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Ein ruhiger Tag

Author: Veloxis
last update publish date: 2026-09-07 02:39:53

Der Weg zurück in die Stadt verlief deutlich ruhiger, als Valarian erwartet hatte. Nachdem sie sich weit genug von der alten Festung entfernt hatten, war das Grollen endgültig verstummt. Auch das gewaltige Hammersymbol über dem Eingang war verschwunden. Der Dungeon lag wieder still und verborgen zwischen den Bergen, als wäre dort nie etwas geschehen.

Eine Weile sagte niemand etwas. Goland ging voraus, sein Schwert hing wieder an seinem Rücken, doch Valarian bemerkte, dass er sich immer wieder umdrehte und in Richtung der Berge sah. Lily lief neben Valarian, während Elara ein Stück hinter ihnen zurückgefallen war und nachdenklich auf ihre Hände blickte.

„Also“, sagte Goland schließlich, „wir haben einen Dungeon betreten, Goblins getroffen, einen Drachen gefunden, Valarian hat eine seltsame Klinge geschmiedet und anschließend wurden wir von einer Gruppe bewaffneter Abenteurer angegriffen.“

Lily musste lachen. „Wenn du es so aufzählst, klingt es wirklich verrückt.“

Elara holte zu ihnen auf und deutete auf Valarians Gürtel. „Du hast dabei noch vergessen, dass unser Schmied aus unbekanntem Metall, einer Drachenklaue und einer Drachenschuppe eine Waffe gemacht hat.“

Valarian warf einen Blick auf die schwarze Klinge. „Das macht die Geschichte nicht gerade normaler.“

„Dann passt sie wenigstens zu uns“, sagte Elara.

Als sie die Stadt erreichten, stand die Sonne bereits hoch am Himmel. Auf dem Marktplatz herrschte reges Treiben. Händler riefen ihre Angebote aus, Kinder liefen zwischen den Ständen hindurch und aus einer nahegelegenen Bäckerei strömte der Duft von frischem Brot.

Lily blieb stehen. „Ich brauche etwas zu essen.“

Goland sah sie kurz an. „Nach allem, was heute passiert ist, überrascht mich das nicht.“

Wenig später saßen die vier an einem Tisch vor einer kleinen Taverne. Zum ersten Mal seit Beginn ihrer Reise konnten sie sich entspannen. Kein Dungeon wartete auf sie, keine Monster lauerten in dunklen Gängen und kein riesiger Drache beobachtete jede ihrer Bewegungen. Vor ihnen stand einfach nur Essen.

Elara hatte bereits ihr Buch hervorgeholt und blätterte darin, während die anderen sich unterhielten.

„Du kannst wirklich überall lesen“, bemerkte Goland.

Elara hob den Blick. „Man weiß nie, wann man etwas Wichtiges findet.“

„Und ich dachte, du liest nur, weil du neugierig bist.“

„Das bin ich auch.“

Lily lächelte. „Das wissen wir.“

Im Laufe des Nachmittags wurde die Stimmung immer ausgelassener. Goland erzählte von einem Kampf gegen ein besonders großes Wildschweinmonster, den er einige Monate zuvor erlebt hatte. Lily behauptete, das Tier sei bei Weitem nicht so groß gewesen, wie er es darstellte.

„Es war riesig“, sagte Goland.

„Du bist danach drei Tage lang mit Rückenschmerzen herumgelaufen“, erinnerte Lily ihn.

„Das lag nicht daran.“

Elara sah von ihrem Buch auf. „Natürlich nicht.“

Valarian konnte sich ein Lachen nicht verkneifen. Goland sah ihn gespielt beleidigt an, doch schließlich musste auch er grinsen.

Es war ein einfacher Nachmittag, und genau das tat ihnen gut. Keine Geheimnisse, keine Kämpfe und keine Fragen, auf die niemand eine Antwort hatte. Nur vier Freunde, die gemeinsam Zeit verbrachten.

Am späten Nachmittag trennten sie sich. Lily und Elara wollten zur Kirche zurückkehren, in der sie aufgewachsen waren und noch immer ein Zimmer hatten. Goland wollte seine Ausrüstung überprüfen, während Valarian sich auf den Weg zur Schmiede machte.

Als er die Tür öffnete, stand Aldren am Amboss. Der Schmied arbeitete an einer Klinge, doch seine Bewegungen verlangsamten sich, als er Valarian bemerkte. Sein Blick fiel auf die schwarze Waffe an dessen Gürtel.

Valarian blieb stehen. „Ich weiß. Wir müssen reden.“

Aldren hob langsam den Blick. „Ja.“

Valarian wartete auf Fragen oder Vorwürfe, doch sein Onkel sagte zunächst nichts.

„Du willst nicht wissen, was passiert ist?“

„Doch“, antwortete Aldren ruhig. „Aber manche Geschichten sollte man erst erzählen, wenn derjenige, der sie hören muss, bereit dafür ist.“

Valarian verstand nicht, was er damit meinte. Bevor er weiterfragen konnte, klopfte es an der Tür.

Goland stand draußen. Neben ihm warteten Lily und Elara.

„Das hier kam gerade bei der Abenteurergilde an“, sagte Goland und reichte Valarian ein zusammengefaltetes Blatt.

Valarian nahm es entgegen und überflog die wenigen Zeilen.

GESUCHT WERDEN ABENTEURER FÜR EINE REISE NACH NORDEN. MEHRERE DÖRFER SIND INNERHALB WENIGER TAGE VERSCHWUNDEN.

Valarian sah zu den anderen.

„Keine zerstörten Häuser?“

„Keine“, antwortete Lily. „Keine Leichen. Die Dörfer sind einfach leer.“

Elara verschränkte die Arme. „Und die Gilde weiß nicht, warum.“

Valarian blickte erneut auf die Nachricht. Unwillkürlich dachte er an den Dungeon, den Drachen und die schwarze Klinge an seinem Gürtel. Vielleicht wartete im Norden eine Antwort.

Oder nur die nächste Frage.

Valarian faltete das Blatt zusammen. „Dann brechen wir morgen früh auf.“ Goland nickte, Lily seufzte ergeben und Elara steckte bereits ihr Buch ein. Die Entscheidung war gefallen. Gemeinsam würden sie nach Norden aufbrechen.

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