Share

Kapitel 7

last update publish date: 2026-10-10 04:51:24

Kapitel 7

Chanel

Nach der Stimme am Fenster habe ich nicht viel geschlafen. Als der Himmel hell wurde, waren die Läden still geworden, und das Gold unter meiner Haut hatte sich wieder auf blasse Linien gelegt. Jemand hatte die Schlösser in der Nacht zweimal geprüft. Ich hörte die Schritte, öffnete die Tür aber nie.

Der Morgen kam mit einem Klopfen, das nicht leise war. Cassian. Er stand im Flur und sah aus, als hätte er weniger geschlafen als ich.

„Runter“, sagte er. „Das Rudel muss dich sehen.
Continue to read this book for free
Scan code to download App
Locked Chapter

Latest chapter

  • Der Mondschleierbund    Kapitel 7

    Kapitel 7ChanelNach der Stimme am Fenster habe ich nicht viel geschlafen. Als der Himmel hell wurde, waren die Läden still geworden, und das Gold unter meiner Haut hatte sich wieder auf blasse Linien gelegt. Jemand hatte die Schlösser in der Nacht zweimal geprüft. Ich hörte die Schritte, öffnete die Tür aber nie.Der Morgen kam mit einem Klopfen, das nicht leise war. Cassian. Er stand im Flur und sah aus, als hätte er weniger geschlafen als ich.„Runter“, sagte er. „Das Rudel muss dich sehen. Besser, sie hören es von mir als von Gerüchten.“Ich folgte. Der Hauptraum des Rudelhauses war schon voll. Leute jeden Alters. Manche in normaler Kleidung. Manche rochen noch nach Wald. Tristan stand vorn bei Amara. Evelina beobachtete aus einer Ecke, die Arme verschränkt.Cassian hob die Stimme nicht. Musste er nicht. Der Raum wurde still, sobald er in die offene Fläche trat.„Das ist Chanel“, sagte er. „Sie steht unter Rudelschutz, solange sie ihn braucht. Niemand hinterfragt sie. Niemand geh

  • Der Mondschleierbund    Kapitel 6

    ChanelIch erinnerte mich nicht daran, gefallen zu sein.Eine Sekunde lang brannte das Gold unter meiner Haut, als wolle es raus. Als Nächstes wusste ich, dass der Boden unter meiner Wange war und jemand meinen Namen schrie. Amara. Dann Cassians Stimme, die sich hindurchschnitt, scharf und nah.Hände rollten mich auf den Rücken. Evelinas Gesicht schwamm über mir. Ihr Mund bewegte sich, aber die Worte kamen in Stücken. Irgendwas damit, dass der Schild zurückkämpfte. Irgendwas damit, dass mein eigenes Blut den Zauber nach innen drehte.Schmerz traf eine Sekunde später. Nicht die warme Art von zuvor. Das hier war tief. Als hätte jemand in meinen Kopf gegriffen und an Fäden gezogen, die nicht lockerkommen wollten. Ich versuchte zu sprechen. Es kam nur ein Laut. Klein. Gebrochen.„Halt sie fest“, schnappte Evelina. „Wenn sich die Magie falsch setzt, reißt sie komplett durch die Erinnerungszentren.“Cassians Hände schlossen sich um meine Schultern. Stetig. Warm. Der Zug in meiner Brust flam

  • Der Mondschleierbund    Kapitel 5

    Kapitel 5ChanelDas Glas war bis zum Morgen weg. Jemand hatte das Fenster verbrettert und den Boden gereinigt, während ich schlief. Ich fragte nicht, wer. Wollte nicht wissen, wie nah dieser schwarze Wolf gekommen war, bevor sie ihn aufgehalten hatten.Amara kam früh mit frischer Kleidung und einem stillen Blick. „Cassian will, dass das Gelände abgelaufen wird. Nur die sicheren Teile. Bevor…“ Sie beendete es nicht. Wir wussten beide, was bevor bedeutete.Ich folgte ihr hinaus. Die Luft roch nach nassen Blättern und Holzrauch. Das Silbermond-Gebiet erstreckte sich weiter, als ich erwartet hatte. Das Rudelhaus saß auf einer flachen Anhöhe, groß und fest, Fenster, die die Bäume beobachteten. Menschen bewegten sich darum herum, als gehörten sie dorthin. Manche nickten Amara zu. Ein paar starrten mich eine Sekunde zu lang an und sahen dann weg.Wir gingen nicht hinein. Kreisten nur den Trainingsplatz und den Pfad, der am Rand des dichteren Waldes entlanglief. Amara zeigte Dinge auf diese

  • Der Mondschleierbund    Kapitel 4

    Kapitel 4ChanelIch war seit drei Tagen in der Klinik. Oder vielleicht vier. Die Zeit wurde weich, wenn man viel schlief und jemand einem Essen brachte, ohne Fragen zu stellen.Amara machte es leicht. Sie drängte nie. Tauchte einfach mit Tee oder einem Buch auf oder saß auf dem Stuhl und redete über nichts Wichtiges. Wetter. Wie die Bäume nach Regen aussahen. Wie ihr Gefährte Tristan schnarchte, wenn er wirklich müde war. Kleine Dinge, die das Zimmer weniger wie einen Ort fühlten, an dem ich festsaß, und mehr wie irgendwo, wo ich atmen konnte.Ich fing an, ein bisschen zu helfen. Decken falten. Die Theke abwischen, wenn sie mit anderen Patienten beschäftigt war. Nichts Großes. Aber es fühlte sich gut an, etwas mit den Händen zu tun, das nicht Rennen oder Verstecken war.„Du kommst an“, sagte sie eines Nachmittags, während wir saubere Handtücher stapelten. „Das ist erlaubt, weißt du.“Ich zuckte mit den Schultern. „Ich bin nie lange genug irgendwo geblieben, um anzukommen. Fühlt sich

  • Der Mondschleierbund    Kapitel 3

    Kapitel 3CassianDas Blut des Abtrünnigen war noch an meinen Händen, als ich zurück ins Rudelhaus ging. Ich hatte mich schon einmal unten am Bach gewaschen, aber der Geruch blieb hängen. Kupfer und nasses Fell und diese saure Kante, die sie immer mit sich trugen, wenn sie zu lange ohne Rudel gewandelt waren.Fenric war still in meinem Kopf. Nicht ruhig. Er wartete nur. Er wollte noch einen Kampf. Ich sagte ihm: später.Tristan kam mir im Flur entgegen. Derselbe stetige Blick wie immer. Als könne ihn nichts lange aus dem Gleichgewicht bringen. Er reichte mir ein Handtuch, ohne etwas zum Zustand meines Hemdes zu sagen.„Noch drei an der Ostgrenze“, sagte ich. „Wie die anderen. Keine Duftspur, die Sinn ergab. Sie tauchten einfach auf und gingen auf die Streife los.“Tristan nickte. „Ich habe das zweite Team näher an den See zurückgezogen. Amara ist noch in der Klinik bei dem Mädchen.“Das Mädchen. So nannten wir sie. Die, die sie letzte Nacht in der Nähe von Mondwasser gefunden hatten.

  • Der Mondschleierbund    Kapitel 2

    Kapitel 2ChanelIch wachte auf mit dem Geruch sauberer Bettlaken und etwas Scharfem wie Medizin. Mein Kopf fühlte sich schwer an. Die Decke über mir war weiß und schlicht. Kein Wald. Kein See. Ein Zimmer.Ich setzte mich zu schnell auf, und der Raum kippte. An meinem Arm waren immer noch diese Zeichen. Blasser jetzt, aber nicht weg. Jemand hatte den Schmutz von mir abgewaschen. Mich in weiche Kleidung gesteckt, die nicht meine war. Ein weites Hemd und eine Hose. Keine Schuhe.Neben dem Bett stand ein Stuhl und ein kleiner Tisch mit einem Glas Wasser. Ich trank alles in drei Schlucken. Meine Kehle fühlte sich wund an.Die Tür öffnete sich leise. Eine Frau trat ein. Dunkles Haar nach hinten gebunden. Freundliche Augen. Sie trug einen weißen Kittel über normaler Kleidung. Sie blieb stehen, als sie sah, dass ich wach war, und gab ein kleines Lächeln, das nicht drängte.„Hey. Langsam. Du bist hier in Sicherheit.“ Ihre Stimme war ruhig. Weich an den Rändern. „Ich bin Amara. Amara Quinn. Ic

More Chapters
Explore and read good novels for free
Free access to a vast number of good novels on GoodNovel app. Download the books you like and read anywhere & anytime.
Read books for free on the app
SCAN CODE TO READ ON APP
DMCA.com Protection Status