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Die Uhr an der Wand meiner Wohnung schlug Mitternacht, genau in dem Moment, als der Schmerz einsetzte.
Ich hatte auf meinem abgewetzten Sofa gesessen, vor mir ein gekaufter Cupcake, auf dem eine einzelne Kerze in der Dunkelheit flackerte. Heute wurde ich einundzwanzig. Keine Familie, mit der ich feiern konnte, keine Freunde, die daran gedacht hatten – nur ich und mein trauriger kleiner Cupcake. Trotzdem wünschte ich mir etwas. Etwas in der Art, endlich irgendwo dazuzugehören. Dann blies ich die Kerze aus.
Und genau da fing mein Körper an zu brennen.
Nicht mit echtem Feuer, aber es fühlte sich verdammt real an. Tief in meiner Brust brach eine Hitzewelle aus, die sich wie flüssiger Blitz durch meine Adern ausbreitete. Keuchend ließ ich den Cupcake fallen und presste die Hand auf mein Herz, während das Brennen immer stärker wurde. Meine Haut begann in einem blassen Silberlicht zu leuchten, das mit jedem rasenden Herzschlag heller wurde.
„Was passiert mit mir?“, flüsterte ich in den leeren Raum.
Das Licht explodierte aus meinem Körper, als wäre eine Bombe hochgegangen. Sämtliche Fenster meiner Wohnung zerbarsten gleichzeitig, und Glassplitter flogen hinaus in die Nacht. Die Wände bebten. Bilder fielen von ihren Haken. Meine Lampe zerplatzte und stürzte alles in Dunkelheit – bis auf das Leuchten, das von meiner eigenen Haut ausging.
Ich versuchte zu schreien, doch kein Laut kam über meine Lippen. Das Brennen tat inzwischen nicht mehr weh. Es fühlte sich an, als wäre ich nach einem ganzen Leben des Verlorenseins endlich nach Hause gekommen. Als hätte ich nach einer Wanderung durch die Wüste endlich Wasser gefunden. Die letzten Worte meiner Großmutter hallten in meinem sterbenden Bewusstsein wider.
Dein einundzwanzigster Geburtstag wird alles verändern, Aria. Alles.
Sie hatte recht gehabt.
Die Welt kippte zur Seite, und ich stürzte zu Boden. Mein Kopf schlug so hart auf, dass Sterne vor meinen Augen tanzten. Das silberne Licht pulsierte ein letztes Mal, so hell, dass ich es sogar durch meine geschlossenen Lider sehen konnte. Dann wurde alles schwarz.
Ich weiß nicht, wie lange ich bewusstlos war. Vielleicht Minuten, vielleicht Stunden. Als ich wieder zu mir kam, hörte ich Stimmen, die irgendwo über mir miteinander stritten.
„Sie gehört mir. Ich war zuerst hier.“ Die Stimme war kalt und scharf wie zerbrochenes Eis.
„Du warst zuerst hier, weil du geschummelt hast, Frost. Wir alle haben den Ruf gleichzeitig gespürt.“ Diese Stimme klang warm, wie Honig, der über Kies gegossen wurde.
„Genug, ihr beide. Seht ihr nicht, dass sie aufwacht?“
Ich zwang mich, die Augen zu öffnen, und bereute es sofort. Fünf Männer standen in meiner verwüsteten Wohnung und starrten auf mich hinunter. Ihre Gesichter zeigten alles Mögliche – Besorgnis, Verlangen und kaum unterdrückte Wut. Fünf unfassbar schöne Männer, die absolut nichts in meiner Wohnung verloren hatten.
Ich rutschte rückwärts über den Boden, bis mein Rücken gegen das Sofa stieß.
„Wer seid ihr? Wie seid ihr hier reingekommen?“
Der Mann, der mir am nächsten stand, ging in die Hocke, bis er auf Augenhöhe mit mir war. Er war groß, hatte silberne Augen und pechschwarzes Haar. Er bewegte sich mit der kontrollierten, präzisen Eleganz eines Raubtiers.
„Mein Name ist Kieran Frost. Wir sind hier, weil du das bist, was du bist, Aria Vale.“
„Woher kennt ihr meinen Namen?“ Mein Herz hämmerte gegen meine Rippen. „Ich rufe die Polizei!“
Ich griff nach meinem Handy, doch ein anderer Mann hielt es plötzlich in der Hand. Er hatte goldbraune Haut und warme braune Augen. Ich hatte nicht einmal gesehen, wie er sich bewegt hatte.
„Keine Polizei, Schöne. Die kann dir bei dieser Sache nicht helfen. Außerdem hast du mit dem Erwachen deiner Kräfte sämtliche Fenster auf dieser Etage zertrümmert. Die Polizei ist bereits unterwegs.“
„Meine Kräfte?“ Ich blickte die fünf Fremden an, während meine Gedanken rasten. „Ich habe keine Kräfte. Ich bin niemand. Ich bin einfach nur Botanikerin und beschäftige mich mit Pflanzen.“
„Du bist der Lunare Katalysator“, erklärte ein dritter Mann. Er war gebaut wie ein Berg, hatte steingraue Augen und Schultern, die kaum durch einen Türrahmen passen dürften. Seine Stimme grollte wie ein Erdbeben. „Diejenige, auf die wir gewartet haben.“
Ein vierter Mann lachte bitter und scharf. Er stand im Schatten nahe meiner Schlafzimmertür, schlank, muskulös und von einer gefährlichen Energie umgeben. Dunkles Haar fiel ihm ins Gesicht und verdeckte teilweise die Narben auf seinen Zügen. In seinen Augen glitzerte etwas Wildes.
„Sie weiß nicht einmal, was sie ist. Das wird noch lustig.“
„Halt die Klappe, Raven“, fuhr Kieran ihn an.
Der fünfte Mann hatte bisher kein Wort gesagt. Er lehnte mit verschränkten Armen an meiner Küchentheke, die Arme vor seiner breiten Brust verschränkt. Sein dunkelrotes Haar fing das schwache Licht von draußen ein. Als sich unsere Blicke trafen, erkannte ich Schmerz in seinen Augen. Alten, tiefen Schmerz, so weit und unergründlich wie der Ozean.
„Wir sind nicht hier, um dir wehzutun“, sagte er leise. „Wir sind hier, weil wir hier sein müssen. Weil du uns gerufen hast.“
„Ich habe niemanden gerufen.“ Ich stemmte mich hoch, obwohl meine Beine zitterten. Die Bewegung brachte mich Kieran näher, und plötzlich geschah etwas Seltsames. Wärme breitete sich in meiner Brust aus und strömte wie Wellen auf einem See nach außen. Seine Augen weiteten sich ein wenig. Offenbar hatte er es ebenfalls gespürt.
„Das Band“, murmelte er. „Es beginnt bereits, sich zu bilden.“
„Welches Band? Wovon redest du?“ Ich wich vor ihnen zurück. Mein Verstand schrie mir zu, dass das alles völlig verrückt war. „Verschwindet aus meiner Wohnung. Alle miteinander. Sofort!“
Der Mann mit der goldbraunen Haut – der charmante Typ – schenkte mir ein trauriges Lächeln.
„Das können wir nicht, Schöne. Wohin du gehst, gehen wir auch. So lautet das Gesetz unseres Volkes.“
„Eures Volkes?“ Ich zitterte inzwischen. Angst und Verwirrung tobten in mir. „Was seid ihr?“
„Werwölfe“, sagte der Mann, der an meiner Küchentheke lehnte, jener mit dem Schmerz in den Augen. „Wir sind We
rwölfe, Aria. Und du bist es auch.“
Ich rannte los, bevor ich nachdenken konnte.Jade rief meinen Namen, aber die Verbindung zog stärker als ihre Stimme. Ich sprang von der Veranda und rannte über den Rasen, vorbei an knurrenden Wölfen und verbranntem Gras, auf die Stelle zu, an der Raven verschwunden war. Silbernes Licht knisterte um meine Fäuste und warf wilde Schatten über das Schlachtfeld.Ein Abtrünniger sprang von meiner linken Seite auf mich zu. Ohne nachzudenken, schleuderte ich einen Schild vor mich, und er prallte mit einem Jaulen dagegen. Bevor er sich wieder aufrappeln konnte, krachte eine graue Gestalt in ihn und schleuderte ihn zu Boden. Atlas stellte sich vor mich, gewaltig und schwer atmend, Blut verklebte das Fell an seinem Kiefer.Seine Stimme drang durch die Verbindung in meinen Kopf, tief und rau. Aria, geh zurück. Bitte.„Raven ist dort draußen“, sagte ich laut, und ich spürte, wie Atlas zusammenzuckte. „Er ist bei Scar. Ich habe ihn gespürt.“Atlas antwortete nicht. Das musste er auch nicht. Durch
Scar stürmte nicht los. Das war das Erste, was mir Angst machte.Der gewaltige schwarze Wolf blieb am Rand der Baumgrenze stehen, und die fünfzig Abtrünnigen hinter ihm blieben ebenfalls stehen – eine Wand aus leuchtenden Augen und gebleckten Zähnen, die durch einen einzigen Willen vollkommen stillgehalten wurde. Schweigen legte sich über das Gelände der Lodge. Selbst der Wind schien Angst zu haben, sich zu bewegen.„Er will reden“, flüsterte Jade neben mir. „Das tut er immer zuerst. So fühlt er sich im Recht.“„Dann soll er reden“, sagte Kieran, seine Stimme wie Eis über Stahl. „Atlas, öffne die Türen. Niemand greift an, solange ich es nicht befehle.“Atlas stieß die schweren Eichentüren weit auf, und wir traten auf die Veranda, während die Alphas eine enge Reihe vor mir bildeten. Durch die Verbindung spürte ich ihre Anspannung, die wie angeschlagene Saiten vibrierte, und darunter eine zerbrechliche Disziplin, die sie zusammenhielt.Der Körper des schwarzen Wolfs wogte und verdrehte
Die junge Frau mit den roten Haaren drehte sich um, als sie uns hereinkommen hörte. Ihre gelben Augen weiteten sich, als ihr Blick auf mich fiel.„Das ist sie? Das ist also die Katalysatorin, um die sich alle streiten?“„Wer bist du?“, fragte ich und trat näher, obwohl Kieran die Hand nach mir ausstreckte, um mich aufzuhalten.„Ich heiße Jade. Ich gehörte zu Scars Rudel – zumindest bis gestern.“ Sie sah die fünf Alphas an, die sie umringten. „Ich bin gekommen, um euch zu warnen, weil das, was Scar vorhat, falsch ist. Er wird Menschen das Leben kosten, auch ihr.“„Warum sollte dieser Scar mich umbringen wollen?“, fragte ich. „Ich habe ihm nichts getan.“„Weil du existierst“, sagte Raven unverblümt. „Das reicht Scar. Er hat vor zwanzig Jahren während der Territoriumskriege seine gesamte Familie verloren. Diese Kriege brachen aus, weil die vorherige Katalysatorin starb und die Territorien ohne ihren stabilisierenden Einfluss außer Kontrolle gerieten.“Jade nickte. „Scar glaubt, dass das
Ich wachte in einem Bett auf, das nicht mir gehörte, in einem Zimmer, das ich noch nie zuvor gesehen hatte. Ich lag in Laken, die nach Kiefernwäldern und Winterstürmen rochen.Einen Moment lang blieb ich vollkommen reglos liegen und versuchte, mich daran zu erinnern, wie ich hierhergekommen war. Dann kam alles wieder zurück. Das Erwachen. Die fünf Alphas. Der Tempel. Die Bindung, die meine Seele nun mit ihren verband.Ich setzte mich hastig auf. Mein Herz raste, und sofort spürte ich ihre Anwesenheit durch die Verbindung. Sie waren nicht direkt hier im Zimmer, aber in der Nähe. Irgendwo in diesem Gebäude – was auch immer für ein Gebäude das sein mochte.Das Gefühl war seltsam, als hätte ich einen Kompass in meiner Brust, dessen Nadel gleichzeitig in fünf verschiedene Richtungen zeigte.Das Zimmer war auf schlichte Weise wunderschön. Durch die großen Fenster konnte ich einen Wald sehen, während Sonnenlicht durch die Blätter fiel. Einige davon hatten Farben, die ich in der Natur noch ni
Der Rat stritt mit meinen Alphas gefühlt stundenlang, obwohl wahrscheinlich nur zwanzig Minuten vergangen waren. Ich stand inmitten ihres schützenden Kreises und spürte, wie sich die Kraft in mir staute wie Wasser hinter einem Damm. Jeder Streit, jede erhobene Stimme verschlimmerte den Druck.Meine Alphas. Wann hatte ich angefangen, sie so zu nennen?„Das Ritual muss unter der Aufsicht des Rates durchgeführt werden“, beharrte der kalt wirkende Mann. Sein Name war Ratsmitglied Marcus, und ich hatte bereits beschlossen, dass ich ihn nicht mochte. „Die Bindung ist zu wichtig, um sie dem Zufall zu überlassen.“„Die Bindung ist etwas Persönliches. Sie sollte nicht zu einem öffentlichen Spektakel gemacht werden“, erwiderte Kieran scharf. „Der Katalysator verdient Privatsphäre und Respekt.“„Der Katalysator ist eine Ressource für alle Territorien“, entgegnete Marcus. „Kein Preis, um den ihr fünf euch streiten könnt.“Ressource. Bei diesem Wort zuckte ich zusammen. Dante bemerkte es, und sein
Wir nahmen kein Auto. Wir gingen auch nicht zu Fuß.Einen Moment zuvor hatte ich noch in meiner zerstörten Wohnung gestanden, umringt von fünf Werwolf-Alphas. Im nächsten löste sich die Welt in Schatten und Sternenlicht auf. Mein Magen sackte ab, als würde ich aus großer Höhe fallen, obwohl meine Füße den Boden nie verließen. Das Ganze dauerte vielleicht drei Sekunden, doch diese drei Sekunden fühlten sich an, als würde ich durch das gesamte Universum stürzen.Als die Wirklichkeit wieder an ihren Platz zurückschnappte, stolperte ich nach vorn. Ich wäre hingefallen, hätte Atlas mich nicht am Arm festgehalten. Seine Hand war warm und fest und gab mir Halt, während ich versuchte, wieder zu Atem zu kommen.„Was“, keuchte ich, „war das?“„Schattenwandeln“, erklärte Phoenix fröhlich. Er schien davon völlig unbeeindruckt zu sein. „Der schnellste Weg, zwischen den Welten zu reisen. Du wirst dich daran gewöhnen.“„Das bezweifle ich ernsthaft.“ Ich richtete mich auf und sah mich um. Dabei stock







