Am Stadtrand der Hauptstadt, im Landhaus der Familie Wern.Die Nacht war tief und still, doch im Arbeitszimmer brannte noch Licht.Reichskanzler Albrecht von Wern saß in einem schweren Lehnstuhl und sah seine Tochter an, die vor ihm stand. In seinen Augen, die sonst stets scharf und durchdringend waren, wogten in diesem Augenblick Schmerz und Zorn.Helena von Wern trug ein schlichtes helles Kleid. Die Schwellung in ihrem Gesicht war verschwunden, doch sie war noch immer bleich, und ihre Gestalt wirkte so dünn, als könne ein Windstoß sie umwerfen.Die Stockwunden auf ihrem Rücken waren zwar versorgt und verbunden, doch jede Bewegung verriet noch Steifheit.„Vater“, sagte sie leise.Albrecht erhob sich, trat vor sie und hob die Hand, als wolle er ihr Gesicht berühren. Doch mitten in der Luft hielt er inne.Diese Hand hatte einst im Staatsrat mit Macht und Entschlossenheit über Reichsangelegenheiten gewiesen. Jetzt zitterte sie so sehr, dass er es nicht wagte, seine eigene Tochter
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