagt, die Ablehnung bleibt.
Und dann ist er dir aus einer öffentlichen Prüfung gefolgt und hat aufgeleuchtet wie eine Tresorlampe, als er dich berührt hat. Seren stieß die Luft aus. Ja. Bleibt. Klar.
Ich legte mich zurück und starrte auf die Risse in der Decke. Einer davon sah neu aus. Oder ich sah den Stein jetzt falsch. Drückte meine Handfläche flach gegen die Matratze, damit ich sie nicht auf den Boden drückte.
Er will wissen, was ich bin.
Willst du.
Ich will die Woche überstehen, ohne eine weitere Anhörung.
Seren schnaubte. Leise. Nicht unfreundlich. Die Woche ist halb vorbei.
Wir redeten eine Weile nicht. Jemand im Nebenzimmer ließ einen Stiefel fallen. Die Glocke markierte den Wechsel der Abendübungen. Das Fieber von der ersten Nacht war weg, aber die Stelle, an der es in meiner Brust gesessen hatte, war noch nicht ganz abgekühlt.
Ich drehte mein Handgelenk im letzten Fensterlicht. Nichts. Nur Haut und die alte schwache Narbe, die ich hatte, solange ich denken konnte. Die aussah wie ein Brand, der sich nie entschieden hatte, fertig zu werden.
Seren.
Ja.
Wenn es wieder passiert. Das Licht. Du hast es nicht gesehen.
Habe ich schon nicht. Pause. Für was es wert ist, er sah ängstlicher aus als du.
Ich schloss die Augen. Wollte nicht, dass das etwas ausmachte. Es saß trotzdem da.
Unten im Hof rief jemand Caius’ Namen. Ich hörte ihn antworten. Kurz. Dann das Geräusch einer Gruppe, die zum Trainingsblock ging. Gewöhnlich. Rangiert. Die Art von Abend, für die die Crimson Academy gebaut war.
Meine Tür blieb zu.
Ein Zettel, den ich nicht hingelegt hatte, lag auf der Innenseite der Fensterbank, als ich später aufstand, um das Fenster zu schließen. Einmal gefaltet. Kein Siegel.
Diesmal keine vier Wörter.
Wenn er dich spüren kann, können es die anderen auch. Hör auf, den Ostkorridor zu benutzen.
Kein Name.
Ich hielt ihn, bis das Papier warm wurde. Legte ihn in die Schublade zum ersten Zettel. Setzte mich auf den Boden mit dem Rücken zum Bett, weil Stühle sich anfühlten, als gehörten sie zu einem anderen Mädchen.
Seren beobachtete mich vom anderen Matratze aus.
Noch einer?
Ja.
Dieselbe Hand?
Ich glaube schon.
Seren bat nicht darum, ihn zu lesen. Drehte sich auf die Seite, zur Wand. Ließ die Lampe auf ihrem Schreibtisch niedrig brennen.
Ich blieb auf dem Boden, bis meine Beine taub wurden. Die Bindung summte in der Ferne. Nicht scharf. Einfach da. Wie ein Draht, den jemand zu kappen vergessen hatte. Ich versuchte, ihm nicht zu folgen. Er ging trotzdem Richtung Westturm. Wo die Kandidatenzimmer waren. Wo ein Mann, der mich vor der ganzen Schule wolflos genannt hatte, wahrscheinlich unter der Dusche stand und versuchte, ein Schimmern von seiner Hand zu waschen.
Ich schlief nicht viel.
Gegen Morgen gab der Stein unter meiner Handfläche, den ich geschworen hatte nicht anzufassen, ein einzelnes kleines Tick. Kein Riss. Ein Tick. Als hätte etwas auf der anderen Seite des Bodens sein Gewicht verlagert.
Ich zog die Hand zurück.
Im Bett gegenüber sagte Seren, ohne sich umzudrehen: Ich habe das gehört.
Ich weiß.
Morgen gehen wir zum Unterricht, als wäre nichts gewesen.
Das ist der Plan.
Seren war lange genug still, dass ich dachte, sie hätte es fallen gelassen. Dann:
Wenn er dich wieder in die Enge treibt, lass ihn dich nicht berühren. Nicht, bis du weißt, was dieses Licht tut.
Ich wollte fast sagen, ich hätte ihn nicht gelassen. Die Wahrheit war schlampiger. Ich war in seine Hand gelaufen, weil der Korridor eng war und ich es satt hatte, angestarrt zu werden.
Ich werde es versuchen.
Das hast du nicht gesagt.
Das ist, was ich habe.
Morgenglocken begannen auf der anderen Seite des Campus. Erstjährige würden schon nach Rang in der Mensa anstehen. Luna Grey, ohne Rang, wolflos auf dem Papier, würde wieder den Endtisch nehmen und essen, was übrig war.
Ich stand auf. Handgelenk gewöhnlich. Zettel in der Schublade. Caius Varn irgendwo im selben Gebäude. Ablehnung immer noch im Protokoll. Beobachtete mich, weil er nicht anders konnte.
Seren setzte sich auf und warf mir ein sauberes Hemd zu.
Zieh es an, sagte sie. Du siehst aus, als hätte die Prüfung dich aufgefressen.
Hat sie nicht.
Dann ist es etwas anderes.
Ich zog das Hemd an. Der Ärmel bedeckte die Narbe und die Stelle, wo seine Finger gewesen waren.
Im Spiegel über dem Schreibtisch sah mein Gesicht aus wie gestern. Derselbe Mund. Dieselben Augen, die in der Eingangshalle nicht geweint hatten. Hinter mir stimmte für eine halbe Sekunde der Schatten an der Wand nicht. Zu hoch. Falsch an den Schultern.
Ich blinzelte.
Er stimmte wieder.
Erwähnte es nicht. Seren war schon an der Tür mit unseren beiden Taschen.
Wir gingen mit dem Rest des Stocks die Treppe hinunter. Niemand starrte mich an wie nach der Ablehnung. Starrten auf die neue Art. Die Prüfungsart. Die Art, wie Leute eine Sache anschauen, die hätte zerbrechen sollen und es nicht getan hat.
Auf dem Absatze sah ich ihn.
Caius. Zwei Treppen tiefer. Redete mit einem Ausbilder. Profil scharf gegen das Treppenhauslicht. Er schaute nicht hoch. Musste er nicht. Die Bindung schaute für uns beide. Niedrige, hässliche Wiedererkennung, die mich einen Schritt verfehlen ließ.
Seren griff nach meinem Ellbogen.
Ostkorridor, murmelte Seren. Tu das nicht.
Hatte ich nicht vor.
Wir nahmen stattdessen die Westtreppe. Geruch von nassem Stein und Frühstück und zu vielen rangierten Wölfen in einer Halle.
Ich steckte die Hände die ganze Zeit in die Taschen.
Konnte das Schimmern immer noch spüren, auch wenn es weg war. Wie ein Abdruck. Wie eine Tür, die einen Fingerbreit aufgegangen war und sich weigerte einzurasten.
Der Unterricht begann in zwölf Minuten. Ich würde hinten sitzen. Nichts Nützliches schreiben. Nicht auf das Beobachtungsglas über dem Kampfboden schauen, auch wenn ich wusste, dass er dort vor den Vorlesungen trainierte.
Das war der Deal, den ich auf dem letzten Treppenabsatz mit mir selbst gemacht hatte.
Er hielt, bis ich durch die Mensatüren drückte und die Luft sich wieder veränderte. Leicht. So wie im Korridor. Wusste ohne umzuschauen, dass er hinter mir reingekommen war.
Ich drehte mich nicht um.
Nahm mein Tablett und den Endtisch und die Stille, die dazugehörte, das Mädchen zu sein, das er abgelehnt und dann verfolgt hatte.
Seren setzte sich mir gegenüber und trat mir einmal leicht gegen den Knöchel.
Iss, sagte sie.
Ich aß.
Gegenüber in der Halle saß Caius mit Rhea und zwei anderen und schaute nicht herüber.
Die Bindung kümmerte das nicht.
Saß mitten im Raum wie eine dritte Person, die nicht eingeladen war und nicht gehen wollte.
Ich aß das Brot auf. Trank den Tee. Dachte an den Zettel auf der Fensterbank und das Tick im Boden und Serens Flüstern, das immer noch nicht aus dem Zimmer gegangen war.
Das ist keine Mate-Bindung. Das ist etwas anderes.
Ich hatte noch keinen Namen für das etwas andere.
Ich hatte eine Narbe am Handgelenk, die immer da gewesen war. Einen Mann, der sagte, die Ablehnung bleibe, während seine Haut unter meiner aufleuchtete. Eine Schule, die schon entschied, was für eine Geschichte ich werden würde.
Ich stand auf, als die zweite Glocke ging.
Kommst du, sagte Seren.
Ja.
Wir gingen zusammen raus. Ich schaute nicht zurück.
Ich spürte trotzdem, dass er hinschaute.
Ich schrie nicht.Dachte darüber nach. Der ganze Körper wollte es. Aber ich sah auf ihre Hände. Das Messer zeigte auf die Decke, nicht auf mich. Sah noch einmal in ihr Gesicht. Verstand, dass die Person auf Serens Bett mehr Angst hatte als ich.Okay, sagte ich. Die Stimme kam dünn heraus. Ich schreie nicht.Danke. Sie wischte sich das Gesicht mit dem Handrücken ab. Kleine, schreckliche Geste. Das Messer senkte sich, als sie es tat.Ich ließ die Tür hinter mir offen. Entschied mich nicht dafür. Ging dann zu meinem eigenen Bett und setzte mich ihr gegenüber. Nah genug, um ihre Augen zu sehen. Weit genug, um wegzulaufen. Die Lampe zwischen uns.Ihre Augen gingen zu meinen Schultern. Trägt immer noch seine Jacke. Vergessen.Sie sah eine Sekunde zu lange darauf. Dann auf den Boden.Zog sie nicht aus. Weiß nicht, warum. Es fühlte sich an, als wäre es eine Lüge.Du warst auf dem Grat, sagte ich.Sie wurde still. Dann nickte einmal.Die hellgraue.Ja.Dein Ohr.Ihre Hand ging hoch und berührt
Ich antwortete ihm nicht.Hatte nichts Großes genug zu sagen. Alles Kleine wäre eine Beleidigung gewesen. Also saß ich ihm gegenüber im dunklen Korridor. Seine Jacke über die Knie gezogen. Ließ die Stille sein, was sie war.Er drängte nicht. Lehnte den Kopf an die Wand und schloss die Augen. Nach einer Minute öffnete und schloss sich seine Hand auf dem Knie. Blut war an den Knöcheln wieder aufgesprungen.Adrians Stimme kam zuerst zurück. Vom anderen Ende des Korridors. Der Wagen ist in Ordnung, sagte er. Viel zu laut. Niemand hat ihn angefasst.Seren kam hinter ihm her, das Notizbuch an die Brust gedrückt. Sah Caius an. Dann mich. Schließlich sehr sorgfältig niemanden von uns. Wir sollten gehen, sagte sie. Bevor sich jemand anders besinnt.Niemand widersprach.Wir gingen im Dunkeln hinunter. Zu viert. Eine Taschenlampe für uns alle. Der Hügel war kalt. Das Gras ist nass. Hinter uns schloss sich die Ruine mit einem tiefen Schaben. Das Licht auf dem steinernen Gesicht erlosch wie eine h
Ich hatte Caius noch nie bitte sagen hören.Er sagte es, ohne sich umzudrehen. Stand mit dem Rücken zu mir und der offenen Hand seines Vaters noch in der Luft. Sagte es leise, sodass nur ich es hörte.Luna. Bitte. Geh rein.Ich wollte nein sagen. Mein ganzer Körper war darauf vorbereitet.Aber seine Stimme brach beim zweiten Wort. Nur ein wenig. Und ich dachte an das Blut, das zwischen seinen Fingern lief. Wie er seinen Wolf mit beiden Händen zurückgehalten hatte. Verstand, dass er das, was als Nächstes kam, nicht tun konnte, während ich da stand.Der König senkte die Hand. Sah seinen Sohn einen langen Moment an. Dann mich.Lass sie reingehen, sagte er. Das ist eine Familiensache. Adrian, du darfst mit ihr gehen.Adrian bewegte sich nicht.Adrian, sagte der König noch einmal. Mild.Adrians Kehle arbeitete. Sah Caius an. Sah mich an. Dann trat er einen Schritt zurück. Noch einen. Sagte mit einer Stimme, die ich kaum kannte: Komm, Luna.Seren nahm meinen Arm. Sie zitterte. Griff trotzde
Niemand hatte mir gesagt, was man tut, wenn ein König einen anschaut.Ich stand auf dem flachen Felsen, der Arm leuchtete wie eine Lampe. Tat das Einzige, was mir einfiel. Blieb stehen.Hinter mir stampften Füße auf Stein. Sie hatten das Heulen in der Ruine gehört. Caius erreichte mich zuerst. Kam um den Felsen und blieb einen halben Schritt vor mir stehen, atmete schwer. Augen blitzten gold im Fackellicht. Gold, dann wieder dunkel. Der Wolf kam schnell hoch. Er drückte ihn genauso schnell wieder runter.Adrian als Nächstes. Warf einen Blick auf den Grat und wurde papierweiß.Oh nein, sagte er. Oh, nein.Seren griff nach meinem Ärmel. Sagte nichts. Finger kalt durch den Stoff.Bleib hinter mir“, sagte Caius. Leise genug, dass nur ich es hörte.Nein.Luna.Ich habe genug davon, hinter Leuten zu stehen, sagte ich.Er sah mich an. Eine Sekunde lang gab etwas in seinem Gesicht nach. Dann drehte er sich zurück zum Grat. Noch leiser: Dann antworte auf nichts, was er fragt, bis ich es sage.
Lange rührte sich keiner.Caius' Taschenlampe zeigte auf den Boden. Er hob sie nicht an. Er stand da und sah mich an, als warte er darauf, geschlagen zu werden.Ich schlug ihn nicht. Dazu fehlte mir die Kraft.Sagt irgendwer was?“, flüsterte Seren. Bitte.Adrian machte den Anfang. Er lachte einmal, ein kurzer, hässlicher Laut, und fuhr sich mit beiden Händen übers Gesicht.Wisst ihr, was das hier ist? sagte er. Er sprach zu niemandem im Besonderen. Mein Leben lang hat Vater dem Hof erzählt, das Tier sei tot. Darauf beruht jeder Vertrag. Jeder Sitz am Tisch. Kommt das raus, verlieren die Lykaner nicht bloß eine Geschichte. Sie verlieren den Grund, warum sie herrschen.Darum geht es nicht, sagte Seren.Es ist der einzige Punkt, der für die zählt, die hinter ihr her sein werden.Red nicht über mich, als wäre ich nicht da, sagte ich.Er klappte den Mund zu. Sah mich an. Zum ersten Mal wirkte er nicht wie jemand, der ein Problem verwaltet. Er sah verängstigt aus.Tut mir leid, sagte er.Ic
Wir fuhren um halb vier morgens los. Niemand hatte um Erlaubnis gefragt.Caius' Regel. Fragst du, sagt jemand Nein. Sagt jemand Nein, muss anschließend irgendwer dem König erklären, warum vier Studenten in derselben Nacht den Campus verlassen haben, in der ein Kriegstrupp nach Norden aufbrach.Adrians Pick-up-Stand steht hinter dem Fuhrpark. Der Motor lief schon, als wir ankamen. Hinten auf der Ladefläche ein Seil und zwei Taschenlampen.Caius blieb an der Beifahrertür stehen. Sieh mich an. Den Pick-up. Adrian.Ich fahre, sagte er.Es ist mein Wagen.Du bist seit zwanzig Stunden wach.Du auch.Ich brauche keinen Schlaf, sagte Caius. Gelogen. Jeder konnte es sehen. Adrian reichte ihm einfach die Schlüssel.Ich stieg hinten ein. Unter den Decken bewegte sich etwas.Seren setzte sich auf. Die Haare standen ihr in alle Richtungen ab.Sag nichts, sagte sie, bevor ich den Mund aufmachen konnte. Ich komme mit.Du warst nicht eingeladen.Ich habe gehört, wie ihr losgegangen seid. Liege seit z







