ログインArabellas Sicht„Er ist in der Firmenzentrale mit dringenden Akten überlastet. Er ist bereits gegangen“, antwortete Damian.„A-ach so“, erwiderte ich gedehnt. Mein Herz machte einen Satz bei dem Gedanken, dass Damian und ich nun ganz allein in diesem riesigen Penthouse sein würden.Wie auf ein Stichwort hin zog Damian seinen Mantel aus und hängte ihn ordentlich an die Garderobe im Flur. Anschließend nahm er mit müheloser Eleganz die exquisiten Manschettenknöpfe aus Obsidian von seinen Handgelenken. Ihm dabei zuzusehen, war ein wahrer Augenschmaus.Plötzlich hörte ich Tessa wieder in Gedanken sagen: „Ein Mann ist am heißesten, wenn er sich gerade an- oder auszieht.“Damals hatte ich darüber nur gelacht. Doch jetzt, als ich beobachtete, wie Damian seine Manschettenknöpfe in die Manteltasche steckte und an seiner Krawatte zog, schoss mir die Hitze in die Wangen.Noch bevor ich richtig begriff, was ich tat, trat ich näher an ihn heran. Ich deutete auf seine Hand, die seine Krawatte festhi
Damian antwortete nicht.Wenn überhaupt, verdunkelten sich seine Augen noch mehr. Sein Blick war fest auf meinen gerichtet, wie der eines Raubtiers, das seine Beute ins Visier genommen hatte.Von der schieren Intensität seines Blickes eingeschüchtert, versuchte ich instinktiv, einen Schritt zurückzuweichen. Doch dabei wurde mir klar, dass mein Rücken bereits flach gegen die Wand im Eingangsbereich gepresst war. Es gab kein Entkommen mehr.Damian überbrückte auch den letzten Zentimeter zwischen uns. Seine große, warme Hand schloss sich fest um meine Taille und zog mich dicht an seine Brust, bis sich jede Kontur meines Körpers an seine schmiegte.Für einen flüchtigen, beängstigenden Moment fühlte sich seine Brust so unvorstellbar warm an, dass ein gefährlicher Teil von mir am liebsten aufgegeben hätte. Ich wollte mein Gesicht im Revers seines Anzugs verbergen und einfach für immer in seinen Armen liegen bleiben.„Boss?“ Jakes zögerliche, gedämpfte Stimme drang plötzlich von draußen durc
„Ein Kuss von dir?“ Ich schnaubte verächtlich und zwang mich zu einem kalten, höhnischen Lachen, um die Übelkeit und Angst in meiner Kehle zu überspielen. „Das Einzige, was ich empfunden habe, als deine Lippen meine berührt haben, war Ekel. Wage es nicht, mich mit demselben Mund anzufassen, mit dem du deine Geliebte küsst. Er ist widerlich.“Ethans Augen blitzten auf, während sich seine Pupillen vor blanker Wut weiteten.„Widerlich?“, wiederholte er. Seine Stimme sank zu einem tödlichen Zischen. „Willst du mir allen Ernstes sagen, dass du nie wieder möchtest, dass ich dich berühre?“Ich starrte ihn an, als hätte er vollkommen den Verstand verloren.„Warum um alles in der Welt sollte ich dich auch nur in meiner Nähe haben wollen?! Unsere Ehe ist tot, Ethan! Ich will die Scheidung“, zischte ich und beugte mich näher zu ihm. Jedes einzelne Wort triefte vor Gift.„Wann wirst du das endlich in deinen dicken, selbstverliebten Schädel bekommen?“Ethan starrte mich einen Moment lang an, bevor
38Auf wackelnden Beinen trat ich an meine Mutter heran, meine Augen suchten wild ihr Gesicht nach jedem Anzeichen ab, dass ihr Herz unter der Belastung versagte.„Mom", rief ich leise, als ich sie erreichte, schlang die Arme um ihre zerbrechliche Gestalt und half ihr behutsam, zurück ins Zimmer zu treten.Ich führte sie zum Bett, meine Hände zitterten, während ich ihr beim Hinsetzen half und die Kissen aufschüttelte, damit sie sich bequem zurücklehnen konnte.„Geht es dir gut?", fragte ich, meine Stimme eng vor unterdrückter Angst, als sie endlich saß.Meine Mutter musterte mein Gesicht aufmerksam, ihre müden Augen nahmen jedes Detail auf. „Hast du geweint, Arabella?"Ich zwang mir ein winziges, beruhigendes Lächeln ab und schüttelte den Kopf. „Nein, Mom. Nur etwas war mir unterwegs ins Auge gekommen. Mir geht es gut."Eine gewaltige Welle der Erleichterung überschwemmte mich, als ich begriff, dass sie meine Worte auf dem Flur nicht mitangehört hatte.Ethans erstickende Präsenz spürt
Arabellas Sicht„Arabella?“Die plötzliche Stimme, die meinen Namen rief, riss mich aus dem Nebel meiner Gedanken, während ich durch die Eingangshalle des Krankenhauses eilte. Abrupt blieb ich stehen und drehte mich um. Neben den Aufzügen entdeckte ich ein vertrautes Gesicht.„Alex? Was machst du denn hier?“, fragte ich völlig überrascht.Es war über ein Jahr her, seit ich das letzte Mal mit meinem Jugendfreund gesprochen hatte. Nach meiner Hochzeit mit Ethan hatte ich den Kontakt zu ihm nach und nach abgebrochen, weil Ethan mich ständig an die Pflicht einer Ehefrau erinnerte, „angemessene Grenzen im Umgang mit dem anderen Geschlecht einzuhalten“.„Ich besuche einen Kollegen, der gestern eingeliefert wurde“, erklärte Alex und musterte mein Gesicht mit aufrichtiger Besorgnis.„Oh“, hauchte ich und versuchte, meinen rasenden Puls zu beruhigen. „Ich bin hier, um meine Mutter zu besuchen. Sie liegt im dritten Stock.“„Deine Mutter? Ist sie …?“„Es geht ihr gut“, unterbrach ich ihn hastig.
„Informieren Sie mich sofort, sobald sie wieder durch diese Tür kommt“, wies ich Tante Irene knapp an, bevor ich das Gespräch beendete.Ich öffnete meine Kontaktliste, tippte auf Arabellas Namen und schickte ihr kurzerhand eine Nachricht.Wo bist du?Ich starrte auf das Display. Dreißig Sekunden vergingen. Eine Minute. Zwei Minuten …Ich wartete volle fünf Minuten, doch es kam keine Antwort.Arabella hatte nicht auf meine Nachricht geantwortet?Arabella?Dieselbe Frau, die mir früher innerhalb von drei Sekunden geantwortet hatte?Erst da wurde mir eine verblüffende Tatsache bewusst: Seit drei Tagen hatte Arabella mir keine einzige Nachricht mehr geschickt.Normalerweise bombardierte sie mein Handy jeden einzelnen Tag mit fünf bis zehn Nachrichten, ohne jemals eine Ausnahme zu machen.„Bist du gut im Büro angekommen? Ich wünsche dir einen wunderschönen Tag!“„Draußen wird es kälter. Vergiss bitte nicht deinen Mantel, wenn du das Haus verlässt. Ich liebe dich!“„Versink nicht so sehr in







