Pretty
Das Licht erlosch. Ein Schrei durchschnitt den Ballsaal. Und die Hand eines Fremden fand ihre im Dunkeln.
„Sie haben dich gefunden.”
Mehr sagt Adrian Cole nicht, bevor irgendwo hinter ihnen Glas zerspringt und Lena Hart durch die Verlobungsfeier ihrer besten Freundin rennt — mit einem Mann, den sie seit fünf Jahren nicht gesehen hat. Demselben Mann, der einst spurlos verschwand, ohne ein Wort, ohne einen Abschied, ohne eine einzige Erklärung. Jetzt zieht er sie durch Dienstgänge und Treppenhäuser, als hätte er das schon einmal getan, als hätte er gewusst, dass diese Nacht kommen würde.
Er drückt ihr einen Umschlag in die Hand, ihr Name in der Handschrift ihres toten Vaters.
Lena, falls Adrian jemals zurückkommt, vertrau ihm nicht.
Doch die schwarzen Autos kreisen bereits. Die Nachrichten treffen bereits ein — der Beweis, dass jemand nah genug war, um sie durch das Fenster eines fahrenden Autos zu fotografieren, nah genug, um genau zu wissen, welches Gesicht in der Menge sie blind vertrauen würde. Und irgendwo unter fünf Jahren Trauer liegt ein Versprechen begraben, das sie als Kind gegeben hat und sich nie wieder erinnern sollte.
Ich werde niemandem verraten, wer ihn getötet hat.
Ihr Vater ist nicht so tot, wie man ihr erzählt hat.
Und derjenige, der ihn verraten hat, ist noch immer nah genug, um ihren Namen zu rufen.
Manche Versprechen sind nicht dafür gemacht, gehalten zu werden. Manche sind dafür gemacht, dich zu begraben.
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