LOGINAn diesem Abend versammelte sich die gesamte Familie Sebastian wie immer zum Abendessen.
Für einen Außenstehenden bot sich das Bild einer perfekten Adelsfamilie. Kristallkronleuchter tauchten den Speisesaal in warmes, goldenes Licht, silbernes Besteck reflektierte den Schein teurer Kerzen, und Bedienstete bewegten sich leise um den Esstisch mit zwanzig Plätzen herum. Doch hinter all dem Luxus und der Eleganz verbarg sich eine Familie, die vergessen hatte, wie Liebe aussah. Bei den abendlichen Abendessen ging es nie um Zusammengehörigkeit oder darum, Glück zu teilen. Sie fanden lediglich statt, weil Mrs. Sebastian sie verlangte. Jede Mahlzeit wurde zu einer weiteren Gelegenheit, zu kritisieren, zu vergleichen und zu kontrollieren. Wenn es nicht Michael war, dann waren es Romano oder Mariana. Eigentlich wurde Mariana am meisten kritisiert. Heute Abend war es jedoch anders. Ohne dass es irgendjemandem am Tisch bewusst war, sollte dies Mrs. Sebastians letztes Abendessen sein. Innerlich war sie aufgewühlt, doch die Erziehung der Familie Gold war nie für Schwache gedacht gewesen – sie wusste nur zu gut, dass sie jetzt nicht zusammenbrechen durfte. Sie saß selbstbewusst am Kopfende des Tisches, gekleidet in ein elegantes schwarzes Abendkleid, das sie ganz und gar wie die Königin erscheinen ließ, zu der sie sich selbst gemacht hatte. Ihr scharfer Blick wanderte über jedes Familienmitglied, bevor er schließlich auf ihrem Ehemann ruhte. Sebastian Romano Sebastian, der schweigend ihr gegenüber saß – sie hielt seinen Blick fest und versuchte nicht, ihren Hass auf ihn zu verbergen. Er senkte den Blick wieder auf sein Essen und aß schweigend. Aus jedem Blickwinkel sah Romano weniger wie das Oberhaupt einer der mächtigsten Familien Italiens aus, sondern eher wie ein weiteres Möbelstück, das den Raum schmückte. Er sprach weder, noch beschwerte er sich; schließlich sollten die Ehemänner von Erbininnen ja so sein: wie ein treuer, stiller Hund. Jahre emotionaler Gefangenschaft hatten seinen Augen jede Spur von Leben und Gefühlen geraubt. Ihre Ehe war nie aus Liebe entstanden. Sie war vor Jahrzehnten arrangiert worden, um die Reinheit und das Erbe der Familie Gold zu bewahren. Frau Sebastian hatte ihre Pflicht erfüllt, indem sie Erben zur Welt gebracht hatte. Darüber hinaus hatte sie ihn nie als ihren Ehemann anerkannt. Seit Jahren teilten sie kein Schlafzimmer mehr. Sie führten kaum noch Gespräche. Für sie war er nichts weiter als eine Notwendigkeit. Für ihn war sie zu einem Gefängnis geworden, aus dem er niemals entkommen konnte. Mehr als einmal hatte Sebastian darüber nachgedacht, seinem Leben ein Ende zu setzen. Doch selbst diese Freiheit wurde ihm verwehrt, weil seine Frau keine Witwe werden wollte. Seine Frau hatte ihn gewarnt, dass, sollte er jemals einen solchen Schritt wagen, die Folgen auf ihre Kinder zurückfallen würden. Also lebte er weiter. Nicht, weil er es wollte. Sondern weil er keine andere Wahl hatte. Am Tisch herrschte Stille. Mariana schnitt langsam ein Stück Brot ab und senkte den Blick auf ihren Teller. Sie weigerte sich, einen ihrer Eltern anzusehen; sie hasste die Blicke, die sie normalerweise austauschten, während sie einander anstarrten. Obwohl die Grausamkeit ihrer Mutter tiefe Narben bei ihr hinterlassen hatte, gab es noch eine andere Person, der sie niemals so leicht vergeben konnte. Es war ihr Vater. Sie konnte gar nicht zählen, wie oft sie als kleines Mädchen mit Tränen im Gesicht in sein Arbeitszimmer gerannt war. Und wie oft hatte sie ihn angefleht, sie zu beschützen?Doch jedes einzelne Mal war seine Antwort immer dieselbe.
„Tu, was deine Mutter will.“ Nicht mehr und nicht weniger. Ein Vater, der seine eigenen Kinder beschützen sollte, sich aber dagegen entschied, war überhaupt kein Vater. Davon war Mariana überzeugt. Auf der anderen Seite des Tisches beobachtete Michael seinen Vater mit gemischten Gefühlen. Im Gegensatz zu Mariana und Melody verstand er die Last, die Sebastian trug. Spät in der Nacht, vor Jahren, war sein Vater vor seinen Augen zusammengebrochen – ein Anblick, den Michael niemals vergessen würde. In jener Nacht musste Sebastian ihn schwören lassen, seinen Schwestern niemals die Wahrheit über die Familie und die Dinge zu erzählen, von denen er Kenntnis erlangt hatte. Michael hielt sich seitdem an dieses Versprechen. Melody hingegen schenkte beiden kaum Beachtung. Alles, was nicht mit ihrer Mutter zu tun hatte, interessierte sie nicht. Sie hatte die Lehren ihrer Mutter längst verinnerlicht. Dass Stärke vor Gefühlen kam. Und Macht vor Zuneigung. Sie glaubte, ihr Vater sei schwach, und diese Schwäche verdiene weder Respekt noch Mitgefühl. Das leise Klirren des Bestecks verstummte, als Mrs. Sebastian ihre Gabel sanft auf den Tisch legte. Dann räusperte sie sich. Sofort hörten alle auf zu essen. Sogar die Bediensteten erstarrten – so groß war der Einfluss, den die Erbin auf alle ausübte. Frau Sebastian erhob sich langsam von ihrem Stuhl. Ihr Gesichtsausdruck blieb ruhig, fast majestätisch. „Die Goldene Linie“, begann sie, „muss fortbestehen.“ Ihre Stimme hallte durch den Speisesaal. „Es kann nur eine Erbin geben.“ Ihr Blick wanderte zwischen Mariana und Melody hin und her; die beiden Mädchen tauschten einen Blick aus. „Wenn Melody das zwanzigste Lebensjahr vollendet und Mariana dreiundzwanzig wird, soll das Auswahlverfahren beginnen.“ Keine der beiden Schwestern sagte etwas. Frau Sebastian fuhr fort. „Ein vom Familienrat ausgewählter Vormund wird euch beide persönlich ausbilden. Seine Aufgabe ist einfach.“ Sie machte eine Pause. „Er wird eine Königin hervorbringen.“ „Die stärkere Tochter wird das Erbe der Familie Gold antreten.“ „Die schwächere … wird einfach aus ihrer Geschichte verschwinden.“ Marianas Herz setzte einen Schlag aus, während Melody ein spöttisches Lächeln auf den Lippen hatte, das eine offensichtliche Bedeutung hatte. Verschwinden? Was bedeutete das?, das waren die ersten Fragen, die Mariana durch den Kopf gingen. Bevor jemand Fragen stellen konnte, sprach Frau Sebastian weiter. „Mein Testament ist bereits aufgesetzt und bei meinem Anwalt versiegelt.“ Verwirrung breitete sich auf allen Gesichtern am Tisch aus. Sogar Melody runzelte die Stirn. Dann kam die Ankündigung, mit der niemand gerechnet hatte. „Michael.“ Er blickte sofort auf. „Du und dein Vater werdet diese Villa heute Abend verlassen.“ Zum ersten Mal seit Jahren hob Sebastian den Kopf. Seine müden Augen weiteten sich ganz leicht. Frau Sebastian sah die beiden direkt an. „Betrachtet es als eure Freiheit.“ Weder Vater noch Sohn verstanden. Freiheit? Von ihr? „Ich habe meine Verpflichtung euch beiden gegenüber erfüllt“, sagte sie kühl. „Ihr seid nicht länger verpflichtet, innerhalb dieser Mauern zu bleiben.“ Ein schwaches Lächeln zeichnete sich fast auf Michaels Gesicht ab. Sebastian hingegen schwieg. Er wusste, dass er sich besser nicht freuen sollte, bevor er den Preis dafür kannte. Frau Sebastian wandte sich ihren Töchtern zu. „Was euch beide betrifft …“ Ihre Stimme wurde noch kälter. „Verschwendet eure Zeit nicht damit, von Liebe zu träumen.“ Weder Mariana noch Melody rührten sich; ihr Blick ruhte nun direkt auf Mariana. „Eure Zukunft ist bereits besiegelt.“ „Ihr seid beide zur Heirat versprochen.“ „Wenn die richtige Zeit gekommen ist, werden euch eure Ehemänner vom Vormund vorgestellt.“ Mariana hatte das Gefühl, als wäre ihr der Boden unter den Füßen weggebrochen. Heirat? Ohne ihre Zustimmung?Ohne dass sie den Mann überhaupt kannte? All diese Fragen blieben unbeantwortet.
Frau Sebastian ignorierte das Entsetzen in den Augen ihrer ältesten Tochter und ging weiter durch die Räume, als wolle sie jedes Bild im Haus ein letztes Mal in sich aufnehmen. „Es gibt noch eine letzte Sache.“ Sie holte langsam Luft. „Bis morgen früh …“ „… werde ich tot sein.“ Es herrschte Stille. Völlige Stille. Absolute Stille. Sogar die Bediensteten vergaßen zu atmen. Niemand wagte zu fragen, ob sie es ernst meinte; Mariana und Melody erstarrten augenblicklich, das Grinsen und die Fassungslosigkeit in ihren Gesichtern wichen unerklärlichen Gefühlen. Dennoch fuhr Frau Sebastian fort, als würde sie über die Wettervorhersage für morgen sprechen. „Meine Schwester wird meine Beerdigung organisieren.“ „Sie kennt meine Anweisungen bereits.“ Ihr Blick ruhte auf Mariana, bevor er zu Melody wanderte. „Keine von euch wird weinen.“ „Sollte eine meiner Töchter während meiner Beerdigung auch nur eine einzige Träne vergießen …“ „… wird die Strafe streng ausfallen.“ Während sie sprach, zeigte ihr Gesicht keinerlei Regung. Keine Angst. Kein Bedauern. Gar nichts. „Ich nehme Abschied von euch allen.“ Ohne ein weiteres Wort wandte sie sich anmutig um und schritt aus dem Speisesaal hinaus. Das Klacken ihrer Absätze hallte nach, bis es im Obergeschoss verhallte. Niemand folgte ihr. Niemand sprach. Die Stille, die zurückblieb, war schwerer als die Trauer selbst. Melody starrte ausdruckslos zur Treppe hinüber. Zum ersten Mal in ihrem Leben wirkte sogar sie erschüttert. Michael tauschte einen Blick mit seinem Vater, unfähig, den winzigen Funken Hoffnung zu verbergen, der in ihm wuchs. Mariana saß einfach nur da. Unfähig zu denken. Unfähig zu atmen. Hatte ihre Mutter wirklich ihren eigenen Tod verkündet? Oder war das nur ein weiteres grausames Spiel? Währenddessen hielt Isabella in ihrem Schlafzimmer ein Foto in den Händen, während ihr zum ersten Mal seit Jahren Tränen über die Wangen rollten. In diesem Moment wünschte sie sich nichts sehnlicher als ein Leben jenseits ihrer Rolle als Erbin, doch dafür war es zu spät. Sie rollte sich auf ihrem Bett zusammen, schloss die Augen und wartete auf die kalten Hände des Todes.Der Morgen brach unter einem grauen italienischen Himmel an.
Es wurde kein Frühstück serviert. Keine Stimmen hallten durch die Villa. Nur ein Flüstern. Gänzlich in Schwarz gekleidete Bedienstete bewegten sich leise durch die Flure. Kurz nach Sonnenaufgang betrat Mrs. Sebastians jüngere Schwester in Begleitung von Ärzten und Anwälten die Villa. Ohne Umschweife betraten sie Mrs. Sebastians Schlafzimmer. Augenblicke später öffneten sich die Türen wieder. Ihr Leichnam wurde unter einem weißen Seidentuch hinausgetragen. Genau wie sie es vorausgesagt hatte … Sie war friedlich im Schlaf gestorben. Die Beerdigung fand noch am selben Nachmittag statt. Sie war elegant. Prächtig. Kalt.Hunderte einflussreicher Persönlichkeiten waren erschienen, um die Frau zu ehren, die die Familie Gold mit eiserner Hand regiert hatte.
Doch unter ihren eigenen Kindern … wurde keine einzige Träne vergossen. Nicht, weil sie nichts empfanden. Sondern weil die Angst stärker war als die Trauer. Mariana und Melody kämpften ständig mit dem Drang, den Sarg zu öffnen, um sicherzugehen, dass es sich nur um einen schrecklichen Streich handelte, doch beide wussten, dass alle Augen der Italiener auf sie gerichtet waren. Sobald die Zeremonie zu Ende war, fuhren schwarze Luxuswagen auf das Anwesen. Ohne Widerspruch stiegen Sebastian und Michael in einen davon ein. Kurz bevor sich die Tür schloss, blickte Michael ein letztes Mal zu seinen Schwestern zurück, die ebenfalls zu ihm schauten. Seine Lippen bewegten sich lautlos. „Bleibt am Leben.“ Der Konvoi verschwand hinter den Toren der Villa. Mariana und Melody blieben schweigend stehen und starrten auf den Eingang. Ihre Tante Stacy verschränkte die Hände hinter dem Rücken. „Er kommt“, sagte sie leise, während sie die Gesichtszüge ihrer Nichte musterte, auf der Suche nach einem Anflug von Emotion. Sie fand keinen und grinste, dann ging sie. Keines der Mädchen fragte, wer. Das mussten sie auch nicht, denn sie wussten es. Irgendwo jenseits der Eisentore war der Mann, der über ihre Zukunft entscheiden sollte, bereits auf dem Weg. Und mit seiner Ankunft … würde der wahre Albtraum, die Erbin der Familie Gold zu werden, endlich beginnen.NORDITALIENSeit dem Duell zwischen Mariana und Melody waren Monate vergangen. Die Anspannung, die einst jeden Winkel der Villa erfüllt hatte, hatte sich langsam gelegt, doch die Lage war noch immer weit davon entfernt, normal zu sein.Es hatte keine Feierlichkeiten gegeben.Keine Feste.Keine wirklich glücklichen Momente. Die Familie Gold war zu sehr auf das Training, den Untergrund und die wachsende Bedrohung durch die Romanos konzentriert.Doch an diesem Abend hatte die Godmother beschlossen, dass alle eine Auszeit brauchten. Sie organisierte eine kleine Feier für die Mitglieder der Familie Gold und die Menschen, die in der Villa lebten.Mitten auf dem Feld wurde ein großes Feuer entzündet, um das sich alle Anwesenden versammelten. Ausnahmsweise gab es einmal seit langer Zeit keine Hierarchie. Niemand saß über einem anderen.Lady Gaia saß neben Lady Alessia, während Adriano unter den Gangstern saß. Sogar die Wachen hatten sich mit ihnen entspannt. Das bedeutete jedoch nicht, dass s
DIE KRANKENSTATIONDas gleichmäßige Piepen des Geräts neben Michaels Bett erfüllte die Stille auf der Krankenstation.Piep.Piep.Piep.Die Krankenschwester hatte gerade seine Vitalwerte überprüft, als sie sich umdrehte, um zu gehen.Da … packte plötzlich eine Hand ihr Handgelenk, und sie erstarrte für einen Moment. Dann blickte sie langsam nach unten. Michaels Finger umschlossen schwach ihr Handgelenk.Seine Augen waren kaum geöffnet.„Hilfe …“, flüsterte er, seine Stimme war kaum zu hören. Die Augen der Krankenschwester weiteten sich.„Michael?“ Der Name entfuhr ihr vor Überraschung. Sie rannte sofort los, um den Arzt zu holen. Innerhalb weniger Minuten herrschte auf der einst so stillen Station reges Treiben. Ärzte und Krankenschwestern eilten zu seinem Bett, als Michael langsam die Augen öffnete. Nachdem er wochenlang bewusstlos gelegen hatte und sich von seinen Verletzungen erholt hatte, war Michael endlich wach. Die Nachricht verbreitete sich wie ein Lauffeuer auf dem Romano-An
DAS ROMANO-ANWESENAn jenem Abend herrschte auf dem Romano-Anwesen reges Musikleben. Laute Musik hallte durch die Villa, während Gelächter die Säle erfüllte. Auf den Tischen standen teure Getränke, und mehrere Frauen waren eingeladen worden, um die Party in Schwung zu halten.Doch die Feier galt nicht allen, die bei den Romanos zu Gast waren, sondern nur einer einzigen Person: SABASTIAN ROMANO.Zumindest dachten das alle. In Wirklichkeit feierte Sabastian jedoch nicht, sondern ging unter. Seit sein Vater in seinem Büro jene Worte gesprochen hatte, hatte sich etwas in ihm verändert.„Wenn du willst, dass Stella zu uns gehört, muss sie mich heiraten.“Diese Worte gingen ihm immer wieder durch den Kopf. Sie hatten sich nun vollständig in seinem Kopf festgesetzt. Sabastian konnte immer noch nicht verstehen, wie sein Vater ihm das antun konnte.Er hatte von Stella gewusst. Von Beginn an, seit Sabastians Beziehung zu ihr begonnen hatte, hatte der Patriarch immer davon gewusst. Er hatte beob
NORDITALIENDie Nachmittagssonne stand hoch am Himmel über Norditalien, als Melody allein über das Anwesen schlenderte. Sie hatte gerade eine ihrer Trainingseinheiten beendet, als jemand ihre Aufmerksamkeit auf sich zog.Es war Mariana.Ihre ältere Schwester kam in ihrem üblichen Trainingsanzug auf das Trainingsfeld zu. Ihr Haar war zusammengebunden, und ihr Gesichtsausdruck war nicht zu deuten.Melody blieb für ein paar Sekunden stehen, beobachtete einfach nur, wie sich ihre Schwester bewegte, und überlegte sich verschiedene Möglichkeiten, sie zu ärgern. Dann kam ihr eine verrückte Idee.Sie lächelte.„Hey, Mariana!“, rief sie, und Mariana blieb stehen, die Augenbrauen zusammengezogen. Einen Moment lang fragte sie sich, ob sie Melodys Stimme sich nur eingebildet hatte.Sie konnte sich nicht daran erinnern, wann Melody sie das letzte Mal bei ihrem Namen angesprochen hatte, ohne dass Hass oder Verachtung in ihrer Stimme mitschwangen.Mariana blickte über ihre Schulter und wollte sie ig
DAS ANWESEN DER ROMANOSEin Monat war seit der von Sabastian Romano angeführten Mission vergangen. Der Sieg der Romanos hatte sich wie ein Lauffeuer in ganz Italien verbreitet.Menschen, die einst hinter vorgehaltener Hand gemunkelt hatten, die Romanos seien nichts weiter als eine in Vergessenheit geratene Familie, sangen plötzlich ein Loblied auf sie. Geschäftsleute, die ihre Anrufe zuvor ignoriert hatten, waren nun begierig darauf, mit ihnen zusammenzuarbeiten. Mächtige Investoren klopften an ihre Türen und boten Geschäfte an, die noch vor wenigen Monaten undenkbar gewesen wären.Sogar Sabastians Ruf hatte sich gewandelt. Er war nicht mehr als der „Schatten-Ehemann“ von Isabella Gold bekannt. Man bezeichnete ihn nun als den Erben des Romano-Imperiums. Und Sabastian genoss jeden Augenblick davon.Das Romano-Imperium wuchs rasant. Ihr Einfluss dehnte sich aus, ihre Investitionen vervielfachten sich, und ihnen wurden immer gefährlichere Missionen anvertraut.Der Patriarch war zufrieden
NORDITALIENZwei schwarze Porsche rasten mit erschreckender Geschwindigkeit durch die Tore des Anwesens „Northern Gold“. Die vor dem Tor postierten Wachen hatten kaum Zeit zu reagieren, bevor die Fahrzeuge mit quietschenden Reifen in die Garage fuhren und mehrere von ihnen zwangen, aus dem Weg zu springen.Das erste Auto kam abrupt zum Stehen, dann stieg Adriano Messimo aus, dessen Ausstrahlung von Wut zeugte. Dann parkte auch das zweite Auto. Aus dem zweiten Fahrzeug stiegen Lady Gaia und Lady Alessia aus.Doch keiner von ihnen wechselte ein Wort. Ihre Mienen waren ungewöhnlich grimmig.Ohne zu zögern gingen sie auf die unterirdische Kammer zu, den Ort, an dem die Familie Gold ihre geheimsten und gefährlichsten Geschäfte abwickelte.Die massiven Stahltüren öffneten sich und gaben den Blick auf das Innere frei. Dort waren bereits mehrere einflussreiche Persönlichkeiten zu sehen, die warteten. Die Godmother saß am Kopfende des langen goldenen Tisches, umgeben von vertrauenswürdigen Inv







