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Kapitel 3

Author: Ein Glücksfischchen

Justins übertriebene Vorstellung löste im ganzen Raum schallendes Gelächter aus. Charlotte saß neben Sebastian. Vor Lachen lehnte sie sich sogar gegen seine Schulter.

Und Sebastian?

Er sagte kein einziges Wort.

Justin drehte sich lachend um.

„Na, Sebastian? War das nicht gut …“

Die Worte blieben ihm plötzlich im Hals stecken. Denn sein Blick fiel auf Klara, die in der Tür stand. Das Lachen verschwand augenblicklich aus seinem Gesicht. „Klara … ich …“

Alle sahen zur Tür.

Für einen Moment war es totenstill.

Charlotte richtete sich von Sebastians Schulter auf und lächelte freundlich.

„Oh, du musst Sebastians Frau Klara sein, oder?“ Sie winkte ihr zu. „Komm doch rein. Ich bin Charlotte, eine alte Freundin von Sebastian.“

Klara warf einen Blick in die Runde. Etwas in ihr wurde vollkommen kalt.

Erst jetzt stand Sebastian auf und kam zu ihr.

„Klara, was machst du hier? Die haben nur einen Scherz gemacht. Nimm es dir nicht zu Herzen.“

Klara sah ihn an. Noch nie war ihr dieser Mann so fremd vorgekommen.

Er stellte sich bei der Verspottung seiner Frau auf die andere Seite.

„Klara, tut mir leid.“ Justin stellte sein Glas ab. „War wirklich nur ein dummer Witz. Sei mir nicht böse.“

„Komm, Klara.“ Sebastian trat vor und wollte den Arm um sie legen.

Aber plötzlich schossen ihr mehrere Bilder durch den Kopf:

Charlotte, wie sie lachend an Sebastians Schulter lehnte.

Seine Hand. Dieselbe Hand, die gestern Nacht im Badezimmer …

Und der Name, der ihm im Moment des Höhepunkts über die Lippen gekommen war.

Lotti.

Mit einem Schlag empfand sie nur noch Ekel.

Seine Hand erschien ihr plötzlich so unerträglich schmutzig, dass sie hastig zurückwich.

Sebastian sah auf seine leere Hand und seufzte.

„Klara. Ich entschuldige mich eben für sie. Lass die Sache gut sein, ja?“

Seine Stimme wurde sogar etwas weicher.

„Später kaufe ich dir ein Geschenk. Ganz egal, was du willst, okay?“

Charlotte warf Justin einen gespielt tadelnden Blick zu.

„Justin!“ Sie verzog schmollend die Lippen. „Jetzt hast du Klara wirklich verärgert. Du kannst doch nicht erwarten, dass jeder so ist wie ich. Über mich könnt ihr Witze machen, so viel ihr wollt. Es ist mir doch egal. Aber jetzt musst du dich entschuldigen.“

Klara lachte innerlich höhnisch. Was für eine meisterhafte Vorstellung.

Und das Lächerlichste daran ist, dass die Männer am Tisch ihre kleinen Spielchen nicht durchschauen, sondern ihr jedes Wort glauben.

Justin war sichtlich ungehalten: „Aber ich HABE mich doch schon entschuldigt. Außerdem hatte ich keine Ahnung davon, dass sie plötzlich auftauchte. Es war wirklich nicht böse gemeint.“

Klara spürte, wie ihre Hände zitterten. Trotzdem zwang sie sich zu sprechen.

„Ein Witz ist erst ein Witz, wenn die Person, über die gelacht wird, auch mitlachen kann.“

Jedes Wort kostete sie all ihren Mut.

Sie hinkte. Sie war nicht gut genug für Sebastian.

Seit fünf Jahren hielt dieser Gedanke sie gefangen wie ein Fluch. Jeder zweifelnde Blick, jede Geringschätzung ließ sie sofort in ihr Schneckenhaus zurückkriechen. Alles, was sie verletzte, behielt sie für sich und machte es still mit sich selbst aus.

„Aber ich habe mich schon entschuldigt“, murrte Justin erneut.

„Ich … Ich nehme die Entschuldigung nicht an.“

Klaras Stimme bebte. Zum ersten Mal widersprach sie offen.

Justin runzelte die Stirn.

„Und was willst du dann?“

Klara wusste es selbst nicht. Sie schüttelte nur immer den Kopf.

Nein. Sie akzeptierte das nicht.

Nicht den Spott. Und erst recht nicht, dass ihr eigener Mann die Freunde verteidigte, die sie verletzt hatten.

„Genug.“

Sebastian unterbrach die beiden. Diese Leute hatten schon immer auf ihn gehört. Schon nach dem Studium hatte er sie geleitet und mit ihnen das Unternehmen aufgebaut. Sein Geschäftssinn, seine Entschlossenheit und sein Ehrgeiz hatten sie dorthin gebracht, wo sie heute standen.

Deshalb genügte ein einziges Wort von ihm, und niemand sagte mehr etwas.

„Klara.“

Sein Blick auf sie war so emotionslos wie immer. Ganz anders als der Blick, mit dem er Charlotte ansah. „Das sind meine engsten Freunde. Sie haben es wirklich nicht böse gemeint. Lass es für heute gut sein, mir zuliebe. Möchtest du nach Hause? Ich lasse dich vom Fahrer bringen.“

„Klara …“ Charlotte biss sich auf die Lippe. „Wenn du wirklich jemandem die Schuld geben möchtest, dann gib sie bitte mir. Bitte sei nicht böse auf Sebastian. Die Feier findet nur wegen meiner Rückkehr statt.“

Dann hob sie den Blick zu Sebastian. „Sebastian, lass Klara doch noch zum Essen bleiben. Dann kann ich mich wenigstens persönlich bei ihr entschuldigen.“

Was für eine geschickte Nummer.

„Ich denke, das ist nicht nötig.“ Bitterkeit stieg in Klara auf. Charlotte konnte sich solche Übergriffe nur erlauben, weil Sebastian ihr gegenüber immer nachgiebig gewesen war.

„Ich trinke keinen Alkohol. Und ich habe auch keinen Geschmack für schlecht gespielte Freundlichkeit.“

Sofort wurden Charlottes Augen rot.

„Sebastian …“ Ihre Stimme zitterte. „Hat deine Frau mich gerade beleidigt? Ich …“

Sie rang gespielt um Fassung und erklärte Sebastian:

„Das macht nichts. Klara hat mich nur missverstanden. Wenn sie mir deswegen ein paar Vorwürfe macht, ist das völlig in Ordnung. Bitte mach ihr keine Vorwürfe, Sebastian.“

Sebastians Gesicht verhärtete sich.

„Klara.“ Seine Stimme wurde merklich kälter.

„Lotti hat es doch nur gut gemeint. Warum musst du so verletzend sein?“

Gut gemeint?

Wer Charlotte glaubte, sah nur das, was er sehen wollte.

Er wusste genau, was geschah.

Er gab lediglich vor, nichts zu wissen.

Denn wem das Herz zuneigt, der hat recht.

Klara sah sich in der Runde um.

Plötzlich hatte sie das Gefühl, mit keinem von ihnen derselben Welt anzugehören.

Sie gehörten zusammen. Sie waren eine eingeschworene Gemeinschaft.

Und sie? Sie war immer nur wie ein Eindringling gekommen. Nein. Eigentlich hatte sie sich nie hineingedrängt. Nicht einmal an den Rand.

Sie schluckte die Tränen hinunter, schnaubte leise verächtlich und drehte sich um.

Hinter ihr erklang Charlottes Stimme. „Sebastian, was soll …“

„Ach was, schon gut“, sagte Sebastian. „Klara ist vernünftig. Ich muss sie später nur ein bisschen besänftigen, dann ist alles wieder in Ordnung.“

„Komm, machen wir weiter.“

Er warf einen Blick zurück zu ihr und textete dem Fahrer eine Nachricht, damit Klara nach Hause gefahren wurde.

Klara wollte wenigstens einmal ruhig und gefasst hinausgehen. Aber das gelang ihr nicht.

Je stärker ihre Gefühle außer Kontrolle gerieten, desto weniger gehorchte ihr Bein.

Plötzlich musste sie an Justins Nachahmung denken.

Sie sah jetzt bestimmt genauso aus.

Vielleicht lachten sie sogar jetzt schon.

Sie wischte sich hastig die Tränen aus dem Gesicht und beschleunigte ihren Schritt. Dadurch hinkte sie nur noch schlimmer.

Als Sebastians Fahrer schließlich vor das Restaurant eilte, war von Klara längst keine Spur mehr zu sehen.

Der Fahrer kehrte zurück und berichtete es Sebastian.

Sebastian runzelte leicht die Stirn. Er rief Klara an, aber sie drückte den Anruf weg. Beim zweiten Versuch war ihr Handy bereits ausgeschaltet.

Justin hatte wegen der ganzen Sache ohnehin schon eine Wut im Bauch. Jetzt konnte er sich nicht mehr zurückhalten.

„Also wirklich, Sebastian“, begann Justin. „Klara traut sich doch nur deshalb so mit dir umzuspringen, weil du sie viel zu sehr verwöhnst. Du mit deinem Aussehen, deinem Erfolg und deinem Vermögen – so ein Mann verdient eine Frau, die ihn zu Hause bedient, und nicht so ein Theater macht. Du lässt ihr einfach zu viel durchgehen.“

Sebastian sagte nichts.

Die anderen stimmten sofort ein. „Justin hat recht. Du machst alles für diese Familie. Du arbeitest dich fast kaputt. Und sie? Kein Dank, kein Verständnis, nur Zicken. Warum tust du dir das an?“

„Genau! Sebastian, du warst für sie das absolute Glück. Ohne dich will doch kein Mann eine verkrüppelte Frau heiraten. So eine passt nur zu einem anderen Krüppel.“

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