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Kapitel 59 : Das Johannisfeuer

作者: Déesse
last update publish date: 2026-09-03 09:33:25

Liora

Das Johannisfest in Volcra ist nicht das feierliche, steife Fest, das man an den südlichen Höfen zelebriert. Es ist eine heidnische, wilde Feier, die bis in die ersten Zeitalter der Welt zurückreicht, lange bevor Könige Zitadellen erbauten und Grenzen zogen. Eine Nacht des Feuers und der Trance, der Gesänge und Tänze, in der die sozialen Schranken einstürzen, in der sich die Körper befreien, in der die kollektive Seele eines ganzen Volkes im Gleichklang zu schwingen b
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  • ATTRACTION   Kapitel 98 : Das Feuer der Schmiede

    Aelys Der Krieg zwischen den Brüdern ist vorbei, aber der Frieden ist zerbrechlich. Kael hat Cassians Angebot angenommen und ist im Palast geblieben. Gerüchte kursieren, dass er etwas vorbereitet, dass er intrigiert, dass er auf seinen Moment wartet. Ich höre sie in den Korridoren, im Gemurmel der Dienerinnen, in den Blicken der Wachen. Aber ich glaube es nicht. Ich habe seine Augen gesehen, als er Cassian ansah. Da war Schmerz, Wut, aber auch Liebe. Eine kranke, zerbrochene Liebe, aber eine Liebe trotz allem. Eine Liebe, die nur darauf wartet, geheilt zu werden. Eines Abends findet Kael mich in den Gärten. Der Mond ist voll, rund wie ein beobachtendes Auge, und seine silbernen Strahlen zeichnen tanzende Schatten auf die schwarzen Rosen. Er ist schlicht gekleidet, in einer Ledertunika, die Haare zerzaust. Er sieht aus wie ein Mann, der seit Tagen nicht geschlafen hat, die Ringe unter seinen Augen ausgehöhlt wie Täler. — Ae

  • ATTRACTION   Kapitel 99 : Kaels Verrat

    AelysIn den folgenden Tagen meide ich Kael. Ich kann ihn nicht ansehen, ohne seine brennenden Augen wiederzusehen, ohne seine Lippen auf meinen zu spüren, ohne seine Stimme zu hören, die "Ich liebe dich" murmelt. Aber er ist überall, in den Korridoren, in den Gärten, in meinen Träumen. Seine Gegenwart ist ein Schatten, der mir folgt, ein Geist, den ich nicht vertreiben kann.Eines Abends belausche ich zufällig ein Gespräch zwischen Kael und einem seiner Vertrauten. Die Tür der Bibliothek ist angelehnt, und ich höre ihre Stimmen durch das Holz. Ich bleibe stehen, das Herz klopfend, und ich halte den Atem an, um nicht entdeckt zu werden.— Sie ist bereit, sagt der Mann. Sie ist in die Falle getappt. Sie wird alles tun, was du ihr sagst.Seine Stimme ist ein Flüstern, beladen mit einer ungesunden Genugtuung. Ich spüre Übelkeit in mir aufsteigen.— Ich weiß, antwortet Kael. Sie ist perfekt. Mit ihr kann ich meinen Bruder stürzen. S

  • ATTRACTION   Kapitel 97 : Das unanständige Angebot

    AelysDie Tage vergehen langsam in Cassians Gemach. Jeder Tag ist ein Kampf, eine Prüfung, ein Schritt weiter zur Heilung. Seine Wunde heilt, langsam aber sicher, und jeden Tag ist er ein wenig stärker. Ich bleibe an seinem Bett, obwohl ich keinen Grund mehr habe, es zu tun. Ich könnte gehen. Ich könnte in mein Zimmer zurückkehren oder sogar den Palast verlassen. Aber ich bleibe. Weil sich etwas zwischen uns verändert hat. Weil ich ihn nicht verlassen kann, nicht jetzt, nicht nach allem, was geschehen ist.Die Tage fließen in einer sanften, seltsamen Routine dahin. Ich lese ihm Bücher vor, ich bereite ihm Kräutertees zu, ich wechsle seine Verbände. Unsere Finger berühren sich, unsere Blicke kreuzen sich, unsere Atemzüge vermischen sich. Es liegt eine Intimität in diesen alltäglichen Gesten, eine Nähe, die ich mit niemandem je gekannt habe. Jeden Abend gleite ich in sein Bett, und er hält mich an sich gedrückt, als wäre ich das Kostbarste auf der Welt.

  • ATTRACTION   Kapitel 94 : Das Duell

    Aelys Drei Tage nach der Nacht der Geständnisse kommt die Nachricht wie ein Donnerschlag in einem klaren Himmel. Kael hat Cassian zum Duell herausgefordert. Vor dem gesamten Hof, vor den Lords und Damen, vor den Wachen und Dienerinnen. Der Kampf wird im Morgengrauen stattfinden, im Ehrenhof, unter den Augen aller. Das Gerücht verbreitet sich wie ein Lauffeuer, und der ganze Palast ist in Aufruhr. Ich bin in meinem Zimmer, die Hände zitternd, das Herz rasend. Ich kann sie nicht kämpfen lassen. Ich kann sie nicht zulassen, dass sie sich gegenseitig töten. Nicht wegen mir. Ich betrachte mich im Spiegel und sehe eine gebrochene Frau, zerrissen zwischen zwei Lieben, zwei Hassen, zwei Versprechen. Ich stürze in die Korridore, mein Kleid schlägt gegen meine Beine, meine nackten Füße auf dem Stein. Die Korridore ziehen an mir vorbei, ein Wirbel aus Stein und Schatten. Ich durchquere den Hof, und ich sehe die beiden Brüder. Kael tr

  • ATTRACTION   Kapitel 96 : Das unanständige Angebot

    Meine Stimme ist ein Flüstern, ein Flehen. Ich spüre, wie sich seine Finger um meine schließen, und ich sehe den Kampf in seinen Augen, den Kampf zwischen Stolz und Wahrheit.Er schließt einen Moment die Augen, und als er sie wieder öffnet, sehe ich den Schmerz in ihrer Tiefe. Einen alten, vergrabenen Schmerz, der an die Oberfläche steigt wie eine Leiche, die sich weigert, auf dem Grund des Wassers zu bleiben.— Kael war nie mein Feind, sagt er. Er war immer mein Bruder. Aber es gab Lügen, Geheimnisse, Missverständnisse. Unser Vater hat uns gegeneinander aufgehetzt. Er dachte, das würde uns stärker machen. Er dachte, die Rivalität würde uns schmieden wie das Feuer den Stahl.Seine Stimme ist ein Flüstern, ein kaum hörbarer Hauch. Ich spüre die Müdigkeit in seinen Worten, das Gewicht der Jahre des Schweigens und des Grolls.— Aber es hat uns zerbrochen, Aelys. Es hat uns zerstört. Kael glaubte, ich hätte unseren Vater getötet. Er glaubte, ich hätte

  • ATTRACTION   Kapitel 95 : Das Blut der Brüder

    AelysDer Schmerz ist das Erste, was ich spüre, als ich aus dem Nichts auftauche. Ein dumpfer, tiefer Schmerz, der durch meinen ganzen Körper pulsiert wie ein zweites Herz. Er pocht in meinen Schläfen, in meiner Brust, in meinen Fingern, in meinen Knochen. Jeder Atemzug ist ein Kampf, jede Bewegung eine Qual. Ich öffne langsam die Augen, und das Licht ist ein Dolchstoß in meinen Schädel. Ich blinzle mehrmals, versuche zwischen der Realität und den Erinnerungsfetzen zu unterscheiden, die in meinem Kopf tanzen wie Nachtfalter um eine Flamme.Ich liege in einem Bett, das ich nicht erkenne. Die Laken sind aus weißer Seide, so weich, dass sie über meine Haut gleiten wie eine Liebkosung. Die Kissen sind aus Federn, flauschig und einladend, und der Duft, der in der Luft schwebt, ist der von Sandelholz und Bienenwachs. Nicht mein Zimmer. Nicht das von Cassian. Ich drehe den Kopf langsam, jede Bewegung eine Prüfung, und ich sehe ein angelehntes Fenster, eine leich

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