MasukDer Weg zurück in die Stadt verlief deutlich ruhiger, als Valarian erwartet hatte. Nachdem sie sich weit genug von der alten Festung entfernt hatten, war das Grollen endgültig verstummt. Auch das gewaltige Hammersymbol über dem Eingang war verschwunden. Der Dungeon lag wieder still und verborgen zwischen den Bergen, als wäre dort nie etwas geschehen.
Eine Weile sagte niemand etwas. Goland ging voraus, sein Schwert hing wieder an seinem Rücken, doch Valarian bemerkte, dass er sich immer wieder umdrehte und in Richtung der Berge sah. Lily lief neben Valarian, während Elara ein Stück hinter ihnen zurückgefallen war und nachdenklich auf ihre Hände blickte.
„Also“, sagte Goland schließlich, „wir haben einen Dungeon betreten, Goblins getroffen, einen Drachen gefunden, Valarian hat eine seltsame Klinge geschmiedet und anschließend wurden wir von einer Gruppe bewaffneter Abenteurer angegriffen.“
Lily musste lachen. „Wenn du es so aufzählst, klingt es wirklich verrückt.“
Elara holte zu ihnen auf und deutete auf Valarians Gürtel. „Du hast dabei noch vergessen, dass unser Schmied aus unbekanntem Metall, einer Drachenklaue und einer Drachenschuppe eine Waffe gemacht hat.“
Valarian warf einen Blick auf die schwarze Klinge. „Das macht die Geschichte nicht gerade normaler.“
„Dann passt sie wenigstens zu uns“, sagte Elara.
Als sie die Stadt erreichten, stand die Sonne bereits hoch am Himmel. Auf dem Marktplatz herrschte reges Treiben. Händler riefen ihre Angebote aus, Kinder liefen zwischen den Ständen hindurch und aus einer nahegelegenen Bäckerei strömte der Duft von frischem Brot.
Lily blieb stehen. „Ich brauche etwas zu essen.“
Goland sah sie kurz an. „Nach allem, was heute passiert ist, überrascht mich das nicht.“
Wenig später saßen die vier an einem Tisch vor einer kleinen Taverne. Zum ersten Mal seit Beginn ihrer Reise konnten sie sich entspannen. Kein Dungeon wartete auf sie, keine Monster lauerten in dunklen Gängen und kein riesiger Drache beobachtete jede ihrer Bewegungen. Vor ihnen stand einfach nur Essen.
Elara hatte bereits ihr Buch hervorgeholt und blätterte darin, während die anderen sich unterhielten.
„Du kannst wirklich überall lesen“, bemerkte Goland.
Elara hob den Blick. „Man weiß nie, wann man etwas Wichtiges findet.“
„Und ich dachte, du liest nur, weil du neugierig bist.“
„Das bin ich auch.“
Lily lächelte. „Das wissen wir.“
Im Laufe des Nachmittags wurde die Stimmung immer ausgelassener. Goland erzählte von einem Kampf gegen ein besonders großes Wildschweinmonster, den er einige Monate zuvor erlebt hatte. Lily behauptete, das Tier sei bei Weitem nicht so groß gewesen, wie er es darstellte.
„Es war riesig“, sagte Goland.
„Du bist danach drei Tage lang mit Rückenschmerzen herumgelaufen“, erinnerte Lily ihn.
„Das lag nicht daran.“
Elara sah von ihrem Buch auf. „Natürlich nicht.“
Valarian konnte sich ein Lachen nicht verkneifen. Goland sah ihn gespielt beleidigt an, doch schließlich musste auch er grinsen.
Es war ein einfacher Nachmittag, und genau das tat ihnen gut. Keine Geheimnisse, keine Kämpfe und keine Fragen, auf die niemand eine Antwort hatte. Nur vier Freunde, die gemeinsam Zeit verbrachten.
Am späten Nachmittag trennten sie sich. Lily und Elara wollten zur Kirche zurückkehren, in der sie aufgewachsen waren und noch immer ein Zimmer hatten. Goland wollte seine Ausrüstung überprüfen, während Valarian sich auf den Weg zur Schmiede machte.
Als er die Tür öffnete, stand Aldren am Amboss. Der Schmied arbeitete an einer Klinge, doch seine Bewegungen verlangsamten sich, als er Valarian bemerkte. Sein Blick fiel auf die schwarze Waffe an dessen Gürtel.
Valarian blieb stehen. „Ich weiß. Wir müssen reden.“
Aldren hob langsam den Blick. „Ja.“
Valarian wartete auf Fragen oder Vorwürfe, doch sein Onkel sagte zunächst nichts.
„Du willst nicht wissen, was passiert ist?“
„Doch“, antwortete Aldren ruhig. „Aber manche Geschichten sollte man erst erzählen, wenn derjenige, der sie hören muss, bereit dafür ist.“
Valarian verstand nicht, was er damit meinte. Bevor er weiterfragen konnte, klopfte es an der Tür.
Goland stand draußen. Neben ihm warteten Lily und Elara.
„Das hier kam gerade bei der Abenteurergilde an“, sagte Goland und reichte Valarian ein zusammengefaltetes Blatt.
Valarian nahm es entgegen und überflog die wenigen Zeilen.
GESUCHT WERDEN ABENTEURER FÜR EINE REISE NACH NORDEN. MEHRERE DÖRFER SIND INNERHALB WENIGER TAGE VERSCHWUNDEN.
Valarian sah zu den anderen.
„Keine zerstörten Häuser?“
„Keine“, antwortete Lily. „Keine Leichen. Die Dörfer sind einfach leer.“
Elara verschränkte die Arme. „Und die Gilde weiß nicht, warum.“
Valarian blickte erneut auf die Nachricht. Unwillkürlich dachte er an den Dungeon, den Drachen und die schwarze Klinge an seinem Gürtel. Vielleicht wartete im Norden eine Antwort.
Oder nur die nächste Frage.
Valarian faltete das Blatt zusammen. „Dann brechen wir morgen früh auf.“ Goland nickte, Lily seufzte ergeben und Elara steckte bereits ihr Buch ein. Die Entscheidung war gefallen. Gemeinsam würden sie nach Norden aufbrechen.
Ein tiefes Dröhnen lief durch die Festung, als sich die zweite Tür irgendwo unter ihnen weiter öffnete. Der Boden vibrierte unter ihren Füßen, und aus den Rissen zwischen den schwarzen Steinen drang ein schwaches, bläuliches Licht.Valarian blickte in den dunklen Durchgang vor sich. Der Anhänger in seiner Hand wurde immer wärmer, während das Hammerzeichen an der Wand heller leuchtete.„Wir müssen dort hinein“, sagte er und deutete auf den Durchgang.Goland nickte, doch bevor einer von ihnen den ersten Schritt machen konnte, ertönte hinter ihnen ein gewaltiger Schrei.Es war Elara.Ihre Magie hatte sich erneut verändert. Schwarze und violette Energie wirbelte um ihren Körper und schoss in unregelmäßigen Wellen durch die Höhle.Lily rannte sofort zu ihr und legte ihr beide Hände auf die Schultern.„Elara, hörst du mich?“Elara antwortete nicht. Ihre Augen waren geschlossen, während sich die Energie um sie herum immer weiter verdichtete.Lily versuchte, ihre Heilmagie einzusetzen, doch d
Niemand bewegte sich.Das Wort des Wesens hallte noch immer durch die gewaltige Höhle und schien sich zwischen den schwarzen Felsen festzusetzen.„Kinder.“Valarian hielt sein Schwert fest in der Hand, während die blaue Flamme an der Klinge unruhig flackerte. Neben ihm standen Goland, Lily und Elara, ebenfalls bereit für einen Angriff. Doch keiner von ihnen wagte den ersten Schritt.Das Wesen sah sie weiterhin an.Nicht wie einen Feind, der auf den richtigen Moment für einen Angriff wartete, sondern wie jemanden, der sich an etwas erinnerte, das lange zurücklag.Valarian durchbrach schließlich die Stille.„Woher kennst du uns?“Das Wesen antwortete nicht. Stattdessen senkte es langsam den Kopf und richtete seinen Blick auf Valarians Hals.Auf den Anhänger.Im selben Moment begann das Hammerzeichen zu leuchten.Valarian griff danach und hielt den Anhänger zwischen seinen Fingern.„Was hat das zu bedeuten?“Der Wächter trat einen Schritt vor.„Nimm ihn ab.“Valarian sah ihn misstrauisch
Der erste Schlag ließ die Tore der schwarzen Festung erzittern.Goland stand direkt davor und hielt sein Schwert fest in der Hand.Hinter ihm standen Lily und Elara.„Bereit?“, fragte Goland.Lily nickte.Elara sah auf ihre Hände. Ihre Magie flackerte bereits zwischen ihren Fingern.„Nein“, sagte sie leise.Goland sah sie an.„Was?“„Ich weiß nicht, was dort drin auf uns wartet.“Goland wandte sich wieder dem Tor zu.„Ich weiß schon.“Er hob sein Schwert.„Valarian.“Der zweite Schlag traf.Das Tor bekam einen langen Riss.Lily schloss kurz die Augen.„Ich kann ihn spüren.“Goland sah sie an.„Wie weit?“„Tief.“Ein weiterer Schlag ließ das Tor erzittern.Es brach auseinander.Schwarze Rüstungen erschienen im Rauch.Wolfsoldaten.Dutzende.Goland machte den ersten Schritt.„Dann holen wir ihn.“Die Wolfsoldaten stürmten auf sie zu.Goland fing den ersten Angriff ab.Sein Schwert krachte gegen die Klinge des Gegners.Lily hob ihre Hand.Ein heller Lichtstrahl traf einen zweiten Soldate
Valarian stand bis zu den Knien im schwarzen Wasser.Am anderen Ende des Tunnels bewegten sich drei Gestalten auf ihn zu.Schwarze Rüstungen.Schwere Waffen.Auf ihren Brustpanzern prangte das Zeichen des Wolfes.Wolssoldaten.Valarian wich langsam zurück.Der Wächter blieb regungslos.„Wer sind sie?“„Diener desjenigen, der dich hierherbringen ließ.“Valarian sah ihn an.„Varok?“Der Wächter schüttelte langsam den Kopf.„Varok dient nur einem anderen.“Valarian wollte weiterfragen.Doch plötzlich stürmte der erste Soldat auf ihn zu.Die schwarze Klinge raste auf seinen Kopf zu.Valarian sprang zur Seite.Die Waffe schlug ins Wasser und schleuderte eine Welle gegen die Felswand.Valarian zog sein Messer.Der Soldat griff erneut an.Valarian blockte.Der Schlag war so stark, dass sein Arm sofort taub wurde.Er stolperte zurück.Der Soldat setzte nach.Valarian duckte sich unter der Klinge hinweg und rammte ihm die Schulter gegen die Brust.Der Soldat taumelte.Valarian nutzte den Momen
Der Morgen war längst angebrochen, doch für Goland fühlte es sich noch immer wie Nacht an.Er stand auf einer Anhöhe und blickte über das Tal.Unter ihm lag der Wald, durch den sie in der vergangenen Nacht geflohen waren. Nebel hing zwischen den Bäumen und bedeckte die Erde wie ein grauer Schleier.Lily saß einige Schritte entfernt auf einem umgestürzten Baumstamm. Ihre Hände lagen auf ihren Knien.Elara hingegen lief unruhig hin und her.Seit Valarian verschwunden war, hatte kaum einer von ihnen geschlafen.„Wir müssen zurück“, sagte Elara.Goland drehte sich zu ihr um.„Nein.“„Dann lass uns wenigstens herausfinden, wohin sie ihn gebracht haben.“„Das werden wir.“Elara blieb stehen.„Und wie?“Goland antwortete nicht sofort.Sein Blick wanderte zurück in Richtung des Tals.Dort hatten die Wolfsoldaten Valarian mitgenommen.Er hatte versucht, ihnen zu folgen.Doch die Zahl der Gegner war zu groß gewesen.Noch immer ärgerte er sich darüber.Goland war es gewohnt, der Stärkste zu sein
Valarian stand regungslos vor der geöffneten Tür.Das Geräusch der Schritte war verstummt.Nur die blauen Flammen der Esse brannten noch hinter ihm und warfen ein kaltes Licht auf den steinernen Boden.Valarian wusste nicht, was ihn hinter dieser Tür erwartete.Doch eines wusste er.Er konnte nicht zurück.Die Wachen hatten ihn hierhergebracht und anschließend allein gelassen. Wenn sie gewollt hätten, dass er lebend zurückkehrte, hätten sie ihn nicht in diese Halle geführt.Er legte eine Hand auf den Griff seines Messers.Es war keine besonders starke Waffe. Eigentlich war es kaum mehr als ein Werkzeug, das er früher in der Schmiede benutzt hatte.Trotzdem gab es ihm ein wenig Sicherheit.Valarian trat durch die Tür.Sofort verschwand das blaue Licht hinter ihm.Die Dunkelheit war vollkommen.Er hob eine Hand vor sein Gesicht.Nichts.Nicht einmal seine eigenen Finger konnte er erkennen.Dann spürte er etwas unter seinen Füßen.Der Stein bewegte sich.Valarian blieb stehen.Ein leises







