Home / Werwolf / Auf dünnem Eis / Kapitel 4: Die Begegnung

Share

Kapitel 4: Die Begegnung

Author: Ammy gold
last update Petsa ng paglalathala: 2026-07-27 18:35:09

Ich hasste jede Sekunde dieses neuen Lebens.

Ich hasste es, früh aufzustehen für Interviews, die mir egal waren. Ich hasste es, dass die Leute mich überall anstarrten, als gehörte ich ihnen jetzt. Ich hasste die Kameras vor der Northcrest Academy und die Art, wie Schüler plötzlich zur Seite traten, wenn ich vorbeiging.

Am meisten hasste ich es, jede Minute des Tages jemanden anderen vorzuspielen.

Es waren erst sechs Tage. Sechs Tage seit Luciens Unfall. Sechs Tage seit Dominic entschieden hatte, dass mein Leben keine Rolle mehr spielte. Und schon fühlte ich mich erschöpft.

Ich vermisste die Blackthorne Academy mehr, als ich erwartet hatte. Ich vermisste es, mit Anna und Maxwell beim Mittagessen zu sitzen, während sie sich über dumme Dinge stritten. Ich vermisste Ella, die jedem die Pommes vom Teller stahl. Ich vermisste sogar Alex, der sich wie ein alter Mann in einem Teenagerkörper verhielt.

Dieses Leben war einfach gewesen. Ruhig. Niemand hatte mich dort zweimal angeschaut. Niemand hatte erwartet, dass ich ein ganzes Rudel auf meinen Schultern trage.

***

Mein Handy vibrierte, während ich allein im leeren Flur der Northcrest vor dem Training saß.

Anna.

Ich starrte ein paar Sekunden auf den Bildschirm, bevor ich abhob.

„Endlich“, sagte Anna sofort. „Weißt du, wie besorgt ich war?“

Ich lehnte den Kopf gegen die Wand. „Ich lebe noch.“

„Du bist fast eine Woche verschwunden.“

„So lange ist es noch nicht.“

„Für normale Menschen, die ans Telefon gehen, schon.“

Trotz allem lächelte ich schwach. Das klang genau nach ihr.

Annas Stimme wurde weicher. „Was ist los?“

Ich sah auf die Hockeytasche zu meinen Füßen hinunter. Wie sollte ich das beantworten? Oh, nichts Ernstes. Ich spiele heimlich meinen Zwillingsbruder, während ich in einem Werwolf-Albtraum lebe.

„Familienprobleme“, sagte ich leise.

Stille dehnte sich durch das Telefon. Anna kannte mich zu gut.

„Du klingst müde.“

„Ich bin müde.“

„Ist es schlimm?“

Ich schluckte langsam. „Irgendwie.“

„Soll ich vorbeikommen?“

Ein Teil von mir hätte beinahe Ja gesagt. Ich wollte so dringend Normalität. Ich wollte ein ehrliches Gespräch, in dem ich nicht nachdenken musste, bevor ich sprach. Aber das war jetzt unmöglich.

„Nein“, sagte ich sanft. „Ich muss mich erst um ein paar Dinge kümmern.“

Anna seufzte. „Du solltest bald zurückkommen, weil Maxwell dramatisch wird.“

Ich lachte beinahe. Beinahe.

***

Ich zog mich still um, während die anderen um mich herum scherzten.

Kelvin saß in der Nähe und scrollte durch sein Handy. „Das Internet denkt, wir vernichten Northfang heute Abend.“

Travis lachte. „Gut. Jemand muss Roland Hayes demütigen.“

Dieser Name schon wieder. Ich konzentrierte mich auf meine Schlittschuhe.

Seit unserer ersten Begegnung fühlte sich etwas an Roland auf eine Weise falsch an, die ich nicht erklären konnte. Jedes Mal, wenn wir uns ansahen, war ich mir seiner zu sehr bewusst. Es störte mich.

Der Coach klatschte laut in die Hände. „Aufs Eis. Sofort.“

Das Team bewegte sich sofort. Ich folgte ihnen hinaus.

Die Lichter der Eisbahn waren heute Abend heller. Schüler füllten bereits die Tribünen, obwohl es nur ein Trainingsspiel war. Hockey wurde hier wie eine Schlacht behandelt.

Dann trat Northfang aufs Eis. Ich erkannte Roland sofort. Groß, ruhig, mit einer kühlen Aura, die alle anderen lauter wirken ließ. Er bewegte sich mühelos über das Eis und schien von nichts um ihn herum beeindruckt.

Aber in dem Moment, als seine Augen sich auf mich legten, verweilten sie.

Ich sah zuerst weg. Nicht weil Roland wütend wirkte. Weil er so beobachtend war, als versuchte er etwas herauszufinden.

Die Pfeife ertönte.

***

Ich zwang mich, mich aufs Skaten zu konzentrieren statt zu überdenken.

Das war schwerer, als es klang. Lucien bewegte sich natürlich, sein Körper floss ohne Zögern. Ich musste immer noch über jede Kurve, jeden Stopp, jeden Pass nachdenken. Ein Puck glitt auf mich zu. Ich fing ihn schlecht und verlor beinahe das Gleichgewicht.

Jemand von Northfang lachte. „Vale sieht rostig aus.“

Ich ignorierte es und schob mich weiter vor. Der Lärm der Menge wurde lauter. Spieler krachten ineinander in der Nähe der Banden. Der Coach schrie ständig von der Seitenlinie. Alles bewegte sich zu schnell.

Dann sah ich Roland geradewegs auf mich zukommen.

Ich umklammerte den Schläger automatisch fester. Roland hielt direkt vor mir an. Eine Sekunde lang bewegte sich keiner von uns.

„Du bist abgelenkt“, sagte er ruhig.

Ich runzelte die Stirn. „Sorgst du dich um mich?“

Sein Ausdruck veränderte sich kaum. „Du solltest dich um dich selbst sorgen.“

Der Puck flog zwischen uns hindurch. Wir beide bewegten uns gleichzeitig. Unsere Schultern krachten hart zusammen, hart genug, dass ich nach hinten stolperte.

Die Reaktion traf sofort. Etwas Seltsames schoss so plötzlich durch mich, dass es beinahe wehtat. Nicht genau Schmerz. Eher wie Druck, der unter meiner Haut aufbaute. Mein Herzschlag beschleunigte sich. Eine halbe Sekunde lang vergaß ich, wo ich war.

Roland erstarrte ebenfalls. Nur kurz. Aber ich bemerkte es.

Unsere Blicke trafen sich erneut. Der Lärm um die Eisbahn herum verblasste seltsam. Ich fühlte mich bloßgestellt, als ich dort stand, als könnte Roland plötzlich zu viel sehen.

Dann krachte ein anderer Spieler zwischen uns und zerbrach den Moment.

Ich trat sofort zurück. Mein Atem fühlte sich jetzt ungleichmäßig an. Was zum Teufel war das?

Der Rest des Spiels wurde schwieriger. Jedes Mal, wenn Roland in meine Nähe kam, spürte ich dieselbe seltsame Spannung wieder. Etwas Gefährliches.

***

Roland beobachtete mich ebenfalls. Nicht offen genug, dass andere es bemerkten, aber genug, dass ich es spürte.

Gegen Ende des Spiels verlor ich erneut die Kontrolle über den Puck. Roland stahl ihn mühelos.

„Du spielst heute nicht wie du selbst“, sagte er leise, während er an mir vorbeiglitt.

Ich zwang mich, ihn anzublinzeln. „Kümmere dich um deine eigenen Angelegenheiten.“

Roland sah mich eine lange Sekunde an, bevor er weggleitete. Dieser Blick blieb lange in meinem Kopf. Er fühlte sich nicht zufällig an. Er fühlte sich absichtlich an. Als wüsste Roland bereits etwas, das sonst niemand wusste.

Die Schluss-Pfeife ertönte. Ich verließ das Eis sofort, bevor mich jemand aufhalten konnte. Mein Herz fühlte sich immer noch unruhig an.

Diese ganze Situation wurde schlimmer. Ich konnte mit gefälschten Interviews umgehen. Ich konnte Northcrest überleben.

Aber Roland Hayes wurde zu einem Problem.

***

Ich eilte den leeren Flur vor den Umkleidekabinen hinunter und hoffte auf eine Sekunde allein.

Dann sagte eine Stimme hinter mir: „Du bist ein schrecklicher Lügner.“

Ich blieb sofort stehen. Langsam drehte ich mich um. Roland stand am Ende des Flurs und starrte mich direkt an.

Patuloy na basahin ang aklat na ito nang libre
I-scan ang code upang i-download ang App

Pinakabagong kabanata

  • Auf dünnem Eis   Kapitel 46: Der Scherz und die Träne

    Rolands PerspektiveDer alberne Witz starb mir direkt im Hals und fror das Lächeln auf meinem Gesicht ein, bevor es sich überhaupt richtig bilden konnte. Eine Sekunde lang hatte ich mich wie ein König gefühlt, hatte gegen Jefferys Haut gegrinst und darüber gelacht, wie wir mein Wohnzimmer-Sofa ruiniert hatten – und im nächsten Moment wurde mein ganzer Körper steif. Das gemütliche, träge Nachglühen in meinem Kopf platzte wie ein billiger Luftballon. Ein einzelner, kalter Wassertropfen landete direkt auf meinem nackten Arm, der an seinem Gesicht ruhte. Ich blinzelte schnell im dämmrigen grauen Licht, das durch die riesigen Fenster kam, und lehnte mich nur einen Zentimeter zurück, um auf ihn hinabzusehen. Jeffery hatte die Augen fest zusammengekniffen, die dunklen Wimpern nass und verklebt. Eine weitere klare Träne quoll aus dem Augenwinkel, zog eine stille Spur über seine Wange und saugte sich direkt in das Kissen unter seinem Kopf. Mein Magen machte einen heftigen, üblen Sturz, als hät

  • Auf dünnem Eis   Kapitel 45: Was sie angefangen haben, zu Ende bringen

    Jefferys PerspektiveDie Welt verengt sich auf pure Empfindung in dem Moment, in dem Rolands Lippen auf meine treffen. All der verrückte Drama von heute Nacht, das Geschrei in der Umkleide, die blitzenden Paparazzi-Kameras und Maxwell, der mich wegnehmen wollte, lösen sich in Luft auf. Das Einzige, was im ganzen Universum noch übrig bleibt, ist Rolands schwerer Körper auf mir, der Geruch seiner Seife vermischt mit Schweiß und die brennende Hitze, die zwischen uns auf diesem weichen Wohnzimmer-Sofa gefangen ist.Roland hält sein Versprechen. Sein Körper drückt mich mit verzweifelter, verzehrender Intensität in die Polster. Er hält sich überhaupt nicht zurück. Jeder Stoß seiner Hüften, jeder besitzergreifende Strich seiner Hand und jeder schwere Druck seines Gewichts fühlt sich an wie eine laute, wortlose Forderung. Er sagt mir, ich soll genau hier bleiben, aufhören, alles in meinem Kopf zu überdenken, und einfach sein sein. Er beansprucht jeden einzelnen Zentimeter meines Körpers und l

  • Auf dünnem Eis   Kapitel 44: Das Sofa-Geständnis

    Rolands PerspektiveIch konnte nicht länger vor der Haustür knien. Die intensive Hitze, die von Jeffery ausging, brannte fast auf meiner Haut, und die verzweifelte Art, wie seine Hände meinen Hoodie umklammerten, trieb mich in den Wahnsinn. Ich zog mich gerade so weit zurück, dass ich ihm ins Gesicht sehen konnte – seine dunklen Augen weit und glasig vor purer Lust, seine weichen Lippen geschwollen von meinem Kuss. Er war außer Atem, zitterte und war völlig in meiner Gewalt.Schnell stand ich auf, schlang meinen Arm fest um seine Taille und hob ihn leicht vom Boden. Er keuchte leise auf, seine Beine wickelten sich sofort um meine Hüften, als wäre das das Natürlichste der Welt. Blind taumelten wir durch den dunklen Eingangsbereich ins Wohnzimmer und prallten dabei an die Flurwand. Keinem von uns war das egal. Wir konnten uns nicht lange genug vom Küssen lösen, um richtig in meine Wohnung zu finden.Jeder Schritt Richtung Wohnzimmer fühlte sich an wie ein hektischer Kampf gegen unsere e

  • Auf dünnem Eis   Kapitel 43: Ein Biss, um die Wut zu besänftigen

    Jefferys SichtEin scharfer, plötzlicher Stich schoss direkt durch meine Brust und ließ meinen ganzen Körper augenblicklich erstarren. Mit einem heftigen, jähen Keuchen wurde mir die Luft aus den Lungen gerissen. Rolands Zähne bissen sich durch den dünnen Stoff meines Hemdes fest in meine Brustwarze, mit genügend gezielter Kraft, dass mir sofort die Augen feucht wurden.Mein Gehirn schaltete völlig auf Durchzug. All die laute, brennende Wut, die noch vor einer Sekunde in meinem Kopf geschrien hatte, verschwand spurlos wie eine durchgebrannte Sicherung. Im einen Moment hatte ich ihn noch angeschrien, bereit, zuzuschlagen oder vor purer Frustration in Tränen auszubrechen, und schon im nächsten stand mein ganzer Körper in Flammen aus purem, unbestreitbarem Begehren. Es traf mich wie ein rasender Güterzug und fegte jeden einzelnen logischen Gedanken aus meinem Kopf.„Roland –“, versuchte ich hervorzuwürgen, aber das Wort starb sofort in meinem Hals und verwandelte sich stattdessen in ein

  • Auf dünnem Eis   Kapitel 42: Die Enthüllung hinter der Tür

    Rolands POVIch bin gar nicht wirklich weggegangen, um in den Kühlschrank zu schauen. Nicht einmal für eine Sekunde. In dem Moment, in dem ich die schwere Holztür hinter mir zugezogen hatte, drückte ich meinen Rücken gegen den Rahmen und hielt den Atem so lange an, dass es in der Brust wehtat. Mein Herz hämmerte gegen meine Rippen wie ein gefangenes wildes Tier. Ich legte mein Ohr flach an die kalte Oberfläche und strengte mich an, jedes einzelne Wort zu hören, das draußen im Flur zwischen Jeffery und Maxwell hin und her ging.Maxwell gab draußen sein Bestes, den mutigen Helden zu spielen. Er redete in diesem sanften, besorgten Ton, der meinen Magen vor purer Eifersucht umdrehte. Maxwell tat immer so, als wäre er der einzige Typ auf der ganzen Welt, dem Jefferys Gefühle wirklich etwas bedeuteten. Jedes Mal, wenn Maxwell den Mund aufmachte, um ihm Ratschläge zu geben, wollte ich meine Fäuste geradewegs durch die Trockenbauwand schlagen. Der Typ hatte absolut nichts in unserem Privatleb

  • Auf dünnem Eis   Kapitel 41: Die Cover-Story

    Jefferys POVDie Tür klickte hinter Roland zu. Ich drehte mich endlich zu meinen Freunden um. Mein Herz fühlte sich sofort schwer an.Anna, Maxwell und die anderen standen da und schauten mich an. Ich hielt die Stimme leise, damit Roland drinnen nichts hören konnte.„Wir können das nicht machen“, sagte ich. „Wir können uns nicht so treffen. Wenn uns jemand zusammen sieht, fliegt meine Cover-Story auf. Die Leute würden merken, dass ich nicht er bin. Dass ich nicht mein Bruder bin. Die ganze Lüge würde zusammenbrechen.“Ihre Gesichter fielen. Ich hasste das. Annas Augen wurden traurig. Maxwells Augen weiteten sich. Trotzdem nickten sie alle. Mit grimmigem Verständnis. Sie kapierten es, auch wenn es ihnen nicht gefiel.Anna drückte meine Hand. „Wir wollten dich nur daran erinnern, dass dein achtzehnter Geburtstag bald ist. Es ist bei uns Tradition, dass wir was Großes planen.“Mein Geburtstag. Die Worte trafen mich hart. Ich hatte nicht einmal daran gedacht. Nicht ein einziges Mal. Mit d

Higit pang Kabanata
Galugarin at basahin ang magagandang nobela
Libreng basahin ang magagandang nobela sa GoodNovel app. I-download ang mga librong gusto mo at basahin kahit saan at anumang oras.
Libreng basahin ang mga aklat sa app
I-scan ang code para mabasa sa App
DMCA.com Protection Status