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Kapitel 5

Author: Ein Glücksfischchen

Danach hatte sie wieder zu lernen begonnen.

Damals dachte sie nicht viel darüber nach. Sie wollte ihrem fahlen Leben nur eine kleine, heimliche Ablenkung geben, etwas zu tun haben, um nicht ständig an diesen Satz denken zu müssen und deshalb traurig zu sein.

Sie hatte nie gedacht, dass diese kleine Ablenkung, die nur zu ihr gehörte, eines Tages ihre Rettung sein wurde.

Sie musste morgen in der Prüfung ihr Bestes geben.

Sie musste hier weg. So weit wie möglich, je weiter, desto besser.

Allein der Gedanke daran tat so unendlich weh …

Sie konnte nicht einmal sagen, ob der Schmerz von Sebastian kam oder von den fünf Jahren, die sie verschwendet hatte.

Aber das spielte keine Rolle mehr. Wichtig war, dass sie sich nicht länger in diesem Schmerz ertrinken durfte.

Mag der Schmerz auch noch lange anhalten, diesmal musste sie sich selbst aktiv retten.

Sie bestellte sich einen Lieferservice – ein mildes Abendessen und Einwegkleidung.

Sie rief an der Rezeption an und bat um einen Weckruf für den nächsten Morgen.

Dann zwang sie sich selbst zum Schlafen.

Vielleicht, weil sie die ganze Nacht zuvor kein Auge zugetan hatte, schlief sie in dieser Nacht überraschend gut.

Am nächsten Morgen stand sie pünktlich auf und schaltete ihr Handy ein.

Unzählige Nachrichten fluteten herein, und das Handy vibrierte ununterbrochen – alle von ein und derselben Person: Sebastian.

Sie las die Nachrichten nicht, denn sie wollte sich nicht beeinflussen lassen.

Zum Frühstück hatte sie ein wenig im Hotel gegessen. Als alles bereit war, verließ sie das Hotel und machte sich auf den Weg zum Prüfungszentrum.

Das Hotel lag in der Nähe des Prüfungszentrums, ein Fußweg von etwa fünf Minuten.

Kaum hatte sie das Hotel verlassen, vibrierte ihr Handy in ihrer Hand.

Sebastian rief an.

Sie zuckte so heftig zusammen, dass ihr das Handy fast aus der Hand fiel. Sie wischte den Anruf weg und schaltete das Handy sofort wieder aus.

Als sie mit der Prüfung fertig war und herauskam, hämmerte ihr Herz noch immer wie wild.

Vor Freude.

Sie hatte das Gefühl, diesmal gut abgeschnitten zu haben.

Der Prüfer im mündlichen Teil hatte während des gesamten Gesprächs ein Lächeln im Gesicht. Die Hörtexte hatte sie größtenteils verstanden, und auch Lesen und Schreiben waren gut gelaufen.

Sie wagte keine Punktschätzung, aber zumindest hatte sie alle Aufgaben vollständig bearbeitet.

Sie war also doch nicht zu allem unfähig!

Sie ging allein auf dem Gehweg, den Kopf gesenkt, und dachte über jedes kleine Detail der heutigen Prüfung nach. Plötzlich tauchte vor ihr ein Paar Lederschuhe auf. Sie hatte nicht erwartet, dass jemand ihr absichtlich den Weg versperrte. Deshalb konnte sie nicht rechtzeitig anhalten und prallte direkt gegen die Person.

Derjenige fing sie rechtzeitig auf, und so fiel sie nicht.

Aber der Mann war die Letzte, die sie sehen wollte.

Sebastian.

„Klara!“

Sie konnte sehen, dass er sehr wütend war, aber er bemühte sich sehr, seine Wut zu unterdrücken.

„Klara, warum bist du nicht nach Hause gekommen?“ Er hielt ihre Schultern fest, senkte die Stimme und fragte sie, sanft und zärtlich wie immer.

Klara dachte: Lächerlich. Du weißt nicht warum, oder?

Aber sie hatte jetzt keine Zeit, den Grund zu erklären. Ihre Tasche war bei dem Zusammenprall zu Boden gefallen, der Verschluss hatte sich geöffnet, und ihr Stift für das Test ragte ein Stück heraus.

Sie wollte nicht, dass er von ihrem IELTS-Test erfuhr.

Sie riss sich mit einem Ruck von seiner Hand los, hockte sich hin, stopfte den Stift schnell in ihre Tasche und schnallte sie fest zu.

„Was ist das?“ Er blickte auf ihre Tasche hinab und fragte.

„Nichts, nur ein Stift.“ Sie zwang sich, ruhig zu wirken. Aber ihre Finger, die die Tasche umklammerten, waren vor Anspannung weiß.

„Gib her“, sagte er.

Nein, auf keinen Fall durfte er den Stift entdecken.

Sie drückte die Tasche noch fester an sich. „Was willst du mit einem Stift?“

„Gib mir dein Handy“, sagte er.

Sie zögerte einen Moment, dann holte sie das Handy aus ihrer Tasche und gab es ihm.

Das Handy war ausgeschaltet.

Er warf nur einen kurzen Blick darauf und gab es ihr zurück.

„Ich habe dich so oft angerufen und dir so viele Nachrichten geschickt. Warum hast du nicht geantwortet? Bist du immer noch wütend deswegen?“

Sie hielt ihr Handy fest umklammert und atmete unmerklich auf.

Gott sei Dank.

Wenn Sebastian wirklich ihr Handy durchsucht hatte …

Wenn er die E-Mail mit ihrer IELTS-Anmeldung gesehen hatte …

Wie sollte sie das erklären?

Aber wenn es nur darum geht, ob sie noch wütend war oder nicht …

Sie überlegte kurz.

Nein. Wütend war sie jetzt nicht.

Sie wollte nur noch weit weg.

Besonders als sie ihn wiedersah, überkam sie dieser Gedanke wie eine Welle.

Aber Sebastian deutete ihr Schweigen einfach als das Zeichen ihres Ärgers. Er seufzte leicht: „Klara, du bist doch sonst immer vernünftig. Warum bist du diesmal wegen so einer Kleinigkeit nicht einmal nach Hause gekommen?“

Klara schwor sich, dass sie wirklich die Sache bereits hinter sich lassen wollte. Aber bei diesem Satz von Sebastian riss selbst dem geduldigsten Menschen der Geduldsfaden.

„Also war das gestern am Ende wieder meine Schuld?“ Klara konnte sich nicht länger beherrschen. „Ich verhielt mich unvernünftig? Was sollte ich tun dann? Reinzugehen und Justin zu loben: ,Tolle Nachahmung!‘ Oder?“

Für einen Moment wirkte Sebastian sichtlich unbehaglich.

„So habe ich das nicht gemeint. Ich wollte nur sagen, dass du nicht beeinflussen kannst, was andere über dich sagen. Deshalb solltest du dir ihre Worte nicht zu Herzen nehmen.“

„Du hast Recht. Ich kann sie nicht beeinflussen. Du aber schon!“ Sie sah ihm direkt in die Augen. „Und was hast du in diesem Moment gemacht? Du hast Lotti im Arm gehalten und mit ihr über mich gelacht.“

„Klara!“ Sein Gesicht veränderte sich. Zum ersten Mal zeigte sich Wut darin.

Sein Gesicht verdunkelte sich schlagartig.

Zum ersten Mal zeigte er offen seinen Ärger.

Klara verstand sofort.

Lotti.

Dieser Name war seine rote Linie.

Niemand durfte sie überschreiten.

Was blieb da noch zu sagen?

Sie drückte ihre Tasche an sich, ging an ihm vorbei und wollte weiter.

Aber Sebastian hielt sie mit einem Arm um ihre Taille zurück.

„Es tut mir leid, Klara. Ich habe gerade zu laut mit dir gesprochen.“

Seine Stimme wurde wieder weich.

„Ich möchte nur nicht, dass du Lotti missverstehst. Zwischen uns ist nichts. Wir sind Freunde, mehr nicht. Ich sehe sie wie einen alten Kumpel. Sie ist unverheiratet. Wenn solche Gerüchte über sie entstehen, schadet ihr das.“

Klara verstand das wirklich nicht.

Hatte sie nicht nur die Wahrheit ausgesprochen?

Charlotte hatte sich ohne jede Zurückhaltung an ihn gelehnt.

Und jetzt durfte niemand darüber sprechen?

„Ach so“, sagte sie nur.

„Klara …“ Sebastian spürte ihre Distanz sofort. „Warum bist du immer noch wütend? Du bist gestern allein ins Hotel gegangen und nicht nach Hause gekommen. Ich habe dir aber deswegen kein einziges Wort vorgeworfen. Aber du? Willst du dir wirklich wegen so einer Kleinigkeit ewig einen Groll bewahren?“

Ja, ja. Am Ende war immer sie die Schuldige.

„Komm schon, Klara. Sei nicht mehr böse.“ Seine Stimme wurde sanfter. „Lass uns etwas essen gehen. Danach kaufen wir dir etwas Schönes, in Ordnung?“

Klara dachte einen Moment nach.

Eigentlich war das gut.

Sie hatte ohnehin etwas mit ihm zu besprechen.

Sebastian brachte sie in ein Restaurant in der Nähe.

Als sie eintraten und der Kellner sie ansah, reagierte Klara instinktiv wie immer. Sie wollte den Kragen hochschlagen, sich hinter Sebastian verstecken und langsam gehen, damit ihr Hinken weniger auffiel.

Aber schon im nächsten Moment ließ sie diese Gedanken los.

Egal, ob sie nicht zu ihm passte. Sie hatte ohnehin nicht vor, weiter zu ihm zu passen.

Sie nahmen Platz.

Sebastian bestellte das Essen.

Als alle Gerichte auf dem Tisch standen, reichte Sebastian ihr das Besteck. Seine Stimme war noch immer so sanft: „Iss etwas, Klara. Das sind doch alles deine Lieblingsgerichte.“

Sie warf einen Blick auf den Tisch – alle waren scharf gewürzt.

Sie lächelte bitter in sich hinein.

Sebastian wusste nicht einmal, dass sie scharfes Essen nicht vertrug.

Zu Hause stand fast jeden Abend etwas Scharfes auf dem Tisch.

Nicht weil sie es mochte, sondern weil er es mochte.

„Sebastian, ich habe keinen Hunger.“ Sie nahm das Besteck nicht in die Hand. „Ich muss mit dir reden.“

„Worüber?“

Ein kaum sichtbares Lächeln erschien auf seinen Lippen.

„Sag mir, wohin du willst, ich habe heute den ganzen Tag Zeit. Nachmittags gehen wir etwas unternehmen, und abends essen wir bei deinen Eltern.“

Sie starrte auf sein kaum sichtbares Lächeln und dachte an die Worte, die sie gleich sagen würde. Plötzlich zog sich ihr Herz schmerzhaft zusammen.

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