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Kapitel 20: Die Ersten, die kommen

Penulis: Lila
last update Tanggal publikasi: 2026-06-17 17:03:50

Drei Tage vergingen ohne Zwischenfälle.

Das machte mich nervöser, als wenn etwas passiert wäre. Ren bemerkte es, Soren bemerkte es, und am dritten Abend, als ich zum vierten Mal aus dem Fenster schaute, ohne etwas zu sagen, setzte sich Soren neben mich an den Tisch in der Bibliothek.

„Du wartest auf etwas", sagte er.

„Ich warte darauf, dass etwas Schlimmes passiert."

„Das ist keine gesunde Art zu leben."

„Sag das dem Wächter aus der Schlucht."

Er schaute mich an, der Mundwinkel zuckte fast zu e
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  • BLUT & MONDSTEIN   115: Noch nicht

    Ich las den Brief dreimal, bevor ich ihn jemandem zeigte.*Du hast gewonnen. Noch nicht.*Das T war nicht unterschrieben. Es war nur da, ein einzelner Strich unter dem letzten Wort, dünn und eckig, genau wie auf dem Blatt aus Torvans Mantel.Soren nahm das Papier, hielt es gegen das Fenster und schwieg lange.„Das Papier ist neu", sagte er. „Die Tinte auch. Es wurde in den letzten zwei Tagen geschrieben."„Und hierher gebracht, an Mira vorbei", sagte Ren.„Ich habe niemanden gesehen", sagte Mira von der Tür. Ihre Stimme war flach, aber ihre Hände waren zu Fäusten geschlossen. „Die Wachen auch nicht. Der Brief lag nicht da, als ich heute Morgen den Raum kontrolliert habe. Ich war um sechs hier."„Dann war jemand in der Akademie", sagte Kas.„Oder jemand, der schon da war", sagte Finn leise.Niemand sprach aus, was alle dachten.---Wir durchsuchten das Haus bis zum Abend.Mira ließ jeden Raum öffnen, jede Truhe, jeden Keller. Die Schüler halfen, verunsichert, aber ohne Fragen. Wir fand

  • BLUT & MONDSTEIN   114: Das T

    Torvan sprach im ersten Morgenlicht, und er brachte nur einen Satz zu Ende.Wir saßen im Kreis auf dem kalten Boden, die Hüter in grauen Mänteln hinter uns, Fen mit verbundenen Rippen neben Soren. Torvan hatte die Hände auf den Knien liegen, offen, zum ersten Mal ohne Falten.„Die Briefe kamen immer bei Vollmond", sagte er. „Dreißig Jahre lang. Ich habe nie gesehen, wer sie bringt. Ich habe nie—"Er brach ab.Seine Augen weiteten sich, und er griff sich an die Kehle.„Torvan?", sagte Orla.Er antwortete nicht. Er rang nach Luft, und unter seinen Fingern erschien ein dünner schwarzer Strich auf der Haut, der um seinen Hals lief wie ein Faden.„Ein Dorn", sagte Aldric, schon auf den Beinen. „Ein zweiter. Nicht am Schlüsselbein. An der Stimme."„Wer hat ihn gesetzt?", rief Ren.„Niemand, den wir sehen! Er ist alt. Er hat Jahre gewartet!"Torvan kippte zur Seite. Orla fing ihn auf, und ich war schon bei ihm, die Hände an seinen Schultern, und ließ die Vollendung offen, so schnell ich konn

  • BLUT & MONDSTEIN   113: Das grüne Licht

    Das Licht stieg aus dem Riss wie Wasser, das lange unter Druck gestanden hat.Es schoss nicht in die Höhe. Es breitete sich auf dem Boden aus, grün und hell, und wo es Torvans Stiefel berührte, wich er einen Schritt zurück. Zum ersten Mal sah ich ihn unsicher.„Das ist kein Schrei", sagte Yael. Sie stand mit erhobenen Händen da und zitterte am ganzen Körper. „Das sind Menschen. Sie wollen nur nach Hause."„Sie werden dich zerreißen", sagte Torvan.„Dann tun sie es allein nicht." Sie schaute zu mir, und ich sah, wie viel Angst sie hatte. „Lena. Ich kann sie nicht halten. Nicht alle. Ich bin nur eine."Ich stand auf. Meine Knie trugen mich nicht ganz, aber Ren hielt mich am Arm, und das reichte.„Du musst sie nicht allein halten", sagte ich.---Ich dachte an Dren und Isa, an das grüne Glühen in ihrem Hof. An Soren, der gesagt hatte, es gebe eine dritte Form: die kollektive Verbindung, ein Netz unter vielen Menschen, schwach wie ein Flüstern durch viele Münder.Der Berg war nicht kaputt

  • BLUT & MONDSTEIN   112: Die Stühle

    Wir ritten die letzte Meile im Schritt.Niemand hatte es beschlossen. Die Pferde wurden langsamer, je näher wir dem Berg kamen, als drücke das Gewicht auf ihre Schultern. Ich spürte es auch in meinen eigenen, ein Ziehen von oben, als stünde jemand sehr Großes direkt hinter mir und atme.„Keine Waffen in der Hand", sagte Ren leise. „Was auch passiert."„Auch dann nicht, wenn er sie anfasst?", fragte Kas.„Auch dann nicht."Kas schwieg. Aber ich sah, dass seine Hand vom Schwertgriff glitt und sich langsam öffnete, als koste es ihn körperliche Mühe.---Torvan stand ruhig, bis wir auf zwanzig Schritte heran waren.Er war kleiner, als ich ihn aus der Vision in Erinnerung hatte. Graues Haar, schmale Schultern, ein Gesicht, das man in einer Menge übersehen würde. Nur die Hände fielen auf. Er hielt sie vor dem Körper gefaltet, und sie bewegten sich nie.„Das ist weit genug", sagte er.Wir hielten an.„Ihr seid zu siebt", sagte er. „Ich hatte mit mehr gerechnet. Mit Waffen, mit Zorn. Das ist

  • BLUT & MONDSTEIN   111: Der Weg nach Osten

    Wir ritten vier Tage.Am ersten Tag sprach kaum jemand. Ren führte, Soren ritt neben mir, und hinter uns hörte ich Aldric, der Orla bei jeder Rast vom Pferd half, ohne dass sie ihn darum bat. Lior saß still im Sattel, die Augen auf dem Horizont, und Sela blieb dicht neben ihm.Am Abend lagerten wir an einem trockenen Bachbett. Finn machte Feuer, Kas teilte das Brot aus. Orla saß mit dem Rücken an einem Stein und hatte die Hand auf dem Schlüsselbein.„Tut es weh?", fragte ich.„Nein. Es summt." Sie lächelte schief. „Das habe ich vergessen. Wie sich das anfühlt, wenn etwas in einem antwortet."Ich setzte mich neben sie. „Der östliche Berg. Kannst du ihn spüren?"„Seit gestern stärker. Er weiß, dass wir kommen." Sie schaute ins Feuer. „Er ist nicht wütend, Lena. Er ist müde. Er hat zu lange etwas getragen, das ihm nicht gehört."„Was?"„Das weiß ich nicht. Aber ich glaube, wir werden es sehen."---Am zweiten Tag wurde das Land flach und grau. Keine Dörfer, keine Felder, nur Gras, das si

  • BLUT & MONDSTEIN   110: Was wir nicht geplant hatten

    Wir saßen bis Mitternacht im Studienraum, und niemand sprach, bevor ich den Zettel dreimal gelesen hatte.*Sie haben Sian und Yael. Ich werde mich stellen.*„Er stellt sich freiwillig", sagte Finn.„Er ersetzt sie", sagte Soren. „Ein Tausch. Er glaubt, sie lassen die zwei gehen, wenn sie ihn bekommen."„Tun sie das?", fragte Kas.„Nein", sagte Aldric. Er saß am Rand, das schwarze Glasstück vor sich auf dem Tisch. „Torvan tauscht nie. Er sammelt."Dael lag auf dem Sofa, Mira nähte seinen Arm, ohne Kommentar, mit ruhigen Händen. Er zuckte kaum.„Wo halten sie sie?", fragte Ren.„Im Zentrum", sagte Dael. „Wo der östliche Berg liegt. Der, der mit dir gesprochen hat."Ich schaute auf die Karte.„Dann gehen wir dorthin."„Das ist genau das, was er will", sagte Ren.„Ja."„Du weißt es."„Ja." Ich legte beide Hände flach auf die Karte. „Aber er hat vierzig Menschen verloren, Ren. Sie haben gehört. Du hast gesehen, wie sie gegangen sind. Die Hüter sind nicht mehr dieselben wie heute Morgen."„

  • BLUT & MONDSTEIN   5 : Was Wölfe mit Dingen tun, die sie wollen

    Ich frühstückte allein.Das war Absicht.Ich hatte meinen Teller genommen, mich in die hinterste Ecke der Mensa gesetzt, den Rücken zur Wand, Sicht auf jede Tür. Ich wollte sehen, wer hereinkam, bevor er mich sah. Ich wollte eine Minute haben, in der niemand mich maß oder abwog oder auf eine Entsch

  • BLUT & MONDSTEIN   4 :Was Wölfe mit Dingen tun, die sie wollen

    Ich ging am nächsten Morgen in Professorin Marens Unterricht und setzte mich in die erste Reihe.Ich hatte in meinem ganzen Leben noch nie in der ersten Reihe gesessen.Sie reagierte nicht, als ich hereinkam. Kein Blinzeln, keine Pause, sie schrieb einfach weiter eine komplizierte Formel in ihrer kl

  • BLUT & MONDSTEIN    3:Der Vierte

    Ich fand heraus, was ich war, an einem Donnerstag.Nicht von einer Person. Nicht aus einem Buch. Nicht durch irgendeine dramatische Enthüllungsszene, in der mich jemand hinsetzt und mir alles mit ernster Miene und einer Tasse Tee erklärt.Ich fand es heraus, weil ich rannte.******Es begann mit ein

  • BLUT & MONDSTEIN   2:Was die Wölfe bereits wissen

    Ich hätte jemanden nach dem Jungen aus dem Innenhof fragen sollen.Habe ich aber nicht.Ich redete mir ein, es sei, weil ich nicht verunsichert wirken wollte. Der wahre Grund war einfacher: Fragen hätte bedeutet zuzugeben, dass er unter meine Haut gegangen war, und dazu war ich am zweiten Tag noch n

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