LOGINFür einige Augenblicke bewegte sich niemand. Der Kampf war vorbei, doch die Stille fühlte sich kaum besser an als das Heulen der Wölfe zuvor. Überall im Haus und auf der Straße lagen die Körper der sechs Wolfssoldaten, während kalter Wind durch die offene Tür zog. Valarian saß auf dem Boden und presste eine Hand gegen seine Seite. Jeder Atemzug schmerzte. Goland lehnte schwer atmend an der Wand, Blut lief über seinen Arm und seine Kleidung war an mehreren Stellen aufgerissen. Elara hielt sich die Seite und Lily kniete zwischen ihnen, obwohl auch sie verletzt war.
„Wenn du noch fester zugreifst“, sagte Elara erschöpft, „wächst das Schwert irgendwann an deiner Hand fest.“
Goland sah auf seine blutige Hand. „Dann verliere ich es wenigstens nicht.“
Trotz ihrer Schmerzen musste Elara kurz grinsen. Lily kümmerte sich inzwischen um Valarians Wunde und legte beide Hände darauf. Ein schwaches Licht breitete sich aus.
„Du solltest dich zuerst um dich kümmern“, sagte Valarian.
„Und wer kümmert sich dann um euch?“
„Du bist verletzt.“
„Das weiß ich.“
Das Licht wurde stärker und Valarian biss die Zähne zusammen.
Goland stieß sich von der Wand ab und sah zur offenen Tür. „Wir können hier nicht bleiben. Varok ist verschwunden, aber ich glaube nicht, dass er weit weg ist.“
Valarian dachte an dessen letzte Worte.
Er wird von dir erfahren.
Er wusste noch immer nicht, wer damit gemeint war. Doch er hatte gesehen, wie Varoks Verhalten sich verändert hatte, als er die Klinge und das Zeichen an Valarians Hals bemerkte. Irgendjemand wusste, was sie bedeuteten. Und dieser Jemand wusste jetzt, dass Valarian existierte.
„Wir müssen die anderen Dörfer finden“, sagte Valarian.
Goland sah ihn ungläubig an. „Du kannst kaum stehen.“
„Die Menschen sind verschwunden.“
„Und du bist fast gestorben.“
Valarian sah zu seinen Freunden. „Wir alle sind fast gestorben.“
Niemand widersprach.
Lily ließ schließlich die Hände sinken. Ihr Gesicht war blass und Schweiß stand auf ihrer Stirn.
„Ich kann euch weiter versorgen“, sagte sie, „aber meine Kraft reicht nicht für einen weiteren Kampf.“
Damit war die Entscheidung gefallen. Sie mussten einen sicheren Ort finden.
Am Rand des Dorfes entdeckten sie einen alten Stall. Das Gebäude war beschädigt, doch die Mauern standen noch. Im Inneren fanden sie trockenes Heu und einige alte Vorräte. Es war nicht viel, aber für eine Nacht würde es reichen.
Goland setzte sich neben den Eingang und überprüfte sein Schwert.
„Wir machen kein Feuer“, sagte er.
Elara sah ihn an. „Ich wollte gerade vorschlagen, dass wir mitten in einem verlassenen Dorf ein großes Signalfeuer entzünden.“
Goland blickte kurz zu ihr.
„Du weißt, dass ich das ernst meine.“
„Leider ja.“
Valarian ließ sich auf dem Heu nieder. Lily setzte sich neben ihn und versorgte noch einmal seine Wunde, bevor sie sich selbst um ihre Verletzungen kümmerte. Für eine Weile sprach niemand. Nach dem Kampf war selbst Elara ungewöhnlich still.
Schließlich brach sie das Schweigen.
„Das Dunkle Tal.“
Goland sah zu ihr. „Was weißt du darüber?“
„Nicht viel. Die meisten Geschichten stammen aus sehr alten Büchern. Es soll nördlich der großen Berge liegen und irgendwann versiegelt worden sein.“
„Von wem?“, fragte Valarian.
Elara schüttelte den Kopf. „Das weiß niemand.“
„Und was lebt dort?“
Elara sah zur dunklen Landschaft außerhalb des Stalls.
„Kreaturen, die schon vor den Königreichen dort gewesen sein sollen. Alte Wesen. Manche Geschichten behaupten, dass sie nie wirklich verschwunden sind.“
Goland verschränkte die Arme. „Das hilft uns unglaublich.“
„Du hast gefragt.“
„Ich weiß.“
Eine Weile hörten sie nur den Wind.
Dann ertönten draußen Schritte.
Alle vier wurden sofort aufmerksam.
Goland griff nach seinem Schwert, während Valarian seine schwarze Klinge aufnahm. Lily erhob sich langsam und Elara hielt bereits eine Hand vor sich, bereit, Magie zu wirken.
Ein Mann erschien einige Meter vor dem Stall. Er war alt, trug einen dunklen Mantel und stützte sich auf einen langen Stock. Sein Blick wanderte zuerst über die Körper der Wolfssoldaten und blieb schließlich bei den vier Freunden hängen.
„Sechs“, sagte er ruhig. „Ihr habt sechs von ihnen getötet.“
Niemand antwortete.
Der Alte sah Valarian an. Dann fiel sein Blick auf dessen Kette.
Sein Gesicht veränderte sich.
„Woher hast du dieses Zeichen?“
Valarian umklammerte den Anhänger.
„Wer sind Sie?“
Der Mann machte einen Schritt nach vorne.
Goland hob sein Schwert. „Bleiben Sie stehen.“
Der Alte blieb stehen und lächelte schwach.
„Mein Name ist Eldran.“
Sein Blick wanderte erneut zu Valarians Kette.
„Keine Sorge. Ich bin nicht euer Feind.“
Valarian sah ihn misstrauisch an.
„Das haben heute schon andere behauptet.“
Eldran nickte langsam.
„Dann habt ihr einen guten Grund, mir nicht zu vertrauen.“
Seine Augen ruhten auf dem Hammeranhänger.
„Aber wenn ihr verstehen wollt, was gerade begonnen hat, solltet ihr mir trotzdem zuhören.“
Valarian sah zu seinen Freunden. Niemand sagte etwas.
Draußen wurde es langsam dunkel, während Eldran reglos vor dem Stall stand.
Und obwohl keiner von ihnen wusste, wer er wirklich war, spürte Valarian, dass dieser Mann mehr über das Dunkle Tal wusste, als er bereit war zu erzählen.
Für einige Augenblicke bewegte sich niemand. Der Kampf war vorbei, doch die Stille fühlte sich kaum besser an als das Heulen der Wölfe zuvor. Überall im Haus und auf der Straße lagen die Körper der sechs Wolfssoldaten, während kalter Wind durch die offene Tür zog. Valarian saß auf dem Boden und presste eine Hand gegen seine Seite. Jeder Atemzug schmerzte. Goland lehnte schwer atmend an der Wand, Blut lief über seinen Arm und seine Kleidung war an mehreren Stellen aufgerissen. Elara hielt sich die Seite und Lily kniete zwischen ihnen, obwohl auch sie verletzt war.„Wenn du noch fester zugreifst“, sagte Elara erschöpft, „wächst das Schwert irgendwann an deiner Hand fest.“Goland sah auf seine blutige Hand. „Dann verliere ich es wenigstens nicht.“Trotz ihrer Schmerzen musste Elara kurz grinsen. Lily kümmerte sich inzwischen um Valarians Wunde und legte beide Hände darauf. Ein schwaches Licht breitete sich aus.„Du solltest dich zuerst um dich kümmern“, sagte Valarian.„Und wer kümmert s
Weit im Norden, jenseits der großen Wälder und hinter den schwarzen Bergen, lag ein Ort, den die Menschen seit Jahrhunderten mieden.Das Dunkle Tal.Hohe Felswände ragten in den Himmel. Dichter Nebel kroch zwischen abgestorbenen Bäumen hindurch und selbst der Wind schien diesen Ort zu meiden. Zwischen den Bergen erhob sich eine gewaltige schwarze Festung. Dunkle Banner hingen von ihren Türmen, darauf ein Symbol, das in keinem menschlichen Königreich bekannt war.Hunderte Wölfe bewegten sich durch den Burghof.Einige waren gewöhnliche Bestien, andere trugen Rüstungen und Waffen. Sie standen nicht wie wilde Tiere zusammen. Sie waren eine Armee.Die großen Tore der Festung öffneten sich.Varok trat ein.Er durchquerte den Burghof, ohne die anderen Wölfe eines Blickes zu würdigen, und betrat schließlich den großen Saal im Inneren der Festung.Doch Varok war dort nicht allein.Links vom schwarzen Thron stand ein gewaltiger Riese. Seine Haut war von alten Narben übersät und selbst im Sitzen
Am nächsten Morgen brachen Valarian und seine Freunde früh auf. Die Sonne war noch nicht vollständig über den Bergen aufgegangen, als sie die Stadt hinter sich ließen und der Straße nach Norden folgten.Die Nachricht der Abenteurergilde hatte nur wenige Informationen enthalten. Mehrere Dörfer waren innerhalb kurzer Zeit verlassen worden. Es gab keine Berichte über Angriffe, keine Hinweise auf einen Krieg und keine Spuren eines Kampfes. Die Menschen waren einfach verschwunden.Die Reise nach Norden dauerte mehrere Tage. Mit jedem weiteren Kilometer wurden die Felder seltener, die Wälder dichter und die Temperaturen niedriger. Am Nachmittag des dritten Tages erreichten sie schließlich das erste Dorf.Kein Rauch stieg aus den Schornsteinen. Mehrere Türen standen offen, doch kein Mensch war zu sehen.Sie durchsuchten die ersten Häuser und fanden überall dasselbe Bild. Essen stand noch auf den Tischen, Kleidung lag auf Betten und in einem Haus war sogar ein Stuhl umgekippt. Es gab keine Sp
Der Weg zurück in die Stadt verlief deutlich ruhiger, als Valarian erwartet hatte. Nachdem sie sich weit genug von der alten Festung entfernt hatten, war das Grollen endgültig verstummt. Auch das gewaltige Hammersymbol über dem Eingang war verschwunden. Der Dungeon lag wieder still und verborgen zwischen den Bergen, als wäre dort nie etwas geschehen.Eine Weile sagte niemand etwas. Goland ging voraus, sein Schwert hing wieder an seinem Rücken, doch Valarian bemerkte, dass er sich immer wieder umdrehte und in Richtung der Berge sah. Lily lief neben Valarian, während Elara ein Stück hinter ihnen zurückgefallen war und nachdenklich auf ihre Hände blickte.„Also“, sagte Goland schließlich, „wir haben einen Dungeon betreten, Goblins getroffen, einen Drachen gefunden, Valarian hat eine seltsame Klinge geschmiedet und anschließend wurden wir von einer Gruppe bewaffneter Abenteurer angegriffen.“Lily musste lachen. „Wenn du es so aufzählst, klingt es wirklich verrückt.“Elara holte zu ihnen a
Der erste Bewaffnete machte einen Schritt nach vorne.Goland stellte sich sofort vor Lily und Elara. Licht begann sich um seine Hand zu sammeln, während sein Blick auf den Mann gerichtet blieb.„Ihr seid uns gefolgt“, sagte Valarian.Der Mann verzog keine Miene. Hinter ihm standen mindestens acht weitere Abenteurer. Einige trugen Schwerter, andere Speere. Sie hatten sich vor dem Eingang der alten Festung verteilt und versperrten ihnen den Weg.„Wir sind dem Ruf gefolgt“, antwortete der Mann.Valarian runzelte die Stirn. „Welchem Ruf?“Der Mann sah auf die schwarze Klinge in Valarians Hand.„Dem, was im Dungeon erwacht ist.“Für einen Moment sagte niemand etwas.Dann trat Elara etwas näher an Valarian heran.„Ich wusste es.“Goland sah kurz zu ihr. „Was wusstest du?“„Dass wir nicht einfach einen riesigen Drachen treffen und anschließend problemlos nach Hause gehen.“Lily schluckte. „Elara, vielleicht ist jetzt nicht der richtige Zeitpunkt.“„Wann wäre ein besserer?“„Am besten gar kei
Hinter der Tür lag ein Raum, der vollkommen anders aussah als alles, was sie zuvor gesehen hatten. In der Mitte stand ein schwarzer steinerner Amboss, auf dem eine unfertige Klinge lag. Sie bestand aus demselben schwarzen Metall, das Valarian in der Schmiede berührt hatte. Daneben lag ein alter Schmiedestempel, dessen Zeichen Valarian jedoch nicht kannte.Auf dem Amboss befand sich eine Inschrift.„WENN DER SCHMIED ZURÜCKKEHRT, WIRD DAS TOR WIEDER GEÖFFNET.“„Der Schmied“, murmelte Lily.Alle sahen Valarian an.Er trat näher an den Amboss und legte vorsichtig eine Hand auf die unfertige Klinge. Sofort begann das schwarze Metall zu leuchten. Blaues Licht zog sich durch die Oberfläche, während feine silberne Linien sichtbar wurden.Valarian wich überrascht zurück. „Das war nicht ich.“Elara hob eine Augenbraue. „Du hast sie angefasst.“Bevor Valarian antworten konnte, begann der gesamte Raum zu beben. Steine lösten sich aus der Decke und die Wände verschwammen, als würden sie sich im Wa







