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Kapitel 3

Mueh
Wir konnten einander nicht ausstehen und standen uns unversöhnlich gegenüber.

Ihre Mutter brachte sie mit in meine Familie und machte sich dort einfach breit. Meine Mutter verfiel in Depressionen und nahm sich das Leben.

Ich hätte beinahe meine eigene Mutter verloren.

In der Oberstufe gingen wir schließlich wieder auf dieselbe Schule.

Julia hatte die Aufnahmeprüfung für die beste Schule der Stadt um einen Punkt verpasst, doch mein Vater Jakob Köhler nutzte seine Beziehungen und verschaffte ihr trotzdem einen Platz.

In diesem Schuljahr ging meine Mutter ins Ausland.

Ich blieb allein in der Familie Köhler zurück.

Ich dachte damals, wenn ich mich nur etwas härter gegen sie wehren würde, würden Julia und ihre Mutter irgendwann freiwillig aufgeben und gehen.

Meine Methoden waren nicht besonders klug, sogar ziemlich kindisch.

Ich goss Tinte in ihre Tassen. Ich nahm schwarze Tinte, die man sofort erkennen konnte, weil ich Angst hatte, sie könnten sie tatsächlich trinken.

Ich wollte ihnen nur einen Schrecken einjagen und Julia zeigen, dass sie mich nicht unterschätzen sollte.

Doch ich hätte nicht erwartet, dass Julia sich bei Jakob beschweren würde. Sein Gesicht verfinsterte sich. Mit zusammengezogenen Augenbrauen wies er mich streng zurecht.

Ich hasste Julia und ihre Mutter, aber ich wagte es nie, wirklich etwas Unverzeihliches zu tun.

Doch alles, was ich tat, ließ Jakob nur noch stärker glauben, dass er ihnen Unrecht getan hatte.

Nach dem Abitur gingen Julia und ich endlich auf verschiedene Universitäten.

Was mich dazu brachte, jede Hoffnung auf Jakob endgültig aufzugeben, geschah während meiner ersten Winterferien des Studiums. Er nahm Julia mit zu einem Bankett.

Er bestritt nicht einmal, dass Julia seine Tochter war.

Mehr noch: Er wollte sogar, dass sie seinen Nachnamen Köhler annahm.

Ich sagte zu ihm: „Wenn du Julia deinen Nachnamen Köhler annehmen lässt, werde ich von nun an den Nachnamen meiner Mutter tragen – Weber.“

Sein Blick war voller Zorn, als er mich ansah. Er holte bereits mit dem Arm aus, um nach mir zu schlagen.

Doch eine große, schlanke Gestalt trat dazwischen und hielt ihn auf.

Diese Person war David.

Nach meinem Abschluss begegnete ich David wieder.

Ich begann, ein ganzes Jahr lang um ihn zu werben.

Gerade als ich fast aufgeben wollte, stimmte er schließlich zu.

Erst nach unserer Hochzeit erfuhr ich, dass Julia seine Ex-Freundin gewesen war.

Und David hatte Jakob damals sogar im Haus der Familie Köhler besucht – als Julias Freund.

Deshalb verfinsterte sich Jakobs Gesicht, als er von meiner Hochzeit mit David erfuhr. Er hielt sich die Brust und bekam beinahe keine Luft.

„Hast du das absichtlich getan?“

„Du wusstest genau, dass David Julias Ex-Freund ist, und trotzdem hast du ihn geheiratet?“

Ich war lange Zeit wie erstarrt.

Zu Weihnachten wollte ich nicht zur Familie Köhler zurückkehren, doch David bestand darauf, mich mitzunehmen.

Als wir dort ankamen, gerieten Julia und ich erneut aneinander.

Im Innenhof stürzten wir beide zu Boden.

David reagierte sofort. Mit großen Schritten eilte er zu Julia und fing sie auf.

Ich hingegen fiel zu Boden.

Im Krankenhaus fragte ich ihn mit geröteten Augen und trotzigem Ton: „Warum hast du mich nicht aufgefangen?“

Er schälte ruhig ein Stück Obst, sein Gesichtsausdruck blieb vollkommen gleichgültig.

„Ich habe dich nicht gesehen.“

Als David das Krankenzimmer verließ, kam Julia zu mir.

Mit einem Lächeln musterte sie mich auf dem Krankenbett und erzählte mir von allem, was sie und David während ihrer Studienzeit gemeinsam erlebt hatten.

Durch ihre Erzählungen lernte ich eine andere Seite von David kennen – eine Seite, die ich nie gesehen hatte.

Mein Herz zog sich schmerzhaft zusammen.

Nach meiner Entlassung begegnete ich Julia wieder.

Schließlich arbeiteten wir sogar in derselben Firma.

Wir wetteiferten ständig miteinander, und keine von uns wollte der anderen nachstehen.

Mit Jakob als ihrem Vater im Rücken begegnete ihr selbst unser Vorgesetzter mit größter Ehrerbietung.

Und jetzt kam noch ihre Identität als Ex-Freundin des Erben der Bauer-Gruppe hinzu.

Alle behandelten sie noch mehr wie eine besondere Person.

Ich wusste, dass mein Designentwurf am Ende höchstwahrscheinlich abgelehnt werden würde. Trotzdem ließ ich mein Team Tag und Nacht daran arbeiten und Überstunden machen.

Einen Monat später betrat ich mit dem Entwurf den Konferenzraum.

Alle waren bereits da – nur Julia fehlte noch.

Sie kam gemeinsam mit David herein.

Das Licht fiel genau auf die beiden.

David beugte sich gelegentlich leicht zu ihr hinunter, passte sich ihrer Körpergröße an und hörte ihr aufmerksam zu.

Sein markantes Seitenprofil zeichnete sich klar im Licht ab.

Seine Augen waren tiefschwarz, und ein kaum merkliches Lächeln lag auf seinen Lippen.

Als sich unsere Blicke zufällig trafen, wollte ich in seinen Augen einen anderen Ausdruck erkennen.

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