Die Zeit vergeht. Ich weiß nicht, wie viel. Die Minuten, die Stunden, die Tage verschmelzen miteinander, undeutlich, ohne Geschmack, ohne Farbe. Das Licht ändert sich hinter den Samtvorhängen, wechselt von strahlendem Weiß zu Gold, von Gold zu Orange, von Orange zu Schwarz. Und dann kommt es wieder, weiß aufs Neue, und der Zyklus beginnt von vorn.Eine Dienerin kommt. Eine ältere Frau, das Gesicht runzlig, die Augen traurig. Sie trägt ein Tablett mit Essen: frisches Brot, Käse, geschnittenes Obst, ein Glas frisches Wasser. Sie stellt es auf den Nachttisch, sieht mich mit einer Art mütterlichem Mitleid an.— Essen Sie, Kleine. Sie müssen wieder zu Kräften kommen.Ich antworte nicht. Ich bewege mich nicht. Meine Augen bleiben auf die Fresken der Decke gerichtet, auf die Engel und Dämonen, die für die Ewigkeit kämpfen.Die Dienerin seufzt, schüttelt den Kopf, geht. Das Tablett bleibt dort, unberührt. Der Geruch von frischem Brot schwebt im Zimmer, süß, tröstlich, fremd.Ich habe keinen H
Read more