로그인Carys
Ich erinnere mich nicht, mein Telefon aufgehoben zu haben. Jemand muss es mir zurückgegeben haben, denn es war wieder in meiner Hand und der Bildschirm war gerade über das Gesicht der Frau gerissen. Ronan hatte sich erholt. Ich sah es geschehen, und das war der schlimmste Teil. Seine Schultern kamen wieder herunter. Seine Stimme kam wieder glatt. „Ich weiß, dass es Fragen gibt heute Abend“, sagte er. „Einige Fotos gehen herum. Ich werde kein Gerücht von einem Podium aus beantworten. Diese Anschuldigungen werden angesprochen werden, und ich werde das ordentlich tun. Danke euch allen fürs Kommen.“ Anschuldigungen. Er sagte es wie ein Mann, der einen Wetterbericht liest. Dann waren seine Mitarbeiter überall. Hände an meinen Ellbogen, an meinem Rücken. Jemand sagte „hierher, Mrs. Velier“ in einer Stimme, die zitterte. Die Blitze waren so hell, dass ich Flecken hinter meinen Lidern sah. Reporter schrien meinen Namen, meinen Vornamen, als wären wir Freunde. „Mrs. Velier, wussten Sie es? Mrs. Velier, wie fühlen Sie sich? Mrs. Velier, schauen Sie uns an.“ Ich schaute nicht. Ich hielt mein Gesicht leer. Kein Lächeln, kein Stirnrunzeln. Wenn ich irgendetwas darauf ließ, wusste ich, dass es alles herauskommen würde, genau dort vor Tausenden von Menschen und jeder Kamera an der Ostküste. Marlo, sein Stabschef, schob praktisch Leute mit seinem ganzen Körper beiseite. „Zurück. Zurück, bitte. Gebt ihnen Platz.“ Die Autotür öffnete sich. Ich stieg ein. Ronan stieg neben mir ein. Die Tür schloss sich, und der Lärm fiel weg, als hätte jemand eine Hand über den Mund der Welt gelegt. Der Fahrer fuhr los. Durch das getönte Glas konnte ich sie immer noch neben uns herlaufen sehen, Kameras gehoben, Münder offen. Ronan atmete aus. Lockere seine Krawatte mit zwei Fingern. Griff nach meiner Hand. Ich bewegte sie in meinen Schoß. „Carys.“ „Wer ist sie?“ Meine Stimme kam so eben heraus, dass sie mich erschreckte. Sie klang wie die von jemand anderem. „Lass uns das hier nicht machen. Lass uns nach Hause kommen, und wir setzen uns hin und...“ „Wer ist sie, Ronan?“ Er schaute auf den Hinterkopf des Fahrers. Dann auf mich. Ich beobachtete, wie er es abwog. Ich hatte ihn das tausendmal in Räumen voller Spender tun sehen, entscheiden, wie viel er geben und was er behalten sollte. Ich war nie einmal auf der anderen Seite davon gewesen. „Ihr Name ist Sloane“, sagte er leise. „Sloane Bellamy.“ Sloane. Ich drehte den Namen um. Er saß in meinem Geist wie ein Stein, der in einen Brunnen geworfen wurde, und ich wartete auf den Laut seines Auftreffens. „Sie ist jemand, den ich schon lange kenne“, sagte er. „Du hast ihren Sohn gehalten.“ „Carys.“ „Du hast ihn gehalten, Ronan. Und er hat dein Grübchen.“ Sein Kiefer spannte sich. Er rieb seinen Daumen über seine Knöchel, ein kleines Zeichen, von dem ich ihm nie gesagt hatte, dass ich es bemerkt hatte. „Es ist kompliziert.“ „Dann entkompliziere es.“ „Ich wollte nie, dass du es so herausfindest.“ Er beugte sich zu mir hin, und seine Stimme sank in den weichen Register, den er auf der Bühne benutzte, wenn er über mich sprach. „Du musst das glauben. Ich hätte es nie auf diese Weise herauskommen lassen, wenn ich irgendeine Wahl gehabt hätte.“ „Irgendeine Wahl.“ Ich lachte beinahe. Ein Laut krallte sich meine Kehle hinauf und ich schluckte ihn wieder hinunter. „Du hattest eine Wahl“, sagte ich. „Du hattest etwa acht Jahre an Wahlen.“ „Es ist nicht so einfach.“ „Dann sag es einfach.“ Er war still. Die Straßenlichter glitten über sein Gesicht, gold, dann dunkel, dann wieder gold. Ich schaute den Mann an, neben dem ich neun Jahre geschlafen hatte, und versuchte, den Fremden in ihm zu finden. Ich konnte es nicht. Er sah genau gleich aus. Das war es, was meine Haut kribbeln ließ. „Sie ist seit Jahren in meinem Leben“, sagte er schließlich. Jahre. Das Wort traf irgendwo unter meinen Rippen und breitete sich aus. Meine Hände waren kalt geworden. Ich schaute hinunter und sah sie zittern gegen die cremefarbene Seide, kleine feine Zuckungen, die ich nicht stoppen konnte, also drückte ich sie flach in meine Oberschenkel und hielt fest. „Jahre“, sagte ich. „Ich habe es nicht geplant. Es ist einfach...“ „Nicht.“ „Carys, bitte, hör mir zu. Ich war an einem schlechten Ort. Wir beide waren es. Nachdem wir ihn verloren hatten, warst du nicht mehr dieselbe, und ich war es nicht, und ich wusste nicht, wie ich dich erreichen sollte. Ich habe nie aufgehört, dich zu lieben. Ich brauche, dass du das hörst. Was auch immer du sonst heute Abend denkst, ich habe nie aufgehört.“ Ich starrte ihn an. Er hatte es so sanft gesagt. Er hatte es wie ein Geschenk gesagt. Alles, woran ich denken konnte, war der Badezimmerboden. Die kalte Fliese gegen meinen Rücken. Ronan, der neben mir im Dunkeln saß, Nacht für Nacht, sein Arm um meine Schultern, sagend „wir brauchen nichts anderes, wir haben einander, das ist genug für mich.“ Ich hatte in sein Hemd geweint, bis es durchtränkt war. Ich hatte ihm gedankt. Ich erinnere mich, ihm gedankt zu haben. Und irgendwo quer durch die Stadt gab es ein Haus mit einem kleinen Jungen darin, der mit dem Grübchen seines Vaters lachte. „Es tut mir leid“, sagte er. „Es tut mir so leid. Ich wollte dich nie verletzen. Wenn es einen anderen Weg gegeben hätte, schwöre ich bei Gott, ich hätte ihn genommen.“ Meine Augen brannten. Ich fixierte sie auf das Fenster, auf einen Verschwommenen von roten Rücklichtern, und ich blinzelte hart, einmal, zweimal, weil ich nicht vor ihm weinen würde. Nicht in diesem Auto. Nicht während er dort saß und mich ansah wie derjenige, dem Unrecht getan worden war. Meine Brust fühlte sich seltsam an. Hohl und zu eng zugleich, als hätte jemand hineingegriffen und etwas herausgezogen und die Form davon zurückgelassen. Ich drückte meine Finger gegen meine Perlen. Die, die er mir in dem Jahr gegeben hatte, in dem alles auseinanderfiel. Das Jahr, in dem alles auseinanderfiel. Ich drehte mich langsam zu ihm zurück. Ich zwang mich, sein Gesicht anzusehen, die blauen Augen, denen ich jeden Teil von mir anvertraut hatte. Meine Lippen zitterten. Ich ließ sie. Es gab nichts mehr zu verbergen. Ich dachte an das Baby auf dem zweiten Foto. Wie klein sie auf der Hüfte dieser Frau ausgesehen hatte. Ich dachte daran, wie alt mein eigener Sohn jetzt wäre. „Wie lange?“ flüsterte ich.CarysMein Herz schlug heftig in meiner Brust, während meine Augen die Worte wieder und wieder überflogen. Bevor ich es überhaupt durchdenken konnte, flogen meine Finger über den Bildschirm und wählten bereits die Nummer.Es klingelte einmal. Dann ein flacher Ton, und eine aufgezeichnete Frauenstimme, die sagte, die Nummer sei nicht in Betrieb.Ich versuchte es wieder. Und wieder, und wieder.Nichts.Mein Herz ging so hart, dass ich es in meinem Handgelenk sehen konnte. Ich drückte meine Handfläche flach gegen den Teppich und zwang mich zu atmen. Ein für vier. Aus für vier. Acht Jahre auf Bühnen stehen lehrten mich eine Sache, wenn nichts anderes. Wenn dein Körper weglaufen will, entscheidest du, wohin er geht.Ich schaute das Bild wieder an.Ein roter Regenmantel. Nasser Bürgersteig. Eine Hand, die seine hielt, so eng beschnitten, dass nur der Rand eines Ärmels übrig blieb. Ich zoomte hinein. Ein grauer Ärmel. Wolle, vielleicht. Hinter ihm, unscharf, die Ecke eines Backsteingebäudes
CarysIch schaute ihn einen langen Moment an.Dann legte ich die Rahmen ab, einen auf den anderen, sehr sorgfältig, als könnten sie noch zerbrechen.„Nein“, sagte ich.Ronan blinzelte. „Nein was?“„Nein. Ich werde nicht neben dir stehen.“„Carys...“„Bist du von Sinnen?“ Meine Stimme zitterte, aber darunter war sie fest. „Du hast die Frechheit, mich zu bitten, dir zu helfen, dein Gesicht zu reparieren? Heute Abend?“„Ich bitte dich zu denken.“„Ich denke. Es ist das erste Mal seit Jahren, glaube ich.“Sein Mund zog sich zusammen. „Du bist aufgebracht. Du wirst es am Morgen anders sehen.“„Ich werde es am Morgen genau so sehen.“„Du kannst nicht einfach davonlaufen. Die Leute werden erwarten, dass du da bist. Jeder wird zusehen, was du als Nächstes tust. Wenn du jetzt verschwindest...“„Dann lass sie zusehen.“Er starrte mich an. Ronan war es nicht gewohnt, so angeschaut zu werden. Ich sah es in seinen Augen landen, dieses winzige Flackern eines Mannes, der eine Tür prüft, die er immer
CarysRonan schaute zuerst weg. „Es ist noch nicht so lange her.“„Wie lange?“„Carys, es war ein Fehler. Das ist alles, was es war. Es begann als ein Fehler, und es ist einfach...“Ich lachte.Ich meinte es nicht so. Es kam aus mir hässlich und gerissen, und meine Schultern schüttelten sich davon, und ich drückte meine Hand so fest über meinen Mund, dass meine Zähne wehtaten.„Ein Fehler“, wiederholte ich. „Du hast einen Fehler gemacht.“„Ja.“„Ein Fehler hat keine zwei Kinder, Ronan. Ein Fehler hat keinen Geburtstag.“„Das ist nicht fair.“„Wie lange?“„Es ist schwer, eine Zahl auf so etwas zu setzen wie...“„WIE LANGE?“Meine Stimme prallte vom Glas ab. Die Augen des Fahrers huschten zum Spiegel und fielen wieder. Ronan senkte seine Stimme zu einem Flüstern, als wäre ich diejenige, die eine Szene machte.„Bitte. Nicht so laut.“Nicht so laut. Ich wollte sein Gesicht zerkratzen. Stattdessen spürte ich, wie die Tränen endlich überliefen, heiß und schnell, geradewegs meine Wangen hinu
CarysIch erinnere mich nicht, mein Telefon aufgehoben zu haben. Jemand muss es mir zurückgegeben haben, denn es war wieder in meiner Hand und der Bildschirm war gerade über das Gesicht der Frau gerissen.Ronan hatte sich erholt. Ich sah es geschehen, und das war der schlimmste Teil. Seine Schultern kamen wieder herunter. Seine Stimme kam wieder glatt.„Ich weiß, dass es Fragen gibt heute Abend“, sagte er. „Einige Fotos gehen herum. Ich werde kein Gerücht von einem Podium aus beantworten. Diese Anschuldigungen werden angesprochen werden, und ich werde das ordentlich tun. Danke euch allen fürs Kommen.“Anschuldigungen. Er sagte es wie ein Mann, der einen Wetterbericht liest.Dann waren seine Mitarbeiter überall. Hände an meinen Ellbogen, an meinem Rücken. Jemand sagte „hierher, Mrs. Velier“ in einer Stimme, die zitterte. Die Blitze waren so hell, dass ich Flecken hinter meinen Lidern sah. Reporter schrien meinen Namen, meinen Vornamen, als wären wir Freunde. „Mrs. Velier, wussten Sie e
CarysDie Kameras liebten mich heute Abend. Ich konnte es daran erkennen, wie viele von ihnen sich mir zuwandten, jedes Mal wenn Ronan nach meiner Hand griff.Ich hielt mein Kinn hoch und mein Lächeln weich, genau das, das ich acht Jahre lang im Spiegel geübt hatte. Nicht zu breit. Warm, aber niemals hungrig. Das cremefarbene Kleid, das er mochte, saß perfekt auf meinen Schultern, und die Perlen an meinem Hals waren die, die er mir in dem Jahr gegeben hatte, in dem alles auseinander.„Mrs. Velier! Hier herüber!“„Ma’am, schauen Sie hierher!“Ich schaute. Ich lächelte. Ich ließ Ronans Handfläche sich im kleinen meines Rückens niederlassen, wie er es immer tat, fest und sicher, und ich fühlte mich dankbar. Gott, ich fühlte mich so dankbar. Denn ich wusste genau, wo ich ohne diesen Mann gewesen wäre. Nicht hier. Vielleicht nirgendwo.Er führte mich die Stufen hinauf zur Bühne. Die Menge brüllte so laut, dass der Boden unter meinen Absätzen zu summen schien. Rot, weiß und blau überall. Ta







