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Kapitel 2

ผู้เขียน: Ein Glücksfischchen

Er hatte ausnahmsweise wieder ein Glas getrunken.

Klara konnte sogar hören, dass er leicht angetrunken war.

Was Klara jedoch wirklich überraschte, war etwas anderes.

War dieser Mann im Video, der so herzhaft lachte, wirklich Sebastian?

In Klaras Erinnerung war er schon in der Schulzeit immer der kühle und unnahbare Klassenbeste gewesen. Egal ob im Unterricht oder auf dem Sportplatz wirkte er immer ernst und distanziert. Wenn die Mitschülerinnen auf jeder Weise versuchten, ihn anzusprechen, schenkte er ihnen kaum einen Blick.

Nach der Heirat zeigte Sebastian kaum je eine Regung.

Immer höflich, immer beherrscht. Nie froh, nie zornig.

Er war stets so kühl, dass Klara seine Hände bei zufälligen Berührungen manchmal sogar als kalt wahrnahm.

Im Video glitt die Kamera durch die Runde. Dann blieb sie bei Sebastian stehen.

Seine Wangen waren von einer leichten Trunkenheit gerötet. In seinen Augen funkelte etwas, das Klara bei ihm noch nie gesehen hatte.

Er hob sein Glas und lachte:

„Willkommen zu Hause, Lotti!“

Er konnte lachen.

Er konnte voller Begeisterung sein.

Und er konnte eine Frau bei ihrem Spitznamen nennen.

Nur ihr, Klara Winter, gegenüber war er nie so.

„Frau Wolf? Stehen Sie jetzt auf?“

Vor der Tür fragte Frau Krügel.

Klara hatte normalerweise einen festen Tagesablauf. Da sie heute noch nicht herausgekommen war, machte sich Frau Krügel Sorgen. Vielleicht brauchte sie Hilfe, denn ihr Bein war schließlich beeinträchtigt.

Klara legte das Handy beiseite.

„Ja. Ich komme gleich.“

Erst da bemerkte sie, wie heiser ihre Stimme klang.

Zum Frühstück hatte Frau Krügel frische Brötchen aufgebacken. Klara zwang sich, eines zu essen.

„Was darf es heute Mittag und heute Abend sein, Frau Wolf?“ Frau Krügel reichte ihr ein Glas Milch.

„Egal. Machen Sie einfach das, was Se … “

Wie sonst auch wollte sie gerade sagen:

„Machen Sie einfach das, was Sebastian gern isst.“

Wie jeden Tag.

Aber diesmal brach sie den Satz ab.

Frau Krügel verstand trotzdem sofort denn dieses Gespräch verlief seit Jahren schließlich immer gleich.

„Herr Wolf hat Bescheid gegeben. Er kommt heute nicht nach Hause zum Essen. Er hat einen Geschäftstermin.“

Klara nickte nur.

Natürlich kam er nicht. Den Grund kannte sie schon.

Vor wenigen Minuten hatte sie auf Instagram den wahren Grund bereits gesehen. Charlotte hatte ihren gesamten Wochenplan gepostet: Wer sie in der kommenden Woche zum Essen einlud und worauf sie Lust hatte.

Dazu schrieb sie:

Die schönsten Gefühle bleiben doch die aus der Schulzeit, oder? Ich bin echt die Glücklichste, denn so viele liebe Kerle verwöhnen mich.

Normalerweise lernte Klara tagsüber etwa zwei Stunden Englisch. Danach beschäftigte sie sich mehrere Stunden mit Kunsttheorie. Sie wusste eigentlich nicht, wie sie ohne diese Aufgaben die endlosen Stunden füllen sollte.

Was blieb ihr sonst?

Nur darauf zu warten, dass Sebastian nach Hause kam?

Sollte sie wirklich ihr ganzes Leben zu Hause sitzen und darauf warten, dass Sebastian zurückkam?

Hatte sie nicht schon lange genug gewartet?

Sie wusste nur zu gut, wie sich ein einsames und hoffnungsloses Warten anfühlte.

Aber ab heute wollte sie einen anderen Weg einschlagen.

Die Zulassung der Universität gehörte vermutlich zur letzten Aufnahmerunde. Sie musste Ihre schnell bestätigen. Das Erste, was sie heute erledigen musste, war die Überweisung ihrer Bestätigungsgebühr.

Als die Benachrichtigung über die Abbuchung auf ihrem Handy erschien, fiel ihr ein Stein vom Herzen.

Der Tag ihres Abschieds von Sebastian war wieder ein Stück näher gerückt.

Am Abend zog sie sich um.

Sie wollte gerade hinausgehen, als Frau Krrügel überrascht fragte:

„Frau Wolf? Wohin möchten Sie denn?“

Ohne Sebastian verließ Klara das Haus fast nie.

„Eine ehemalige Studienfreundin ist wegen einer Aufführung hier. Wir treffen uns.“

Das war eine Ausrede. Tatsächlich wollte sie in ein Hotel nahe dem Prüfungszentrum fahren.

Ihr IELTS-Test fand am nächsten Morgen sehr früh statt. Sie wollte kein Risiko eingehen, mit dem Taxi zu spät zu kommen.

Den letzten IELTS-Test hatte sie vor einigen Monaten abgelegt, aber das Ergebnis hatte ihre Erwartungen nicht erfüllt. Damals rückte die Bewerbungsfrist der Universität bereits näher, deshalb hatte sie ihre Unterlagen trotzdem eingereicht. Mit einer Zulassung hatte sie eigentlich nicht gerechnet. Als die Aufnahmebestätigung überraschend eintraf, vereinbarte sie sofort einen neuen Prüfungstermin.

Zum Glück erlaubte die Universität, den Sprachnachweis nachzureichen.

„Sind Sie sicher?“

Frau Krügels Blick glitt kurz zu Klaras Bein.

„Vielleicht komme ich mit?“

„Nein, danke.“ Klara lächelte schwach. „Es ist ein Mädelsabend. Da wirst du dir nicht wohlfühlen.“

„Dann gebe ich Herrn Wolf kurz Bescheid.“

Frau Krügel wollte kein Risiko eingehen. Die Verantwortung für Klaras Sicherheit wollte sie nicht tragen.

„Das ist nicht nötig.“

Klara nahm ihre Handtasche.

„Lass ihn arbeiten. Ich werde ihn später anrufen, wenn wir fertig sind.“

Dann verließ sie die Wohnung.

Wegen ihres Beins hatte Sebastian als Ehewohnung eine großzügige Etagenwohnung gekauft. Klara nahm den Aufzug nach unten und verließ das Gebäude.

Kaum trat sie ins Sonnenlicht, senkte sie unwillkürlich den Kopf, setzte eine Kappe auf und schlug den Kragen hoch.

Seit dem Unfall hatte sich Klara völlig verändert.

Die alte Klara, die einst selbstbewusst auf der Bühne gestrahlt hatte, war längst verschwunden.

Geblieben war nur noch die hinkende Klara, die nicht einmal mehr den Mut hatte, sich den Blicken der Öffentlichkeit zu stellen.

Frau Krügel sagte oft, dass sie Sebastian am besten dabeihaben sollte, wenn sie ausging. Und Sebastian meinte auch, dass ohne ihn sie besser zu Hause blieb.

Aber die beiden wussten nichts davon:

Mit Sebastian zusammen auszugehen, war tausendmal, nein zehntausendmal schlimmer als allein zu sein. Und das war sogar ihre größte Angst.

Immer wieder begegnete sie denselben Blicken, dem gleichen unausgesprochenen Gedanken:

Wie konnte so ein erfolgreicher Mann ausgerechnet eine Hinkende wie sie heiraten?

Sie nahm ein Taxi und fuhr zum Hotel.

Im Auto starrte Klara schweigend aus dem Fenster. Die Straßen zogen an ihr vorbei, bis ihr plötzlich ein vertrautes Auto ins Auge fiel.

Sebastians Auto stand am Straßenrand.

„Entschuldigen Sie, halten Sie hier bitte an!“, rief sie hastig dem Fahrer zu.

Sebastians Auto parkte vor einem Restaurant.

Die Willkommensfeier gestern hatte einer Sebastians Jugendfreunde ausgerichtet. Heute war Sebastian an der Reihe. Genau so stand es auf Charlottes Instagram.

Wie in Trance stieg Klara aus.

Im Restaurant angekommen, wandte sie sich an eine Servicekraft.

„Ich gehöre zu Herrn Sebastian Wolf“, sagte sie.

Die Servicekraft nickte sofort und führte sie zu einem Privatraum.

„Hier entlang.“

„Danke.“

Vor der Tür blieb Klara stehen und fühlte sich plötzlich etwas verloren. Zu Hause hatte sie dieser Impuls immer wieder gepackt. Jetzt, da sie wirklich hier stand, fehlte ihr tatsächlich der Mut, die Tür zu öffnen.

Aus dem Raum drangen Stimmen und Gelächter.

„Heute muss ich früher nach Hause. Trinken lasse ich auch lieber bleiben. Als ich gestern leicht angeheitert heimkam, hat mir die Chefin die Hölle heißgemacht.“

Es war Einer von Sebastians Jugendfreunden.

„Sag mal, was ist denn aus dir geworden? Früher hieß es doch immer, für Lotti wird alles stehen und liegen gelassen. Und jetzt muss ich mich hinter deiner Frau anstellen? Auf Sebastian ist wenigstens Verlass.“

Eine helle und verspielte Stimme ertönte. Es war Charlotte.

Das also ist Charlotte.

Genau solche Frauen zogen Sebastian an.

Nur schade, dass Klara nicht so war.

Nicht einmal verstellen konnte sie sich auf diese Weise.

Drinnen lachte der Mann wieder.

„Ach komm, Sebastian spielt doch in einer ganz anderen Liga. Klara wagt es doch nicht mal, ihm ein einziges Nein entgegenzusetzen.“

„Ach ja“, wieder Charlotte, „Sebastian, ich habe gehört, deine Frau hinkt. Wie kommt das eigentlich?“

Niemand beantwortete ihre Frage.

Aber Klaras Herz zog sich zusammen.

Im Raum wurde bereits weitergeredet.

„Mal ganz im Ernst, Sebastian. Wir verstehen das bis heute nicht. Du hast Geld, Aussehen, Erfolg. Die Frauen stehen doch Schlange bei dir. Warum hast du ausgerechnet eine Hinkende geheiratet?“

„Genau das meine ich! Du bist doch der Erfolgreichste von uns allen. Bei Meetings, Empfängen oder Pressekonferenzen – überall, wo man seine Frau an der Seite haben sollte, kannst du sie nicht einmal mitbringen. Mensch, da hast du echt was verpasst!“

Ach so …

Sebastian hatte immer gesagt: „Du brauchst dich nicht um meine Geschäfte zu kümmern. Ich verdiene das Geld, du bleibst einfach zu Hause.“

Ihre Familie bewunderte ihn dafür. Alle hatten gesagt, was für ein Glück sie gehabt hatte.

Jetzt verstand sie endlich den wahren Grund. Er schämte sich dafür, sie mitzunehmen.

Aus dem Raum erklang Sebastians bitteres Lachen.

„Sie hat mir damals immerhin das Leben gerettet. Das bin ich ihr schuldig.“

„Du bist ihr schuldig? Du hast ihr doch schon so viel Geld gegeben. Sollte damit diese Schuld nicht längst beglichen sein?“

„Stimmt. Damals hättest du ihr einfach Geld geben und die Sache abschließen sollen. Musstest du dafür wirklich dein ganzes Leben opfern?“

„Ich sage es mal: Selbst wenn du dir einen Glücksbringer ins Haus stellst und jeden Tag polierst, hoffst du wenigstens auf etwas Glück. Aber was bringt dir eine hinkende Frau?“

„Eben. Was nützt sie dir? Zu geschäftlichen Anlässen kann sie nicht mit. Und wenn sie dir zu Hause ein Glas Wasser bringt, hat man schon Angst, dass sie es noch verschüttet. Schatz, hier ist dein Wasser ... so? Läuft sie so? Oder muss man anders laufen?“

Schallendes Gelächter brach aus. Besonders Charlotte lachte auffällig laut.

„Sebastian, läuft deine Frau wirklich so?“

Klara stand draußen an der Tür und hörte jedes einzelne Wort.

Für einen Moment drehte sich alles um sie herum. Scham und Wut überschwemmten sie gleichzeitig.

Sie verlor das Gleichgewicht und prallte gegen die Tür.

Und die Tür sprang auf.

Das Gelächter im Raum war noch immer in vollem Gange.

Justin, der Jugendfreund von Sebastian, stand mit einem Wasserglas in der Hand mitten im Raum. Mit übertriebenem Hinken schlurfte er durch den Raum. Dabei zog er die Stimme künstlich in die Höhe und quäkte in gespieltem Singsang: „Sebastian, Schatz, trink etwas … Oh nein! Ich stolpere ja schon wieder! Sebastiaaan, du musst mich jetzt tragen!“

Klara richtete ihren Blick auf Sebastian. Hilflos und hoffnungsvoll.

Sie wartete darauf, dass er Stellung bezog. Dass der Mann, den sie mehr liebte als ihr eigenes Leben, endlich für sie einstand und diesem Spott ein Ende setzte.

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