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Kapitel 3

Penulis: Victor ellis
last update Tanggal publikasi: 2026-08-31 18:30:58

Die Braut unter dem Schleier

Die Tage vor der Hochzeit vergingen wie im Nebel, dem ich nicht entkommen konnte. Menschen gingen ein und aus im Haus, trugen Stoffe, Schmuck, Blumen und Einladungen, während ich mitten darin stand und mich völlig losgelöst fühlte.

Maß genommen und Kleider angepasst wurden.

Jeder Raum war erfüllt von Flüstern, das plötzlich stoppte, sobald ich eintrat. Niemand fragte, ob ich diese Ehe wollte oder was ich davon hielt, einen Mann zu heiraten, den ich nie geliebt hatte.

Meine Gefühle bedeuteten nichts, denn die Entscheidung war bereits gefallen. Als der Hochzeitstag anbrach, wachte ich vor Sonnenaufgang auf, starrte in die Dunkelheit und hoffte immer noch, dass etwas ihn aufhalten würde.

Ein Klopfen ertönte an der Tür. „Mach dich fertig“, sagte meine Mutter. Meine Hände fühlten sich kalt an, als ich mich aufsetzte.

Heute.

Ich versuchte zu fliehen, obwohl ich nichts richtig geplant hatte. Ich wusste nur, dass ich dort keine Sekunde länger bleiben konnte und so tun, als wäre ich bereit für diese Hochzeit.

Mein Körper bewegte sich, bevor mein Verstand hinterherkommen konnte. Ich schlich mich leise aus meinem Zimmer und machte mich auf den Weg nach unten, hielt bei jedem Geräusch den Atem an. Der Flur war leer, das Haus ungewöhnlich still, fast so, als würde es darauf warten, dass ich scheiterte.

Ich ging weiter auf die Hintertür zu, mein Puls hämmerte schmerzhaft gegen meine Brust. Nur noch ein paar Schritte und vielleicht konnte ich verschwinden, bevor jemand merkte, dass ich weg war.

Nur noch ein kleines bisschen,

„Wohin gehst du?“, kam eine Stimme von hinten.

Ich erstarrte. Die Stimme meines Vaters. Ich drehte mich langsam um. Er stand am Ende des Flurs und beobachtete mich. „Ich…“ Die Worte steckten fest. „Ich brauchte Luft.“

„In deinem Hochzeitskleid?“

Ich hatte nicht einmal gemerkt, dass ich den Stoff immer noch hielt. Stille breitete sich aus. Dann seufzte er. „Mach das nicht schwierig.“

„Ich kann das nicht tun“, sagte ich mit schüttelnder Stimme. „Bitte… lass mich einfach gehen.“

„Nein.“

Das Wort kam mit einer tiefen, befehlshabenden Stimme. Endgültig. Zwei Männer traten von hinten vor. Ich hatte sie nicht einmal gesehen. „Bringt sie nach oben“, sagte mein Vater.

Mir stockte der Atem. „Nein – wartet –“

Sie taten es nicht. Ich wehrte mich, aber es reichte nicht. Es spielte sowieso keine Rolle. Sie sperrten mich in mein Zimmer ein. Danach verging die Zeit langsam. Viel zu langsam. Ich saß auf dem Bett, immer noch in meinem unfertigen Kleid, und starrte auf die Tür. Ich dachte daran zu schreien und um Hilfe zu rufen, aber ich brachte es nicht übers Herz. Schließlich kam meine Mutter zurück.

„Steh auf“, sagte sie. „Es ist Zeit.“

Ich bewegte mich nicht. Sie ging näher heran. „Blamiere uns nicht.“

Ich lachte schwach. „Das ist alles, worum du dich scherst.“

„Ja“, sagte sie. „Im Moment ist es das, was für die Familie wichtig ist.“

Ich stand auf. Nicht, weil ich wollte. Sondern weil ich es leid war, etwas zu bekämpfen, das ich nicht gewinnen konnte. Sie kleideten mich in Schweigen. Das Kleid war wunderschön. Weicher Stoff. Zarte Details. Es fühlte sich nicht wie meins an. Als sie mir den Schleier über den Kopf legten, wurde alles fern. Verschwommen.

Gut. Ich wollte nicht klar sehen, denn sie würden mir den Weg bahnen.

Ich sah ihn zuerst nicht an, aber als ich es tat, war es schnell. Er war groß. Gut gekleidet. Gesichtsausdruck undurchdringlich. Seine Augen wurden weich, als er mich sah.

Er sah mich nicht mit Misstrauen an. Nicht ein einziges Mal. Wenn überhaupt, sah Adrian Laurent nervös aus. Das war der Teil, der am meisten schmerzte.

Denn jeder weiche Blick in seinen Augen… jedes kleine Lächeln… gehörte Lia. Nicht mir.

Die Festhalle erstrahlte in warmen, goldenen Lichtern, teure Blumen säumten jede Ecke. Gäste flüsterten leise miteinander, während im Hintergrund sanfte Klaviermusik spielte.

Alles war wunderschön. Zu wunderschön für eine Lüge. Irgendwann fiel ich fast auf alles herein, wegen der Schönheit.

Ich stand am Eingang, mein Schleier bedeckte den größten Teil meines Gesichts, der Arm meines Vaters ruhte unter meinem. Meine Hände zitterten leicht um den Blumenstrauß, aber niemand bemerkte es.

Oder vielleicht taten sie es und es war ihnen einfach egal. „Steh gerade“, murmelte mein Vater unter der Nase. „Mach das nicht kaputt.“

Ich schluckte schwer und hob den Kopf. Dann öffneten sich die Türen. Alle Augen richteten sich auf mich.

Mein Herz klopfte schmerzhaft, als ich den Mittelgang entlangging, jeder Schritt fühlte sich schwerer an als der vorherige. Der Schleier verschwamm meine Sicht, aber ich konnte ihn immer noch am Altar warten sehen.

Adrian.

Groß. Ruhig. Gut aussehend in einem dunklen Anzug, der ihm perfekt passte. Und zum ersten Mal, seit dieser Albtraum begann… sah ich Emotionen in seinem Gesicht. Echte Emotionen. Seine Augen wurden weich, sobald er mich ansah. Ein schwaches Lächeln berührte seine Lippen. Als wäre er erleichtert.

Glücklich. Der Anblick ließ mich fast stehen bleiben. Denn ich wusste genau, von wem er glaubte, dass er sie ansah.

Lia.

Nicht ich.

Ich senkte schnell den Blick und ging weiter. Als ich ihn schließlich erreichte, überraschte er mich, indem er sich näher beugte.

„Du zitterst“, flüsterte er leise.

Die Wärme seiner Stimme erwischte mich unvorbereitet. „Mir geht’s gut“, log ich leise. Er schenkte mir ein kleines Lächeln. „Nervös?“

Ich antwortete ihm nicht. Wenn er wüsste.

Der Priester begann zu sprechen, aber meine Gedanken schweiften ab und zu. Ich konnte mich kaum auf das Gelübde konzentrieren. Meine Brust fühlte sich zu eng an. Der Raum zu warm. Neben mir schien Adrian ungewöhnlich aufmerksam zu sein.

Irgendwann spürte ich, wie seine Finger leicht meine berührten. Eine kleine Geste. Vorsichtig. Fast schüchtern.

„Alles gut?“, murmelte er noch einmal während einer Pause in der Zeremonie.

Ich nickte schnell.

Er sah aus, als wollte er mehr sagen, aber der Priester fuhr fort. Ich starrte nach vorne, unfähig, richtig zu atmen. Dieser Mann hatte sich in ein Bild verliebt.

Und das machte alles irgendwie noch schlimmer. Denn es lag echte Aufregung in seinen Augen, wann immer er mich ansah. Oder besser gesagt… die Frau ansah, für die er mich hielt.

„Nimmst du Lia Vale zu deiner rechtmäßigen Frau?“ Die Worte hallten laut in meinen Ohren wider.

Adrian zögerte nicht. „Ich will.“ Seine Antwort kam leicht, warm. Als ob er jedes Wort ernst meinte.

Meine Kehle zog sich schmerzhaft zu. Der Priester wandte sich mir zu.

„Und nimmst du Adrian Laurent zu deinem rechtmäßigen Mann?“ Für eine Sekunde erstarrte ich. Ich konnte spüren, wie meine Mutter mich aus der ersten Reihe anstarrte. Wartend. Und mir einen Blick zuwarf, der tödlich war.

Ich zwang meine Lippen auseinander. „Ich will.“

Die Ringe wurden als Nächstes getauscht. Adrian nahm meine Hand vorsichtig und schob den Ring mit unerwarteter Sanftheit auf meinen Finger. Seine Berührung verweilte kurz, bevor er sie wegzog.

„Du hast kalte Hände“, flüsterte er mit einem leisen Lachen.

Ich wäre beinahe genau dort zerbrochen. Denn er klang freundlich. Und ich wusste, dass Freundlichkeit wie diese verschwinden würde, sobald er die Wahrheit herausfand. Als die Zeremonie endete, erfüllte Applaus den Saal.

Menschen lächelten. Kameras blitzten auf. Adrian drehte sich dann ganz zu mir um, seine Augen waren weicher als zuvor. „Du bist jetzt meine Frau“, sagte er leise.

Die Worte sanken tief in meine Brust. Nicht, weil sie sich romantisch anfühlten. Sondern weil sie sich tragisch anfühlten, als wäre ich irgendwo eingetreten, wo ich nicht hingehörte. Er sah wirklich glücklich aus.

Und ich war der Grund, warum dieses Glück schließlich in Wut umschlagen würde.

Der Empfang verging wie im Fluch. Ich aß kaum. Sprach kaum. Adrian blieb jedoch die meiste Zeit des Abends in meiner Nähe. Nicht besitzergreifend. Einfach aufmerksam auf eine Weise, die ich nicht erwartet hatte. Wann immer sich uns jemand näherte, ruhte seine Hand leicht auf meinem Rücken.

„Bist du müde?“, fragte er irgendwann.

„Ein bisschen“, flüsterte ich.

„Wir gehen bald.“ Die Art und Weise, wie er es sagte, klang fast beschützend.

Das machte die Schuldgefühle nur noch schlimmer. Später am Abend erischte ich ihn dabei, wie er mich von der anderen Seite des Tisches aus beobachtete, während die Gäste um uns herum redeten.

„Was?“, fragte ich leise. Ein schwaches Lächeln berührte seine Lippen.

„Nichts.“

„Du starrst immerfort“, fragte ich. Ich hatte Angst, dass er den kleinen Unterschied bemerken würde, den ich zu meiner Schwester habe.

„Kannst du es mir verübeln?“, erwiderte er sanft.

Ich wandte sofort den Blick ab. Ich konnte es nicht ertragen, solche Dinge zu hören. Nicht, als wären sie nicht für mich bestimmt.

In dieser Nacht saß ich allein in dem großen Schlafzimmer, das sie für uns vorbereitet hatten.

Das Hochzeitskleid war jetzt verschwunden, ersetzt durch einen dünnen, weißen Morgenmantel, den mir eines der Hausmädchen gegeben hatte, nachdem sie mir beim Umziehen geholfen hatte. Der Stoff reichte kaum bis zu meinen Oberschenkeln, weich auf meiner Haut, was mich schmerzhaft bewusst machte, wie nackt ich mich darunter fühlte.

Ich saß vorsichtig auf der Bettkante, meine Hände fest in meinem Schoß verkrampft.

Meine Nägel drückten sich fest in meine Handflächen.

Der Raum fühlte sich zu ruhig an.

Zu intim.

Ich starrte auf die geschlossene Tür, mein Magen verkrampfte sich mit jeder Sekunde, die verging, fester.

Was würde passieren, wenn er mich endlich richtig sah – ohne Make-up oder sonst irgendwas?

Würde er es sofort merken? Würde er mich hassen? Der Gedanke ließ meine Brust schmerzen. Dann hörte ich Schritte draußen.

Langsam. Ungleichmäßig.

Mein Atem stockte sofort.

Die Tür öffnete sich eine Sekunde später.

Adrian trat ein, die Krawatte leicht gelockert, seine Jacke über eine Schulter gehängt. Seine Wangen waren vom Alkohol leicht gerötet, aber in dem Moment, als seine Augen auf mir landeten.

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